Denkschrift über die rassenpolitischen Verhältnisse des böhmisch-mährischen Raumes

Denkschrift über die rassenpolitischen Verhältnisse des böhmisch-mährischen Raumes und dessen Neugestaltung. Auf Antrag Heydrichs verfasstes Schreiben von SS-Oberscharführer Walter König-Beyer im Rassen- und Siedlungshauptamt in Berlin über die rassische Typologie von Tschechen und Sudentendeutschen

Franks Vorschläge werden von R. Heydrich im Prinzip genehmigt. Er legt besonderes Gewicht auf die praktischen Vorkehrungen, durch die jener Teil der tschechischen Nation erfaßt werden soll, der zur Germanisierung bestimmt wird.

Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD

Berlin S W 11, den 14. Sept. 1940.

C. d. S. — B. Nr: 9569/40.

Herrn
Staatssekretär Dr. Frank, persönlich
Prag

Lieber Frank!

Als Anlage überreiche ich Ihnen einen Aktenvermerk als Stellungsnahme zu Ihrer Denkschrift über die zukünftige Gestaltung des böhmisch-mähri­schen Raumes mit der Bitte um Kenntnisnahme.

Der Reichsführer SS hat meine Gedankengänge vollinhaltlich gebilligt.

Heil Hitler!

Heydrich

 

Anlg.    

Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD

Berlin, den 14. Sept. 1940.

Aktenvermerk !

I. Die geschichtliche und völkische Entwicklung des böhmisch-mährischen Raumes hat ohne Zweifel zu einem starken Vermischen germanischen und slawischen Blutes geführt. Die Voraussetzung für den Prozentsatz von Ein­deutschungsfähigen ist daher — wie im Ostgebiet und wie auch neuerdings in Ungarn — die völkische Bestandsaufnahme der Bewohner dieses Raumes und damit rein blutlich gesehen die Festsetzung des Prozentsatzes, der über­haupt, unabhängig von seiner Gesinnung, zur Eindeutschung in Frage kommt.

II. Liegt dieser Prozentsatz fest, so ist— ähnlich wie im Ostgebiet— zu klären, wo die Eindeutschung stattzufinden hat.

Auch hier ist zu prüfen, ob ein gut gesinnter Teil im Kampfgebiet bleiben und dort eingedeutscht werden kann, während der nicht deutschfreundliche Teil der Eindeutschfähigen im Altreichsgebiet einzeln aufgeteilt zu assimilie­ren ist, ggfs., falls die Erwachsenen selbst sich weigern, zwangsweise ihre Kinder.

III. Die Frage, ob Reservat, ob Aufteilung und Angliederung an die Nachbargaue, ob Trennung Böhmen und Mähren, ob ein Reservat Rest­böhmen usw. kommen soll, ist m. E. abhängig davon, wie die Entscheidung fällt über jene Prozente der Bevölkerung, die als nicht eindeutschfähige Tschechen übrig bleiben.

Die Frage: Wohin mit diesen Rest-Tschechen? Läßt man sie in einem Restreservat Böhmen, wird das Ziel, diesen Raum endgültig deutsch zu machen, nicht erfüllt; es bliebe also die zunächst imaginäre Zielsetzung, diese Rest-Tschechen in ein zur Zeit imaginäres Gouvernement zu eva­kuieren.

IV. Nachdem die unter III. gestellte Frage im Moment nicht beantwortet werden kann, muß man sich klar werden, wie man in Teilabschnitten den vorhergesetzten Zielen näherkommt.

1. Die erste Aufgabe ist ohne Zweifel das sofortige Inangriffnehmen der völkischen Bestandsaufnahme

2. könnte man dann im Rahmen der Arbeiterverschickung ins Reich — entsprechend der Bestandsaufnahme — gute völkische Kräfte im Reich endgültig als Arbeiter ansiedeln und eindeutschen

3. den rein tschechischen Rest dieses Raumes müßte man dann allerdings mit viel Klugheit so behandeln, daß man ihn bevölkerungspolitisch usw. niederhält.

In diesem Zusammenhang wäre auch organisatorisch und staatsrechtlich das Schlagen einer deutschen Brücke in Mähren ohne Zweifel von Nutzen, um die slawische Brücke nach der Slowakei zu unterbrechen.

Bis zur Entscheidung unter III ist allerdings dann eine Art Protektorat oder, falls der Begriff des Schutzes und des selbständigen Staates aufhören soll, des Reservats notwendig, bis der gesamte Raum vom Rest-Tschechen- tum freigemacht werden kann.

Ohne Zweifel ist nach Klärung der Frage, wohin mit dem Rest-Tschechen- tum, die Aufteilung des böhmisch-mährischen Raumes auf die angrenzenden Gaue im Interesse der Erfüllung des Zieles richtiger und zweckmäßiger, weil dann eine nach den Richtlinien des Reichskommissars zur Festigung deutschen Volkstums einheitlich gesteuerte Besiedlung und Eindeutschung einem räumlich verzettelten und nicht einheitlich geführten Tschechentum gegenübersteht,

gez. Heydrich
SS-Gruppenführer

 

Aus der Denkschrift über die rassenpolitischen Verhältnisse des böhmisch-mährischen Raumes und dessen Neugestaltung.

Verfaßt auf Antrag R. Heydrichs von SS-Oberscharführer Dr Walter König-Beyer im Rassen- und Siedlungshauptamt in Berlin (23. 10. 1940).

Zusammenfassend kann auf Grund verschiedenerorts im tschechischen Siedlungsgebiet durchgeführter rassenkundlicher Untersuchungen und Be­obachtungen des Verfassers dieser Denkschrift, vor allem auch anderer Rassenkundler, in grober Schätzung festgehalten werden, daß sich die Tschechen — einschließlich Prags — heute rassisch etwa folgendermaßen typisieren lassen:

45 % vorwiegend nordische, dinarische oder westische Menschen und an diesen Rassengruppen beteiligte ausgeglichene Mischlinge

40 % unausgeglichene Mischlinge mit vorwiegend ostischen und ostbalti­schen Rassenmerkmalen

15 % rassenfremde Personen.

Nach einer groben, aber vorsichtigen Schätzung, auf Grund bisheriger rassenkundlicher Ermittlungen in den deutschen Sudetenländern selbst lassen sich die Sudetendeutschen rassisch etwa folgendermaßen typisieren:

25 % vorwiegend nordische, dinarische oder westische Menschen und an diesen Rassengruppen beteiligte ausgeglichene Mischlinge

55 % unausgeglichene Mischlinge mit vorwiegend ostischen und ostbalti­schen Merkmalen

20 % rassenfremde Personen.

Die Sudetenländer gehören zu den rassisch am meisten geschwächten Landstrichen Deutschlands, weil sie durch ein Jahrhundert keine gesunde Blutzufuhr seitens des deutschen Mutterlandes erhielten, dagegen viel wert­volles Blut durch Abwanderung verloren haben.

Bei grober Schätzung der Rassenzusammenfassung des Sudetengebietes einerseits ist schon rein zahlenmäßig das Rassenbild des tschechischen Volkes heute wesentlich günstiger als das der sudetendeutschen Bevölkerung.

Wenn wir bedenken, daß die Rassenschichtung des Sudetenlandes eine weitaus schlechtere ist als die im tschechischen Siedlungsgebiete selbst, so würde bei einer Zuteilung rassisch besserer tschechischer Familien auf ras- sich minder wertvolle deutsche Familien auch vom Volkstumsstandpunkt sich ein' Fehlergebnis herausstellen.

Zusammenfassend schlage ich für eine Aussiedlung aus dem Protektorats­gebiete und dem Sudetenlande, bzw. für eine Neusiedlung im Protektorats­gebiete und dem Sudetenlande nachstehende Grundsätze vor.

Im Protektoratsgebiete verbleiben:

1. tschechische Familien, die bei einer Rassenbeurteilung die Noten I, II und III (gewöhnlich 8a A I bis 4cd В I) erhalten haben, sofern sie nicht

a) politisch unassimilierbar, bzw. deutschfeindlich eingestellt sind,

b) Mangelberufsträger sind, die im Altreichsgebiet unterzubringen wären und dort assimiliert werden können;

c) sofern nicht erbgesundheitliche Bedenken gegen die Familie, bzw. ge­gen Teile der Familie erhoben werden müssen.

2. Einzelpersonen: Männer über 60 Jahre, Frauen über 50 Jahre, auch wenn sie eine schlechtere Rassenbewertung erfahren haben, gleichgültig welcher Nationalität sie sind.

Im Sudetengau verbleiben:

Personen tschechischer Volkszugehörigkeit, die bisher keine deutschfeind­liche Haltung zeigten, bei einer Rassenbewertung mindestens die Noten I und II erhielten und gegen die keine erbgesundheitlichen Bedenken er­hoben werden.

Aus dem Protektoratsgebiete scheiden aus:

1. Familien und Einzelpersonen mit vorwiegend ostischen, ostbaltischen und außereuropäischen Rassenmerkmalen, die also die Note IV erhielten, gleichgültig ob sie sonst als erbgesund angesehen werden oder nicht.

2. Unassimilierbare Elemente mit deutschfeindlicher Haltung.

3. Mangelberufsträger tschechischer Nationalität, ohne Rücksicht auf die Rassenbewertung, insofern als mit I, II und III bewertete Personen im Altreichsgebiete unterkommen, mit IV bewertete Personen in das Gene­ralgouvernement abgeschoben werden.

4. Tschechische Familien, gegen die erb gesundheitliche Bedenken erhoben werden müssen.

Aus dem Sudetengau scheiden aus:

1. Alle Familien und Personen, die auch heute noch dem Deutschtum gegen­über eine feindselige Haltung einnehmen, mithin unassimilierbar sind, gleichgültig welche Rassenzugehörigkeit sie haben.

2. Tschechische Familien und Einzelpersonen, die bei einer Rassenbewertung die Note III erhalten haben, sofern sie im Sudetengau über Haus- und Grundbesitz bisher verfügten.

Bei der Annahme von Siedlern für das Protektoratsgebiet oder das Sudetenland müssen insbesondere deutsche Frontkämpfer und im rassen­politischen Interesse Angehörige der Schutzstaffel berücksichtigt werden.

Quelle
Die Vergangenheit warnt. Dokumente über die Germanisierungs- und Austilgungspolitik der Naziokkupanten in der Tschechoslowakei. Hg. von Václav Král. Prag 1960, Dok. 7, S. 76-77. 
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Erstellt
31.08.2015 
Zuletzt geändert
31.08.2015 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Denkschrift über die rassenpolitischen Verhältnisse des böhmisch-mährischen Raumes, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Protektorat Böhmen und Mähren", bearb. von Stefan Lehr (Münster). URL: https://www.herder-institut.de/resolve/qid/2940.html (Zugriff am 26.03.2017)