Paramilitärische Verbände in Ostmitteleuropa der Zwischenkriegszeit: Gewaltgemeinschaften im Konflikt um Oberschlesien nach dem Ersten Weltkrieg – ein deutsch – polnischer Vergleich.

Bearbeiter: Wojciech Pieniazek M.A.

Nach der Staatsgründung 1918 erhob die polnische Delegation bei den Friedensverhandlungen  Ansprüche auf die preußische Provinz Oberschlesien. Die Alliierten einigten sich auf Grund der multiethnischen Verhältnisse auf  eine Volksabstimmung im März 1921, in der die oberschlesische Bevölkerung entscheiden sollte, ob sie zu Deutschland oder zu Polen gehören wollte.
Seit 1918 kam es aufgrund von Kriegsmüdigkeit sowie soziokultureller Spannungen  in der Bevölkerung immer wieder zu Unruhen im oberschlesischen Kohlerevier, die vom deutschen Grenzschutz und Freikorpsverbänden niedergeschlagen wurden. Hier finden sich die Wurzeln des Gewaltraums Oberschlesiens, der schon vor dem Ersten Weltkrieg eine hohe Kriminalitätsrate aufwies.
In der Abstimmungszeit herrschte in Oberschlesien eine bürgerkriegsähnliche Alltagssituation, die ihre Höhepunkte in drei propolnischen Insurrektionen (1919, 1920, 1921) hatte. Es bildeten sich auf deutscher und polnischer Seite Gewaltgemeinschaften junger Männer, deren Existenz nur auf den Abstimmungskampf ausgerichtet war. Diese Paramilitärs entwickeln in diesem Kleinkrieg eine eigene Form der Gewaltdynamik, die es zu erforschen gilt.
Die deutschen Paramilitärs waren oft ehemalige Freikorpssoldaten, die durch brutale Kämpfe im Baltikum und im deutschen Bürgerkrieg geprägt waren. Das gleiche gilt für die polnische Seite, die Erfahrung in den imperialen Armeen, in jahrelanger konspirativer Tätigkeit sowie im Kleinkrieg des Ostens gesammelt hatte. Die deutschen Akteure mussten anfangs Taktiken und Arten des verdeckten Kampfes im Untergrund erlernen. Hier waren die Polen erfahrener, was aus ihrer langen Untergrundtätigkeit resultierte. Die deutschen Gewaltgemeinschaften kopierten sichtbar erfolgreich diese Gewaltform und lieferten sich mit den polnischen Kommandos einen blutigen Kleinkrieg.  Der Leittragende war die oberschlesische Zivilbevölkerung, die mit Terror und Gewalt überzogen wurde.
In der heutigen Forschung gibt es keine abschließende Analyse der Paramilitärs, die an diesem Konflikt beteiligt waren. Es überwiegen Werke mit militär – oder diplomatiegeschichtlichen Fragestellungen älterer Natur. In diesem Projekt soll eine systematische Untersuchung der Gewaltgemeinschaften in Oberschlesien erfolgen. Dazu  gehört auch eine Analyse der Binnenstrukturen und der Dynamik der Gewaltausübung dieser Paramilitärs, um die Forschungslücken zu schließen.