Rundschreiben des Generalgouverneurs an alle Hauptabteilungsleiter, Gouverneure und Kreishauptleute, betr.: Gestellung von Arbeitskräften für das Deutsche Reich

Rundschreiben des Generalgouverneurs mit Anordnungen zur Durchführung der Rekrutierung von weiteren 140000 Zwangsarbeitern für das Deutsche Reich

DER GENERALGOUVERNEUR                                     Krakau, den 24. August 1942

Akt.Z.: 5770/5780

 

An

alle Hauptabteilungen und Ämter in der Regierung des Generalgouvernements

die Gouverneure der Distrikte mit den erforderlichen Exemplaren an die

Kreishauptleute

nachrichtlich:

dem Staatssekretär für das Sicherheitswesen im Generalgouvernement

 

Erlass

Betr.: Gestellung von Arbeitskräften für das Deutsche Reich.

Der Beauftragte für den Vierjahresplan, Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz, Gauleiter Sauckel, ist an mich mit der Bitte herangetreten, dem Reiche beschleunigt 140000 Arbeitskräfte aus dem Generalgouvernement zur Verfügung zu stellen. Um dem Reiche jede mögliche Hilfe bei Erfüllung entscheidender Ernährungs- und Rüstungsaufgaben zu gewähren, habe ich die Verpflichtung zur Gestellung dieser Arbeitskräfte ungeachtet der bereist bisher getätigten umfassenden Abgaben von Arbeitskräften an das Reich übernommen.

Die neu angeworbenen Arbeiter und Arbeiterinnen werden im Reiche bei kriegswichtigen Aufgaben zu guten Löhnen eingesetzt. Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz hat in einer Verlautbarung den im Reiche tätigen Arbeitskräften aus dem Generalgouvernement neuerlich ausdrücklich den Schutz des Deutschen Reiches und gerechte und gute Behandlung zugesagt.

Die Gestellung der Arbeitskräfte erfolgt durch die Arbeitsämter im Wege einer umfassenden Werbung in Verbindung mit Dienstverpflichtungen der für eine Umsetzung in das Reich auf Grund ihrer Familien- und wirtschaftlichen Verhältnisse in Frage kommenden Personen.

Den Sammelgemeinden werden hierbei Kontingente auferlegt, für deren Aufbringung sie verantwortlich sind. Die Arbeitseinsatzbehörden errechnen diese Kontingente auf Grund der Wirtschaftsstruktur und bisherigen Kräfteabgaben der einzelnen Gemeinden. Die Sollzahlen werden daher durchaus im Rahmen des Tragbaren bleiben, sodaß eine Schädigung andere Aufgaben nicht zu befürchten steht. Auch die Stadtgemeinden haben sich maßgeblich durch geeignete Auskämmaßnahmen an der Erfüllung des Gesamtsolls zu beteiligen.

Ich mache daher allen Dienststellen, insbesondere den Kreis- und Stadthauptleuten, eine weitgehende Unterstützung der mit der Aufbringung der Arbeitskräfte betrauten Arbeitsämter zur Pflicht.

Insbesondere verfüge ich:

  1. Die Kreishauptleute verpflichten die Vorsteher der Gemeinden persönlich zur Aufbringung der sie betreffenden Kontingente.
  2. Sie gewähren den Arbeitsämtern durch vorübergehende Zurverfügungstellung von Kraftwagen für die Dauer der Aktion und entsprechende Berücksichtigung bei der Kraftstoffverteilung jede auf diesem Gebiet mögliche Hilfe.
  3. Die den Kreis- und Stadthauptleuten unterstellten Exekutivorgane werden für die Dauer der Aktion, unbeschadet der Maßnahmen zur Ernteerfassung und Bekämpfung des Schleichhandels, in größtmöglichstem Umfange zur Durchsetzung der von den Arbeitsämtern ausgesprochenen Dienstverpflichtungen angesetzt.

gez. Dr. Frank

Quelle
IPN, NTN 261, Bl. 59 V+R. 
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Erstellt
04.06.2012 
Zuletzt geändert
04.06.2012 

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Rundschreiben des Generalgouverneurs an alle Hauptabteilungsleiter, Gouverneure und Kreishauptleute, betr.: Gestellung von Arbeitskräften für das Deutsche Reich, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Deutsche Besatzungspolitik in Polen 1939-1945", bearb. von Markus Roth. URL: https://www.herder-institut.de/resolve/qid/1055.html (Zugriff am 26.02.2020)