Kurland Property Records

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Bauer307

Bf. Martin von Kurland belehnt Matthias Haudring und seine Erben mit einem Stück Landes in der Burgsuchung und dem Kirchspiel Amboten in beschriebenen Grenzen zu Lehngutsrecht. Amboten, 1489 Jan. 1(?)
Lehnsurkunde Text nach A. Bauers Abschrift von Kopie wohl von ca. 1600 (B).
Überlieferung:
aus B: Übers. (?) (wohl eher Kop.), wohl um 1600
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Wir [Martinus], von bischoff B Gottes undt des pawestlichen stoleß gnaden bischoff Martinus C der kirchen zu Churlandt, bekenne undt offenbahr bezeuge mit diessen unseren brieffen, daß wie mit willen, radt undt fulbordt unsers werdigen capittels derselbigen unser kirchen dem erbarn manne Matthis Haudringk undt seinen rechten wahren erben umb seiner fleissigen und getrewen dienste, die ehr uns undt unser kirchen gethan hatt und noch zu kommenden zeitten gerne thun will, gegeben undt vorlehnet haben und in crafft dieses brieffes geben und verlenen wir B genantt Matthies Haudringk und seinen rechten wahren leibes erben erbliches und nach lehnguttes rechten ein stucke landes, auf, in welcher sehe ist inflissende eine beche, genant Luckkene, in der munde dieselbe beche Luckkene uf zu gehen biß an die beche Birxstell, dieselbe beche dael zu gehn nha dem brock Vdraßlancke Simmeckel, aus dem brock loft ein beche, genant Nodachvppe, die beche fort dael zu gehn biß in die Wortaye, die Wartage gerecht uber zu gehn in die Laczevppe, van der Laczuppe zu gehn biß zu einen sprinck, genant Lhune Rume., den strom daell zu gehn biß an den schlotischen berch schlotesbergk, dergesandt dergestalt? reter unter dem berge zu gehen biß an die sehe Tebbereß, von der Tebberschen sehe zu gehn biß an die Wilckvppe, von der Wilckvppe zu gehn in ein brock, dar ein beche außspringett, dieselbe beche daell zu gehn biß ihn die Seppsche sehe, dar sich die schedinge anhebet, mit allerlei zubehorige freyheiten, gerechtigkeit, nucze und beqwemigkeiten, wie die genannt seint oder namen haben mögen, alsz an ackern gerodet undt ungerodett, nichts außbenommen, an wiesen, heuschlägen, büsschen, birßen, waßern, sehen, siepen, tinßen, honigbeumen, honigweiden, jachten, fischereyen undt uve gemellter Mattiaß Haudringk und seine wahren erben mögen recht zu haben zu besitzen, zu gebrauchen undt zu behalten mit allen seinen rechten wahren erben fry undt friedtsamlichen nach lehnguts rechten. Diß zur zeugniße der waarheit haben wir Martinuß, bischoff obberurtt, unser unnd unsers werdigen capitelß insigel rechts wissens undten an diesen briff laßen hangen, geben undt geschrieben auff unserm kirchen schlosse Amboten am tage crucificies in dem jhar nach unsers Herrn geborth tausendveerhundert undt darnach im negenundtachtigsten jare.
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pressureVgl. eine weitere Verlehnung im Ambotenschen für Matthias Haudring von 1489 Okt. 14 (Bauer 311) sowie die Verlehnung für Merten Haudring von 1495 Okt. 14 (Bauer 329) mit gleicher Grenzbeschreibung und auch sonst im wesentlichen übereinstimmendem Wortlaut wie die vorliegende Urkunde. Naheliegend erscheint zunächst, daß es sich bei Bauer 329 um die einige Jahre später erfolgte Neuausstellung der Lehnsurkunde für Merten Haudring als den Erben des Matthias Haudring handelt. Ein Hinweis auf den verstorbenen Matthias fehlt zwar, muß freilich aber auch nicht erscheinen; zumindest auffällig ist vor diesem Hintergrund die erneute Aufnahme bzw. Beibehaltung des Hinweises auf besondere Verdienste des Empfängers, die der Belehnung vorangingen, was aber immerhin durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Dennoch ist zumindest in Erwägung zu ziehen, ob möglicherweise aufgrund einer fehlerhaften abschriftlichen Überlieferung ursprünglich eine Urkunde im Bauerschen Manuskript in zwei Fassungen erscheint, also Bauer 307 u. Bauer 329 auf ein und dieselbe Urkunde zurückgehen könnten. Mehr noch als die Übereinstimmungen im Wortlaut beider Stücke nähren gewisse verderbte Lesungen an identischen Stellen diese Vermutung, da nur die Annahme einer gemeinsamen, selbst schon fehlerhaften oder beschädigten Vorlage für beide Stücke dies erklären kann. Man vergleiche etwa in beiden Überlieferungen gegen Ende der Grenzbeschreibung des Lehngebietes die verballhornte Wortform, die korrekt "dergestalt" oder ähnlich heißen müßte. Kaum vorstellbar daß, hätte es 1495 bei der Neuausstellung des Lehnbriefs Zweifel bezüglich der Schreibung des vorgelegten Original-Lehnbriefs oder auch einer nicht ganz korrekten Abschrift davon an einer solchen Stelle gegeben, diese nicht stillschweigend berichtigt worden wären. Die Annahme einer gemeinsamen Vorlage würde es auch erlauben, die Lesung der Tagesdatierung als Crucificies auf deren Fehlerhaftigkeit zurückzuführen, wäre doch die Erteilung eines Lehnbriefs an Crucifixio Domini (Karfreitag) kaum eine angemessene Handlung für den Leidenstag des Herrn. Wohl aus diesem Grund ist die ältere Forschung bis hin zu Bauer auch auf die Lesung Circumcisionis = Jan. 1 ausgewichen, zumindest in Bauers Fall ohne dies eigentlich gelesen zu haben. Ob andererseits die Tagesdatierung Calixti gehießen hat oder ob diese Angabe möglicherweise irrig bei der gleichzeitigen Abschriftnahme von Bauer 311 u. Bauer 329 in die Überlieferung gelangte, muß ebenso offen bleiben wie die Frage, welches Jahresdatum, ob 1489 oder 1495, auf der möglicherweise nur einen bischöflichen Ausfertigung zu Bauer 307 und Bauer 329 gestanden haben könnte. Die Überlieferungssituation in der Brieflade von Nodaggen, wie A. Bauer sie 1931 in Rostock vorfand, spräche eher für die Bevorzugung der Datierung in das Jahr 1495 (vgl. Anmerkung zu Bauer 329). Zu Datierung und Gegenstand der ersten Verlehnungen an die Familie Haudring äußert sich auch die ältere Literatur uneinheitlich bis verwirrend. Nach Angabe v. Rahdens in JbGen. 1911-13 S. 630 datiert die älteste bekannte Belehnung der Familie Haudring in Kurland von 1489, in welcher Bf. Martin von Kurland den Merten (?) Haudring mit Assieten belehnte. Laut Ortslexikon ist Nodaggen hervorgegangen aus der Belehnung der Haudring 1449/95. Zu dem ebenfalls in Familienbesitz befindlichen Bagge-Assieten 5 km nö Preekuln heißt es, zwischen 1449 und 1489 seien erste Belehnungen der Haudring im umliegenden Güterkomplex erfolgt. Auf die Existenz einer früheren Belehnung etwa aus dem in der Literatur mehrfach genannten Jahr 1449 fehlen zwar konkrete Hinweise, andererseits scheint die Belehnung mit Assieten in den vorliegenden Urkunden nicht inbegriffen zu sein und es ist daher wahrscheinlich, daß hierüber ehemals ein weiterer Lehnbrief existierte. Angesichts des unklaren Gesamtbilds, das sich aus den Angaben der Literatur und den fehlerhaften, auch in ihrer Qualität nicht mehr genauer überprüfbaren Überlieferungen zu Bauer 307 u. Bauer 329 ergibt, wurden die beiden Stücke dem Manuskript A. Bauers entsprechend für die Edition weiterhin unter eigenen Nummern aufgenommen. Der Editionstext basiert auf A. Bauers Abschrift von B.