Verbot polnischer Namen für Deutsche sowie deutscher Namen für Polen

Der Reichsstatthalter im Reichsgau Wartheland an den Reichminister des Innern, betr.: Verordnung zur Einführung der namensrechtlichen Vorschriften in den eingegliederten Ostgebieten, 6. Mai 1941

Der Reichsstatthalter                                              Posen, den Mai 1941

im Warthegau

I/52-113/5-6

I/23 - 115/1 - 2/16

Durch Fernschreiben.

An den Herrn Reichsminister des Innern in Berlin

 

Betrifft: Verordnung zur Einführung der namensrechtlichen Vorschriften in den eingegliederten Ostgebieten.

Vorgang: Erlass vom 6. Mai 1941 I d/20/41/5501 gen.-

Berichterstatter: Regierungsrat Dr. Korth,

Regierungsassessor Dr. Wulff.

Gegen die Einführung der im Verordnungsentwurf aufgeführten Vorschriften bestehen für den Reichsgau Wartheland keine grundsätzlichen Bedenken. Ich erlaube mir jedoch darauf hinzuweisen, dass die für Altreichsverhältnisse zugeschnittenen Vorschriften unter den hier gegebenen Verhältnissen — insbesondere unter Berücksichtigung des Volkstumskampfes — nicht allen volkstumspolitischen Erfordernissen gerecht werden.

Um eine klare Trennung des deutschen und polnischen Volkstums zu erreichen, ist für die eingegliederten Ostgebiete anzustreben, dass

  1. kein Pole deutsche Vor- und Familiennamen und
  2. kein Deutscher polnische Vor- und Familiennamen trägt.

Zu 1:

a/ Vornamen der Polen

Die Standesbeamten des Reichsgaues Wartheland sind durch Runderlass des Reichs­statthalters vom 14. September 1940. und 11. Oktober 1940, betreffend Regelung des Standesamtswesens angewiesen worden, bei der Anmeldung von Geburtenfällen von polnischen Volkszugehörigen keine rein deutschen Vornamen in das Geburtenbuch einzutragen. Das Reich müsste spätestens mit der amtlichen Einführung der Personenstandsgesetzgebung des Altreichs in den eingegliederten Ostgebieten entsprechende Anordnungen treffen. Dabei müsste zweckmässigerweise eine Liste typisch polnischer Vornamen entsprechend dem Katalog jüdischer Vornamen im § 173 DA zugrundezulegen sein.

Viele polnische Volkszugehörige, die vor dem Weltkriege geboren sind, tragen noch aus dieser Zeit deutsche Vornamen. Auch dieser Misstand muss beseitigt werden. Vorgeschlagen wird entsprechend dem § 2 der 2. Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 17. August 1938 („RGBl.“ I. S. 1044) früheren polnischen Staatsangehörigen, die weder in die Deutsche Volksliste aufgenommen sind, noch durch Vorlage einer amtlichen Bescheinigung nachweisen können, dass sie nicht polnischen Volkstums sind, die Annahme eines Zusatzes zu ihren Vornamen, wie Polak bei Männer und Polka bei Frauen zur Pflicht zumachen und ihnen aufzugeben, im Rechts- und Geschäftsverkehr stets auch diesen zusätzlichen Vornamen zu führen.

b/ Familiennamen der Polen.

Zu erwägen ist ferner ehemaligen polnischen Staatsangehörigen polnischer Volkszugehörigkeit, deren Aufnahme in die Deutsche Volksliste endgültig abgelehnt worden ist, die aber einen ausgesprochen deutschen Familiennamen tragen, zwangsweise aus der Reihe ihrer polnischen Vorfahren einen polnischen Familiennamen beizulegen. Um den registermässigen Zusammenhang sicherzustellen, würden in diesen Fällen die Polen hinter ihrem nunmehr polnischen Familiennamen, noch den bisherigen deutschen Familiennamen weiterführen. In der nächsten Generation oder nach Ablauf eines längeren Zeitraumes würde dann der deutsche Name völlig zu verschwinden haben und lediglich der polnische Familienname zu führen sein.

Zu 2:

a)      Polnische Vor- und Familiennamen von Altreichsdeutschen.

Aus volkstumspolitischen Gründen wäre zu begrüssen, wenn Deutsche mit polnischen Vor- oder Familiennamen, die aus dem Altreichsgebiet in die eingegliederten Ostgebiete kommen, deutsche Namen erhalten. Zwangsmassnahmen kommen nicht in Betracht. Dagegen könnte die NSDAP es sich im stärkeren Masse als bisher zur Aufgabe machen, auf die Betroffenen entsprechend einzuwirken. Vielleicht könnte auch Gefolgschaftsmitgliedern des öffentlichen Dienstes mit polnisch klingenden Namen dienstlich nahegelegt werden, einen Antrag auf Namens­änderung zu stellen.

b)      Polnische Vor- und Familiennamen von früheren polnischen Staatsangehörigen

deutscher Volkszugehörigkeit.

In dem Runderlass des Reichsministers des Innern vom 13. März 1941, betref­fend Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch ehemalige polnische und Danziger Staatsangehörige — le 5125/41 — 5000 Ost — , ist angekündigt worden, dass über die Frage, inwieweit Personen mit polnisch klingenden Namen, die in die Deutsche Volksliste aufgenommen sind, ihren Namen ändern lassen müssen, noch Anordnungen ergehen würden. Ich nehme daher an, dass über diese Frage eine Sonderregelung getroffen wird.

Auch in diesen Fällen halte ich es im Interesse der registermässigen Klarheit für unbedingt erforderlich, dass hinter dem deutschen Vornamen zunächst noch der in der nächsten Generation wegfallende, bisherige polnische Name geführt wird.

Es wird zweckmässig sein, bindend anzuordnen, dass der deutsche Vorname ausschliesslich aus der Reihe der mütterlichen oder väterlichen Vorfahren zu nehmen ist und dass nur für den Fall, wo in beiden Stammbäumen ein deutscher Name nicht vorhanden ist, gegebenenfalls durch sinngemässe Übersetzung des bisherigen Namens oder in sonstiger Weise ein passender Name angenommen werden darf. Es soll dadurch verhindert werden, dass an Stelle der bisherigen polnischen Namen dem Charakter der bodenständigen Bevölkerung nicht ensprechende Familiennamen der nordischen Länder gewählt werden, die aus falsch verstandenen Rassegesichtspunkten bereits heute bevorzugt werden.

Es wäre zweckmässig, wenn für die Durchführung der zu 1. niedergelegten Grundsätze bereits in der Verordnung zur Einführung von namensrechtlichen Vorschriften in den eingegliederten Ostgebieten die notwendige Rechtsgrundlage geschaffen würde.

In Vertretung

gez. Jäger

Quelle
Verbot polnischer Namen für Deutsche sowie deutscher Namen für Polen, in: Łuczak, Czesław: Położenie ludności polskiej w tzw. Kraju Warty w okresie hitlerowskiej okupacji [Die Lage der polnischen Bevölkerung im sogenannten Warthegau während der nationalsozialistischen Besatzung], Poznań 1990 (= Documenta occupationis 13), S. 354-357. 
Copyright
Verbreitung und Vervielfältigung nur zu wissenschaftlichen Zwecken. Voraussetzung für die Nutzung in wissenschaftlichen, nichtkommerziellen Publikationen und Abschlussarbeiten ist neben der korrekten Zitation – unter Berücksichtigung der empfohlenen Zitierweise – eine entsprechende Meldung an die Projektkoordination über das Meldeformular
Erstellt
05.06.2012 
Zuletzt geändert
08.02.2018 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Verbot polnischer Namen für Deutsche sowie deutscher Namen für Polen, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Deutsche Besatzungspolitik in Polen 1939-1945", bearb. von Markus Roth. URL: https://www.herder-institut.de/resolve/qid/1066.html (Zugriff am 03.04.2020)