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30.07.2012
Allgemeine Nachricht

Übergabe der Bewilligung zum e-Humanities-Projekt "GeoBib - Frühe deutsch- bzw. polnischsprachige Holocaust- und Lagerliteratur


Bereits in der Frühphase des Nationalsozialismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit ist eine Fülle an deutsch- und polnischsprachiger Holocaust- und Lagerliteratur entstanden. Ein Großteil dieser historisch äußerst wichtigen Quellen, die mit als erste die Verbrechen des Holocaust und der Konzentrationslager thematisieren, kann jedoch heute nur noch mit größtem Aufwand beschafft werden. Die wissenschaftsgestützte Erfassung und Katalogisierung dieser versprengten Literatur ist daher eines der zentralen Ziele des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt mehr als einer Million Euro geförderten Projekts "GeoBib - Frühe deutsch- bzw. polnischsprachige Holocaust- und Lagerliteratur (1933-1949) - Annotierte und georeferenzierte Online-Bibliografie zur Erforschung von Erinnerungsnarrativen".

Am Freitag, dem 27. Juli 2012, übergab der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Helge Braun, den Bewilligungsbescheid gemeinsam an den Präsidenten der Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, und an den Direktor des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung - Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Prof. Dr. Peter Haslinger. Im Rahmen des bis 2015 laufenden Projekts werden bibliografischen Daten - angereichert um Zusatzinformationen zu Personen, Zeiten und Orten - in digitaler Form auf einer Internet-Plattform zugänglich gemacht. Sie stehen damit künftigen Forschungsprojekten, aber auch der universitären Lehre, Schulen, Gedenkstätten, Museen und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Es soll ein "virtueller Atlas" entwickelt werden, auf dem nicht nur die wichtigsten Gettos und Lager verzeichnet sind. Per Mausklick erhalten Anwenderinnen und Anwender auch eine umfassende Liste der bis 1949 publizierten Texte, die mit diesen Orten zusammenhängen, ergänzt durch Rezensionen, Sekundärliteratur, Bildquellen sowie - eine wesentliche Besonderheit des Projekts - durch Geodaten. Die Georeferenzierung erlaubt eine Verknüpfung der Werke mit anderen wichtigen, auf die jeweiligen Orte und Regionen bezogenen Informationen.

GeoBib ist eines von insgesamt nur 24 im Rahmen der BMBF-Ausschreibung zur Stärkung der e-Humanities deutschlandweit bewilligten Projekten. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, das das Herder-Institut mit zwei Partnern gemeinsam durchführt, mit denen das Institut bereits im LOEWE-Schwerpunkt Kulturtechniken und ihre Medialisierung in bewährter Weise zusammenarbeitet, nämlich dem Zentrum für Medien und Interaktivität und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur. Hinzu kommt an der Universität Gießen noch das Institut für Germanistik, Professur für Computerlinguistik und das Institut für Geographie. Dadurch wird ein Schwerpunkt im Bereich der digitalen Geografie mit einem Kerngeschäft des Herder-Instituts, der bibliothekarischen und bibliografischen Infrastruktur, noch enger verknüpft und die grenzüberschreitende Vermittlugnsfunktion in die universitäre Lehre wie in die einschlägigen musealen Institutionen noch weiter ausgebaut.
Dazu wird demnächst am Herder-Institut eine eigene Mitarbeiterstelle ausgeschrieben werden.