Zum Tag der Fotografie am 19. August: Der Mensch hinter den Fotos
- Katharina Marie Möbius
Zum Tag der Fotografie am 19. August stellen wir fünf Fotografen hinter den Sammlungen in unserem Bildarchiv vor und geben Einblick in ihr fotografisches Werk. Ein Beitrag von Katharina Marie Möbius unter Milthilfe unseres Bildarchiv-Teams
Haro Schumacher (*1905 in Nidden – †1981 Oberammergau)
Auf seinen Reisen nach Ost- und Westpreußen sowie ins Baltikum fotografierte der ausgebildete Sportlehrer Haro Schumacher in den 1930er und 1940er Jahren Alltägliches und Besonderes. Neben Aufnahmen bekannter Bau- und Kunstdenkmäler der Region hält er eine heute nicht mehr vorhandene Lebenswelt fest, indem er die Landschaft und die mit ihr verbundene Bevölkerung dokumentiert. So porträtiert er regionales Brauchtum und Alltagskultur kleinerer ethnischer oder religiöser Bevölkerungsgruppen. Er fotografierte Arbeitswelten, wie das Fischereiwesen oder die Tilsiter Käseherstellung sowie volkskundliche Museen.
Zudem hielt Schumacher aktuelle politische Themen wie Volksabstimmungen und Grenzfragen in seinen Aufnahmen fest. Schumacher reiste zum Teil während der Deutschen Besatzungszeit im Auftrag der Deutschen Arbeitsfront, Reichsabteilung Berlin durch das Baltikum und hat z.B. Riga vor und nach der Zerstörung dokumentiert. Schumacher zeigte seine Fotografien im Rahmen von Lichtbildvorträgen und Stereo-Farbdiaschauen.
Die letzten beiden Fotos in unserer Bildauswahl zeigen Haro Schumacher selbst. Lust in seinem Werk zu stöbern? Der fast 6.000 Einheiten umfassende Bestand in unserem Bildarchiv enthält Negative, Abzüge und mehrere hundert frühe Farbdias, eine große Auswahl davon sich Online über unseren Bildkatalog entdecken!
Motive von Haro Schumacher
Stefan Arczyński (*1916 Essen – †28.08.2022 Breslau)
Der in 1916 in Essen geborene Sohn von Emigranten aus Großpolen (letztes Foto), der im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite kämpfen musste und in Sowjetische Gefangenschaft geriet, hat sich danach im nun polnischen Schlesien niedergelassen und schließlich in Breslau den größten Teil seines Lebens verbracht, wo ihm für sein Wirken und sein Lebenswerk schließlich die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde.
Stefan Arczyński konnte aus einem wahrlich reichen Leben und von überaus vielen Erlebnissen berichten, und er war ein großartiger Fotograf. Mit seinen brillanten fotografischen Aufnahmen hat er unser Bild von Breslau und Schlesien, darüber hinaus aber auch das von anderen Regionen Polens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt. Zudem hat er in seinen Fotografien von Reisen an viele charakteristische Orte der Erde eindrucksvolle Motive mitgebracht und einem an der weiten Welt interessierten Publikum in Polen in vielen Ausstellungen präsentiert.
Seine Bilder haben einen hohen künstlerischen Wert, sie sind ikonische Schöpfungen von Bestand. Sein Werk erfährt große Wertschätzung durch ein internationales Publikum. Im Herder-Institut und in wissenschaftlichen Kreisen genießt die Fotosammlung Stefan Arczyński ein hohes Ansehen als eine besonders wertvolle Dokumentation der Entwicklung Polens seit dem Zweiten Weltkrieg, der Sozialistischen Volksrepublik und der Transformation nach der Wende. Im Bildarchiv des Herder-Instituts wird sein fotografisches Werk angemessen bewahrt, es umfasst über 100.000 Negative und Dias von den 1950er bis in die 1990er Jahre, mit Schwerpunkt auf Schlesien und Polen. Diese Fotografien zu unserem östlichen Nachbarland werden sukzessive hier in unserem Bildkatalog publiziert.
Motive von Stefan Arczyński
Karl Hintzer (*Tartu 1895 – †Lübeck 1967)
Ein für die zeitgeschichtliche Forschung herausragender Bestand ist das Oeuvre des für die estnische Zeitung „Postimees“ tätigen Bildberichterstatters Karl Hintzer, insbesondere seine Aufnahmen aus der Zeit der sowjetischen und dann der deutschen Besatzung Estlands in den 1940er Jahren sowie von dem Leben der nach Deutschland geflohenen Esten in Lagern für „Displaced persons“ nach dem Krieg bis Anfang der 1950er Jahre.
Auf zahlreichen Bildern stand Hintzer auch vor der Kamera: gerne auch mal mit Fischen.
Die in Kleinbildnegativen vorliegenden Aufnahmen sind komplett digitalisiert und über den Bildkatalog zugänglich. In Zusammenarbeit mit internationalen Fachkollegen wurden und werden die Bildquellen ausgewertet und publiziert. Über unseren Bildkatalog lassen sich eine Vielzahl der Motive recherchieren. Ein kleinerer ergänzender Bestand von Hintzer-Fotos befindet sich im Estnischen Filmarchiv in Reval/Tallinn.
Motive von Karl Hintzer
Alexander Treichel (*1837 in Alt-Paleschken – †1901 in Hoch-Paleschken) und Bernhard Hagen (*1853 Germersheim – †1919 Frankfurt)
Der Gutsherr Alexander Treichel (letztes Foto) dokumentierte um die Jahrhundertwende das Leben auf seinem Gut Hochpaleschken und weitere benachbarte Gutsanlagen wie z.B. Altbukowitz, Altkischau und Schloss Kischau. Die Sammlung war Grundlage der Ausstellung „Polen, Deutsche und Kaschuben“ sowie der gleichnamigen Publikation. Treichel selbst schrieb Volkslieder, -Reime und -Sagen auf und war sehr naturwissenschaftlich interessiert.
Die Leidenschaft für Wissenschaft dürfte er mit seinem Schwiegersohn Bernhard Hagen geteilt haben: Hagen, der 1886 Anna Hagen (geb. Treichel) heiratete, war Ethnologe und Tropenarzt. Bekannt wurde er vor allem durch seine Forschung zu Neuguinea und die Gründung der „Frankfurter Anthropologischen Gesellschaft“ und des Frankfurter Völkerkundemuseums. Ab 1914 war er Honorarprofessor für Anthropologie an der Universität Frankfurt.
Da sowohl Hagen als auch Alexander Treichel gerne fotografierten, ist bei einigen Motiven in der Sammlung Treichel nicht eindeutig zu klären, wer von den beiden das jeweilige Bild aufgenommen hat. Die Sammlung ist vollständig digitalisiert und über unseren Bildkatalog recherchierbar.