Kurland Property Records

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Bauer474a

Friedrich, erwählter Bf. von Reval und Domprobst von Ösel, Heinrich Steding, Vogt von Kandau, Georg von Syburg zu Wischlingen, Hauskomtur von Riga, Dietrich Behr, Stiftsvogt von Arnsburg, Johann Hoyking, Hauptmann von Amboten, und Heinrich Brink legen als Schiedsrichter den Grenzstreit zwischen Johannes [Münchhausen], Bf. von Kurland, einerseits und Christoph von Neuhof gen. Ley, Komtur von Goldingen, andererseits bei. a) Grenzziehung zwischen Lullum und Ledemen einerseits und Johann Nagel, Johann Lambsdorff und Christoph Buttler andererseits. Pilten, 1553 Juni 15
Grenzbegehung; rechtliche Auseinandersetzung Text nach A. Bauers Abschrift von Kopie des 16. Jahrhunderts (B).
Überlieferung:
aus B: Kop., Ende 16. Jh
Material: Pap.
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Wyr von Gottes gnaden Friedericus, erwelther des stieffts Revall bischopff, thumprobst zu Osell, und wir nachgeschriebene Heinrich Stedingk, voigt zu Candow, Georgen Siebergk zu Wislingen, hauscumpthur zu Riga, beide Teutsches ordens, Dieterich Behr, stiefftsvoigt zur Arnssburgk, Johan Hoykingk, heuptman auf Ambothen, und Heinrich Bringk thuen kundt, bekennen undt bezeugen in undt mith diesem unserm ofnen besiegelthen brieffe vor allermenniglich, was wirden, standes, gradts, dignitet oder condition die sein mogen, geistlich oder werdtlich, nachem sich fur etzlichen viel verschienen jharen zwischen dem hochwirdigen in Gott fürsten undt herrn, hern Johansen, bisschopf zu Churlandt undt confirmirten administratorn des stieffts Ozell, so will auch seiner liebdt, gunst undt forstlichen gnaden vorfahren, bisschopffen zu Churlandt, eins undt dem erwirdigen, hochachtbarn undt ernvesten herrn Christoff vom Nigenhoue, genant von der Ley, Teutsches ordens cumpthur zu Goldingk, unsern geliebten, gunstigen, gnedigen undt gepietenden herrn, brudern undt freunden, sambt auch dem gebiethe zu Grobyn neben deren allerseits hindersassen undt einwohnern anders theils zwist, span undt uneinigkeit auf etzlichen orthern, die grenitz undt scheidungk belangende, streitig erhalten undt noch biss daher ungelicht vorplieben, undt obwoll sodane beschwerliche zwyspaldt durch staathliche undt namhaffte dazu verordnet undt verschriebene personen fast zu mehr mahlen guthlich undt freundtlich auf gleichmessige wege undt mittell freundtlich zu erortern, zu entscheiden, vergleichen undt abzulegen, alles muiglichen gleisses undt Ledemen eins undt der orther hindersassen, die ernvesten Johan Nagell, Johan Lambsturpff undt Christoffer Budtler bei dem dorff Iwanden anders theils beritten, besichtigt, auf beiderseits anweisen, bericht undt notturftige umbstende furgeschlagen, neben angehorter undt furlesungk siegell undt brieffe soviel menschlich undt muiglich mith trewem undt fleissigem gemuete erwogen, demnach unserm ubergebenem compromis nach dieselben gebrechen der orther belangendt auf das grundtlichst undt bestendigst zu entscheidenn bei uns nichts erwinden lassen. Undt fenget Christoff Butlern grenitze an dem stiefft an in die Alswangische moelenbeke
die beke auf zu gehende bis kegen Dexten landt an ein siep, dar ein kreutzkule, gefullet mit steinen undt kolen, gemachet ist
von dem creutz auf diese seith dem siep vohr recht durch die wildtnusse undt das gebroickte von creutzkulen zu creutzkulen auf das Todeische landt, dar ein erdtkreutz, mith steinen undt kolen gefullet, gemachet worden. Johan Nagels grenitze fanget im gleichenn am stieffte an bei der beke, die aus der sehe Latthum fleust, darbei ein erdtkreutz, mith steinen undt kolen gefullet, gemachet ist
von dar den Piltenschen wegk uber zu gehendt, dar bei dem wege ein erdtkreutz
von dar zur rechten handt nieder zu gehendt auf die Hundesbeke, darbei ein erdtkreutze
die beke uber zu tretten auf einen wegk, dar bei dem wege zur lincken handt ein erdtkreutz
von dar aufwarts an einen stieg, dar zur lincken handt ein erdtkreutz
den stieg entlangk von erdtkreutzen zu erdtkreutzen auf einen stein zur lincken handt, die stein mith einem creutze bezeichnet worden
vonn dem steine noch den stieg entlangk von creutzkulen zu creutzkulen uber ein siep, darbei ein erdtkreutz
von dar auf den althen Lullumschen wegk bei einem kreutzwege, darbei ein creutzkule
denselben wegk vor sich auf helt Johan Nagels scheidunge, undt aldar den althen Lullumschen wegk entlangh fangeth Johan Lambsturffs grenitze an, dar bei dem wege ein erdtkreutz zur lincken handt, mith steinen undt kolen gefullet, gemachet worden ist
demselben wege enthlangk von creutzkulen zu creutzkulen auf einen siep, darbei ein erdtkreutz
das siep uber zu tretten auf den wegk, dar ein erdtkreutz
vorthan denselben wegk entlanck auf zwo creutzkulen, uber einen siep zur rechtenn handt, darbei ein creutzkule
so forthan von creutzkulen zu creutzkulen des stifts scheidungk entlanck bis an des ordens landt
von dar aufwartz zur rechten handt kegen ein gebroickte, darbei ein creutzkule, mit steinen undt kolen gefulleth, gemachet ist
von dar aufwartz an einer hoigede ein erdtkreutz
van dem creutz langest einen siep auf einen stein, die mith einem creutze bezeichnet ist
dem sipe so forthan undt entlanges zu folgendt in die Iwandischen beke, dar das siep einfleust undt ein erdtkreutz, mith steinen undt kolen gefullet, gemachet ist
undt welche lande dem sipe entlanges zurlincken handt liggendt, die sollen dem stieffte undt die lande zur rechtern handt liggendt, sollen dem orden sein undt pleiben, jedoch das die hoieschlege beiderseits der beke, als dieselben des orts nu belegen undt dieselben des ordens leuthe in besitz haben, ihnen, des ordens leuthen, furbehalten sein undt pleiben. Undt dieweil itz gedachte zwist, irrung undt streitigen gebrechen, wie obstehet, beritten undt mith notturftigen, bestendign undt offentlichen, scheinbahren erdtkreutzen undt mahlzeichen rechtmessiger gestalt abgetheileth undt gnugsamb befestiget, sollen undt wollen derowegen ihn krafft undt macht vielgemeltes compromis undt unser habenden volmacht hoch undt wolgedachte herrn sambt ihren obgenanten mithbeschrieben fur sich, ihre nachkommen undt erben allerseits gentzlich, grundtlich undt volkommlich entscheiden, verthragen, in ruhe, friede undt einigkeit, liebe undt freundtschafft endtlich hiemith gestalt undt gesetzt sein undt bleiben, auch soliches alles bei furstlichen undt adelichen hoigsten ehren, guthem glauben stets, vest, getrewlich undt unwiederruflich in allen zukommenden zeiten unverbrüchlich wol zu halthenn, alle geferdt, argelist undt wes durch meinschen verstandt, sinne undt vernufft hiegegen erkandt undt eingefuhret muchte werden, sowoll auch aller undt jeder behelff geistlicher oder weldtlicher gericht undt rechte, wie die namen haben oder kunftig gewinnen, erdacht oder bereits erfunden wordenn, undt diesem unserm aufgerichten undt besiegelten endtscheidtbrieffe zu nachteil gebraucht worden, hirein gentzlich ausgeschlossen undt allerseits verziegen. In uhrkundt der warheidt undt vermuege unserem in vielbemeltem versiegelten compromis aussgetruckten undt habenden gewaldt undt vulmacht haben wir, bischopf obgenant unsers stieffts, wir, voigt undt hauscumpthur, unsere ambts insiegell undt wir andern unsere angeborne pitzschier hiran wissenthlich thuen hangen. Geben undt geschrieben auf dem hause Pilt[en] nach Christi unsers herrn geboerth im fünfzehenhundersten undt dreundtfünftzigsten jhars am thage Viti et Modesti etc.
comment
pressureObschon die langwierigen Grenzauseinandersetzungen zwischen den kurländischen Landesherren grundsätzlich im Rahmen der vorliegenden Edition keine Berücksichtigung finden konnten, wurden die Grenzziehungen des Jahres1553 wegen ihrer detaillierten Grenzangaben zu einzelnen Orten und Besitzungen einzelner Lehnsleute hier aufgenommen. Die Grenzstreitigkeiten zwischen dem Stift Kurland und dem Komtur von Goldingen waren offenbar Ende der 40er Jahre wieder aufgelebt. So verzeichnete das Stockholmer Verzeichnis der 1621 aus Mitau nach Schweden verbrachten Bestände des ehemaligen livländischen Ordensarchivs unter Nr. 1011 zum Jahr 1549 Copien verschiedener Grenzhandlungen aus herrmeisterlicher Zeit, das Stift Curland und Goldingen betreffend (Schirren Nr. 2005 S. 149 Nr. 737), und der Goldinger Komtur ließ 1551 Jan. 27 die Grenzscheidung des Jahres 1338 (Bauer 69) transsumieren (Schirren Nr. 2005 S. 149 Nr. 742). Ein aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammendes Archivverzeichnis des Kurl. Herzogl.A. führt in der Sache des Grenzvergleichs zwischen dem Bischof von Kurland und dem Komtur von Goldingen noch vier Fasciculi Bf. Friedrichs von Reval und anderer verordneter Commissarien von 1553 auf, die jedoch den Bauerschen Texten nicht alle eindeutig zugeordnet werden können, vgl. Marburg, DSHI 540 KHA, Baltische Archivfilme C2: Alte und neue Consignationen Nr. 30 (ehem. Riga, StaatsA., Kurl. Herzogl.A. Nr. 294/1992, lfd. Nr. 2292). Die Urkunden Bauer 474a - Bauer 474e scheinen bald darauf alle in dem Stockholmer Verzeichnis der 1621 aus dem ehemaligen Ordensarchiv in Mitau nach Schweden verbrachten Beständen aufgeführt worden zu sein, sind in Stockholm RA jedoch nicht erhalten. Eine eindeutige Zuordnung der Regesten Schirrens nach dem Förteckningh (Schirren Nr. 2005 S. 149 Nr. 750, 751, 753-755) zu Bauers Texten ist wieder nicht möglich. Drei der Urkunden Bauer 474a - Bauer 474e sind Index Nr. 3543-3545 ohne nähere Ortsangaben als schiedsrichterliche Entscheidungen in dem Grenzstreit zwischen dem kurländischen Bischof und dem Goldinger Komtur verzeichnet, demnach befanden sich die pergamentenen Originale zumindest dieser drei Stücke, unklar bleibt welcher, im Jahr 1833 im Kurl. Prov.-Museum in Mitau. Einzig von Bauer 474b existiert ein Foto des stark beschädigten Originals in der Slg. Stavenhagen, das Stück befand sich also noch rund 100 Jahre später im Kurl. LandesA. Der Editionstext basiert auf A. Bauers Abschrift von B.