Die Entstehung von Ludwik Flecks Wissenschaftstheorie in der Wissenskultur der ›Lemberger Moderne‹

Über alle Rechte von Archivmaterialien (auch Bilder) verfügt das Ludwik Fleck Zentrum in Zürich

Bearbeiterin: Dr. des. Sylwia Werner

Ludwik Flecks Theorie über die sich durch die Zirkulation und Transformation von Ideen formierenden ›Denkstile‹ und ›Denkkollektive‹, entstand in der Zwischenkriegszeit in Lemberg und damit in einem ganz besonderen kulturellen Milieu, das sich durch eine ungewöhnliche dichte Verbindung von Literatur, Kunst und Wissenschaften auszeichnete. Es war dieses Milieu, das es Fleck ermöglichte, auf eine spezifische Weise den Monopolanspruch auf Wirklichkeitsdeutung seitens der harten Naturwissenschaften zurückzuweisen und Verfahren, die man bislang eher in der Literatur- und Kunstwissenschaft kannte, auf die Naturwissenschaften anzuwenden Die Leitfrage meines Projektes ist daher: In welchen kulturellen Kontexten und unter welchen historischen Voraussetzungen Theorien entstehen können, die die Realität als kulturell konstruiert behaupten und damit eine soziale Bedingtheit von Wissenschaft postulieren?

Eine zentrale Annahme des Projektes ist, daß eben die enge Verschränkung von Wissenschaft und Kunst, die ich analog zur Wiener Moderne als ›Lemberger Moderne‹ bezeichne, Flecks Theorie hervorbrachte. Es ist das Ziel meines Projektes, die in Lemberg zirkulierenden Ideen, Wahrnehmungsweisen, Methoden, Motiven, Stilen sowie die wechselseitigen Transfers zwischen wissenschaftlichen und ästhetischen Konzepten en detail zu untersuchen und so die Kennzeichen dieser ›Lemberger Moderne‹ herauszuarbeiten versuchen.