Zwangsabgaben

1945, 25. Januar - Aussagen von für die Ausreise nach Polen registrierten Polen aus der Region Rożyszcze, denen die örtlichen Behörden neue Zwangsabgaben auferlegt haben

Protokoll

verfasst am 23. Januar 1945 im Büro des Bevollmächtigten der P[rovisorischen] P[olnischen] R[egierung] für Umsiedlungsangelegenheiten in Łuck.

Es haben sich eingefunden Kazimierz Kalitowski, Sohn des Andrzej, und Józef Bubiło, Sohn des Jakub, beide aus dem Dorf Olganówka, Gebiet Rożyszcze, und haben das Folgende ausgesagt:

Das ganze Dorf Stara und Nowa Olganówka ist für die Ausreise nach Polen regi­striert. Das gesamte Getreidekontingent haben wir bezahlt. Am 11. oder 12. Januar dieses Jahres gingen der Vorsitzende des Dorfsowjets des Dorfes Olganówka Jan Tereščuk und sein Stellvertreter Sergej Slavutyč durchs Dorf – Tereščuk hatte ein Gewehr – und nahmen das Getreide weg. Bei Jan Dziuba nahmen sie das ganze Ge­treide vom Dachboden mit – ca. 2 Doppelzentner, bei Julia Kamola nahmen sie drei Säcke Getreide mit: zwei Säcke Roggen und einen Sack Gerste; bei Wojciech Wilk 1 Sack Gerste. Dziuba und Wilk hatten das Kontingent vollständig abgegeben, Ka­mola war noch einen Meter schuldig, sie nahmen ihr drei weg. Außerdem hat am 22. Januar dieses Jahres Tereščuk angeordnet, Getreide für den Fonds der Roten Armee abzugeben und dabei jedem Landwirt einen Anteil festgesetzt, z.B. Kalitow­ski 1 Meter Getreide, Bubiło – 4 Meter, Węzłowska 5 Meter usw. Jedem hat er einen Anteil festgesetzt. Tereščuk hat angekündigt, dass er, wenn wir nicht inner­halb von 24 Stunden den festgesetzten Anteil für den Fonds der Roten Armee be­zahlen, den Rest des Getreides mitnehmen würde, und dort, wo es kein Getreide [mehr] gibt, werde er die Kühe, Pferde, Bettzeug und überhaupt alles mitnehmen, was er auf dem Hof finden werde. Tereščuk droht, dass er uns alles wegnehmen wird und dass wir „mit nichts als unserem Hemd am Leib“ hinter den Bug fahren würden. Jeden Tag geht er durchs Dorf, droht und drängt zur sofortigen Ausreise. Dabei droht er uns mit der Deportation in den Donbass, wenn wir nicht sofort das Dorf verlassen. Das Protokoll wurde vorgelesen.

Quelle
1945, 25. Januar - Aussagen von für die Ausreise nach Polen registrierten Polen aus der Region Rożyszcze, denen die örtlichen Behörden neue Zwangsabgaben auferlegt haben, in: Cieselski, Stanisław: Umsiedlung der Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten nach Polen in den Jahren 1944-1947, Marburg 2006, S. 134. 
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Erstellt
12.11.2012 
Zuletzt geändert
06.12.2017 

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1945, 25. Januar - Aussagen von für die Ausreise nach Polen registrierten Polen aus der Region Rożyszcze, denen die örtlichen Behörden neue Zwangsabgaben auferlegt haben, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Umsiedlung der Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten nach Polen 1944-1947", bearb. von Klaus-Peter Friedrich. URL: https://www.herder-institut.de/resolve/qid/1537.html (Zugriff am 19.01.2020)