Vorschläge zur Vorbereitung der Germanisierung (Umvolkung) im Protektorat Böhmen und Mähren

Das Amt des Reichsprotektors verarbeitet Franks Memorandum. Schlussfolgerung: Den rassisch wertvollen Teil der Bevölkerung germanisieren, gegen den Rest Sonderbehandlung anwenden. Neue überarbeitete Fassung der Vorschläge

Das Amt des Reichsprotektors verarbeitet Franks Memorandum. Schlußfolgerung: Den rassisch wertvollen Teil der Bevölkerung germanisieren, gegen den Rest Sonderbehand­lung anwenden.

Der Reichsprotektor
in Böhmen u. Mähren

Prag, den 30. November 1940.

Nr. I 1 — 1189 g

GEHEIM

Herrn
Unterstaatssekretär
geh.

Betrifft: Vorschläge zur Vorbereitung der Umvolkung im Protektorat
Böhmen und Mähren

Beilage: 1

In der Anlage übersende ich eine neu überarbeitete Fassung der Vorschläge zur Vorbereitung der Germanisierung (Umvolkung) im Protek­torat Böhmen und Mähren mit der Bitte um Kenntnisnahme.

Hufnagel

 

Prag, den 18. Dezember 1940.

G. R. mit 1 Anlage
SS-Obersturmbannführer Böhme 
Prag

unter Bezugnahme auf den Inhalt der Anlage übersandt. Ich darf anregen, eine Abschrift des Vorganges fertigen zu lassen und diesen alsdann spätestens bis zum 21. d. Mts. an mich zurückzuleiten.

Heil Hitler!
Gies
SS-Obersturmbannführer

 

Vorschläge zur Vorbereitung der Germanisierung (Umvolkung) im Protektorat Böhmen und Mähren1. Grundsätze

Bei der gesamten Politik im böhmisch-mährischen Raum, insbesondere bei der Volkstumspolitik, müssen einige leitende Grundsätze und Erkennt­nisse beachtet werden. Sie werden deshalb an die Spitze der Ausführungen gestellt:

A) Ziel der gesamten Eindeutschung hat zu sein: Möglichst alle nach strenger Auswahl als rassisch wertvoll befundenen Teile der heutigen Bevölkerung im böhmisch-mährischen Raum sind einzudeutschen. Im Interesse der Deutsch­werdung von Raum und Mensch darf möglichst niemand, dessen Eindeut­schung wirklich von Wert ist, verloren gehen. Alle Maßnahmen sind so zu treffen, daß auch in heute noch sich ablehnend verhaltenden, aber rassisch als wertvoll bekannten Persönlichkeiten eine Umvolkungsbereitschaft ent­stehen kann oder daß doch die Kinder solcher Familien der Umvolkung zu­geführt werden können.

Im Interesse des künftigen deutschen Menschen auf dem heutigen Pro­tektoratsgebiet ist zu fordern, daß die Eindeutschung ohne inneren Riß, ohne Bruch der Persönlichkeit, erfolgt. Ein Umvolkungszwang ist daher ausgeschlossen. Die Aufnahme in die deutsche Gemeinschaft muß einen durch Haltung und Leistung zu erringenden Vorzug bedeuten. Die Haupt­planungsarbeit hat sich daher darauf zu beschränken, Umvolkungsmöglichkeiten (insbesondere die äußeren Voraussetzungen und die innere Aufge­schlossenheit der Menschen) zu schaffen und im übrigen den natürlichen Kräften das Spiel zu lassen. Kein Hereinziehen mit Gewalt, nur ein wahl­weises Hereinlassen, Auslese. Man könnte von einer „gelenkten natürlichen Auslese" sprechen.

В) In vielen Fällen werden die Eindeutschungsmaßnahmen auf dem Boden des Altreichs (vor allem in West-, Südwest- und Süddeutschland) vollzogen werden müssen. Auch aus anderen. Gebieten des Reichs (außerhalb des Protektorats), insbesondere aus dem Osten, aber auch aus dem Westen) (etwa Lothringen), werden nach dem Kriege Menschen zur Eindeutschung ins Altreich verpflanzt werden müssen. Daraus ergeben sich folgende Not­wendigkeiten :

1. Die im Altreich Einzudeutschenden aus dem Protektoratsgebiet müssen „leicht verkäuflich" sein (qualifizierte Kräfte, Facharbeiter, aber auch Ingenieure und dergl.), um die Unterbringung zu erleichtern.

2. Von der Eindeutschung im Altreich ist sparsamer Gebrauch zu machen, also nur in den Fällen, wo diese nach Sachlage nötig ist. Die Gefahr einer Entvölkerung, eines "Vakuums im böhmisch-mährischen Raum ist zu vermeiden. Der Zwang zur Umsiedlung muß außerdem vollkommen ver­schleiert sein. Es entstehen bei allzu großzügigem Einsatz im Altreich zwei Gefahren: psychologische Hemmnisse der Umvolkungsbereitschaft aus der notwendigen Folge eines Einsatzes außerhalb der Heimat einer­seits und psychologische Schwierigkeiten im Altreich andererseits. Bei einer Überlastung des Altreichs mit Einzudeutschenden ist mit einem Rückschlag in den Umvolkungsmöglichkeiten zu rechnen. Neigungen im Altreich, Tschechen z. B. in Industrievierteln geschlossen anzusiedeln, sind auf jeden Fall zu unterbinden.

Die Verbeamtung, Verstädterung (Landflucht) und Vergewerblichung sind daher bei der allmählich entstehenden Zwischenschicht zu fördern, die Blickrichtung ist vom engen Raum in das weite Reich und die weite Welt zu lenken. Auf den heute noch tschechischen Boden gehört frisches deutsches Blut (Wehrbauern) aus allen Teilen des Reiches.

2. Erfassung und Gliederung der Menschen.

Der rassisch wertvolle Bevölkerungsteil soll der Umvolkung zugeführt, der rassisch unbrauchbare und der reichsfeindliche Teil der Tschechen je­doch von der Eindeutschung ausgeschieden und einer Sonderbehandlung unterworfen werden. Erforderlich wird zur Trennung dieser beiden Haupt­klassen eine Bestandsaufnahme des gesamten im Protektorat lebenden Menschonmaterials. Zur Tarnung könnte vielleicht daran gedacht werden, diese Aufnahme zunächst als große Gesundheitsmaßnahme aufzuziehen, wobei in die Kommissionen rassenpolitisch geschulte deutsche Kräfte ein­zubauen wären. Die Untersuchungen hätten sich auf alle wissenswerten Punkte, die noch im einzelnen festgelegt werden müßten, zu erstrecken. Ins­besondere muß Gewicht auf rassische Angaben über die ganze Sippe und auf berufliche Angaben gelegt werden. Das gewonnene Material ist kartei­mäßig zu erfassen. Da diese Bestandsaufnahme bei gründlicher Arbeit län­gere Zeit erfordern wird, muß eine gewisse Rangordnung der Dringlichkeit der Aufnahme festgelegt werden. So wären zunächst die Menschen zu prü­fen, die für einen Arbeitseinsatz in Gebiet außerhalb des Protektorats vor­gesehen sind. Sodann sind die Gegenden aufzunehmen, für die deutscherseits zwecks Schaffung von Landbrücken besonderes Interesse besteht, z. B. die Landverbindung von Leitmeritz nach Prag und die Landbrücken in Mähren, weiter die Gebiete, in denen schon heute sicher festgestelltes tschechisiertes Deutschtum lebt (d. i. Umkreis der Budweiser, Iglauer, Olmützer Volks­insel).

Der wissenschaftlichen Erforschung der untergegangenen deutschen Ge­biete, die in vergangenen Generationen eingetschecht wurden, ist besonderes Augenmerk zu schenken, diesen Gebieten ist systematisch nachzugehen. Vorarbeiten sind auf manchen Gebieten schon geleistet, trotzdem wäre die Wissenschaft noch zielmäßig damit zu beschäftigen. Auch außerhalb der deutschen Universität sind dafür Kräfte vorhanden. So hat z. B. ein sude­tendeutscher wissenschaftlicher Arbeiter, Dr. Franz Beranek, derzeit in Tetschen, schon mehrfach auf diesem Gebiet gearbeitet und in einer früheren Eingabe an den Reichsprotektor darum gebeten, systematisch dafür ein­gesetzt zu werden. Politisch liegt gegen Dr. Beranek offenbar nichts vor, da er erst neuerdings zum tätigen Mitglied einer Kommission an der „Sudetendeutschen Anstalt für Landes- und Volksforschung" ernannt worden ist. Im Interesse der Beschleunigung der Ergebnisse wären solche wissenschaft­liche Arbeiter ausschließlich mit diesen Fragen zu beschäftigen und in ge­schickter Arbeitsteilung einzusetzen. Das gesamte Menschenmaterial wäre bei der Kartierung in Gruppen zu gliedern. Von der Einreihung in sie hängt die volkstumspolitische Behandlung des Einzelnen ab. Es kann in Anlehnung an den Runderlaß des Reichsführers SS Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums vom 12. 9. 1940, I/K 0 3 b/28. 3. 40 unter Beachtung der besonderen Verhältnisse im Protektorat etwa in folgende Gruppen ge­dacht werden:

a) Deutsche, die das Bekenntnis zum Deutschtum abgelegt haben.

b) Rückdeutschbare und eindeutschbare (umvolkbare) Personen, die ein Bekenntnis zum Deutschtum nicht abgelegt haben.

c) Personen, die auszuscheiden und einer Sonderbehandlung zuzuführen sind.

A. Deutsche, die das Bekenntnis zum Deutschtum abgelegt haben.

Für den inneren Dienstbetrieb werden sie in folgende Gruppen geteilt:

1. a) Volksdeutsehe, die sich im Volkstumskampf aktiv eingesetzt haben. Als aktiver Einsatz gilt außer der Zugehörigkeit zu einer deutschen Organisation auch jedes sonstige bewußte Eintreten für das deut­sche gegenüber dem fremden Volkstum.

b) Deutsche, die sich nicht aktiv für das Deutschtum eingesetzt, wohl aber ihr Deutschtum nachweislich bewahrt haben.

2. Deutschstämmige, die im Laufe der Zeit Bindungen zum Tseliechentum eingegangen sind, aber auf Grund ihres Verhaltens die Voraussetzung dafür in sich tragen, vollwertige Mitglieder der deutschen Volksge­meinschaft zu werden. Zu dieser Gruppe gehören auch Personen nicht­deutscher Abstammung, die in völkischer Mischehe mit einem deutschen Volkszugehörigen leben, wenn sich der deutsche Teil in der Ehe durch­gesetzt hat.

3. Rückgedeutschte, das sind Deutschstämmige, die ehemals vollkommen tschechisiert waren (Renegaten).

4. Eingedeutschte, das sind umgevolkte Fremdvölkische.

B. Rückdeutschbare und eindeutschbare (umvolkbare) Personen, die ein Be­kenntnis zum Deutschtum noch nicht abgelegt haben.

В 1 entspricht А) 1 b), solange ein Bekenntnis noch nicht abgelegt ist.

В 2 entspricht A) 2, solange ein Bekenntnis noch nicht abgelegt ist. Hierher gehört insbesondere eine Anzahl immer noch „verschüchterter" Streudeutscher, die sich in der rein tschechischen Umgebung noch nicht zum offenen Bekenntnis ihres Volkstums durch­gerungen haben.

В 3 entspricht A) 3, solange ein Bekenntnis noch nicht abgelegt ist.

В 4 Rassisch wertvolle Nichtdeutsche des böhmisch-mährischen Raums (insbesondere Mährer mit ihren verschiedenen Stämmen). Rassisch wertvoll ist dabei derjenige Protektoratsbewohner, bei dem oder in dessen Sippe slawische Rassenmerkmale nicht vorherrschen. Es kann dabei grundsätzlich davon ausgegangen werden, daß diese rassisch wertvollen Elemente nach Entstehen der inneren Umvolkungsbereitschaft infolge der geschichtlichen Durchblutung des Raumes mit deutschem Blut echt umvolkbar sind. Slawische Rassen­merkmale sind dabei z. B. außer mongolischen Typen deutlich un­geordnetes, unsorgfältiges Familienleben bei Mangel jeglichen Ge­fühls für Ordnung, für persönliche und häusliche Sauberkeit, Mangel an jeglichem Streben nach einem Vorwärtskommen.

С. Fremdvölkische, die auszusondern sind:

Hierher fallen die Gruppen:

1. Rassisch unbrauchbare Fremdvölkische, insbesondere Mongoloiden und (abgesehen von der Umkehrung Ziff. B/3 d. h. hoffnungslose Re­negaten) insbesondere auch solche mit jüdischem Bluteinschlag.

2. Reichsfeindliche rassisch wertvolle Fremdvölkische. Die Behandlung dieser Gruppe sollte, wenn ihre Absonderung notwendig wird, so er­folgen, daß Entwicklungsmöglichkeiten einer künftigen Umvolkung der Nachkommen nicht verschlossen werden.

Zweck der Eingliederung in die einzelnen Kategorien ist es, verläßlich und sicher für jeden einzelnen die Anwendung bestimmter volkstumspolitischer Maßnahmen zu sichern. Allerdings muß jede schematische Anwendung verhindert werden. Die Eingliederung gilt mehr als Richt­linie und Anleitung. Sie sichert jedoch eine planmäßig gelenkte Volkstumsarbeit und erleichtert sie wesentlich. Bei allen volkstumspolitischen Maßnahmen ist jeweils anzugeben, für welche Gruppen diese und jene Maßnahme im wesentlichen gedacht ist.

3. Entpolitisierung — Beruhigung

Die letzten 50 Jahre vor dem Weltkriege haben in steigendem Maße das Leben im böhmisch-mährischen Raum politisiert. Eine in der Geschichte nie gekannte Hochspannung politischer Natur haben die ehemalige tschecho­slowakische Republik und neuerdings die Änderung der Verhältnisse nach dem 15. März 1939 mit sich gebracht. Eine Beruhigung etwa so wie in der Zeit des Barock im Lande ist erforderlich, um zunächst über den Reichs­gedanken eine politische Assimilierung der Tschechen zu erreichen. Der po­litischen wird durch die „gelenkte natürliche Auslese" eine völkische Assi­milierung folgen, um so allmählich, gleichsam unmerklich die Eindeutschung des gesamten Raumes zu erzielen. Dieser Prozeß geht wie jeder Wachs­tumsprozeß nicht von heute auf morgen vor sich.

Folgende Grundsätze zur Neutralisierung sind zu beachten:

1. Nötige Maßnahmen und Eingriffe sind jeweils bestmöglichst so vorzu­nehmen, daß sie keine Beunruhigung hervorrufen. Falls sie unvermeidlich sind, ist durch entsprechende propagandistische Gegenwirkung, insbe­sondere durch eine leicht faßbare Begründung, für einen Ausgleich zu sor­gen. Dabei können verschiedenste Mittel angewendet werden. Es ist besser, durch ein Stichwort die öffentliche Meinung in eine bestimmte Richtung zu lenken, als sie unbeeinflußt zu lassen. Dies gilt auch für wirtschaftliche Maßnahmen aller Art, die z. B. aus irgendwelchen volkspolit. Gründen vorgenommen wurden. Es wäre z. B. denkbar, der durch die Aussiedlung des Wischauer und anderer Truppenübungsplätze hervor­gerufenen großen Beunruhigung dadurch zu begegnen, daß auf den Grund der Aussiedlung hingewiesen wird. Falls der Weg über die Presse aus gewissen taktischen Erwägungen vermieden werden muß, könnte auch eine entsprechende Flüsterpropaganda in Szene gesetzt werden. Sie würde in dem gewählten Beispiel bei dem Interesse für militärische Dinge wohl Erfolg haben.

2. Großzügige Entlastung und Entgiftung der Atmosphäre. Der Beamtenapparat des Protektorats ist wesentlich übersetzt. Daraus entstehen neben anderem eine Reihe von Unsicherheiten und Beunruhi­gungen über das Einzelschicksal des Beamten. Eine wesentliche Erleich­terung wäre durch großzügigen Einsatz im Altreich in den Fällen ein­deutig rückdeutschbarer und eindeutschbarer Personen im Sinne der Gliederung der Menschen zu B. geboten. Sie müßte allerdings auch auf diesen Personenkreis beschränkt bleiben. Der Einsatz rückdeutschbarer und eindeutschbarer fähiger Personen kann im übrigen Reich dringenden Bedarf decken und deutsche Kräfte für wichtigere Aufgaben (z. B. in den neuerworbenen Gebieten des Reiches) freimachen.

Auch sonstige Halbintelligenz der Gruppe B), die arbeitsmäßig inner­halb des Protektorats nicht voll ausgewertet erscheint, ist für den Ein­satz im Altreich bereitzustellen. Ebenso wie für die Beamtenschaft gilt, daß der auch sonst arbeitsmäßig unterbelastete Mensch, der deshalb auch regelmäßig zu wenig verdient, zuviel Zeit zu politischer Tätigkeit hat.

Der gefährliche Teil der Intelligenz, der politisch beunruhigend im Ein­zelfall arbeitet und unbelehrbar ist, ist rücksichtslos im Interesse der Un­terbringung der Hetze einer Sonderbehandlung zuzuführen.

Durch einen großen Schub in das Altreich und die als Folgeerscheinung eintretende größere Arbeitsbelastung der im Protektorat Gebliebenen, die gleichzeitig ein zufriedenstellenderes höheres Einkommen haben könn­te, wird Neutralisierung wesentlich erleichtert.

3. Das Eindringen des nationalsozialistischen Gedankenguts in das tsche­chische Volkstum kann nicht unter allen Umständen verhindert werden. Die Nationalisierung führt jedoch zum Konflikt mit der Notwendigkeit einer Neutralisierung als Vorstufe der Umvolkung. Da der nationale Ge­danke [zu] kräftig ist, als daß er ohne weiteres unterbunden werden könnte, muß danach getrachtet werden, ihn auf den mehr folkloristischen Hei­matsgedanken abzudrängen. Die im Tschechentum heute noch lebenden regionalistischen Bestrebungen müssen systematisch gefördert werden, um so eine gewisse Aufspaltung und Teilung des Tschechentums zu er­reichen. Wissenschaftliche Forschung und Propaganda haben dabei im Gegensatz zu den bisherigen tschechischen Bestrebungen das Besondere und Trennende herauszustellen. Dabei muß versucht werden, die ver­schiedenen Stämme und Volksgruppen gegeneinander auszuspielen. Um den künftigen Charakter der tschechischen Sprache als bloße Volks­sprache vorzubereiten und gleichzeitig sprachliche Unterschiede, insbe­sondere der mährischen Gruppen gegenüber der tschechischen Sprache als Spaltpilz auszuwerten, ist in Volks- und Bürgerschulen die Verwen­dung der Mundart in der Schule durch Schüler und Lehrer anzuregen.

Darüber hinaus muß unbedingt getrachtet werden, die Propagierung des nationalen Gedankens systematisch zu unterbinden. Allen politischen Gruppen ist zu bedeuten, daß zwar an sich gegen den Heimatgedanken als solchen nichts einzuwenden sei. Jedoch werde das Betonen des natio­nalen tschechischen Gedankens und die Aufrechterhaltung der tschechi­schen Eigenart gegenüber dem Deutschen von der tschechischen Bevöl­kerung derzeit als Spitze gegen das Deutschtum aufgefaßt. Das beweise z. B. der große Beifall, den entsprechende Stellen bei Reden ernten. Im Interesse einer gedeihlichen Zusammenarbeit, die auch ohne Betonen eines tschechischen nationalen Gedankens möglich ist, müsse eine derartige Propaganda unterbleiben.

Auch in der Presse ist dafür Sorge zu tragen, daß der nationale Ge­danke möglichst wenig zum Ausdruck kommt. Anderes nationalsoziali­stisches Gedankengut kann dagegen propagiert werden, um eine innerliche Ausrichtung der Bevölkerung und damit auch eine gesteigerte Umvolkbarkeit zu erreichen.

Die Propaganda für Hus, Jirásek und andere Nationalhelden (aber auch für die Choden) hat zu unterbleiben. Grundlegende "Wandlung der Lehr­methoden tut in den Schulen aller Arten und Stufen not.

4. Tschechische prodeutsche Organisationen ohne Nationaltendenz sind zu begünstigen bzw. müssen geschaffen werden, um zunächst den Reichs­gedanken zu pflegen und damit eine innere Aufgeschlossenheit und Aus­richtung auf die Weite des Reiches zu erzielen. Hierher gehören u. a. die Organisationen der ehemaligen österreichisch-ungarischen Soldaten.

Es ist dabei zu versuchen, die bestehenden tschechischen Organisationen in ihrer Zielsetzung umzubiegen. Damit würden Organisationsschwierig­keiten und psychologische Abneigung gegen manche von Haus aus pro­deutsche Organisationen vermieden. Finanzielle Schwierigkeiten der verschiedenen Verbände (auch der Nationalen Gemeinschaft), sowie der einzelnen leitenden Personen müssen geschickt für diesen Zweck ausge­wertet werden. Es hat überhaupt Grundsatz zu sein, zur „Aufbereitung" der Tschechen zwecks leichterer Tarnung und Vermeidung psychologi­scher Schwierigkeiten womöglich alte tschechische Firmen zu verwenden. Der gesamte Eindeutschungsprozeß muß weitmöglichst unmerklich er­folgen.

5. Angriffs- und Betreuungsorganisationen.

Bestimmte deutsche Organisationen sind damit zu betrauen, in das tsche­chische Volkstum durch Werbung von Angehörigen der Gruppe B) aktiv einzubrechen und die noch schwankende Zwischenschicht zu erfassen, zu betreuen und zu führen. Mit dieser Aufgabe könnte u. a. der Bund Deutscher Osten (BDO) beauftragt werden, der insoweit seine Weisungen von den für die Umvolkung verantwortlichen Stellen empfangen würde.

Quelle
Die Vergangenheit warnt. Dokumente über die Germanisierungs- und Austilgungspolitik der Naziokkupanten in der Tschechoslowakei. Zusammengestellt, mit Vorwort und Anmerkungen versehen von Václav Král. Prag 1960, Dok. 17, S. 109-117. 
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Erstellt
31.08.2015 
Zuletzt geändert
31.08.2015 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Vorschläge zur Vorbereitung der Germanisierung (Umvolkung) im Protektorat Böhmen und Mähren, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Protektorat Böhmen und Mähren", bearb. von Stefan Lehr (Münster). URL: https://www.herder-institut.de/resolve/qid/2942.html (Zugriff am 19.11.2017)