Hans Frank erläutert die Versorgungskategorien im Generalgouvernement

Generalgouverneur Hans Frank erläutert die Versorgungskategorien im Generalgouvernement in einer Arbeitssitzung anlässlich der Anwesenheit des Staatssekretärs Herbert Backe, 23.4.1940

23.4.1940 Arbeitssitzung anlässlich der Anwesenheit des Staatssekretärs Backe [.Krakau Prot.; 30 S.]

[Nach Begrüßung durch Frank erläutert StS Backe vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Ernährungs- und Versorgungssituation des Reiches, der besetzten Gebiete und des Generalgouvernements besonders auf dem Zucker-, Bier-, Getreide-, Fett- und Fleischsektor.

Frank dankt StS Backe und erläutert die Versorgungskategorien im Generalgouver­nement :]

Was die verschiedenartige Behandlung der Bevölkerungsgruppen angeht, so besteht hier zunächst das Problem der Volksdeutschen, die künftig den Reichsdeutschen gleich behandelt werden müßten. Die Mitglieder der Volksdeutschen Gemeinschaft müssen künftig die gleichen Rationen bekommen wie die Reichsdeutschen, ein Unterschied kann hier nicht mehr gemacht werden. Bisher haben wir auf dem Standpunkt gestanden, daß die Volksdeutschen sich erst einmal an den deutschen Standard gewöhnen müssen. Ich habe sie aber jetzt am Geburtstag des Führers in die deutsche Volksgemeinschaft aufgenommen.

Die Juden interessieren mich überhaupt nicht. Ob die etwas zu futtern haben oder nicht, ist für mich die allerletzte Frage. Die zweite Kategorie sind die Polen an sich, soweit ich sie nicht gebrauchen kann.

Diese Polen werde ich so ernähren, daß an sie dasjenige, was übrig bleibt und was wir zur Verfügung haben, verteilt wird, im übrigen verweise ich die Polen auf ihre Selbsthilfe und sage ihnen: den Krieg haben wir nicht verschuldet. Die Polen inter­essieren mich nur insofern, als ich in ihnen ein Reservoir von Arbeitskräften sehe, aber nicht in der regierungsmäßigen verpflichtenden Form, daß ich einen Garantie­schein dafür ausgebe, daß sie so und so viel erhalten - wir sprechen nicht von Ratio­nen der Polen, sondern nur von den Möglichkeiten der Ernährung. Nun kommen wir der eigentlichen Versorgung immer näher, und hier steht es tatsächlich nicht so schlecht. Wir haben im Generalgouvernement drei Kategorien der Bevölkerung: Das sind die Ukrainer, die wir einigermaßen gut behandeln müs­sen. Ihre Zahl beträgt ungefähr 600 bis 700000 Menschen. Soweit sie nicht Selbstver­sorger sind, werden wir für sie eine gewisse Versorgungsgarantie aus Gründen übernehmen, die auch in unserer Polenpolitik liegen.

Dann kommt die nächste Kategorie in Frage, für die wir auch noch eine Verpfle­gungsgarantie übernehmen; das sind zunächst die Polen, für die wir sorgen müssen, weil wir, d. h. das Deutsche Reich, einen Nutzen davon haben. Es sind die von uns in den Beamtenapparat eingereihten polnischen Beamten, Angestellten der Betriebe, der Polizei, der Eisenbahn, der Post usw. Für die Landarbeiter müssen wir schon, um den Zwiespalt im polnischen Volke aufrecht zu erhalten, einigermaßen sorgen. Wir sagen ihnen: ihr bekommt, wenn ihr arbeitet, einen ausreichenden Lebensunter­halt - ausreichend im Sinne des Lebensstandards der Polen, d. h. im Sinne des Ver­fügbaren. Wir geben keine Garantie auf Brot, sondern einen Anspruch darauf, daß der polnische Arbeiter, wenn er im Betrieb steht, jeden Mittag eine warme Mahlzeit erhält, ohne daß wir uns damit auf eine bestimmte Art des Essens festlegen. Hier würde ich also eine Kategorie der in den Betrieben beschäftigten versorgungsbe­rechtigten Polen bilden, bei denen aber die Art der Versorgung vorbehalten bleibt. Das wären also die Polen, die in unseren Diensten stehen, die Polen im weitesten Sinne, von deren Arbeitsleistung wir etwas haben.

Nun kommen wir schon eigentlich in die deutsche Welt. Innerhalb dieser Gruppe, d. h. innerhalb der Versorgungsverpflichtung, die wir gegenüber den Polen über­nehmen, ist wieder die erste Gruppe die wichtigste: diejenige der in den Rüstungs­betrieben beschäftigten Polen. Hierzu rechnen auch Transportbetriebe, die Betriebe der Post, des Vierjahresplans, der Forsten. Im großen und ganzen ist das eine ein­heitliche Gruppe, denn viele Betriebe gehören eigentlich zu den Rüstungsbetrieben, sogar Seifen- und Zuckerfabriken, wenn man bedenkt, welche Wichtigkeit der Zucker z.B. für gewisse Munitionen hat. Im Grunde genommen würde ich inner­halb dieser Kategorie der Versorgungsverpflichtung gegenüber den Polen nur Unterschiede hinsichtlich der dauernden Versorgungsart machen. Der Rüstungsbe­trieb z. B. muß immer in erster Linie stehen. In einem Eisenbahnbetrieb kann man einmal ein bißchen nachschauen. Das ist nur ein gradueller Unterschied, der kaum nuanciert ist.

Dann kommen die Deutschen, und zwar zunächst die Kategorie der Volksdeut­schen, deren Zahl insgesamt rund 100000 im Generalgouvernement beträgt, von denen 30000 östlich der Weichsel leben.

Die nächste Kategorie ist die der Wehrmacht und der Beamten. Insgesamt sind es also sieben Kategorien, die unterste Stufe ist die der Juden, die höchste die des Militärs und der Beamten. Das wäre also die Skala. Wir haben nun nur für die Wehrmacht, die Beamtenschaft, für die Reichsdeutschen und Volksdeutschen eine absolut totale Versorgungsgarantie auch der Art des zu Liefernden nach zu überneh­men. Ihnen gegenüber verpflichten wir uns nämlich zur Lieferung bestimmter Mengen von Brot, Fleisch, Zucker usw. Dann kommt eine Zwischenkategorie, das ist die der in unseren Diensten stehenden Polen und Ukrainer. Ihnen gegenüber verpflichten wir uns zu einer gewissen Versorgung, aber nicht der Art und Qualität der Leistung nach. Wenn wir kein Brot haben, liefern wir ihnen Kartoffeln. Wir verpflichten uns dazu, ihnen ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Ukrainer müßten wir um einen Grad unsicherer halten als die in unseren Diensten stehenden Polen. Sie müßten untereinander Selbsthilfe üben. Die Ukrainer sind sehr selbstbewußt und außerdem zum großen Teil Selbstversorger. Das Gros des polnischen Volkes wird dann immer noch wesentlich besser behandelt als die Juden. Für die Juden haben wir gar kein Interesse [. . .].

Quelle
Arbeitssitzung anlässlich der Anwesenheit des Staatssekretärs Backe, in: Werner Präg, Wolfgang Jacobmeyer (Hrsg.): Das Diensttagebuch des deutschen Generalgouverneurs in Polen 1939-1945, Stuttgart 1975, S. 186-188. 
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Erstellt
06.06.2012 
Zuletzt geändert
18.04.2018 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Arbeitssitzung anlässlich der Anwesenheit des Staatssekretärs Backe, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Deutsche Besatzungspolitik in Polen 1939-1945", bearb. von Markus Roth. URL: https://www.herder-institut.de/resolve/qid/1070.html (Zugriff am 23.11.2019)