Frieden von Thorn 1411

Der Frieden von Thorn von 1411 beendete vorläufig den Konflikt des Deutschen Ordens mit Polen-Litauen, der in der Schlacht von Tannenberg/Grundwald seinen Höhepunkt in der vollständigen Niederlage des Ordensheers gefunden hatte

K. Urkunde des Königs

Wir, Wladislaw [Władysław II. Jagiełło] von Gottes Gnaden König zu Polen, oberster Fürst zu Litauen und Erbprinz zu Preußen etc. mit samt dem erlauchten Fürsten Herrn Alexander anders Vytautas dem Großen, Herzog zu Litauen etc., unserem allerliebsten Bruder, tun allen Betrachtern kund, die Einhaltung dieser Briefe mit gütiger Begehrlichkeit, Erbarmen und seligen Gedenkens zu Herzen zu nehmen. Wie viel großer Schaden aus stürmender Zwietracht und Streit, wie viel aus Kriegen der Seelen Feuer und Schaden entsteht. Und wie viel christliches Blut durch Kriege vergossen wurde, zu sonderlichem und wohl würdigem Dienste Gottes, unserem Schöpfer, ist nach Beratungen der Vorsatz unsere Gedanken abzulassen von allerlei Ausführung der eben besprochenen Kriege und Misslichkeiten, die nicht ohne große Mühe entsprossen sind, zwischen uns, unserem Reiche zu Polen, die Lande zu Litauen und andere unserer Landen zum einen, und dem Geistlichen Herrn Heinrich von Plauen, Hochmeister Deutschen Ordens zu Preußen, und seinem Orden und des Ordens Landen zum anderen Teil. Die Dinge die im Zuge der Zwietracht geschehen sind, gemeines Gut das zerstört und zerbrochen wurde, mit dem Vorzeigen dieses Friedens wiederzubringen. Zu einem friedsamen und getreuen Wesen haben wir gemacht, mit demselben Herren Hochmeister und seinem Orden Vereinigung zu einem ewigen Frieden und unzerbrechlichen Dinges, die wir bei unserer Ehre und Treue ohne Arglist und Gefährdung geloben zu halten. In dieser Vereinigung wollen wir eingeschlossen sein und beschließen, dass alle und etliche unserer Helfer, welcherlei Stadt oder Wesen sie sind und in welchen Landen sie wohnen oder sitzen und besonders den Fürsten und den Herren Janusz und Semowit, ihren Freien und Erben in Masowien, und Bogislaw VIII., Herzog zu Stolpe etc., unserm allerliebsten Bruder, nicht ausgeschlossen seien aus dieser Vereinigung, und wollen dass diese Vereinigung mit so reifer und fleißiger Betrachtung begriffen wird und zu einem festen und beständigen und ewigen Orden gebracht werde. So haben wir sie in diesen nachgeschriebenen Artikeln festgesetzt und geloben sie nicht zu betrügen, sie zu bestätigen und sie zu festigen. Darum setzen wir in diesen Brief das Siegel unserer Majestät vor den ersten Hauptartikel dass unter uns und, unserm Reich zu Polen, unseren Landen zu Litauen und anderen Landen, allen unseren Helfern und Untertanen zum einen, und dem genannten Hochmeister, seinem Orden, seinen Landen und Untertanen zum anderen Teile, alle Misslichkeiten, Widerwillen, Zwietracht und Schaden vergeben und ganz und gar beigelegt sein sollen. Item, dass alle Gefangenen auf beiden Seiten ledig frei und los sein sollen von jeglicher Arglist. Auch, dass alle Verschanzungen die noch nicht gefallen sind, beseitigt sein sollen und die Burgen sollen ledig und frei sein ohne Arglist und Gefährdung.

Item sollen alle während des Krieges von beiden Seiten eroberten Häuser, Städte und Land ohne Arglist einem jedermann wiedergegeben werden. Alle Leute, weltliche und geistliche, sollen von allen gelobten Eiden und Mannschaften, die sie auf beiden Teilen getan und geschworen haben ledig und los sein und ihnen Briefe darüber geben, dass die Festen, Städte und Gebäude in der Umgebung nach  zerstört oder gebrochen werden. Die Leute die zu denselben Festen gehören sollen weder beraubt noch geschädigt werden. Die Hauptleute sollen alle gewähren und ihre eigenen Dinge mitnehmen lassen und ohne alle Hindernisse Heim führen. Ausgenommen ist das Land der Žemaiten, das der Herr König und Herzog Vytautas zu ihrer beider Leben friedsamen Besitzung halten sollen, es sei denn, dass sie es dem Orden vor ihrem Tod lassen und aufgeben wollen. Das soll in ihrem freien Willen stehen und mit öffentlichen Briefen bestätigt werden, dass sich der Orden nach ihrer beiden Tode, des Landes ohne Hindernis untertänig machen, mit allen Rechten und Eigenschaften, nach Ausweisung  der Briefe die dem Orden über die Aneignung desselben Landes vormals vorgelegt wurden. Item soll Herzog Semowit das Ländchen Zawkrze, in dem der Orden vormals Vorsitz hatte und auch frei von dem Gelde sein soll.  Auch soll das Land zu Dobrin bei der Krone bleiben. Item alle anderen Lande die der Krone vor diesem Krieg in Besitz gehabt hatte. Und die Lande Pommern, Michelau, Kulmerland, Nassau, Moran und Orlau mit all ihren Zugehörigkeiten sollen beim Orden bleiben, sowie alle anderen Lande die der Orden vor dem Kriege hat besessen. Item die Geschäfte der Häuser Drysen und Santok sollen bleiben zu Berichten und Aussprache durch zwölf ehrbare Personen, die der Herr König und der Hochmeister dazu erwählen werden. Wenn der Hochmeister darum vom Herrn König gemahnt und erheischt wird, und wenn die Zwölf die Verhandlungen nicht beenden können, so sollen diese an den Papst als einem Obmann gesandt werden. Von allen Grenzen des Reichs und der Lande zu Litauen etc. und auch die Verhandlungen über die Grenzen der Herzöge aus Masowien und zu Stolpe sollen von zwölf Personen ausgesprochen und verrichtet werden. Und wenn Sie sich nicht aussprechen können so sollen sie zu unserem Herrn dem Papst als einem Obmann gesandt werden.

Item bei etlichen Werdern bei Golicz, Fischereischiffen und von Fischern der Wiesel und Drewancz ist Zwietracht entstanden, die soll auch durch zwölf Gesandte besprochen und verhandelt werden. Alle Güter der Kirche zu Gnesen Leslau und anderer die da liegen unter Beschirmung des Ordens und in seinen Landen die sollen bei ihren Rechten bleiben und nicht entfremdet werden. Das geschehe dann durch den guten Willen der Prälaten. Auch soll dies für die Güter der Bischöfe des Ordens gelten, die sie haben unter der Krone, dass sie bei ihren Rechten gelassen und nicht entfremdet werden ohne den Willen der Prälaten. Ebenso sollen alle Brüche des Friedens und Sicherheit oder Geleit, die innerhalb dieses Krieges auf beiden Seiten geschehen sind ohne Arglist beigelegt und verrichtet sein.  Alle Kaufleute sollen mit allen ihren Gütern ohne Hindernisse nach alter Gewohnheit über Land und über Wasser gehen und ziehen. Auf dass die ewige Freundschaft bleibe zwischen dem Reiche zu Polen Litauen und allen ihren untertänigen Landen und dem Orden und dessen untertänigen Landen und das diese Vereinigung eines ewigen Friedens mit keiner Zwietracht versehrt werde. So ist jeglicher Teil an Zwietracht und Krieg der entsteht, an sechs Personen zu geben, und die zwölf Personen sollen die Vollmacht haben all solchen Krieg und Zwietracht schlecht zu machen und möchte der Ortsteil dennoch nicht einträchtig werden, so sollen sie die Angelegenheit unserem heiligen Vater dem Papste als einem Obmann zusenden. Das soll zu ewigen Zeiten eingehalten werden. Wurden aber Sachen entrissen, die nicht Erbe, Eigentum, Grund und Gut betreffen, soll die Schuld verhandelt und entschieden werden in dem Gericht des Gebietes in denen sie liegen. Was aber Lehnsgüter anrührt, das soll beendet werden, nach gewöhnlichem Gericht und dem Herrn des Lehnsgutes. So sollen der Herr König und Herzog Witaud alle Ungläubigen in ihren Landen dazu anhalten, dass sie den christlichen Glauben annehmen und zur Verbreitung des Glaubens Kirchen bauen und Priester einsetzen, und alle heidnische Irrsal  entwurzeln und austreiben. Der Meister und der Orden zu Preußen und Livland sollen alle Ungläubigen zum Glauben bekehren. Item sollen beide Teile dieser Vereinigung und Einrichtung ihren Nächsten der ungläubigen Lande verkünden und offenbaren und sie ermahnen den Christenglauben aufzunehmen und wenn sie dies nicht tun, so sollen beide Teile dem anderen helfen, auf dass sie die Ungläubigen zum Glauben bekehren mögen und dass beide Teile einträchtig werden, dass sie miteinander mit ihren Heeren ziehen würden und sollten, so sollen sie denen in all ihren Geschäften und Handlungen zur Teilung der Lande das halten, was in den Briefen gedruckt ist, es sei denn beide Teile kämen zu anderem gemeinsamen Ratschluss. Item dass alle Flüchtlinge in diesem Krieg, geistliche und weltliche, von beiden Teilen ohne Hindernisse wiederkommen mögen zu ihren Besitzungen und Gütern die sie besessen haben, und sollen auch die Gunst und Gnade ihrer Herren  haben, ausgenommen alleine den Herrn Bischof zu Brunsberg, der ein heil und ein sicheres Geleit haben soll zu seinem Bischofssitz, dem der Meister nichts mit Gewalt. Alles was er tut soll mit Recht geschehen. Item soll in diesem Bericht und Frieden eingeschlossen sein, dass Herr Sigismund, König von Ungarn, dem der Meister ohne säumen den Inhalt dieser Vereinigung offenbaren und entbieten und versichern dass der König zu Polen in dieser Zeit dem König  zu Ungarn keine Schaden tue nach dem Krieg und er ferner ungehindert Herr vom König von Ungarn bleibe. Sollte aber jemand dieses verhindern wollen und Krieg treiben, so mag ihm ein gleiches der König von Polen wieder tun und sich mit ganzer Macht erwehren. Beide Teile sollen bleiben bei ihren Briefen und Privilegien, löblicher Gewohnheit und Recht wie sie es bislang gewesen sind, dass sie nicht angetastet werden durch die hier erklärten Artikel. Nimmer mehr zu ewigen Zeiten soll die Krone von Polen mit den Landen zu Litauen und all seinen Leuten wider den Orden vorgehen, noch sich mit des Ordens Feinden gut halten. Und auch soll nimmer mehr zu ewigen Zeiten der Hochmeister und der Orden sich wider der Krone zu Polen und das Land zu Litauen stellen und sich mit Feinden der Kronen und zu Lande zu Litauen gut halten.

Um dieses Zeugnis zu vervollkommnen, und all die darin geschriebenen Dinge, haben Wir diesen Brief mit Anhängen der beiden unserer Majestät Sigeln und der Zeugenschaft der nachstehenden Fürsten, Prälaten, Grafen und Städten und zum ersten Janusz und Semowit von Masowien, Simon anders Lygwen Sigismund und Seneconis Janumcy, Kinder zu Litauen, Nicolai Erzbischof zu Gnesen, Petri zu Krakau, Albert zu Posen, Bischof Christini, Burggraf zu Krakau Sandiwogin zu Posen, Jacob zu Siras, Cresslay zu Brysk, Mathie zu Leslau, Voywoden Michil zu Sandomir und Johannes zu Calis, Burggrafen Sbignei, Marschall des Reiches zu Polen Petri Schaffranetz, Unterkämmerer zu Krakau Nicolai Burggrafen zu Santotz Nicolai von Czernekaw Richter zu Posen, Albecht anders Moniwith Hauptmann zu Wille, Stanislai anders Supornaw Marschall des Landes zu Litauen, Gedigaudi anders Woyden zu Kywen, Christini anders Ostig Radiwillo Rumbaldi Suniigailonis und Johannes Nemur Grafen zu Litauen und der Städte zu Krakau, Sandomir, Posen, Calis, Brysk und Leslau. Gegeben zu Thorn am Abend Maria Reinigung [2. Februar] der achtbaren Jungfrau in den Jahren des Herrn 1411.

 

H. Urkunde des Hochmeisters

Wir, Bruder Heinrich von Plauen, Hochmeister des Ordens Sankt Mariens in Jerusalem, geben allen folgenden Wortlaut zu erkennen und legen dar, wie wir voll Versöhnlichkeit und Mitempfinden genau und wohlwollend abwägten und für vorteilhaft erachteten mit Barmherzigkeit vorzugehen; wie viel und großes Schlechtes ist aus Krieg und Zwietracht hervorgegangen und wie viel Unordnung durch diese Streitigkeiten und Gefahr für die Seelen stehen bevor, wie viel Christenblutvergießen ist daraus entsprungen; so wollen wir unserem Schöpfer besondere Demut und Dienstbarkeit erweisen.

Eine Kriegserklärung des Heeres und der Gesamtheit bringt ungeheures Missfallen zwischen dem heiteren Fürsten und Herrn, Herrn Wladislaw König von Polen und Fürst zu Litauen, Vorsteher und Erbe Preußens etc. sowie dem vortrefflichen Fürst, Herrn Alexander anders Witold der Große, Herzog von Litauen und den dazugehörenden Landen Litauens und all seinen untertanen Gebieten zum einen und uns, unserem Orden und den dazugehörenden Landen unseres Ordens, Preußen und Livland und allen anderen unserer und des Ordens untertanen Teilen zum anderen.

Nicht ohne große Opfer durch Angriffe und Erhebungen legen wir unsere Gedanken offen; welche Schäden durch die Streitigkeiten entstanden, Gemeinden sind eingerissen und zerstört worden, begehren wir durch unversehrten Frieden zur friedliche Ruhe zurückzukehren, zu gutem Herrschen und klarer Führung unserer Gebiete machen wir einen fortwährenden Frieden und ein unverletzliches Bündnis und Einheit, unter Vertrauen und Hochachtung und ohne Hinterlist geloben wir dieses um die Ordnung zu bewahren. Zu dieser Union und zum Fortbestehen dieser Übereinkunft traten alle und jeder einzelne unserer Helfer bei:

Die vortrefflichen und berühmten Herrn und Fürsten, nämlich der verehrungswürdige Fürst und Herr, Herr Herzog Wenzel Bischof von Breslau und Herzog von Liegnitz Kasimir von Stettin, [Herzöge] Konrad und seine Söhne von Öls, Wartislaw [VII.] von Wolgast, Johann von Sachsen, Johann mit seinen Brüdern von Glogau, Johannes von Münsterberg, Ludwig von Brieg und alle anderen unserer Fürsten, Grafen, Baronen und Soldaten, Klienten, Herren die von dieser Union nicht ausgeschlossen werden wollen.

Und dieser Union, mit größter Vollendung und sorgsamen Entschluss gefasst, zur Stärkung und Beständigkeit, ist bestimmt beständig Acht zu geben und sie ist einzuführen, wie  durch diese Artikel verzeichnet und geregelt.

1. Folglich legen wir als ersten und wichtigsten Artikel fest:

dass zwischen dem heiteren Fürst und Herrn dem König und dem Königreich Polen sowie den oben erwähnten Landen Litauen und allen anderen, den einzelnen Stellvertretern und Untergebenen zum einen und uns, dem Orden und unseren Landen, selbstverständlich Preußen und Livland und unseren anderen einzelnen Stellvertretern und Untertanen zum anderen,

dass Uneinigkeiten, Streitigkeiten und Ungerechtigkeiten beendet und ganz beigelegt sind.

2. Alle Gefangen, welche in diesem Krieg gemacht wurden, um diese Gefangenschaft auf beiden Seiten zu beenden, frei zu lassen sind und ohne Schaden und mit all ihrem Besitz und ohne Eintreibung von Abgaben der Gefangenen, welche nicht nur genau sind, in keiner Weise verletzt oder getilgt werden sollen. Und wenn irgendeiner für seinen Besitz Bürgschaft abgelegt hat, mündlich oder schriftlich, ist ihm die Gesamtheit zurückzugeben ohne Schaden und Hinterlist.

3. Alle Burgen, Städte und Ländereien, die auf beiden Seiten in diesem Krieg errungen wurden, sollen jede einzelne ohne Schaden zurückgegeben werden, und alle Menschen, ob geistliche oder weltliche, sollen frei sein von Eiden und Mannschaften. Darüber sollen diese Briefe geben; welche Festen, Städte und Gebäude in der Umgebung zerstört oder gebrochen wurden, die Leute die zu denselben Festen gehören sollen weder beraubt noch geschädigt werden.

4. Ausgenommen ist das Land der Samaiten, das der Herr König und Herzog Witold zu ihrer beider Leben ruhigen Besitzung halten sollen, es sei denn, dass sie es dem Orden vor ihrem Tod lassen; und dieses in ihrem freien Willen ist. Das soll mit gegeben, öffentlichen Briefen bekräftigt werden, dass sich der Orden nach ihrer beiden Tode, des Landes ohne Hindernis untertänig machen kann, mit allen Rechten und Eigenschaften, nach Ausweisung der Briefe die dem Orden über die Aneignung desselben Landes vormals vorgelegt wurden.

5. Der Herzog Semovit von Masowien soll das Ländchen und den Bezirk Zawkrze erhalten, dem vormals der Orden vorsaß, es soll frei von Gelde sein, und die in diesem Gebiet gemachten Schulden sollen gelöst und aufgehoben werden.

6. Das Land Dobrin soll bei der Krone bleiben sowie alle Lande, welche die Krone vor dem Krieg in Besitz gehabt hatte; und die Länder Lande Pommern, Michelau, Kulmerland, Nessau, [die Dörfer] Morin und Orlau mit all ihren Zugehörigkeiten sollen beim Orden bleiben, sowie alle anderen Lande die der Orden vor dem Kriege besessen hat.

7. Die Burgen Driesen und Zantoch sollen bleiben zu Berichten und zur Aussprache durch zwölf ehrbare Personen, die der Herr König und der Hochmeister dazu erwählen werden. Wenn die Zwölf die Verhandlungen nicht beenden können, so sollen diese an den Papst als einem Obmann gesandt werden.

8. Von allen Grenzen des Reichs und der Lande zu Litauen und auch die Verhandlungen über die Grenzen der Herzöge Masowiens Johann und Semovit und deren Söhne und Bogislaw [VIII.] von Stolpe sollen von zwölf Personen ausgesprochen und verrichtet werden, welche vom polnischen König und dem Hochmeister auserwählt werden. Und wenn Sie sich nicht aussprechen können, so sollen sie zum Papst als einem Obmann gesandt werden.

9. Bei den Inseln bei Solecz, ist zwischen den Fischereischiffen und den Küstenbewohnern an den Flüssen Wiesel und Drewenz Streit entstanden, der auch durch zwölf gesandte Personen beigelegt werden soll.

10. Die Güter der Kirche zu Gnesen, Leslau und anderer die da liegen in seinen Landen unter dem Schutz des Ordens, die sollen bei ihren Rechten bleiben, und nicht entfremdet werden; das geschehe durch guten Willen der Prälaten. Auch soll dies für die Güter der Bischöfe des Ordens gelten, die sie unter der Krone bei ihren Rechten gelassen hat und nicht entfremdet werden sollen ohne den Willen der Prälaten.

11. Ebenso sollen alle Brüche des Friedens und der Sicherheit, die innerhalb dieses Krieges auf beiden Seiten geschehen sind, ohne Arglist beigelegt und verrichtet sein.

12. Alle Kaufleute sollen mit allen ihren Gütern ohne Hindernisse nach alter Gewohnheit über Land und über Wasser gehen und ziehen.

13. Auf dass die ewige Freundschaft bleibe, zwischen dem Reiche zu Polen Litauen und allen ihren untertänigen Landen und dem Orden und dessen untertänigen Landen und dass diese Vereinigung eines ewigen Friedens mit keiner Zwietracht versehrt werde; so soll jeglicher Teil an Zwietracht und Krieg der entsteht an sechs Personen gegeben werden, und die zwölf Personen sollen die Vollmacht haben all solchen Zwietracht und Störungen schlecht zu machen und möchte der Ortsteil dennoch nicht einträchtig werden, so sollen sie die Angelegenheit dem heiligen Herrn, dem Papst als einem Obmann zu senden. Das soll zu ewigen Zeiten eingehalten werden.

14. Wurden aber Sachen entrissen, die nicht Erbe, Eigentum, Grund und Gut betreffen, soll die Schuld verhandelt und entschieden werden in dem Gericht des Gebietes in denen sie liegen. Was aber Lehngüter anrührt, das soll beendet werden, nach gewöhnlichem Gericht und dem Herrn des Lehngutes.

15. So sollen der Herr König und Herzog Witold alle Ungläubigen in ihren Landen dazu anhalten, dass sie den christlichen Glauben annehmen und zur Verbreitung des Glaubens Kirchen bauen, Priester einsetzen, und alle heidnische Irrsal entwurzeln und austreiben. Der Meister und der Orden zu Preußen und Livland sollen alle Ungläubigen zum Glauben bekehren. In beiden Teile dieser Vereinigung und Einrichtung ihren Nächsten der ungläubigen Lande verkünden und offenbaren und sie ermahnen den Christenglauben aufzunehmen und wenn sie dies nicht tun, so sollen beide Teile dem anderen helfen, auf dass sie die Ungläubigen zum Glauben bekehren mögen und dass beide Teile einträchtig werden, dass sie miteinander mit ihren Heeren ziehen würden und sollen, so sollen sie denen in all ihren Geschäften und Handlungen zur Teilung der Lande das halten, was in den Briefen gedruckt ist, es sei denn beide Teile kämen zu anderem gemeinsamen Ratschluss.

16. Alle Flüchtlinge aus diesem Krieg, geistliche und weltliche, von beiden Teilen, sollen ohne Hindernisse wiederkommen können zu ihren Besitzungen und Gütern, die sie besessen haben, und sollen auch die Gunst und Gnade ihrer Herren haben, ausgenommen alleine der Herr Bischof zu Braunsberg, der ein heil und ein sicheres Geleit haben soll zu seinem Bischofssitz, dem der Meister keine Gewalt antut. Alles was er tut soll mit Recht geschehen.

17. Herr Sigismund König von Ungarn soll in diesem Bericht und Frieden ohne Hinterlist eingeschlossen sein, wenn er dies begehrt. Diesem soll durch den Hochmeister ohne Zögern der Inhalt dieser Vereinigung offenbart und dargelegt werden, und wenn der König von  Polen durch den Hochmeister über den Willen des Herrn Königs von Ungarn Gewissheit gegeben hat, werden zwischen dem Herrn König von Polen weder Ungerechtigkeiten noch Krieg gegen den König von Ungarn geduldet, wenn der König von Ungarn dies nicht verhindert; wenn diese sich aber zum Kriege rüsten, wird es dem Herrn König von Polen erlaubt sein, Vergeltung zurückzugeben und sich vor den Eindringenden ganz zu verteidigen.

18. Beide Teile sollen bei ihren Briefen und Privilegien bleiben, nach löblicher Gewohnheit und Recht wie sie es bislang gewesen sind, dass sie nicht angetastet werden durch die hier erklärten Artikel.

19. Nimmer mehr zu ewigen Zeiten soll die Krone von Polen mit den Landen zu Litauen und all seinen Leuten wider den Orden vorgehen, noch sich mit des Ordens Feinden gut halten.

Und auch soll nimmer mehr zu ewigen Zeiten, der Hochmeister und der Orden mit unseren Landen uns wider die Krone zu Polen und das Land zu Litauen stellen und sich mit Feinden der Kronen und zu Lande zu Litauen gut halten.

Zur Vervollständigung und Offenbarung dieses Zeugnisses, haben Wir dieses mit unserem  Siegel, und der Großen und Ehrwürdigen Prälaten, Gebietiger, Komture, Vögte, Ritter und Bürgern, natürlich den hochwürdigen Vater und Herrn Arnold von Kulm, Johannes von Pommesanien und Heinrich Erzbischof von Samland und Bruder Konrad von Eggloffstein für Deutschland und Italien und Konrad von Vittinghoff für Livland Großgebietiger, Hermann Gans als Großkomtur, Michael Küchenmeister als Oberster Marschall, Werner von Tettingen Oberster Spittler, und von Elbing, Albert von Tonna als Oberster Trappier und von Christburg, Bohemund Brendel als Oberster Tressler, Eberhard Wallenfels von Thorn, Friedrich Graf von Zollern von Balga, Ulrich Zenger von Brandenburg, Helfrich von Drahe von Ragnit, Konrad Zebeler von Osterode, Heinrich von Plauen von Danzig, Peter von Lorch von Mewe, Friedrich von Constetten von Schwetz, Johannes von Graudenz, Georg Wirsberg von Rehden, Jodokus Hohenkirchen von Schlochau, Simon von Tuchel, Wilhelm Steinheim von Strasburg, Karl von Walterhausen von Schönsee. Konrad Buchsek von Nessau, Friedrich Schotte von Althaus, Heinrich von Querfurt von Dirschau, Johannes von Techwitz von Grebin, Hartmann Lewe, Vogt von Roggenhausen, Augustin von Czegenberg, Heinrich von Bankow, Kaspar von Baysen, Thom von Thessau, Nikolaus Wytkop Ritter, und der Städte Kulm, Thorn, Danzig, Elbing, Königsberg und Strasburg Siegeln gegeben.

Gegeben und geschehen zu Thorn, im Jahre des Herrn 1411, am Tag des Herrn dem 1. des Monats Februar, in Anwesenheit der vorgenannten Prälaten und Gebietiger, deren Namen genannt sind.

Quelle
Frieden von Thorn 1411, in: Weise, Erich (Bearb.): Die Staatsverträge des Deutschen Ordens in Preußen im 15. Jahrhundert, Bd. 1, Marburg 1970, S. 83-89. 
Übers.
Mike Janssen 
Copyright
Verbreitung und Vervielfältigung nur zu wissenschaftlichen Zwecken. Voraussetzung für die Nutzung in wissenschaftlichen, nichtkommerziellen Publikationen und Abschlussarbeiten ist neben der korrekten Zitation – unter Berücksichtigung der empfohlenen Zitierweise – eine entsprechende Meldung an die Projektkoordination über das Meldeformular
Erstellt
17.04.2013 
Zuletzt geändert
19.06.2018 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Frieden von Thorn 1411, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Deutscher Orden und Preußen im Mittelalter", bearb. von Marcus Wüst. URL: https://www.herder-institut.de/resolve/qid/1823.html (Zugriff am 18.08.2019)