Kurland Property Records

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Bauer017

Bf. Heinrich von Kurland beurkundet die vollzogene Teilung der Burg Memel zwischen sich und dem Deutschen Orden. Weil der mittelste Teil kleiner ausgefallen ist als die beiden anderen, tritt er den Bergfried in seinen aufrechten Teilen ab, jedoch ohne den Grund und Boden. Memel, 1254 Jan. o.T.
Teilungsurkunde Urkundentext nach A. Bauers Abschrift von deutscher Übersetzung des 14. Jahrhunderts (Goldinger Kopialbuch) (B).
Überlieferung:
aus B: dt. Übers., um 1340
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Wi bruder Henrich von der mynnerbroder orde, von der Godes genaden eyn bisscop to Curlande, schriven an allen cristenluden, die dessen brief sien of horen lesen, heyl in des levendigen Godes sone. Witlich si der meynheit, dat do unse live brodere des Dudesschen huses die borch to Mimelborgh, do si yerst gebuwet was, in drie deil deilleden unde uns dat deil mit deme late tovele, dat to der Memele unde der Dangen wart is, want dat middelste deyl mynner is to seende den tween utersten deylen, so hebbe wy hebben si B laut A. Bauers Abschrift togeworpen den barchvride, die in der Memele steit, mit dem swinhus unde mit dem gerehus, die grunt uns to blivende unde dat holt der vorbenomeder huser unde des barchvrides mit unseme rade in die twe andere deil to blivende. Geschehen unde gegeven to Mimelborgh, do si yerst gebuwet wart, under den jaren unses Heren dusenttwehundertdrieundeviiftich in dem harden mande, dar gegenwordich was bruder Bernt, der commendure, broder Henrich, der prister, broder Henrich, der marschalk, broder Henrich, der commendure to Goldinghen, broder Sigebode, broder Volpart, die voghede to Curlande, Jacob, unse leen man, unde andere vil wiser unde beschedener lude. In eyn getuchnisse disses dinges so hebbe wi dissen brief mit unsen ingesigele besigelt.
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pressureDie verbindliche Absprache zwischen dem kurländischen Bischof und dem Deutschen Orden über die bischöfliche Mithilfe beim Bau der zu errichtenden Memelburg und deren Teilung ein Jahr nach Baubeginn wurde erst Ende Juli 1252 getroffen (Erg. 203, Bauer 13a). Im Sommer des folgenden Jahres war die Memelburg im Bau befindlich, wie aus einer Urkunde Papst Innocenz IV. von 1253 Aug. 23 hervorgeht (LUB 1 Nr. 257, Sen={a}s Latv. v={e}st. avoti 2 Nr. 376). Die Teilung der Memelburg ein Jahr nach ihrer Erbauung, auf welche Vereinbarung sich Urkunde Bauer 18 ausdrücklich bezieht, kann demzufolge nicht schon zu Anfang des Jahres 1253 erfolgt sein. Zur Datierung der beiden Urkunden Bauer 17 und Bauer 18 in das Jahr 1254 vgl. A. Engelmann in Mitt. 9, 1860, S. 424-426, dessen Meinung sich auch G. Rathlef, Mitt. 12, 1880, S. 244 bei aller Kritik an dessen Theorie von der allgemeinen Geltung des Marienjahrs in Livland im 13. Jahrhundert für diese beiden Stücke anschließt. Die beiden Urkunden zählen offenbar zu den wenigen Abweichungen von der etwa seit der Jahrhundertmitte in Livland üblichen Jahresdatierung nach dem Weihnachts- oder Januarstil. Sie sind nach dem Marien- oder auch nach dem Osterjahr datiert, beides Datierungsgewohnheiten, die dem aus Luxemburg stammenden kurländischen Bischof Heinrich Lützelburg vertraut waren. Vgl. H. Grotefend, Taschenbuch der Zeitrechnung S. 12, wonach das Erzbistum Köln und seine Suffragane im 13. Jahrhundert zeitweise den Osterstil befolgten, das Erzbistum Trier schon seit dem 12. Jahrhundert durchgängig den Annunciationsstil. Weil sich erst nach erfolgter Teilung der Stadt herausgestellt haben kann, daß der mittlere Teil zu klein ausgefallen war, hat die Forschung in der Vergangenheit Bauer 18 immer wieder zeitlich vor Bauer 17 gestellt und der Hartmonat als Februar aufgelöst (vgl. etwa Ph. Schwartz, Kurland im 13. Jh., S. 85). Die Monatsdatierung {\am in dem harden mande} muß jedoch als Januar aufgelöst werden, auch wenn damit der tatsächliche Ablauf der Geschehnisse und die Beurkundung derselben nicht völlig in Einklang stehen. Vgl. dazu Bauer 18 ({\am VI\+{o} idus Februarii} = 1253 Febr. 8 = {\am nach dem haarden mande} oder auch Bauer 50 u. Bauer 51 ({\am 1301 secundo nonas Ianuarii} = 1301 Jan. 4 = {\am in dem harden mande} sowie H. Grotefend, Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit Bd. 2 S. 79 f. Textgrundlage ist A. Bauers Abschrift aus dem Goldinger Kopialbuch (B). Der Variantenapparat enthält alle Namensvarianten der deutschen Übersetzung C im Vergleich zu A. Bauers Abschrift. Sonstige Abweichungen wurden nur verzeichnet, soweit sie erheblich erschienen.