Reichstagsrede Adolf Hitlers

Reichstagsrede Adolf Hitlers über die Ziele deutscher "Volkstumspolitik" in Polen, 6. Oktober 1939

Reichstagsrede Adolf Hitlers vom 6.10.1939

(Auszug)

„In einem Augenblick, da Deutschland um die Kolonialisierung eines Lebensraumes ringt, der nur wenige 100000 Quadratkilometer umfaßt, erklären unverschämte Zeitungsschreiber in Staaten, die selbst 40 Millionen Quadratkilometer beherrschen, Deutschland strebe seinerseits nach der Weltherrschaft. Die deutsch-russischen Abmachungen müßten gerade für diese besorgten Advokaten der Weltfreiheit eine ungeheure Beruhigung darstellen, denn sie zeigen ihnen doch wohl in authentischer Weise, daß alle diese Behauptungen eines Strebens Deutschlands nach dem Ural, der Ukraine, Rumänien usw. nur eine Ausgeburt ihrer erkrankten Marsphantasie waren.

In einem allerdings ist der Entschluß Deutschlands ein unabänderlicher; nämlich auch im Osten unseres Reiches friedliche stabile und damit tragbare Verhältnisse herbeizuführen. Und gerade hier decken sich die deutschen Interessen und Wünsche restlos mit denen Sowjetrußlands. Die beiden Staaten sind entschlossen, es nicht zuzulassen, daß zwischen ihnen problematische Zustände entstehen, die den Keim von inneren Unruhen und damit auch äußeren Störungen in sich bergen und vielleicht das Verhältnis der beiden Großmächte zueinander irgendwie ungünstig tangieren könnten. Deutschland und Sowjetrußland haben daher eine klare Grenze der beiderseitigen Interessengebiete gezogen mit dem Entschluß, jeder auf seinem Teil für die Ruhe und Ordnung zu sorgen und alles zu verhindern, was dem anderen Partner einen Schaden zufügen könnte.

Die Ziele und Aufgaben, die sich aus dem Zerfall des polnischen Staates ergeben, sind dabei, soweit es sich um die deutschen Interessensphäre handelt, etwa folgende:

  1. Die Herstellung einer Reichsgrenze, die den historischen, ethnographischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten gerecht wird.
  2. Die Befriedung des gesamten Gebietes im Sinne der Herstellung einer tragbaren Ruhe und Ordnung.
  3. Die absolute Gewährleistung der Sicherheit nur des Reichsgebietes, sondern der gesamten Interessenzone.
  4. Die Neuordnung, der Neuaufbau des wirtschaftlichen Lebens, des Verkehrs und damit aber auch der kulturellen und zivilisatorischen Entwicklung.
  5. Als wichtigste Aufgabe aber: eine neue Ordnung der ethnographischen Verhältnisse, das heißt, eine Umsiedlung der Nationalitäten so, daß sich am Abschluß der Entwicklung bessere Trennungslinien ergeben, als es heute der Fall ist.

(Lebhafter Beifall.)

In diesem Sinne aber handelt es sich nicht um ein Problem, das auf diesen Raum beschränkt ist, sondern um eine Aufgabe, die viel weiter hinausgreift. Denn der ganze Osten und Südosten Europas ist zum Teil mit nichthaltbaren Splittern des deutschen Volkstums gefüllt. Gerade in ihnen liegt ein Grund eine Ursache fortgesetzter zwischenstaatlicher Störungen. Im Zeitalter des Nationalitätenprinzips und des Rassegedankens ist es utopisch, zu glauben, daß man diese Angehörigen eines hochwertigen Volkes ohne weiteres assimilieren könne. Es gehört daher zu den Aufgaben einer weitschauenden Ordnung des europäischen Lebens, hier Umsiedlungen vorzunehmen, um auf diese Weise wenigstens einen Teil der europäischen Konfliktstoffe zu beseitigen.“

Aus: Verhandlungen des Reichstags. 4. Wahlperiode 1939. Sitzungen 1-8. Band 460. Heidelberg 1939. 4. Sitzung, 6.10.1939, S. 56.

Quelle
Reichstagsrede Adolf Hitlers, in: Verhandlungen des Reichstags. 4. Wahlperiode 1939. Sitzungen 1-8, Band 460, Heidelberg 1939, 4. Sitzung, 6.10.1939, S. 56. 
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Erstellt
23.05.2012 
Zuletzt geändert
17.01.2018 

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Reichstagsrede Adolf Hitlers, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Deutsche Besatzungspolitik in Polen 1939-1945", bearb. von Markus Roth. URL: https://www.herder-institut.de/resolve/qid/997.html (Zugriff am 06.06.2020)