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Bauer042

Abt H[einrich] von Dünamünde beurkundet, das ihm von OM. W[ilhelm von Nindorf] überlassene strittige Land Utenpewe entgegengenommen zu haben. Talsen, 1282 Mai 12
Besitzabtretung; rechtliche Auseinandersetzung Text nach A. Bauers Abschrift von Kopie des 14. Jahrhunderts (Goldinger Kopialbuch) (B).
Überlieferung:
aus B: Kop., um 1340
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Universis sancte matris ecclesie filiis presens scriptum visuris frater H[enricus] dictus abbas Dunemundensis cum orationibus salutem in omnium salvatore. Cum inter honorabilem virum fratrem W[ilhelmum] domus Theutonice per Livoniam magistrum et nos et eclesiam nostram super terram, que vulgo Utenpewe pratum Guddenpewe, lokalisierbar unweit Goldingen. Es bleibt allerdings unklar, ob eventuell eine Verbindung zwischen den Namen besteht. dicitur, ventilata fuisset multiplex materia questionis, nos dictam questionem terminare volentes prefatam terram cum suis terminis, videlicet Utenpewe, a prescripto magistro et suis fratribus nobis resignatam et datam, ut omnis impetitio ac controversia inter ipsos et nos plenissime liquefiat, de fratrum nostrorum consensu acceptavimus sine aliqua interventione pacifice ac libere possidendam. Si quis Curonus arbores melligeras in premissis utriusque partis, nostre scilicet ac fratrum, habuerit, eas liberaliter sequetur, quemadmodum commune ius terre exigit ac requirit. In cuius rei evidentiam presentem paginam exinde conscriptam sigilli nostri munimine duximus roborandam. Huius rei testes sunt frater R. commendator de Goldinghen, frater R. de Bremis, frater Io[hannes] de Nona, Ioh[annes] advocatus de Zabel, dominus Io[hannes] plebanus ibidem, frater Ia[cobus] et frater Con[radus] de Saltwele sacerdotes et monachi frater Bernardus Hase, frater Wicboldus Dosel, frater Wichmannus Gustele et alii quam plures. Datum in Talzen anno Domini MCCLXXXII in festo beatorum martirum Nerei, Achilei et Pancratii.
comment
pressureDas Original der Urkunde gelangte offenbar im Jahr 1621 mit Beständen des livländischen Ordensarchivs aus Mitau nach Schweden, wo es vermutlich später verloren ging, vgl. Schirren Nr. 2005 S. 132 Nr. 152. Zwar haben schon R. Toll und Ph. Schwartz in Brieflade III S. 27 f. Bedenken an der Zeitgemäßheit des Ordensmeisters W. zum genannten Ausstellungsdatum geäußert. Das Kapitel zu Fellin, auf dem Wilhelm von Nindorf zum livländischen Meister gewählt wurde, habe erst im Oktober 1282 stattgefunden, weshalb für obige Urkunde ein Fehler des Abschreibers entweder beim Datum oder bei dem nur abgekürzt erscheinenden Namen des Meisters anzunehmen sei. Tatsächlich wird noch in einer 1282 Mai 18 zu Militsch in Schlesien ausgestellten Urkunde Mangold als {\am magister Pruscie et Liuonie} genannt (M. Perlbach, Pommerell. UB Nr. 336 u. 337). Dennoch werten D. Wojtecki, Zur Identität einiger livländischer Landmeister, in: Jb. für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 20, 1971, S. 54 und auch Fenske/Militzer Nr. 624 die vorstehende Urkunde als frühesten Beleg des livländischen Landmeisters Wilhelm von Nindorf. Auch sämtliche als Zeugen genannten Personen sind zum Jahr 1282 bei L. Arbusow, Livlands Geistlichkeit, in: JbGen. 1900 u. 1901 bzw. im Ritterbrüderverzeichnis aufgeführt (vgl. Fenske/Militzer Nr. 690, 109, 634, 470), ohne daß Bedenken daraus erwüchsen, daß die vorliegende Urkunde für die genannten Personen den jeweils einzigen Beleg darstellt und darüber hinaus noch die einzige Belegstelle überhaupt für das Bestehen des Vogtamts in Zabeln (an Personenlisten später nochmal prüfen). Zweifel an der Echtheit des Stückes werden bestärkt, wenn man sich das Spannungsverhältnis zwischen Aussteller und beurkundetem Rechtsinhalt vor Augen führt. Da der Abt von Dünamünde nicht gut die Beilegung der Streitigkeiten durch Überlassung des strittigen Landes an sich selbst beurkunden konnte, beurkundete er sein und seiner Mitbrüder Einverständnis zur Entgegennahme des ihm von dem offenbar abwesenden Ordensmeister überlassenen Landes, ein im Grunde völlig unerheblicher Akt, zumal die Corroboratio von vornherein nur das Siegel des begünstigten Abtes selbst ankündigt. Auffällig deplaziert erscheint auch die Formulierung {\am nos et eclesiam nostram}, die üblicherweise von einer Person bischöflichen Standes benutzt wird. Zweck und Gegenstand der vermutlichen Fälschung bleiben jedoch unklar, da das Land Utenpewe derzeit nicht lokalisierbar ist. Man kann nur soviel sagen, daß die Nennung von Ordensgebietigern aus Goldingen und Zabeln und die Angabe von Talsen als Ausstellungsort nur dann einen gewissen Sinn machen, wenn das überlassene Land im Gebiet von Vredecuronia oder eventuell auch im Goldingschen zu suchen ist. Der Text basiert auf A. Bauers Abschrift von B.