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Bauer322

OM. Wolter von Plettenberg belehnt Kordt Nolde und seine Erben mit einem Landgut im Kirchspiel Windau in beschriebenen Grenzen und erweitert die Grenze über die Windau hinaus. Wenden, 1494 Aug. 15
Lehnsurkunde Text nach A. Bauers Abschrift von Kopie des 17. Jahrhunderts (B).
Überlieferung:
aus B: Kop., 17. Jh
Material: Pap.
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Wie broder Wolter von Plettenbergk, meister tho Liefflandt Deutsches ordenß, bekennen unndt betugenn apenbar mit dussem unsen apenenn brieffe, datt wir mit rahdt unnd vulbohrt unser ersamen mehdegebediger Kordt Nolden unnd sinen rechten wahren erwen gegeven unnd vorlenet hebben unnd mit krafft dusses brieves geven unnd verlehnen sodan landt unnd landtgutt, alse dad im kerspell Winda belehgen wie folget: die Atlatsche becke up tho gande beth ahn einem berge, genömet de Wirpe, van dem berge af tho treden na einem shipe, van dem shipe af tho treden na Sacken seinem krützsten, so fordt von stenen unnd khulen tho gande bet an den letzsten Sacken seinem stehn, van den stehn tho gande na de Osewalck, dahr Pralen seine grentzen lang geit, dem sipe entlangst tho gande beht an de Meddulsche becke, de Meddulsche becke entlangk tho gande bet an einen sip, de thor vorderen handt ist, van dem siep na einer kulen, van der kulen de richte nha einem kreutzestein, de gegenn Meddulen liecht, van dem stein na einem anderen stein tho gande, van dem stein na dem drieden steine tho gannde, de gegen dem Witten berge liecht, van dem stein schnorglieck na dem Witten berge tho gande, van dem berge af tho treden unnd langst dem Leßdschen olden heuwschlag beht ahn öhren olden limmarken, van den limmarken schnorglieck offer de Rope tho gande beht ahn einen fichtenbohme, dar ein krutze in ist, van dem bohme de richte na Vpeten, de becke lang tho gande beht an einen siep, de na de Trideick geitt, den siep langk tho gande beht an de Trideick, de Trideik langk tho gande beht in de Winda, de Winda langk tho gande beht ahn de Atletzsche becke, dar dusse schedungk seinen anfang hefft. Noch hebben wie Kortt Nolden de grentze öhwer de Winda vorwiedert, so ehrstmalß de olde Churlandt besehten hefft, van der Winda anthofangende, dar ein kuhl ist, van der khulen de richtte öhwer de Nabbei tho gande na einer kullen, so under den eichenen beumen liegtt, ist van der khulen na einer andern khulen tho gande, van dar noch ein ander khulen tho gande, van der khulen noch ein ander khulen, de bie de Stanse liegtt, de Stanse langk tho gande behtt an einen siep, den siep entlangk tho gande beht an einer khulen, van der khulen so fort van khulen tho khulen tho gande beht in de Winda, de Winda langk tho gande beht an de erste khule, dar dusse schedungk seinen anfangk hefft. Dewielle aber Kortt Nolde bei unnß sich in dem felde ehrlichen unnd wol gehalden, hebben wie ehme solcke grentzen vorwiedert, nichtes uten bescheden, forthen frei unnd fredsamlick inthonemende, tho besitten unnd tho gebruken, tho verkopen unnd tho verseten, wo eß ehme oder den seinigen am besten duncket, ahne jemandeß vorweigerungk oder verhinderungk, alß wie ehme dieß unnd allen seinen rechten erben unnd erbnehmen hiemit krafft dieses unserß briveß gonnen unnd geven tho ewigen immerwehrenden thiden. In urkundt hebben wie meister obgemelt unser ingesiegel an diessen breff donn unnd lathen hangen. Gegeven tho Wendenn frietages nha Laurentzi im jhare 1494.(?)
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pressureWolter von Plettenberg, seit 1494 Juli 7 gewählter livländischer Meister (vgl. LUB II,1 Nr. 21), scheint hier den Meistertitel noch vor seiner offziellen Bestätigung, welche 1494 Okt. 9 auf dem Generalkapitel in Königsberg erfolgte (vgl. Index Nr. 2333 u. LUB II,1 Nr. 70), gebraucht zu haben. Gleiches begegnet sonst nur in dem stark fälschungsverdächtigen Stück Erg. 89 (vgl. dort die Anmerkungen), was auch die untenstehende, leider nur kopial vorliegende Urkunde von vornherein in äußerst zweifelhaftem Licht erscheinen läßt. Stil und Diktat sind allgemein unverdächtig, inhaltlich auffällig jedoch das Fehlen der Formel "zu Lehngutsrecht" in Verbindung mit der ausgesprochen günstigen besitzrechtlichen Stellung des Belehnten mit freiem Verkaufs- und Verpfändungsrecht, wie es etwa auch in den sicher gefälschten Pralschen Lehnbriefen über Landstücke im Windauschen erscheint (vgl. Bauer 159, Erg. 484 u. Erg. 486). Die Erweiterung der Grenzen des Lehnsgebietes und die günstige Rechtsstellung bedurften in den Augen des Verfassers offenbar einer besonderen Begründung, weshalb auch an dieser Stelle, am Ende der Dispositio statt wie sonst üblich in der Narratio, der Grund für die Rechtserteilung quasi "nachgeliefert" wird, nämlich die Bewährung des Lehnsmannes im Kriegsdienst. Nochmal prüfen, ob ein ähnlich günstiges Besitzrecht in anderen, etwa gleichzeitigen, aber zweifelsfreien Fällen nachweisbar ist. Es gibt drei ältere und über jedem Fälschungsverdacht stehende Lehnbriefe für Cordt Nolde, davon über Besitz im Windauschen einen Brief von 1466 März 6 über 12 Haken Landes genannt Warwen und Croyen (Bauer 255) und einen Brief von 1480 Juni 28 (Bauer 288). Ein weiterer Lehnbrief von 1486 Mai 5 bezieht sich auf Besitz im Grobinschen (Bauer 300). Geht man davon aus, daß diese drei Lehnbriefe derselben Person erteilt wurden, aber nicht mehr Erg. 391 von 1507 Sept. 30, so haben wir es bereits mit einem beträchtlichen Besitzzuwachs in einem Zeitraum von über 20 Jahren zu tun. Es ist von daher schon ausgesprochen unwahrscheinlich, daß Cordt Nolde überhaupt noch von einem weiteren Ordensmeister belehnt worden sein soll. Bedenken ruft auch der Umstand hervor, daß die vorliegende Urkunde, wie aus den Rückaufschriften eindeutig hervorgeht, auf Warwen zu beziehen ist, ja sogar als der Hauptbrief über Warwen galt. Es wäre also ein neuer Lehnbrief über das 1466 verliehene Land ausgestellt worden, ohne des älteren und bis heute vorhandenen Lehnbriefs auch nur Erwähnung zu tun und ohne dessen Grenzbeschreibung (mit der einen Ausnahme der Atlitze) aufzugreifen. All dies nährt den Verdacht, daß die angeblichen Urkunden des OM. Plettenberg für Cordt Nolde (Bauer 322 u. Erg. 485) bereits Reaktionen der Familie Nolde auf das Auftauchen konkurrierender Pralscher Besitzansprüche im Gebiet Windau und deren Untermauerung durch entsprechende gefälschte Rechtstitel sein könnten. Der Text basiert auf A. Bauers Abschrift von B.