Organisation der Militärverwaltung in den besetzten ehemals polnischen Gebieten

Adolf Hitler regelt per Führer-Erlass die territoriale Gliederung der Militärverwaltung, ihren hierarchischen Aufbaus, die Weiterbeschäftigung polnischer Beamter sowie die Zuständigkeiten der jeweiligen Ebenen, 25.9.1939

Erlaß
des Führers über die Organisation der Militärverwaltung in den besetzten ehemals polnischen Gebieten.

I. 

1.) In den besetzten ehemals polnischen Gebieten übt der Oberbefehlshaber des Heeres in meinem Auftrage vollziehende Gewalt aus und richtet eine Militärverwaltung ein. An der Spitze der Militärverwaltung steht der Oberbefehlshaber Ost, Generaloberst von Rundstedt, mit dem Sitz in Spala.

2.) Die besetzten Gebiete werden in vier Militärbezirke (Westpreußen, Posen, Lodsch, Krakau) eingeteilt. An der Spitze eines jeden Bezirks steht ein Militärbefehlshaber. Zu Militärbefehlshabern habe ich bestellt:

Für den Militärbezirk Westpreußen:         den General der Artillerie Heitz,

für den Militärbezirk Posen:         den General der Artillerie von Vollard-Bockelberg.

Die Geschäfte des Militärbefehlshabers im Militärbezirk Lodsch nimmt Generaloberst von Rundstedt, im Militärbezirk Krakau Generaloberst List wahr.

3.) Für Ostoberschlesien und für Süd-Ostpreußen ergeht Sonderregelung.

4.) Der Oberbefehlshaber des Heeres überträgt die Befugnis zur Ausübung vollziehender Gewalt auf den Oberbefehlshaber Ost und auf die Befehlshaber der Militärbezirke.

II.

1.) Zur Durchführung der Verwaltung im zivilen Bereich gebe ich dem Oberbefehlshaber Ost und jedem Befehlshaber eines Militärbezirks einen Verwaltungschef für die Dauer der Militärverwaltung bei und unterstelle sie ihnen.

2.) Zu Verwaltungschefs bestelle ich:

Bei dem Oberbefehlshaber Ost und gleichzeitig zur Wahrnehmung der Verwaltung im

Militärbezirk Lodsch den Reichsminister Dr. Frank,

bei dem Militärbefehlshaber Westpreußen den Gauleiter Forster,

bei dem Militärbefehlshaber Posen den Senatspräsident Greiser und bei dem Militärbefehls­haber Krakau den Reichsminister Dr. Seyß-Inquart.

III.

1.) Der Verwaltungschef bei dem Oberbefehlshaber Ost (Oberverwaltungschef) hat die Auf­gabe der einheitlichen Steuerung und Ausrichtung der Verwaltung der Militärbezirke. Die Durchführung der Verwaltung obliegt den Verwaltungschefs der Militärbezirke. Sonderbe­hörden neben den Verwaltungschefs werden nicht gebildet.

2.) Den Verwaltungschefs sind ein Stellvertreter sowie Sachbearbeiter der Verwaltungszweige und die notwendigen sonstigen Hilfskräfte im Benehmen mit den zuständigen Obersten Reichsbehörden zuzuteilen. Zur Bestellung der Stellvertreter ist meine Zustimmung einzu­holen.

IV.

Zur Verwaltung der Land- und Stadtkreise werden den Militärbefehlshabern und ihren Verwal­tungschefs Land- und Stadtkommissare unterstellt. Sie werden vom Oberbefehlshaber des Heeres auf Vorschlag des Reichsministers des Innern im Benehmen mit dem Oberverwaltungs­chef bestellt und durch den Verwaltungschef des Militärbezirks in ihr Amt eingewiesen. In den größeren Städten sind Polizeipräsidenten oder Polizeidirektoren einzusetzen, die den Militärbe­fehlshabern und ihren Verwaltungschefs unterstehen; im übrigen sind Kreissonderbehörden den Land- und Stadtkommissaren anzugliedern oder zu unterstellen.

V.

Die Verwaltung der kreisangehörigen Gemeinden regeln die Militärbefehlshaber nach den Richtlinien des Oberbefehlshabers Ost.

VI.

Für die Einrichtung der Gerichte ergeht Sonderregelung.

VII.

Die Weiterbeschäftigung von bisher polnischen Beamten und Angestellten bedarf ausdrückli­cher Bestätigung im Einzelfall.

VIII.

1.) Das in den Militärbezirken geltende Recht bleibt in Kraft, soweit es nicht der Sicherung der deutschen Truppen und den Zwecken der Kriegführung widerspricht.

2.) Der Ministerrat für die Reichsverteidigung kann durch Verordnung Recht setzen, soweit dies die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und des öffent­lichen Lebens erfordern. Der Oberbefehlshaber des Heeres ist zu beteiligen.

3.) Rechtsvorschriften in Ausübung vollziehender Gewalt erlassen der Oberbefehlshaber des Heeres, der Oberbefehlshaber Ost und die Befehlshaber der Militärbezirke.

4.) Die Rechtsvorschriften werden in dem „Verordnungsblatt für die besetzten Gebiete in Polen" verkündet.

IX.

1.) Zentralstelle für die besetzten Ostgebiete ist der Reichsminister des Innern.

2.) Zum Leiter der Zentralstelle bestelle ich den Staatssekretär Dr. Stuckart im Reichsministe­rium des Innern.

X.

1.) Im Einvernehmen mit dem Oberbefehlshaber des Heeres können die Obersten Reichsbehör­den Anordnungen, die für die Gesamtplanung des deutschen Lebens- und Wirtschaftsrau­mes erforderlich sind, für die Militärbezirke treffen. Die Anordnungen sind durch die Zentralstelle zu leiten, die das Einvernehmen mit dem Oberbefehlshaber des Heeres sicher­zustellen hat.

2.) In Angelegenheiten, die nicht von grundsätzlicher Bedeutung sind, insbesondere nicht die Verwaltungsorganisation, den Behördenaufbau oder die gebietliche Gliederung der besetz­ten Ostgebiete betreffen, können die Obersten Reichsbehörden Anträge unmittelbar bei dem Oberbefehlshaber Ost oder bei den Militärbefehlshabern stellen. Will der Oberbefehlshaber Ost oder der Militärbefehlshaber dem Antrage nicht entsprechen, so hat er dem Oberbe­fehlshaber des Heeres (gegebenenfalls über den Oberbefehlshaber Ost) Meldung zu erstat­ten. Der Oberbefehlshaber des Heeres befindet über den Antrag im Benehmen mit der Zentralstelle und den zuständigen Obersten Reichsbehörden.

XI.

1.) Die Kosten der Militärverwaltung trägt das besetzte Gebiet.

2.) Der Oberbefehlshaber Ost stellt für die Verwaltung im zivilen Bereich einen Haushaltsplan auf, erstmalig für die Zeit bis zum 31.3.1940. Der Haushaltsplan bedarf der Genehmigung des Oberbefehlshabers des Heeres und des Reichsfinanzministers. Die gleichen Stellen entscheiden über außerplanmäßige Ausgaben und treffen nähere Bestimmungen über das Kassen- und Rechnungswesen.

Im Felde vor Warschau, den 25. September 1939.                           

Der Führer
und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht, gez. Adolf Hitler

Quelle
Organisation der Militärverwaltung in den besetzten ehemals polnischen Gebieten, in: Moll, Martin (Hrsg.): „Führer-Erlasse“ 1939-1945. Edition sämtlicher überlieferter, nicht im Reichsgesetzblatt abgedruckter, von Hitler während des Zweiten Weltkrieges schriftlich erteilter Direktiven aus den Bereichen Staat, Partei, Wirtschaft, Besatzungspolitik und Militärverwaltung, Stuttgart 1997, S. 97-99. 
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Erstellt
22.05.2012 
Zuletzt geändert
18.04.2018 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Organisation der Militärverwaltung in den besetzten ehemals polnischen Gebieten, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Deutsche Besatzungspolitik in Polen 1939-1945", bearb. von Markus Roth. URL: https://www.herder-institut.de/resolve/qid/989.html (Zugriff am 03.06.2020)