Kurland Property Records

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erg0089

OM. Wolter von Plettenberg belehnt Johann von Altenbockum und seine Erben mit dem Dorf Dursuppen, wie es Hans Francke und seine Vorfahren besaßen, in beschriebenen Grenzen zu Lehngutsrecht. Karkus, 1494 Sept. 1
Lehnsurkunde
Überlieferung:
aus A: Ausf.
Material: Perg.
Archiv: Riga, Hist. StaatsA., Best. 5561, Fb. 4, Akte 152
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Wy Wolter vann Plettenberch, meister Dutsches ordens tho Lyfflandth, bokennen unnde botugen apenba^er meth dussen unsen apenen vorsegelden breve, dath wy meth rade, willen unde vulborth unsenn ersamen medegebedigeren Johann vann Oldenbokum unnde allenn sinen rechten waerenn ervenn geven unnd vorlenen dath dorp tho Dursupen meth sinem marcketh unde schedung ys gelegenn, als dath Hans Franck unnd sin vorva^er up dat allerfrygesth bosetenn und gebrueket hebbenn: int erste antogaende an ein fleth, gehetenn Galtenbeeck, dar eine kuele gema^eket ys
vann da^er tho ga^ende vann kuelenn tho kuelenn beth tho einem flete, geheetenn Crumbeecke, dar ock eine kule gema^eket ys
dathsulve fleeth up tho ga^ende tho einer kuelenn
vann da^er forth tho gaende vann kulenn tho kuelenn beth tho einem fleeth, geheetenn Spiluennbeeck, dar ock eine kule gema^eket ys
dath fleeth nedder tho gaende beth tho einer kuelen
van da^er vorth tho ga^ende vann kuelenn tho kuelenn beth tho einem flethe, geheetenn Lembeecke, dar over ock eine kuele gema^eket ys
dathsulvige fleeth nedder tho gaende beth ann ein fleeth, gehetenn Moddebeecke, dar ock eine kuele gemaeket ys
dath fleeth vort up tho ga^ende beth tho einer kuelenn
vann da^er forth tho gaende vann kuelenn tho kuelenn beth tho einem fleete, geheetenn Dursupennbeeck, dar eine kuele ys
dath fleeth up tho gaende unde over tho treedenn, dar eine kuele ys
unnd vann der kuelenn vann kuelen tho kuelenn unnd dorch gebro^ecke over eine heide knappe tho einer fuchtnissen, dar by eine kuele gemaeket ys
van daer tho gaende vann kuelen tho kuelen langes den Rischen wech beth tho dem vorgeschrevenen fleethe, gehetenn Spiluenbeeck, dar eine kuele gema^eket ys
dath fleeth up tho gaende beth tho einer kuelen, van daer vort tho gaende van kuelen tho kuelenn beth tho dem vorgeschrevenen fleethe, geheetenn Galtennbeeck, dar eine kuele gemaeket ys
dathsulvige fleeth up tho gaende beth tho der ersten voryen kuelenn, dar sick de schedinge erst anho^eff
sodan lanth unde lanthgueth alse vorgeno^emeth meth allerleige thobohoringe, nutte unde bokuemicheit, wo de genometh sin odder geno^emeth mogen werdenn, als an ackeren geradet unnd ungeradeth, holtungen, wolde, buschen, birsen, housleegen, wesen, weidenn, wateren, stowyngen, fischerye, fegelye, honnichweidenn, honnichbo^emen, feedryfften unde wor Johan van Oldenbok(um) unde alle sine rechte wa^eren erven mogen recht tho hebben, nichtesnicht buten gescheden, vordan tho hebbende, tho besyttende, tho gebrukende, tho beholdende frye und fredesamlicken ahnne jemandes inrede adder anspra^ecke na leingudes rechte tho eivygen tiden. Des tho orkunde [unnd] tuchnisse der warheit hebben wy Wolter bavengeno^emeth unsenn ingeseegel under an dussen breff latenn hangen, de gegevenn ys tho Karckus am dage Egydii in dem 14hundert unnde darna in dem vereundenegentichsten jare.
comment
pressureDie livländischen Meister des 15. u. 16. Jhs. begannen das Amtssiegel grundsätzlich erst nach ihrer Bestätigung durch den Hochmeister und nicht schon nach erfolgter Wahl zu gebrauchen. In der Zwischenzeit bedienten sie sich entweder desjenigen Amtssiegels, in dessen Besitz sie sich bereits befanden, seit dem Auftreten des persönlichen Majestätssiegels aber auch des Sekretsiegels des Meisteramtes, was auch bei Plettenberg der Fall war (vgl. Brieflade IV S. 17 f. u. S. 39-44). Wolter von Plettenberg, seit 1494 Juli 7 gewählter livländischer Meister (vgl. LUB II,1 Nr. 21), durfte vor seiner 1494 Okt. 9 erfolgten Bestätigung im Meisteramt (vgl. Index Nr. 2333 u. LUB II,1 Nr. 70) weder als Meister urkunden noch mit dem persönlichen Majestätssiegel siegeln. Tatsächlich ist die Titulatur als Meister vor der Bestätigung in keinem einzigen unverdächtigen Fall nachweisbar; Bauer 322 von 1494 Aug. 15 ist selbst fälschungsverdächtig, Erg. 340 von 1494 Sept. 25 liegt eine Fremdtitulatur als Meister vor. Plettenberg selbst nannte sich in seinen Urkunden und sonstigen Schriftstücken vor dem 9. Oktober gekorener Meister und Landmarschall zu Livland (vgl. LUB II,1 Nr. 20 von 1494 Juli 10, LUB II,1 Anm. zu Nr. 61 von 1494 Sept. 9, Bauer 323 von 1494 Sept. 23, LUB II,1 Nr. 57 von 1494 Sept. 23, Bauer 324 von 1494 Sept. 29). Mit O. Stavenhagen ist auch dem Erklärungsversuch von E. Fircks, Plettenberg habe die Urkunde zunächst als gekorener Meister und Landmarschall ausgestellt und sie später mit dem Meistertitel und dem Siegel versehen (vgl. NKGChr. S. 160 f. u. Beil. S. 99), zu widersprechen. Am Original kann O. Stavenhagen entgegen Fircks Angaben keine Rasur beim Titel des Ordensmeisters erkennen, vielmehr sehe das ganze Pergament wie geschabt aus, was auch sonst vorkomme; der längere Titel hätte auch auf der ersten Zeile gar keinen Platz gehabt. Eine offenbare Rasur finde sich dagegen am Schluß bei der Jahreszahl: Bei "14 hundert" stehen die arabischen Ziffern 14 auf Rasur und scheinen nach Angabe von Stavenhagen mit anderer Tinte geschrieben zu sein, aber eben nur sie und nicht die übrige Datierung. Aufgrund dieses Befunds ist auch die Annahme, die Urkunde sei ursprünglich etwa 1534 oder 1524 datiert gewesen, unzulässig, obwohl Stavenhagen die Handschrift an und für sich mehrere Jahrzehnte nach 1494 ansetzen möchte. Allerdings hält er sie für zweifellos identisch mit derjenigen eines anderen Originals von 1503 Okt. 13 (Erg. 108), das unanfechtbar scheine, auffälligerweise allerdings wiederum eine Verlehnung für Johann von Altenbockum (vgl. die Besprechung der Fircksschen NKGChr. durch O. Stavenhagen in: JbGen. 1899 S. 168). Bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang ferner, daß vor dem Namen Plettenbergs die sonst bis 1508 übliche Titulatur als "broder" fehlt. Inhaltlich auffällig ist die Einschiebung in der Schlußformel "ahnne jemandes inrede adder anspra\^{e}ck" (prüfen: Zusicherung unanfechtbaren Besitzrechts kommt zuweilen vor, in welchen Fällen und an welcher Stelle genau in der Urkunde?). Stavenhagen sieht daher die Urkunde insgesamt als Fälschung an. Der Augenschein bestätigt diese Einschätzung, da das Stück in einem Fluß geschrieben ist und Rasurstellen zumindest auf der Kopie (Film) nicht zu erkennen sind. Fehler und Auslassungen in der Satzkonstruktion und stilistische wie orthographische Auffälligkeiten häufen sich ähnlich wie bei einem anderen Lehnbrief für Altenbockum (Erg. 750) derart, daß man die Urkunde keinesfalls als ein Produkt der Ordenskanzlei ansehen möchte. Auch der Ausstellungsort Karkus wäre nur mit Mühe in Plettenbergs Itinerar einzupassen. Eher dürfte sich Plettenberg nach seiner Wahl 1494 Juli 7 für längere Zeit in Wenden aufgehalten haben und von dort nach Kurland gegangen sein; 1494 Sept. 9 urkundet er jedenfalls in Tuckum (LUB II,1 Anm. zu Nr. 61).