Otto Rollenhagen. Untersuchung und Beschreibung der Danziger Bürgerhäuser

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Seit dem späten Mittelalter gehören die Danziger Bürgerhäuser zu den herausragenden Leistungen der Profanarchitektur in Nordeuropa. Mit der nun vorliegenden deutsch/polnischen Edition der beinahe hundert Jahre alten Dissertation des Dipl.-Architekten Otto Rollenhagen (1886-1951) ergeben sich unerwartet neue Einblicke in die wandelvolle Geschichte der durch den Zweiten Weltkrieg fast vollständig verloren gegangenen Architekturdenkmäler.

Gemeinsam mit dem Uphagenhaus Danzig, einer Abteilung des Historischen Museums der Stadt Danzig, entschied sich das Herder-Institut im Jahr 2000 für ein zweigleisiges Projekt unter Verwendung des einmaligen Materials der um 1914/1915 an der Danziger Technischen Hochschule eingereichten, bis dato unveröffentlichten Dissertation Otto Rollenhagens (Bestände Rollenhagen), die seit 1952 im Herder-Institut aufbewahrt wird.

Zum einen wurde von Seiten des Uphagehauses eine Wanderausstellung zum Thema „Danziger Bürgerhaus“ konzipiert, die auf den Rollenhagen-Materialien basiert und durch weitere Archiv- und Bildquellen ergänzt ist. Beginnend im Juni 2006 im Uphagenhaus in Gdańsk/Danzig führte ihr Weg bereits über Marburg, Bremen, Hamburg, Lübeck, Stralsund, Stargard/Stargard, Elbląg/Elbing, Vilnius/Wilna, Kėdainiai/Kedahnen, Klaipėda/Memel und Liepāja/Libau nach Riga/Rīga (Ausstellungen Danziger Bürgerhaus).

Giebel der Bürgerhäuser Heiliggeistgasse in Danzig, Sammlung Rollenhagen, Inv.-Nr. 5g60

Zum anderen sollte die Doktorarbeit in einer zweisprachigen Edition herausgeben werden, denn trotz ihres Alters ist die Dissertation neben den zum Teil unikalen Bildquellen auch wegen ihrer besonderen Fragestellung nach der Funktion des Bürgerhauses noch immer von Bedeutung. Seit Entstehung der ersten Danziger Bürgerhäuser während der Gotik waren die Bauten bis zur ihrer fast vollständigen Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkrieg einem steten Wandel unterzogen. Diese Veränderungen betrafen nicht nur die Fassaden, sondern auch das Innere des Hauses. Funktionsänderungen zogen zumeist architektonische Veränderungen nach sich. Diese Veränderungen versucht Rollenhagen in seiner Arbeit aufzuzeigen.
Warum Rollenhagen seine Arbeit zwar an der Technischen Hochschule Danzig einreichte, sie dann aber für Korrekturen zurücknahm, um sie letztlich nicht zu publizieren, kann nur vermutet werden, nahe liegende Gründe sind der Erste Weltkrieg sowie die persönliche Umstände des Autors.

Das Buchprojekt entstand im engen Austausch der beteiligten Partnerinstitutionen und konnte im Juni 2008 mit einer feierlichen Präsentation im Uphagenhauses abgeschlossen werden (Publikationen Rollenhagen). Im Mai 2009 wurde die Publikation im Rahmen des Sybilla-Wettbewerbs 2008 des polnischen Kulturministeriums im Bereich „Wissenschaftliche Publikationen an Museen“ ausgezeichnet.

Im Rahmen des Projektes wurde der Gesamtbestand an Fotos und Bauzeichnungen digitalisiert und dokumentiert, so dass die gesamte Sammlung im Bildkatalog online recherchierbar ist.

Der Druck des Buches geschah mit freundlicher Unterstützung der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.