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20.04.2011
Allgemeine Nachricht

Ausschreibung Sommerakademie: ’Knowledge in Flux’: Wissenskulturen und Diskursivität des Wissens angesichts von Differenzierungs



Internationale und interdisziplinäre Sommerakademie des Herder-Instituts,
Marburg, 12.-17.09.2011

Wissen – sowohl das wissenschaftliche als auch das populäre – ist in der heutigen Gesellschaft zum Gestaltungsprinzip der soziokulturellen und technischen Entwicklung geworden. Jede politische oder ökonomische Entscheidung wird einerseits anhand von Expertenwissen getroffen, andererseits durch öffentlich ausgetragene wissenskulturelle Diskussion überprüft und bestätigt. Das alte epistemische Privileg des akademischen Wissens verliert in Zeiten der verstärkten und beschleunigten Dynamisierung und Ausdifferenzierung von wissenskultureller Erkenntnis und Praxis seine Geltung. Es wird durch eine neue dynamische, diskursive und häufig widerstreitende Konzeption von Wissen entmachtet und ersetzt. Das auf diese Weise neu gewonnene und sich etablierende Wissen entsteht durch Auseinandersetzung und Kommunikation zwischen den Vertretern der Wissenschaft, den staatlichen Institutionen, der Zivilgesellschaft und der breiten Öffentlichkeit. Dieses über solche Wege ausgehandelte Wissen ist in unterschiedlichen Wissenstopologien und sinnstiftenden Praktiken verwurzelt, die meist zwischen der innovativen Übernahme transnationaler und Persistenz nationaler oder überregionaler Deutungs- und Tradierungsmuster verortet sind.
Im Hinblick auf die globalen postkolonialen und postsowjetischen Migrations-, Transformations- und Modernisierungsprozesse sowie auf die Verschiebung der wissenskulturellen Zentren und Peripherien in Zeiten des medialen Wandels und des wachsenden Interaktionsregionalismus und der Neuentdeckung hybrider Wissenskulturen und -räume erweist sich die Beschäftigung mit der wissenskulturellen Thematik aktueller denn je.
Was sind die sprachlichen, materiellen, visuellen und symbolischen Dispositionen und Prägungen von Wissen? Welche Rolle spielen die sozialen, nationalen und konfessionellen Differenzierungen? Inwieweit wird das Verständnis und die Interpretation von Wissen durch Kategorien wie Nation, Klasse, Ethnizität, regionale/nationale Identität sowie gender beeinflusst und inszeniert? Nach welchen Deutungs- und Tradierungsmustern orientieren sich die Umdeutungs- und Hierarchisierungslogiken der multilatenten dialogischen Wissenskulturen? Wo sind die Schnittstellen der interkulturellen Verständigung und des transnationalen Wissenstransfers erkennbar?
Die Sommerakademie des Herder-Instituts setzt sich zum Ziel, die aktuellen wissenskulturellen Forschungsparadigmen sowie die theoretischen Konzepte der Wissenskulturen und -topologien zu diskutieren – mit dem Fokus auf Genese, Zirkulation, Prägung, Veränderung und den Wandel der einzelnen Wissensfelder und Wissensaspekte. Im Zentrum der Überlegungen stehen sowohl Fragen nach der Rolle und Bedeutung der nationalen, konfessionellen, sprachlichen Wahrnehmung und Identität sowie nach politischer Positionierung und dem historischen kollektiven Gedächtnis bei der Deutung und Generierung des Wissens als auch Fragen nach Monopolisierung, Regionalisierung und Instrumentalisierung der einzelnen Wissensbestände sowie nach deren Konjunktualisierung. Die thematische sowie zeitliche Schwerpunktsetzung der einzelnen Projekte wird bewusst offen gelassen. Wir laden Projekte ein, die eine theoretische oder methodische Annäherung an die Konzepte der Wissenskulturen erforschen, wie auch wissenskulturellen Phänomenen gewidmete Mikro- und Fallstudien. Willkommen sind Beiträge sowohl zu den mittelosteuropäischen als auch zu anderen europäischen wie auch außereuropäischen Regionen, so dass wir eine epochal und regional ausdifferenzierte Diskussion führen können.
Die Sommerakademie ist interdisziplinär ausgerichtet, hat jedoch einen Schwerpunkt in den Kultur- und Geschichtswissenschaften. Die einzelnen Projekte, vor allem Promotionsvorhaben, sollten aus den Bereichen Geschichte, Soziologie, Politologie, Sprach- und Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte, Ethnologie und Anthropologie eingebracht werden, aber auch kulturwissenschaftlich ausgerichtete Projekte aus anderen Fächern (Geographie, Medizin, Technik) sind hochwillkommen.
Die Sommerakademie wird Kursarbeit an theoretischen wie auch empirischen Texten sowie die Vorstellung eigener Projekte der Teilnehmer beinhalten. Ergänzend werden renommierte Wissenschaftler den Stand der Forschungsdebatten sowie wissenskulturelle Kernthemen vertiefend reflektieren.
Es stehen insgesamt bis zu 20 Plätze für qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler (vor allem Doktorandinnen und Doktoranden) aus dem In- und Ausland zur Verfügung, wobei etwa die Hälfte der Plätze an Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Ausland vergeben wird. Die Reise- und Übernachtungskosten sowie ein Teil der Verpflegung werden vom Herder-Institut übernommen. Sollten Teilnehmerinnen und Teilnehmer von außerhalb Europas anreisen, bitten wir um Verständnis, dass eventuell nur ein Teil der Reisekosten übernommen werden kann.
Vorträge können in Deutsch oder Englisch gehalten, beide Sprachen sollten verstanden werden. Vor Beginn der Sommerakademie wird allen Teilnehmern zur Vorbereitung ein Reader zugänglich gemacht. Es wird erwartet, dass die Teilnehmer an der gesamten Sommerakademie aktiv teilnehmen. Anreise und Tagungsbeginn am 12.09.2011, Abreise am 17.09.2011.

Für Fragen steht Ihnen Alexandra Schweiger (Alexandra.Schweiger@herder-institut.de) gern zur Verfügung.

Leitung der Sommerakademie:
Alexandra Schweiger (Herder-Institut Marburg)

Bewerbungen mit Abstract (1-2 Seiten) und Lebenslauf werden bis zum 20.04.2011 erbeten an:

Herder-Institut e.V.
Gisonenweg 5-7
35037 Marburg
Tel. +49-(0)6421-184-110
Fax: +49-(0)6421-184-139
E-Mail: forum@herder-institut.de