Kaiserlich-russische, deutsche, polnische, litauische, belarussische und sowjetische kartographische Vorstellungen und territoriale Projekte zur Kontaktregion von Wilna 1795-1939

Bearbeiter: Tomaš Nenartovič M.A.

Im Projekt wird auf einen Teil des baltisch-slavischen Raumes, die Kontaktregion von Wilna als entsprechendes Beispiel für transnationale Untersuchungen eingegangen. Die unterschiedlich wahrgenommene Region war im späten 19. und im 20. Jahrhundert aufgrund des Expertenwissens mehreren kartographischen Darstellungen (ethnographische, sprachliche, religiöse, politische sowie bezogen auf Nationalitäten und Völker) unterzogen, nicht nur um die wissenschaftlichen Forschungen zu begründen, sondern auch häufig, um die nationalen territorialen Ansprüche zu legitimieren.
In diesem Kontext sollen die Beziehungen zwischen den als "polnisch", "litauisch", "belarussisch", "sowjetisch", "kaiserlich-russisch" und "deutsch" konnotierten geographischen und kartographischen Expertenkulturen beschrieben werden. Wichtig ist auch die Berücksichtigung nationaler, sprachlicher und religiöser Identitätsargumente, die geographisch-kartographisch benutzt wurden, da die untersuchte Region ein Grenzgebiet der katholischen, orthodoxen und jüdischen Glaubensrichtungen sowie der baltischen, slavischen und germanischen Interessen war. Daher ist eine transnationale Perspektive unabdinglich, um die geopolitischen Diskurse nachzeichnen und diese vergleichend interpretieren zu können. Die Hauptstruktur der Arbeit beruht auf Medienanalyse, Begriffsgeschichte, Institutionengeschichte und Expertengeschichte.