Online-Lesung am Herder-Institut: Warschauer Kniefall Willy Brandts mitten in der Diskussion um die Ostverträge

Datum: 3. August 2021

Lesung

Lesung mit Jan Lipinsky

aufgezeichnet und über diesen Link https://www.youtube.com/watch?v=jAbUybQlwIE erreichbar.

Bundeskanzler Willy Brandt kniete am 7. Dezember 1970 vor dem Denkmal im ehemaligen Warschauer Getto. Das Bild bewegt nicht nur Zeithistoriker seit über 50 Jahren. Zeitgenössisch war der Kniefall umstritten, konnte die heiße bundesdeutsche Debatte im Parlament über und um die Ostverträge nicht verhindern und wurde schließlich zur deutsch-polnischen Versöhnungsgeste umgedeutet. Politische Skepsis wich erst Realitätssinn und dann Begeisterung.

Die Sicht auf den Kniefall wandelte sich, das Bild selbst wurde zur Versöhnungsikone. Warum nahmen die Bundesrepublik und Polen erst vor 50 Jahren diplomatische Beziehungen auf? Wie kam es zu diesem Kniefall? War er spontan? Weshalb besuchte Brandt überhaupt Warschau? Wie reagierten Polen, Juden, Deutsche? Wie bewerteten Zeitgenossen, Presse und Forschung im Jahr 1970 und dann mit einigem Abstand dieses Ereignis? Warum erinnert heute in Warschau sogar ein Denkmal an Brandts Kniefall?

Die Lesung aus zeitgenössischen Presseartikeln, aus Briefen und Erinnerungen sowie aus aktueller Forschungsliteratur will rückblickend der Diskussion um die Ostverträge und des Kniefalls vor 50 Jahren gemeinsam gedenken.