Kurland Property Records

Document text

back to search

erg0266

OM. Wolter von Plettenberg belehnt Johann von Plettenberg mit dem Hof, Land und Landgut im Gebiet Mitau, das bisher Simon Tymme gehörte, aber wegen des von diesem an Hans Swesser verübten und mit dem Rad bestraften Mordes an den Orden gefallen ist, ferner mit einem Stück Landes im Amt und Gericht Kandau, das Kopke Veethe zuvor besaß, einem im Amt Wenden im Kirchspiel Lude, wie es Helmold von der Lude besaß, und einem im Amt Karkus im Kirchspiel Helmet, wie es Richard Vette zuvor besaß. Wenden, 1495 Okt. 9
Lehnsurkunde Text derzeit nach Kurländische Güter-Chroniken N.F., Mitau 1890-1895, Beilage Nr. 2, dort nach der Ausfertigung.
Überlieferung:
A: Ausf.
Material: Perg.
Archiv: Riga, Hist. StaatsA., Best. 5561, Fb. 4, Akte 159; GStAPK, VIII. HA B 24: Sammlung Stavenhagen Urk. Nr. 171 (oder = Bauer 327)(?)
Hide variants and comments | Show variants | Show comments | Show variants and comments |
Wy broder Wolter van Plettenberge, meister tho Lifflande Dutzsches ordens, bekennen vnde betugen in unde aver mith dusseme unseme apenen breve vor alzweme, geystlick offte wertlik, szo alz dan Symon Tymme, deme Godt [der] almechtige zyne misßedaet vorgeven moche, dorch egene hantdaet vorevelick unde ungeborlick myt sampt syner dochter unde anderen saligen Hans Swesser Sweffer jamerlicken vermordet unde tom dode gebracht hefft, szo dat billick unde na rechtes wysze nagebracht worth, wargemaket unde up eme betuget, derhalven Symon ergedacht dusses zyn recht unde morders recht weddervaren iß, upt radt gestodt, so eme dat dat gerichte unde recht gevonden hefft, deshalven dan alle dat zyne na olden herkomen unde na rechtes wysze na vervallen morders daet gevallen iß ant gerichte unde unßen orden alz under unnßeme orden wanhafftig unde besitlik, umb uns dan myt deme besten darinne to hebbende, hebben myt sampt etlicken unßen gebedigern, der ritterschopp unnde manschopp unßer lande sodant vorgegeven, de dan derkanten na lantlopende unde allen rechten, dat salige Symon Tymme syn gudt, grodt unde cleyne, beyde, lantgudt unde bewecklicke gudere, wes des dan were, gevallen were an unßen orden, derhalven zine erven dusser vorbenomeden gudere geblotet weren unde gentzlick darvan gescheyden dorch eres vatters missedaet. Unde upp dat dan en sodan gerichte tho bet besonnen unde betrachtet worde, umb to vermyden in tokompstigen tyden jenigerley upsprake offte tosage, ißt dytsulffte in giffte dusses breves der gemenen ritterschopp opp dusse tidt im gemenen cappittell unses ordens vergaddert rieplicken vor gegenen, de dan forth szo alze tovoren derkant hebben
derhalven wy dan myt sampt unßernn gebedigeren, raet unnde ritterschopp derkanten unde derkennen in crafft unde macht dusses breves, dat sodane gudere, de welcke Symon Tymme in zyneme levende besethen hefft, beyde, bewechlick unde umbewecklick, an unnßen ordenn gevallen weren unde syn
hebben darumb in crafft unde macht dusses breves crafftloes unnde machtloes gelacht alze wy leggen in crafft unde macht dusses breves sodane leenbreve, alze Symon Tymme unde synen erven up sodane gudere van unsen saligen vorvaders gegeven zyn, der syne erven in der ewicheit nicht sollen noch mogen gebruckenn unde alze nu dan sodan gudt, wy vorberort, an uns unde unßen ordenn vorbenomeder derkentnissze vervallen isz, so hebben wy myt rade, willen unnde volbort unser ersamen medegebedigere sodanen Symon Tymme synen hoff, landt unde lantgudt, im gebede thor Mytouw belegen, gegeven unde verleent, geven unde verlenen in crafft unde macht dusses breves Johan van Plettenberge und alle zynen rechten waren erven, idt sie an ackeren geraedet effte ungeradet, myt allerley tobehoringe, nutt unde beqwemicheyt
unde offte idt sake were, dat na verlope der tydt de grentze tusschen unßes ordens lande unnde Lettouwen vollentogen unde thom gantzen ende gegan werden, Johan unde synen erven alzedann somlick landt van der vorbenomden haveszmarckte, szo tho vermodende isz, affgegan wurde, szo sall men eme unde zynen erven szo vele landes alze vele landes on affgegangen werdt, wedderumb ut dem gebede thor Mytouw edder Dobleen, wor on dat up deme beqwemestenn belegenn iß, van deme lande, dat den vorbenomden beyden gebeden van der Lettowesche syde in der grentze verclarunge togegan wert, thoryden unde geven sunder alle geverde, wedderrede unde argelist. Vorder szo geve unde vorlene wy Johannes unde allen zynen rechten waren erven eyn stucke landes inn deme ampte unde gerichte tho Candouw in zinen schedingen belegenn, alze,sodan landt unde landtgudt salige Kopke Veethe vor unde syne erven darna allervryest beßethen unnde gebrucket hebbenn. Darto geve unnde verlene wy Johanne upgemelt unnde zynen rechten erven noch eyn stucke landes im ampthe tho Wenden unde deme kerspele thor Lude, in synen schedingen unnde marckten belegen, so alz dat Helmolt van der Lude allervryest unde vredesamlikest beßeten unnde gebrucket hefft. Noch darto so geve unnde verlene wy Johan vorberort unde allen zynen rechten waren erven eyn stucke landes im ampthe tho Carckhus unde kerspele tho Helmde in synen schedingen unde marckten belegen, so alz dat salige Richart Vette allervryest unde vredesamest beszethen unde gebrucket hefft, myt allerley tobehoringe, nut unde beqwemicheit, wo de g[e]nomet zyn edder g[e]nomet mogen werden, alz an ackerenn, geradet effte ungeradet, hoyslegenn, weysen, weyden, vedrifften, holtingen, busschen, wolden, wateren, beeken, seen, siepen, honnichbomen, honnichweyden, visscherien unnde vogelien etc, unde wor Johan van Plettenberch unde alle zyne rechten waren erven mogen recht tho hebben, nichtesnicht buten bescheden, vortan to hebbende, to besittende, to gebruckende unde to beholdende vrye unde vredesamicklicken na leengudes rechte tho ewigen tyden. Dusses in tuchnissze unnde vaster orkunde der warheyt hebben wy unße ingesegell witlickenn unden an dussen breff laten hangen, de gegeven unde gescreven is tho Wenden tom gemeynen cappittell im dage Dionisii confessoris et martiris na der geborth unseß herenn Jesu Cristi dusentveerhundert darna im veff veerundenegentichsten jare.(?)
comment
pressureZu Wenden statt Kirchholm als gültiger Ausstellungsort für das angegebene Datum vgl. die Anmerkungen bei Bauer 328. Bezüglich der Datierung hat L. Arbusow in KGChr. N.F. Beilage S. 6 f. Anm. 1 die Meinung vertreten, die Urkunde sei 1494 Okt. 9 entstanden und die Jahreszahl nachträglich geändert worden, da Plettenberg sich 1494 Okt. 9 noch gar nicht Meister, sondern nur gekorener Meister nennen konnte; auch das verwendete Meistersiegel mit Geschlechtswappen Plettenbergs sei möglicherweise erst 1495 angefügt worden. Dieser Meinung ist aus mehreren Gründen zu widersprechen. Schon der einfache Sachverhalt, daß es sich um einen Lehnbrief für Johann von Plettenberg handelt, dem sein Bruder Wolter von Plettenberg noch viele Jahre vollgültige Urkunden ausstellen konnte, führt gedankliche Konstruktionen der Art, es sei zunächst 1494 unter Vorwegnahme des Meistertitels eine Urkunde fabriziert worden und diese dann nach der Bestätigung im Meisteramt quasi in ein passenderes Jahr umdatiert und besiegelt worden, ad absurdum. Insbesondere ist keine Urkunde Plettenbergs bekannt, in der er sich vor seiner offiziellen Bestätigung durch den Hochmeister den livländischen Meistertitel angemaßt hätte, statt sich, wie dies für eine solche Übergangszeit üblich war, gekorener Meister und Landmarschall zu Livland zu nennen (vgl. die Anmerkungen zu Erg. 89). Ferner dürfte auszuschließen sein, daß der im Juli 1494 zu Wenden gewählte livländische Meister noch im selben Jahr 1494 und just an dem Tag, an dem in Königsberg erst seine Bestätigung erfolgte, ein weiteres Kapitel in Wenden abhielt (bekannte Kapitel in den Jahren 1494 u. 1495? Prüfen). Etwas anders fällt denn auch L. Arbusows spätere Einschätzung in LUB II,1 und in seinem Verzeichnis kurländ. Güterurkunden aus, wo er die unter Rasur durchschimmernde Datierung 1494 für ein einfaches Schreibversehen halten möchte. Diese Annahme erscheint tatsächlich naheliegend, zumal das Stück unter der Prämisse seiner Zugehörigkeit in das Jahr 1495 völlig unverdächtig erscheint. Noch zu prüfen ist, ob die Rasurstelle am Original tatsächlich vorhanden ist und ob tatsächlich "veer" durchschimmert, wie LUB II,1 Nr. 272 behauptet. Dasselbe Landstück scheint in Urkunden von 1457 und 1505 zum Gebiet Bauske, hier aber zu Mitau gehörig (vgl. Erg. 266 u. Erg. 40). Das Amt Bauske war offenbar zeitweilig aufgehoben oder mit Mitau vereinigt, was möglicherweise in Zusammenhang mit der beabsichtigten Grenzregulierung mit Litauen zu sehen ist, von der man offenbar annahm, daß sie zu Landabtretungen im Gebiet Bauske führen würde. Vgl. dazu L. Arbusow, KGChr. N.F. S. 38 f.