Beschulung von Kindern polnischen Volkstums

Der Reichsstatthalter im Reichsgau Wartheland schreibt an den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung betreffend der Beschulung von Kindern polnischen Volkstums, 23. Juni 1942

Dokument Nr. 113

Der Reichsstatthalter                                          Posen, den 23. Juni 1942

im Reichsgau Wartheland

III/2

1) An den Herrn

Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Berlin W8 Unter den Linden 69

Betrifft: Beschulung von Kindern polnischen Volkstums.

Bezug: Erlasse vom 4. Dezember 1541 - E II a 34 b (Kattowitz) 1/41, E III, E IV,

E V, Z III - bzw. vom 24. Februar 1942 - E II a 34 b (Polen) 2/42. - Berichterstatter: Oberregierungsrat Uliczka. Mitberichterstatter: Oberschulrat Dr. Wiggert i. V.

Für die nicht in der Deutschen Volksliste erfaßten Kinder - Polenkinder - sind Schulen mit polnischer Unterrichtssprache bisher überhaupt nicht eingerichtet und von mir auch nicht beabsichtigt. Die Beschulung dieser Kinder erfolgt in Überein­stimmung mit dem Landesarbeitsamt an Schulen mit deutscher Unterrichtssprache, die nicht über den Stoff der Grundschule hinausreichen und sich im wesentlichen mit den Elementen der deutschen Sprache und des Rechnens begnügen. Einge­schult werden mit Beginn des neuen Schuljahrs die 9-14 jährigen Polenkinder (bisher 7-12 jährige), um den unmittelbaren Anschluß an den Arbeitseinsatz sicherzustellen. Ziel der Schulausbidung soll die Fähigkeit sein, einfache schriftliche Arbeitsanweisungen lesen und verstehen und leichtere Berechnungen durchführen zu können. Ein entsprechender Ausbildungsplan (Stoffplan) ist in Vorbereitung. Als Lehrkräfte arbeiten in diesen Schulen grundsätzlich Volksdeutsche Laienlehr­kräfte ohne jede Vorbildung. Die Einstellung von polnischen Lehrkräften kommt nicht in Frage. Die bisher mit der Einrichtung derartiger Schulen gemachten Erfah­rungen sind durchweg günstig. Trotzdem wird sie aus Mangel an genügenden Lai­enlehrkräften, vor allem aber an Schulräumen während der Dauer des Krieges nur beschränkt durchgeführt werden können. Im Regierungsbezirk Posen wurden zwar bisher bis zu 70.000 polnische < - 2 - > Kinder jährlich beschult; im Regierungsbezirk Hohensalza beschränkt sich diese Möglichkeit aber auf einige wenige größere Städte, und im Regierungsbezirk Litzmannstadt konnte aus d. oben angeführten Gründen überhaupt noch kein polnisches Kind eingeschult werden.

Wegen der Einschulung der Kinder aus der Zwischenschicht (Volkslistengruppe 3 und 4) schweben noch abschließende Verhandlungen insbe­sondere über die Zulassung zu den Hauptschulen mit meinem Referat für Volkstumsangelegenheiten. Über das Ergebnis werde ich berichten, sobald diese abge­schlossen sind.

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3) Wvl. am 1. August 1942 (wegen neuer allgemeiner Anordnung des Reichskommissars für die Festigung des Deutschen Volkstums - vergl. Schreiben von 1/50 vom 3. Juni 1942).

2) Herrn Ref. III/2 z.K.

(AFP, Reichsstatthalter 2348, Bl. 146 -147)

Quelle
Beschulung von Kindern polnischen Volkstums, in: Hansen, Georg (Hrsg.): Schulpolitik als Volkstumspolitik. Quellen zur Schulpolitik der Besatzer in Polen 1939-1945, Münster 1994, S. 226. 
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Erstellt
19.06.2012 
Zuletzt geändert
08.02.2018 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Beschulung von Kindern polnischen Volkstums, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Deutsche Besatzungspolitik in Polen 1939-1945", bearb. von Markus Roth. URL: https://www.herder-institut.de/resolve/qid/1126.html (Zugriff am 08.04.2020)