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11.09.2013 - 13.09.2013
Conference

Untergangsszenarien und Zukunftsvisionen in den Imperien des östlichen Europa (1830-1920)

Veranstalter

  • Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft
  • Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Lehrstuhl für Geschichte Ost- und Mitteleuropas
  • Leibniz Graduate School for Cultures of Knowledge in Central European Transnational Contexts
  • Justus-Liebig-Universität Gießen, Gießener Zentrum Östliches Europa
  • Leibniz-Forschungsverbund „Krisen in einer globalisierten Welt“

 

1915 begann Karl Kraus, in seinen „Letzten Tagen der Menschheit“ den Weltkrieg zum apokalyptischen Drama zu verdichten; fast zeitgleich skizzierte der Schweizer George Montandon in der Denkschrift „Nationale Grenzen und ein dauerhafter Frieden“ ein radikales Zu-kunftsmodell, das den millionenhaften Bevölkerungstransfer als Mittel zur Stabilisierung der europäischen Staatenlandschaft propagierte. Sowohl Krisenphasen – wie der Erste Weltkrieg – als auch unlösbar scheinende Systemprobleme in Friedenszeiten bedingen derartige Extreme: Sobald alte Gewissheiten in Frage gestellt sind, entstehen fast zwangsläufig prognostische, auf die Zukunft gerichtete Debatten – Endzeitbilder ebenso wie Planspiele oder utopische Phantasien, die auf einer weitgehenden, ja radikalen Neuordnung der Verhältnisse beruhen.

Die Tagung wird sich der Parallelität, der Wechselwirkungen und den Konsequenzen solcher Visionen annehmen. Es soll bei den einzelnen Beiträgen konkret darum gehen, die Entstehung sowie die Folgewirkungen von Untergangsszenarien und Zukunftsentwürfen in den Großreichen des östlichen Europas in der Phase zwischen 1830 und 1920 in den Blick zu nehmen. Es ist zu diskutieren, inwieweit in jenen Situationen nicht nur Vorstellungen von Niedergang, Verlust und Unterlegenheit artikuliert wurden, sondern diese auch tiefgreifende Reformprojekte anstießen, die nicht selten das Ziel verfolgten, als „clean sweep“ alle bestehenden aktuellen Probleme und politischen Systemkrisen auf einmal zu lösen. Dabei steht gerade die gegenseitige Bedingtheit von End- und Aufbruchsvisionen im Fokus der Tagung. Zu fragen wird sein, inwiefern Topoi von „Rückständigkeit“, „Krankheit“ oder fehlender Legitimität und Problemlösungskompetenz in politischen, wirtschaftlich-sozialen und kulturellen Fragen in einer engen Wechselwirkung mit Zukunftsvorstellungen stand, und wie Akteure darauf mit systemkonformen Visionen von Stabilität, Prosperität und Eintracht reagierten oder auch Programmatiken und Machbarkeitsphantasien entwarfen, die auf einen radikalen Umbau von Politik und Gesellschaft abzielten. Die Tagung will daher auch Ermög-lichungsräume von Radikalität und ihre Auswirkung auf Systembrüche thematisieren. Vor diesem Hintergrund waren es einzelne Zeiträume, in denen sich Meinungsträger mit Untergangs- oder Aufbruchsvisionen zu profilieren versuchten, die wiederum abhängig waren von massenmedialen Entwicklungen, der Handhabung der Zensur oder den Möglichkeiten und Grenzen der medialen Selbstinszenierung. Außerdem können die unterschiedlichen Krisen- und Umbruchsdiskurse in die Entwicklung der jeweiligen politischen Öffentlichkeiten einge-bettet werden, da sie Debatten über Problemlagen und Entwicklungspotenziale anregten.

Location Herder-Institut
Attachment
Untergangsszenarien_5_8_2013.pdf (131 KB)