Paramilitärische Verbände in Ostmitteleuropa (1918-1944) – Selbstbild, Gewaltpraxis, Soziale Dynamik am Beispiel des "Eisernen Wolfes" in Litauen

Dr. phil. Vytautas Petronis

Auf Grund einer innenpolitischen Krise  führte die Zentrums- und die Rechtsopposition im Dezember 1926 einen Staatsstreich durch. Die putschende Junta ernannte Antanas Smetona zum neuen Präsidenten und Professor Augustinas Voldemaras zum Premierminister. Smetona und Voldemaras distanzierten sich rasch von den anderen Rechtsparteien, nur die Partei zu der sie beide gehörten – der ‚Bund der Litauischen Nationalisten’ (‚Tautininkai’) -  war erlaubt und vom Militär unterstützt. Smetona und Voldemaras waren sich darüber bewusst, dass ein neuer Staatsstreich möglich war. Deshalb unternahmen Smetona und Voldemaras vorbeugende Schritte: im Januar 1927 wurde „Litauens Nationale Abwehr ‚Eiserner Wolf’“ gegründet; seine Hauptabsicht war, die neue Regierung zu schützen.

Der Eiserne Wolf nach militärischen Grundsätzen organisiert. An der Spitze gab es die Führer der Nation (die Gewalt) – eine Doppelposition von Smetona und Voldemaras – zusammen mit dem Generalstab des Eisernen Wolfes. Darunter standen Gruppen, die in den Landkreisen operierten, und die Basis bildeten Kommandos, die innerhalb von Kreisen und Stadtgemeinden funktionierten. Die Organisation wuchs sehr schnell, so dass der Generalstab die Legalisierung der Organisation in den Jahren 1929-1930 plante. Jedoch führten Unstimmigkeiten zwischen Smetona und Voldemaras zur Spaltung des Eisernen Wolfs im Herbst 1929. Die Anhänger des entmachteten Voldemaras versuchten mit Gewalt, ihn ins politische Leben zurückzubringen, was zu einem kompletten Verbot der Organisation im Mai 1930 führte. Von dieser Zeit an wurden die Anhänger von Voldemaras und der ganze Eiserne Wolf eine Untergrundbewegung und verfolgten weiterhin Verschwörungen, Morde und Staatsstreiche.

Das Ziel des Projektes ist daher, die dem Eisernen Wolf als Organisation inhärenten sozialen Dynamiken zu untersuchen: So werden die Mitgliederstrukturen des Eisernes Wolfs, ihre Aktivitäten als Gewaltgemeinschaft und Verbindung mit anderen Untergrundbewegungen, paramilitärischen oder radikalen Organisationen analysiert.