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Bauer327

OM. Wolter von Plettenberg belehnt Johann von Altenbockum und seine Erben mit 6 Haken Landes im Kirchspiel Talsen im Gebiet Kandau in beschriebenen Grenzen, mit dem Dorf Kallitzen im Kirchspiel Zabeln und im Amt Goldingen gleichfalls in beschriebenen Grenzen sowie weiterem Besitz, zu Lehngutsrecht. Wenden, 1495 Okt. 9
Lehnsurkunde
Überlieferung:
aus A: Ausf.
Material: Perg.
Archiv: Riga, Hist. StaatsA., Best. 5561, Fb. 2, Akte 75; GStAPK, VIII. HA B 24: Sammlung Stavenhagen Urk. Nr. 171 (oder = Erg. 266)(?)
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Wie broder Wolter van Plettenberge, meister tho Liefflande Duthsches ordens, bekennen unde betugen apenbar myth dusszeme apenen breve, dat wy mith raede, willen unnde volbort unszer ersamen medegebediger Johan van Oldenboken unde alle sinen rechten waren erven gegeven unde verlent hebben unde mit crafft dusses breves geven unde verlenen soes haken landes, [de] im kerspell tho Talszen unnde im gebede tho Candouw zynn belegenn in dusszer nagescreven schedingen: int erste an der Doruitczen bruggen antohevende, dar eyne eyke steit mit eynem cruce
van der eyke van kule to kulen beth in de Angerssche see, dar eyne eyke steit mit eyneme cruce
van der eyken van kule to kulen beth an de Peltzenbecke
de Peltzenbecke aver to tredende an den Bockesberch, dar eyn steyn is mith eynem crucze
van deme steyne to gande beth an den Hauiksberch
deme Hauicksberge tho volgende tho eyner eycken mit eyneme crucze
van der eyke van kule tho kulen beth an des bisschoppes schedinge
der schedinge tho volgende beth in de zolten see, dar eyn steyn licht mith eyneme crucze bie deme dorppe to Rodencirkell
van deme steyne to gande langes de solten see langes strandes beth an Wildes landt, dar eyne eicke steyth mit eyneme cruce
der eycken tho volgende an de Rexusschen hoyslagen, dar eyne kule is
den hoislagenn to volgende beth in de heyde, dar eyne fure steit mith eyneme crucze
van der furen beth tho eyner kulen by deme wege, de dar kumppt van Rexu
vortan van kule tho kulen to eyner eycke, mith eyneme crucze getekenth
van der eicke vorthan to gande van kule to kulen beth an de bavenbenomden Doruitczen brugge, dar men ersten anhaff
szo enszodanen Gerdt van Lunen allervriest beszeten hevet. Unnde dartho geven unnde verlenen wy Johan ergedacht unnde szynen erven den hoff tho Rotzeden mith der molen unnde geszynde unde dath dorpp Dussppen unnde Klaen mith aller tobehoringe unnde den kroch tho Talszen unnde dath hus tho Zabell, mith allen den geszynnen unnde tobehoringe, alz Claus Ffrancke unnde zyne vorolderenn enszodanen allervriest beszeten hebben na inholde der olden leenbreve darupp gegeven
unnde noch dartho twee haken landes, Berten, Tyden dochter, in er tydenn verlenet, dar de eyne haeke gelegen is tho Haszemuggere unnde de ander haeke gelegen an stucketall vor deme slotte Talsten, den Tyde Wlffes in er tiden beszeten hevet
unde dartho eynen acker van achte lopen saedes, vor deme slotte Talsten belegenn na inholde des olden breves, Berten, Tyden dochter, daraver gegeven
unnde dartho dath dorpp Kaliszen, im kerspell tho Sabell unnde amppte to Goldingen in dusszer nagescreven schedinge belegenn: int erste van der Abouw antogande beth tho Mamestrate Mamesstrate, am Original in Riga prüfen, dar eyne sype is
deme syppe to volgende beth an ene brugge
van der bruggen dorch eyn brockt, dar eyn furenbom mit eyneme crucze is getekent unnde eyne kule
van der kulen to gande, dar eyn steyn licht, mith eyneme crucze getekent, van deme steyne to gande beth an den Kanschen wech
deme wege to volgen beth an den Renschen wech, dar eyn steyn licht, mith eynem cruce getekent, unnde eyne kule
van deme steene to gande an de Stolben Stobben see
van der see dorch de heyde tho gande beth an eyn brockt
deme brockte to volgende beth an Cappszell bruggen
van der bruggen to gande, dar eyn steyn mith eynem crucze getekent is, van deme steyne van steyne tho steynen beth an den Vitzedesschen wech
den wech aver dat gebrockt to gande, dar eyne kule ist
van der kulen vort van kule to kulen beth an ene syppe
deme syppe to volgenn beth in de Malenstrouwte
van der Malenstrouten in de Saten becke
der Saeten becke to volgende in de Abouw bavenbenomppt
dartho noch eynen hoyslach van vieer kuyen stede an der Saten becke buten dusszer schedinge belegenn
so enszodanen dorpp den van Oderen er tidenn gehoret hevet, welke ergedachte dorpp an unszen ordenn vervallen is dorch enszodane, dat de eyne broder den anderenn thom dode szloch, worumb wy mith raede unnde willen unszer gebedigere enszodane olde leenbreve, de de van Oderenn unnde ere olderenn muchten gehath hebben, szo de noch tho thokamende tiden vor ogen qwemen, in crafft unnde macht dusszes breves crachtloes unnde machtloes gelacht hebbenn, szo wy in giffte dusszer scriffte leggen unnde dusszen unszen breve vollenkomen glove togeven
enszodanen landth unnde landtgudt als [vorg]enomppt mith allerley thobe[horinge]% Fleck, nuth unnde beqwem[iche]it, wo de genomet szein edder genometh mogen werden, alz an a[cker]enn geradet unnde ungerodet, hoyslagen, weszen, weyden, vedrifftenn, holtingen, busschen, wolden, birszen, waterenn, beckenn, seen, syppen, honnichbomen, honnichweyden, visscherien, vogelien etc. unnde wor Johan unde alle syne rechtenn waren erven vorgemeldet mogenn recht to hebben, nichtisnicht buten bescheden, vorthan to hebbende, to besittende, tho bruckende unnde tho holdende vry unnde vredeszamelicken na lengudes rechte tho ewigen tiden. Dusszes thor orkunde unnde tuchnissze der warheit szo hebbenn wy unsze ingesegell unden an dusszen breff laeten hangen, de gegeven is tho Wenden am dage Dionisi confessoris in den jaren na Cristi [gebor]th duszentverhundert unnde darna im viffundenegentichstenn jare.
comment
pressureErst im Jahr 1498 kam die entscheidende Verbindung zwischen den Familien Francke und Altenbockum zustande, indem Johann von Altenbockum eine Tochter Klaus Franckes ehelichte, einen Teil von dessen Gütern laut eigens darüber aufgesetzter, uns unbekannter Verträge zur Mitgabe erhielt und OM. Wolter von Plettenberg mit Urkunde von 1498 Nov. 2 (Bauer 336) den beiden Familien das Gesamthandrecht gewährte. Ein Übergang von Gütern aus ehemaligem Franckschen in Altenbockumschen Besitz kann füglich erst danach stattgefunden haben. Im vorliegenden Lehnbrief wird aber im zweiten Teil der Dispositio gleich eine ganze Reihe von Besitztümern aus dem ehemaligen Besitz Klaus Franckes an Altenbockum übertragen, nämlich Rothseden, Dursuppen, Klahnen, einen Krug zu Talsen und ein Haus zu Zabeln. Die Nennung Klaus Franckes als Vorbesitzer der Güter entspricht dabei ganz der üblichen Art, die an den Vorbesitzer als einen bereits verstorbenen Mann denken läßt, wovon hier aber zumindest für das Jahr 1495 keine Rede sein kann. All dies liefert ebenso wie der Umstand, daß über das Dorf Dursuppen ein weiterer, wohl gefälschter Lehnbrief für Johann von Altenbockum angeblich von 1494 Sept. 1 existiert (Erg. 89) oder daß die Verlehnung eines Hofes mit Mühle (!) und Gesinde wie im Fall von Rothseden völlig einzigartig dasteht, hinreichende Verdachtsmomente, um auch diese Urkunde als stark fälschungsverdächtig einzustufen. Ein Ziel der Fälschung könnte jedenfalls ebenso wie bei Erg. 89 die nachträgliche explizite Legitimation durch ordensmeisterliche Verleihung für solche Besitztitel gewesen sein, die die Familie Altenbockum durch Eheverbindung und Gesamthandrecht mit der Familie Francke zumindest zum Teil erst einige Jahre später tatsächlich erwarb. Bei anderen in der Urkunde genannten Besitztiteln, etwa auf das Dorf Kallitzen, haben wir keine Anhaltspunkte, inwieweit der mitgelieferten Begründung für den Besitzwechsel, ein Brudermord in der als Vorbesitzer genannten Familie von Odern, Glauben geschenkt werden kann oder inwieweit hier vielleicht eine alte und in der Erinnerung der Menschen bereits verschwommene Geschichte als Mittel zur Ausschaltung etwaiger konkurrierender Besitzansprüche eingebaut wurde. Zu Wenden als Ausstellungsort für das angegebene Datum vgl. die Anmerkungen bei Bauer 328. Für L. Arbusows Annahme einer ähnlichen Korrektur von 1494 auf 1495 wie bei Erg. 266 (vgl. KGChr. N.F. Beilage S. 6 f. Anm. 1) gibt das Original, soweit auf Mikrofilm ersichtlich, mit in Worten ausgeschriebener, völlig unverdächtig aussehender Datierung keinen Anlaß.