Erzwungene Migration polnischer Intellektueller nach dem März 1968 - Eine Reise in die Denkfreiheit?

Leszek Kołakowski, fot. Krzysztof Wojciechowski/FORUM

Bearbeiterin: Kinga Kuligowska M.A.

In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich die Emigration polnischer Intellektueller in die westlichen Länder nach den März-Ereignissen von 1968 in der Volksrepublik Polen. An dem Beispiel einzelner Wissenschaftler, wie z.B. Zygmunt Bauman und Leszek Kołakowski, bezwecke ich zu zeigen, welchen Einfluss Emigration auf wissenschaftliches Arbeiten und Erkenntnisgewinnung haben kann. Wichtige Aspekte meiner Untersuchung bilden die gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Funktionen, die die Emigranten im Ausland übernahmen, ihre Konfrontation mit anderen Wissenschaftskulturen und Betrieben, wie auch Prozesse der Integration und Isolation in einem neuen akademischen Umfeld. Dabei spielt das Selbstverständnis der Wissenschaftler eine zentrale Rolle:  Betrachteten sie sich als Vermittler zwischen 'dem Osten' und 'dem Westen', sahen sie sich als Außenseiter oder identifizierten sie sich mehr mit der Aufnahmegesellschaft, als mit ihrer polnischen Heimat? In diesem Zusammenhang müssen Kontinuitäten und Brüche in der theoretischen Arbeit der Emigranten reflektiert und in eine vergleichende Analyse wissenschaftlicher Diskurse in der Volksrepublik Polen und in den Aufnahmeländern eingebettet werden. Die Erfahrung der Emigration und ihre Bedeutung für wissenschaftliches Schaffen bilden den Schwerpunkt dieser Dissertation.