Königreich Polen 1815-1915 - Über das Modul

Bearbeiter: Pascal Trees (München)

Erstveröffentlichung: Juni 2016

„Polens Glück hängt von seiner vollständigen Verschmelzung mit den Völkern meines Reiches ab“, sagte Alexander II. am 23. Mai 1856 vor Repräsentanten der polnischen politischen und kirchlichen Eliten in Warschau. Schon ein halbes Jahrhundert war vergangen, seit der Wiener Kongress die russische Herrschaft an der Weichsel sanktioniert und der Zar, damals noch Alexander I., dem dabei geschaffenen Königreich Polen eine Verfassung mit weitreichenden Autonomierechten gewährt hatten. Dazu zählten neben einem eigenen Verwaltungsrat mit Regierungsfunktionen auch Sejm, Senat und selbst eine eigene Armee.

Auf „Verschmelzung“ standen die Zeichen anfangs also noch nicht unbedingt. Allerdings hatte der Sieger über Napoleons Grande Armée, Zar Alexander I., nie einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass es sein militärischer Triumph und seine faktische Kontrolle des vormaligen Großherzogtums Warschau waren, die Russlands Herrschaft dort legitimierten – oder ihr zumindest ein viel größeres Maß an Legitimität verliehen, als es die Teilungen der Adelsrepublik am Ende des 18. Jahrhunderts je vermochten.

Auf polnische Bemühungen, die in Wien zu errichtenden politischen Grenzen und die erwarteten konstitutionellen Garantien auf Posen und auch auf die östlichen Gebiete der ehemaligen Adelsrepublik auszudehnen, ging der Autokrat allerdings nicht ein. Die polnischen Eliten konnten ihre Handlungsspielräume daher nur im neu geschaffenen Königreich ausloten. Einige Entfaltungsmöglichkeiten hatten sie im Bildungs- und Justizwesen, vor allem aber auf wirtschaftlichem Gebiet, wo die Verheerungen des Krieges noch nachwirkten.

Alexander I. bewies bis zu seinem Tode im Dezember 1825 Geduld darin, die strukturellen Spannungen auszuhalten, die aus der eigentümlichen Kombination von autokratischem Herrschaftsverständnis und konstitutioneller Ordnung in einem Teil seines Reiches entstanden. An der Weichsel wurden dagegen vor allem die Mängel gesehen, welche die Vertreter des Zaren in ihrer alltäglichen Arbeit offenbarten. Mehrfach versuchten führende polnische Politiker wie Adam Czartoryski oder Finanzminister Franciszek Ksawery Drucki-Lubecki, sich in Sankt Petersburg Gehör zu verschaffen, sei es, um allgemein auf die Nichtbeachtung von Verfassungsvorschriften hinzuweisen, sei es, um auf das Gebaren des zarischen Sonderbeauftragten Nikolaj Novosil’cev aufmerksam zu machen. Ein besonderer Stein des Anstoßes war der nach 1826 als Statthalter fungierende Zarenbruder Konstantin Pavlovič: Dieser interpretierte sein Oberkommando über die polnische Armee derart schikanös und brutal, dass es nicht nur die Moral seiner Soldaten schwer beeinträchtigte, sondern auch für Unmut unter der Zivilbevölkerung sorgte. Ohne Zweifel war Großfürst Konstantin neben der Inspiration durch die russischen Dekabristen und dem Impuls durch die Julirevolution in Frankreich einer der Faktoren, die im November 1830 die Kadetten der Warschauer Offiziersschule in die offene Revolte trieben. Teile der polnischen Armee schlossen sich an, so dass der Novemberaufstand zu einem regelrechten Krieg eskalierte.

Dieser endete angesichts der Kräfteverhältnisse zwischen den beiden Armeen allerdings mit einer vorhersehbaren Niederlage der Polen. Der neue Zar, Nikolaj I., zog entsprechende Konsequenzen: Frei von den Ambivalenzen, die das Verhältnis seines Vaters zu Polen geprägt hatten, wertete er den Aufstand als treubrüchigen, „schwärzesten Undank“ für die seiner Meinung nach ohnehin unverdienten Wohltaten, die Alexander I. den Polen erwiesen hatte. Nikolaj ersetzte die Verfassung durch das Organische Statut von 1832, das die polnische Armee in die des Russischen Reiches integrierte und kein Parlament mehr vorsah. Im Norden Warschaus ließ Nikolaj eine Zitadelle errichten, die den russischen Herrschaftsanspruch noch unmissverständlicher als zuvor demonstrierte. Vertretern der Stadtverwaltung drohte er am 16. Oktober 1835 damit, Warschau beim kleinsten Anzeichen eines neuerlichen Aufbegehrens zerstören zu lassen. Der Zar erwartete, dass die Polen ihre „Träume von einer distinkten Nationalität, von einem unabhängigen Polen und von all diesen Chimären“ endlich aufgaben.

Diese Androhung nackter Gewalt verfehlte ihre Wirkung nicht. Sie war indes angesichts der Erschöpfung der kongresspolnischen Gesellschaft nach Monaten des Krieges wie auch der ihm folgenden „großen Emigration“ seiner Eliten nach Westeuropa und Frankreich wohl auch nicht nötig. Solange Nikolaj I. in Sankt Petersburg und sein neuer Statthalter in Warschau, Ivan Paskevič, das Regiment führten, blieb es im Königreich Polen ruhig. Über „distinkte Nationalität“ oder gar Unabhängigkeit musste entweder im Stillen oder außerhalb der Grenzen Kongresspolens nachgedacht werden. Selbst die Erschütterungen, die das Revolutionsjahr 1848 anderswo in Europa auslöste, schlugen an der Weichsel keine Wellen. In diesen Jahren beherrschten dort Politiker wie Aleksander Wielopolski die Bühne, die zu einem Ausgleich mit Sankt Petersburg keine realistische Alternative sahen.

Dieser Ansatz wurde erst wieder in Frage gestellt, als sich in den 1850er Jahren Russlands militärische Macht im Krieg um die Krim als die schwächere erwies und die Vertreter des harten Kurses, Nikolaj I. und Paskevič, noch vor Abschluss des Pariser Friedens starben. Mit Alexander II. betrat dann ein Zar die Bühne, dessen Name vor allem mit den „großen Reformen“ des Russischen Reiches verbunden ist. Im Königreich Polen führte er sich mit einer Amnestie für die emigrierten oder verbannten Aufständischen von 1830/31 ein; zugleich erneuerte er das Integrationsangebot an seine polnischen Untertanen: In seiner eingangs zitierten Rede wies er darauf hin, dass im Krimkrieg Polen „ihr Blut zur Verteidigung des Vaterlandes“ vergossen hätten wie alle anderen Reichsuntertanen auch. Gleichwohl betonte auch Alexander II., dass er die von seinem Vater etablierte Ordnung aufrechtzuerhalten gedenke: Hier fiel seine oft zitierte Ermahnung „Ainsi, messieurs, et avant tout, point de rêveries, point de rêveries!“ – „Also, meine Herren, und vor allem, keine Träumereien, keine Träumereien!“

Die derart Angesprochenen bedurften einer solchen Warnung vielleicht noch nicht, doch bald änderte sich die Situation im Königreich Polen grundlegend: So entwickelte sich um die 1857 neu gegründete chirurgisch-medizinische Akademie ein intellektuelles Milieu, das revolutionäre Anschauungen vertrat. Ein Jahr später konstituierte sich die Agrargesellschaft unter ihrem Vorsitzenden Andrzej Zamoyski, die bald mehrere Tausend Mitglieder zählte und sich als polnische Interessenvertretung zu gerieren begann. Als der Zar in seinen Reformbestrebungen den polnischen Adel aufforderte, Vorschläge für eine Agrarverfassung und zur Befreiung der Bauern zu unterbreiten, verbanden sich Debatten um die soziale Verfassung des Landes mit Forderungen nach einer Erneuerung seiner verlorenen Autonomierechte. Bei Straßendemonstrationen in Warschau, auf die Polizei und Armee mit Härte reagierten, gab es im Frühjahr 1861 Tote.

In den folgenden zwei Jahren konnten weder Zugeständnisse aus Sankt Petersburg noch im Königreich Polen selbst unternommene Beruhigungsversuche verhindern, dass radikale Kreise dazu übergingen, einen neuen Aufstand vorzubereiten. Dieser brach am 22. Januar 1863 aus, nachdem Aleksander Wielopolski versucht hatte, der befürchteten Erhebung potenzielle Kämpfer zu entziehen, indem er eine Rekrutenaushebung anordnete.

Anders als die Erhebung von 1830/31 nahm der Januaraufstand von 1863/64 wegen weitgehend fehlender militärscher Ressourcen auf polnischer Seite Züge eines Guerillakrieges an. Von einer sehr gut organisierten Untergrundregierung ebenso getragen wie von dem Ziel, die Bauern zu befreien und in die Nation einzubeziehen, strahlte der Januaraufstand bis weit in die westlichen Gebiete des Zarenreiches aus. Die russische Armee konnte ihn erst beenden, als Romuald Traugutt, der „Diktator“ des Aufstands im April 1864 verhaftet und schließlich hingerichtet wurde.

Diesen Angriff auf seine autokratischen Prärogative beantwortete der Reformzar nicht anders als sein Vorgänger mit Härte. Es wurden Todes- und Verbannungsurteile gefällt, Güter konfisziert. Die administrative Integration des Königreichs Polen in das Russische Reich wurde forciert, der Statusverlust entsprechend sichtbar gemacht: Nach dem Tod des noch im Januaraufstand ernannten Statthalters Fedor Berg im Jahr 1874 wurde dessen Amt nicht neu besetzt; von nun an residierten im Warschauer Königsschloss zivile russische Generalgouverneure, die zugleich Oberbefehlshaber der russischen Truppen an der Weichsel waren. Langfristig wirken sollte die Russifizierung des polnischen Bildungswesens.

Alle Hoffnungen auf eine Selbstbefreiung von russischer Herrschaft wurden so vorerst zu Grabe getragen. Stattdessen wurden Stimmen laut, die dezidiert für eine Abkehr vom bewaffneten Kampf plädierten und forderten, im Rahmen der gegebenen Möglichkeit auf eine Verbesserung der ökonomischen und sozialen Lage hinzuarbeiten. Der prominenteste Vertreter dieses Gedankens war der Publizist Aleksander Świętochowski, der 1873 mit einer Artikelserie zur „Arbeit an den Grundlagen“ das Programm der Warschauer Positivisten mitformulierte. Letztlich ging es darum, einen Modus Vivendi mit der russischen Regierung zu finden. Dieses Ziel teilten auch die Verfechter eines „Ausgleichs“ mit Sankt Petersburg, die sich eine „realistische“ Einschätzung der Lage auf die Fahnen schrieben. Ihre Strategie bestand im Kern darin, der russischen Regierung durch Wohlverhalten langfristig zu zeigen, dass Zugeständnisse an das polnische Streben nach Eigenständigkeit gefahrlos möglich seien. Sie dominierten die politische Bühne bis in die 1890er Jahre. Als sichtbaren Erfolg beanspruchten sie die Errichtung des Adam Mickiewicz-Denkmals in Warschau für sich; besonderer Popularität erfreuten sie sich indes weder an der Weichsel noch an der Neva. Für die Massenparteien, die sich ab Ende der 1880er Jahre zu formieren begannen, waren sie keine Konkurrenz.

Diese neuen politischen Tendenzen nach dem Januaraufstand waren auch für die Nachfolger des 1881 ermordeten Zaren Alexanders II. annehmbar. Trotzdem saß das Misstrauen auf russischer Seite nun tief. Es motivierte eine im Kern repressive Politik, vor deren möglichen unerwünschten Folgen der 1896 eingesetzte Generalgouverneur Imeretinskij die Regierung in Sankt Petersburg allerdings deutlich warnte. Unterdessen unterstrich Russland seinen Herrschaftsanspruch an der Weichsel noch einmal, indem es 1894 im Zentrum Warschaus mit der Errichtung der wuchtigen Aleksandr-Nevskij-Kathedrale begann.

Die Auseinandersetzung zwischen dem Herrschaftszentrum an der Neva und seiner polnischen Provinz, die ab den 1880er Jahren halboffiziell immer häufiger nur noch als „kraj privislinskij“, als „Weichselland“, bezeichnet wurde, konnte nie ganz beendet werden. Sie wurde besonders in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund massiver sozialer und kultureller Veränderungen geführt, welche die russische Regierung nur in engen Grenzen beeinflussen konnte. Ein zentraler, viele andere Aspekte der Entwicklung beeinflussende Faktor dieser Veränderungen war das enorme Bevölkerungswachstum: Kurz nach dem Januaraufstand lebten rund 5.336.000 Menschen im Königreich Polen, am Vorabend des Ersten Weltkriegs waren es fast 13 Millionen. Damit einher ging das Anwachsen Warschaus und der Stadt Łódź, die Anfang der 1820er Jahre noch ein gänzlich unbedeutender Ort gewesen war, zu echten Metropolen. Dort, aber auch in den Gouvernements Warschau, Petrokov/Piotrków und Radom entstanden hochdynamische industrielle Zentren. Deren schnell wachsende Arbeiterschaft rekrutierte sich zwar aus der Masse der landlosen, von der im Januaraufstand angestoßenen Reform Alexanders II. nicht begünstigten Bauern, bildete aber bald eine von diesen deutlich unterscheidbare Bevölkerungsgruppe mit gänzlich anderen Interessen und politischen Ambitionen.

Aus der mit dieser Entwicklung verbundenen sozialen Frage, aber auch aus einem erwachenden Nationalismus moderner Prägung, denen zusehends bedeutendere intellektuelle Milieus in den Städten Publizität verliehen, erwuchsen der russischen Herrschaft neue, unversöhnliche Gegner. Eine ganze Anzahl sozialistischer Gruppierungen und Parteien forderte ab den späten 1880er Jahren nichts weniger als den Sturz des zarischen Regimes. Andere Parteien, die langfristig einen unabhängigen polnischen Staat anstrebten, entschieden sich für eine ambivalentere Strategie: So erklärten die Nationaldemokraten, alle vom Staat zugelassenen legalen Mittel ausschöpfen zu wollen, bei Bedarf aber auch vor Verbotenem nicht zurückzuschrecken.

Diese beiden Richtungen konkurrierten während der Revolution von 1905, die das Russische Reich im Gefolge eines katastrophalen Krieges gegen Japan 1904/5 in seinen Grundfesten erschütterte, um die Dominanz in der öffentlichen Meinung, die nach dem Oktobermanifest Nikolajs II. durch weitgehende Rede-, Presse-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheiten ganz neue Entfaltungsmöglichkeiten hatte. Während die sozialistischen Gruppierungen jedes Zugeständnis der zarischen Regierung als Farce verwarfen, suchten alle anderen Parteien, sowohl die schon länger bestehenden als auch die spontan neu formierten, erneut Autonomieforderungen durchzusetzen. Dazu nutzten sie besonders die vom Zaren zugestandene parlamentarische Bühne, die Duma. Als die mit Abstand erfolgreichsten Wahlkämpfer erwiesen sich im Königreich Polen insgesamt die Nationaldemokraten, da diese die ländliche Wählerschaft aufgrund langjähriger Vorarbeit weitgehend für sich einnehmen konnten; das städtische Elektorat zwangen sie vielerorts mit polarisierenden, zunehmend antisemitischen Kampagnen auf ihre Seite. Dagegen konnte die aus den Ausgleichspolitikern hervorgegangene „Partei der Realpolitik“ nur Achtungserfolge unter den grundbesitzenden Wählern erringen.

Die Duma blieb als politisches Forum grundsätzlich auch erhalten, als die Regierung das Wahlrecht zum Parlament im Juni 1907 einschränkte und dessen Zusammensetzung zu Ungunsten der oppositionellen Parteien und der nationalen Minderheiten veränderte. Diese Maßnahme war Teil des „Staatsstreichs“ von Premierminister Petr A. Stolypin, der die Ruhe im Zarenreich wiederherstellte – wenn auch nur teilweise und temporär. Die Entwicklungsmöglichkeiten dieser „konstitutionellen Autokratie“ sind schwer einzuschätzen, da sie 1917 ein gewaltsames Ende fand. Im Königreich Polen stürzte sie noch früher, weil es schon im August 1915 von deutschen und österreichischen Truppen vollständig besetzt wurde. Das „Weichselland“ war der rund hundertjährigen russischen Herrschaft damit entzogen.

Das Königreich Polen als solches ist ein Forschungsfeld für Spezialisten, die sich innerhalb bestimmter, deutlich voneinander unterscheidbarer Entwicklungsphasen des Königreichs entweder mit dessen zentralen Akteuren und Institutionen oder seiner sozialen und ökonomischen Entwicklung befassen. Die polnische Historiographie hat dazu allein in den vergangenen zehn Jahren eine große Zahl von Einzelstudien hervorgebracht. Diese werden sowohl im deutschsprachigen als im angelsächsischen Raum weniger in ihrer Breite als vielmehr nach Bedarf dort rezipiert, wo sie sich für andere Ansätze fruchtbar machen lassen, z.B. in der „neuen Imperialgeschichte“. Während das Königreich Polen bei solchen Fragestellungen als lohnendes Objekt vergleichender Forschungen zu anderen beherrschten Räumen dienen kann, ist ein klarer Forschungstrend speziell zu Polen zumindest in dem hier behandelten Jahrhundert derzeit nicht recht auszumachen. Ansatzpunkte für Detailstudien, die die polnische Forschung noch intensiver rezipieren, gibt es indes genug.

Textquellen

Die Dokumente des Moduls sind bis auf wenige Ausnahmen schon publizierten, meist polnischen Editionen entnommen. Im Sinne des die Themenmodule leitenden Konzepts reflektieren sie aus einer nationalhistorischen Perspektive vor allem die politische Geschichte des Königreichs Polen von 1815 bis 1915. Dementsprechend sind Akzente in seiner Entstehungsphase, aber auch bei den beiden Aufständen des 19. Jahrhunderts gesetzt. Um Einseitigkeiten zu vermeiden, wurden Quellen ausgesucht, die nicht nur polnische Perspektiven erhellen, sondern auch die Wahrnehmung der Herrschenden in Sankt Petersburg zeigen und idealerweise die Interaktion mit den Beherrschten beleuchten. In diesem Sinne sind auch die Revolutionszeit von 1905 und die Phase der „konstitutionellen Autokratie“ bis zum Ersten Weltkrieg vertreten. Es versteht sich, dass bei der begrenzten Zahl nicht annähernd alle Aspekte adäquat erfasst sein können. Einzelne Quellen, die speziellere, jedoch nicht unwichtige Themen wie die Minderheiten (Juden, Deutsche), den Boom der Textilmetropole Łódź oder ideengeschichtliche Entwicklungen ansprechen, sind daher nicht  als „Schlüsseltexte“ zu verstehen, sondern als Anregungen und Ansatzpunkte zur weiteren Vertiefung.

Materialien

Die Materialien enthalten neben Karten, die die administrativen Veränderungen im Königreich über ein Jahrhundert hinweg illustrieren, einige Fotografien, die das Vordringen der russischen Herrschaft im öffentlichen Raum sichtbar machen oder wenigstens andeuten, besonders aber eine Reihe von Rechtsquellen, auf die sich die Literatur immer wieder beruft, um die fortschreitende „Degradierung“ des Königreichs Polen zum „Weichselland“ zu beschreiben. Aufgenommen wurde auch eine Anzahl von Erlassen und Beschlüssen, die den Sonderstatus der im Quellenteil wenig berücksichtigten jüdischen Minderheit sichtbar werden. Schließlich soll eine Anzahl von Tabellen mit ökonomischen Fundamentaldaten helfen, die dynamische Entwicklung des Königreichs besonders ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu verdeutlichen.