„Polnische und ukrainische Bauern und Bäuerinnen beim Generalgouverneur”

Krakauer Zeitung berichtet über „Polnische und ukrainische Bauern und Bäuerinnen beim Generalgouverneur”, 26. Oktober 1943

Polnische und ukrainische Bauern und Bäuerinnen beim Generalgouverneur

Enge Verbundenheit der Regierung des Generalgouvernements mit den arbeitenden breiten Schichten im Nebenland des Reiches - Loyale Mitarbeit erneut von Dr. Frank anerkannt - Empfang auf der Burg

Krakau, 26. Oktober

Aus Anlaß des vierten Jahrestages des Generalgouvernements empfing Generalgouverneur Reichsminister Dr. Frank in Anwesenheit der Staatssekretäre Dr. Bühler und Dr. Boepple auf der Burg Abordnungen polnischer und ukrainischer Bauern, die ihm Erntegaben überreichten. Die Abordnungen waren in den landesüblichen bunten Trachten erschienen. Zunächst wurden polnische Bauern und Bäuerinnen empfangen, die unter Führung eines Gutsbesitzers auf dem Burghof Aufstellung genommen hatten. Eine polnische Bauernkapelle in langen weißen Wollmänteln und roten Barretts brachte eine Anzahl von Volksliedern zu Gehör. Dann sprach der Generalgouverneur zu den Versammelten. Die ukrainische Abordnung wurde geführt von dem Vorsitzenden des ukrainischen Hauptausschusses, Prof. Kubyjowytsch. Beide Delegationen wurden dem Generalgouverneur durch den Präsidenten der Hauptabteilung Ernährung und Landwirtschaft in der Regierung des Generalgouvernements, Naumann, vorgestellt. Der Generalgouverneur unterhielt sich mit den Bauern und Bäuerinnen und lud sie hernach ein, als seine Gäste einige Zeit auf der Burg zu weilen. Es ist das erste Mal, daß ein solcher Empfang in dem Historischen Gebäude stattfand. Darin symbolisiert sich die Verbundenheit der Regierung des Generalgouvernements mit den schaffenden und arbeitenden breiten Schichten der Bevölkerung dieses Nebenlandes, die, wie oft anerkannt worden ist, durch ihre loyale Mitarbeit ihren Beitrag im Kampfe für die Befreiung Europas von der Gefahr der Überflutung durch den Bolschewismus geleistet hat und leistet.

Bei herrlichem herbstlichem Sonnenschein gab der große Arkadenhof der Burg einen äußerst wirkungsvollen Rahmen für den Empfang der Bauern und Bäuerinnen aus dem Generalgouvernement ab. Präsident Naumann wies darauf hin, daß Millionen fleißiger Hände der Landbevölkerung unter deutscher Führung die Ernte des Jahres 1943 eingebracht hätten, die jetzt an Tausende von Erfassungsstellen abgeliefert werde, um die Versorgung der Bevölkerung des Landes sicherzustellen und auch den Beitrag dieses Raumes für den europäischen Befreiungskampf zu erstellen. Die Erträge der Ernährungswirtschaft seien dank der im Laufe der letzten vier Jahre durch den Generalgouverneur getroffenen Maßnahmen und der willigen Mitarbeit der Landbevölkerung ständig gesteigert worden. Generalgouverneur Reichsminister Dr. Frank hieß zunächst die polnische Abordnung willkommen und sprach den Bauern des Landes seine Anerkennung für ihre saubere und fleißige Arbeit aus. Mit treuer Hingabe und großem Fleiß hätten sie die Felder bestellt, das Vieh gezüchtet und die Ernte eingebracht. Durch nichts sei die Ruhe der stetigen Arbeit gefährdet worden. Der Generalgouverneur wies dann auf die furchtbaren Gefahren hin, die der Bolschewismus für die gesamte europäische Kultur bedeutet, deren Vernichtung sein Ziel ist. In dem Kampf gegen den Bolschewismus kämpfe auch die Bevölkerung dieses Raumes mit. Tausende und aber Tausende polnischer Arbeiter seien in den Fabriken tätig, arbeiteten im Dienste der Eisenbahn, schafften mit in der Verwaltung, und insbesondere die polnischen Bauern und Bäuerinnen täten ihre Pflicht bei der Erfüllung ihrer wichtigen Aufgaben. Seit dem 1. September d. J., sei es möglich gewesen, die Ernährung der Gesamtbevölkerung des Generalgouvernements ausreichend zu regeln, wodurch sich die Lebensverhältnisse der Bevölkerung wesentlich gebessert hätten.

Der ukrainischen Abordnung, die darauf den Burghof betrat, gehörten zahlreiche Bauern und Bäuerinnen an, die am eigenen Leibe die Mißwirtschaft des bolschewistischen Systems erfahren hatten. Wie Präsident Naumann betonte, hat der hervorragende Einsatz der ukrainischen Landbevölkerung unter deutscher Führung die Mißwirtschaft, die als Erbe der Bolschewisten in Galizien beim Eintreffen der deutschen Truppen herrschte, zu beseitigen geholfen. Dort, wo früher Brache lag, würden jetzt Hackfrüchte gebaut und Getreide erzeugt. Die Ablieferung der Ernteergebnisse in diesen Gebieten sei jetzt in vollem Gange. Nachdem ein gemischter ukrainischer Chor, der in bunten Landestrachten erschienen war, mehrere Volkslieder zum Vortrag gebracht und nachdem der Generalgouverneur die Früchte des Landes, die in den großen buntgeschmückten Körben überreicht wurden, entgegengenommen hatte, richtete der Vorsitzende des ukrainischen Hauptausschusses, Prof. O. Kubyjowytsch, eine Ansprache an den Generalgouverneur. Er wies dabei darauf hin, daß die Ukrainer das Erntedankfest stets als einen besonders wichtigen Tag empfunden haben. Dies sei naheliegend, da das ukrainische Volk zum Großteil ein Agrarvolk sei und in seiner Volkskultur das landwirtschaftliche Element in den Vordergrund stelle. Die ukrainische Bevölkerung des Generalgouvernements, besonders die ukrainische Bauernschaft, spreche ihren Dank aus für Förderung, die ihr von seiten der Regierung zuteil geworden sei. Ihren Stolz und ihre ganze Kraft würde sie darin setzen, möglichst gute Ergebnisse im Rahmen der Erzeugungsschlacht zu erzielen. Der ukrainische Bauer wisse, daß er durch seine Leistung einen unentbehrlichen Beitrag zum geschichtlichen Kampf gegen den größten Feind Europas zu leisten habe. Diese Einstellung des ukrainischen Volkes fände auch ihren Ausdruck bei der Freiwilligenmeldung zur SS-Schützendivision Galizien. Der Sprecher der ukrainischen Abordnung dankte dem Generalgouverneur dann für den Ausbau des ukrainischen Schulwesens, für die Erhöhung der Lebensmittelrationen, für die Hebung der Landwirtschaft und für die in schnellem Tempo durchgeführte Reprivatisierungsaktion in Galizien.

Generalgouverneur Dr. Frank dankte für die Geschenke, die ihm überreicht wurden, und sprach auch dem Sprecher der ukrainischen Delegation seinen Dank für die an ihn gerichteten Worte aus. Er wies dann kurz auf die Geschichte des ukrainischen Volkes hin und betonte, daß es sein Bemühen gewesen sei, dem ukrainischen Volkstum im Generalgouvernement so weit als möglich volle Gerechtigkeit, volle Lebenssicherheit und volle Entwicklung seiner Kultur zuteil werden zu lassen. Dieser Weg werde auch in Zukunft weiter verfolgt werden. Er dankte dann der ukrainischen Bevölkerung für ihr pflichtbewußtes Verhalten und insbesondere den Bauern für den Fleiß und Eifer bei der Bewältigung der Erntearbeit und gab seiner Freude Ausdruck, daß die Mitglieder der SS-Schützendivision sich soldatisch bei ihrem Einsatz bewährten. — Die ukrainischen Bauern waren dann genau so wie vor ihnen die Vertreter des polnischen Landvolkes Gäste des Generalgouverneurs und unterhielten sich mit ihm und seinen Mitarbeitern in ungezwungener Weise in den Räumen der Burg.

Quelle
„Polnische und ukrainische Bauern und Bäuerinnen beim Generalgouverneur”, in: Krakauer Zeitung, 26.10.1943 
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Erstellt
06.06.2012 
Zuletzt geändert
16.01.2018 

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„Polnische und ukrainische Bauern und Bäuerinnen beim Generalgouverneur”, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Deutsche Besatzungspolitik in Polen 1939-1945", bearb. von Markus Roth. URL: https://www.herder-institut.de/resolve/qid/1074.html (Zugriff am 05.12.2019)