Die neuzeitliche Residenzarchitektur in der Neumark

Bearbeiterin: Dominika Piotrowska-Kuipers M.A.

Die Landschaft Neumark stellt ein sehr interessantes Forschungsgebiet dar, welches jedoch bis heute in der Fachliteratur nicht genau untersucht worden ist. Besonders betrifft dies die Profanarchitektur. Die Neumark wurde oft vernachlässigt, sowohl in der älteren als auch in der neueren Forschung. Zudem ist der Begriff selbst sehr problematisch und kann auf unterschiedliche Weise interpretiert werden.

Im Dissertationsprojekt, das im Rahmen der Leibniz Graduate School entsteht, sollen die Residenzarchitekturobjekte erforscht werden, die in der Neumark in den Jahren 1535 bis 1807 errichtet wurden. Die Fokussierung auf diesen Zeitraum begründet sich wie folgt: 1535 erbte Johann von Brandenburg-Küstrin, auch Hans von Küstrin genannt, laut Testament seines Vaters die Neumark mit den so genannten „inkorporierten Ländern“. Die Neumark wurde bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ein fast selbstständiger Staatsapparat. Damals wurden die ersten wirtschaftlichen, politischen und administrativen Reformen in Preußen eingeführt.

Das Dissertationsprojekt hat zum Ziel, die neumärkische Residenzarchitektur unter verschiedensten Aspekten und in den unterschiedlichen Zeiträumen zu behandeln. Zu ihnen gehören unter anderem der ideologische und visuelle Transfer. Die wesentlichen Aspekte der Forschung bilden die Fragen, wie die westeuropäische „Wohnkultur“ die Neumark erreicht hat und wie der Wissens- und Ideentransfer zwischen der Neumark, ihren Grenzgebieten und den großen europäischen Kulturzentren verlaufen ist. Es wird der Versuch unternommen, zwei mit dem Wissenschaftstransfer verbundene Aspekte zu erforschen: Der erste hat einen abstrakten Charakter und betrifft vor allem den Transfer von Ideen und Gedanken. Der zweite besitzt eine visuelle Form und betrifft die Architektur unmittelbar.

Im Projekt werden auch die zwei im Feld der Residenzarchitektur agierenden Gesellschaftsgruppen erforscht – Stifter und Architekten. Einerseits besteht der Bedarf des künstlerischen, visuellen Ausdruckes (Künstler), andererseits der der Verwirklichung der ideologischen Bestrebungen (Stifter). Daraus resultiert die Frage, ob beide Gruppen im Entstehungsprozess der Architektur erfolgreich kooperieren und daran gleichmäßig partizipieren und profitieren konnten.
Um der Beantwortung dieser Fragen näher zu kommen, sollen die vorhandenen Objekte zuerst vor Ort untersucht werden. Unerlässlich ist eine Erforschung der Bildmaterialien (Fotos, Grundrisse, Gemälde etc.), der vorhandenen Archivalien und Zeugnisse der Familienzusammenhänge (etwa Briefe, schriftliche Reiseberichte oder Tagebücher).

Das Dissertationsprojekt stellt die künstlerischen, politischen, historischen wie auch die wirtschaftlichen und die soziologischen Prozesse dar, die einen Einfluss auf das Aussehen, die Funktionen und die Bedeutung der regionalen Kultur hatten oder sogar noch weiter haben. Dies kann die neumärkische Residenzarchitektur in einem breiteren und interessanteren Kontext aufzeigen.