Kurland Property Records

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Bauer048

Propst Burkhard und das Domkapitel von Kurland erklären, daß das Dorf Anse in Vredecuronia, welches bei der Teilung zwischen Bf. E[dmund] von Kurland und dem Domkapitel letzterem zugefallen ist, nicht jenes Anzen an der Irbe ist, das der Rigischen Kirche gehört. Riga, 1291 März 29
sonstige Urkunde Text nach A. Bauers Abschrift (wohl nach H. Hildebrand) einer Kopie von 1424 Mai 17 (B).
Überlieferung:
aus B: transsumiert in einer vor Johannes Bonrode, Dekan von Lübeck, durch den öffentl. Notar Matth. Ditmari geführten Prozeßakte, Lübeck 1424 Mai 17
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Borchardus Dei gracia Curoniensis ecclesie prepositus totumque eiusdem ecclesie capitulum universis, ad quos presens scriptum pervenerit, salutem in Domino. Tenore presencium recognoscimus et fatemur, quod, cum in divisione, quam inter venerabilem dominum nostrum E[mundum] Curoniensem episcopum ex parte una et nos ex parte altera de consilio fratris H[alt] magistri domus Theutonice per Livoniam factam esse constat et a venerabili domino Johanni Rigensi archiepiscopo et a suo capitulo confirmatam, in parte illa, que dicitur Vredecuronia, quedam villa nomine Anse in partem nostram cesserit, prout in litteris de predicta divisione confectis manifestius continetur, per predictam villam nec notamus nec notare possumus nec impugnare villam quandam, que dicitur Ancen, que est posita iuxta Irwam, quoniam illa ad prefatos dominos Rigensis ecclesie pertinet, prout in eorum privilegiis a memorato domino nostro Curoniensi episcopo et a nobis confirmatis apertissime continetur. In cuius rei testimonium sigillum nostrum presentibus duximus appendendum. Datum in Riga anno Domini millesimo CC+oXC+o primo, quarto kalendas Aprilis.(?)
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pressureDie genannten Personen sind für das Ausstellungsdatum durchweg zeitgemäß (Johannes als Ebf. von Riga noch bei L. Arbusow überprüfen), und die Urkunde erscheint sprachlich und stilistisch im wesentlichen unverdächtig, sieht man davon ab, daß der alte Landesname Vredecuronia nach den 1250er Jahren (vgl. zuletzt Bauer 30 von 1258) nicht mehr gebräuchlich gewesen zu sein scheint. Es scheint, daß die alten Landesnamen nach der Jahrhundertmitte schnell außer Gebrauch kommen). In inhaltlicher Hinsicht wirft die Urkunde allerdings Fragen auf. Warum sollte der kurländische Propst 1291 dem Rigischen Domkapitel quasi seine und des Kapitels "Nicht-Ansprüche" auf Anzen an der Irbe beurkunden, wo doch das Rigische Domkapitel mit der Urkunde Bf. Edmunds von 1290 Mai 10 (Bauer 46) bereits ein vollgültiges und auch vom kurländischen Kapitel besiegeltes Dokument über seine Besitzrechte in Anzen besaß? Anlaß für eine weitere Beurkundung könnte es allerdings in den 1320er Jahren gegeben haben, als der kurländische Bischof mit dem Rigischen Domkapitel um das an der Grenze zwischen beider Gebieten gelegene Anzen an der Irbe stritt. Vgl. in diesem Zusammenhang Bauer 56 über die Beilegung von Grenzstreitigkeiten zwischen den Kuren beider Seiten, worin die Kuren aus Anzen als Zeugen für die domkapitularische Seite auftreten; die Zugehörigkeit von Anzen selbst scheint unstrittig.1329 Juli 11 trug Papst Johannes XXII. dann aber dem Bischof von Ösel die Vollstreckung eines Urteils auf, das der Bischof von Dorpat über das Dorf Anzen zugunsten des Rigischen Domkapitels gegen Bf. Paul von Kurland gefällt hatte (zuletzt verz. Mitt. 17, 1900, S. 436 Nr. 119, vgl. auch LUB 2 S. 79 Reg. Nr. 869, nicht ediert, ehemals wie Bauer 48 in der Litauischen Metrika in einer vor Johannes Bonrode geführten Prozeßakte von 1423 März 29 überliefert). Wenn es aber in vorstehender Urkunde um Anzen an der Irbe ging, warum befaßt sich dann die Urkunde so ausführlich mit jenem anderen Ansen bei Strasden und jener innerkurländischen Landesteilung zwischen Bischof und Kapitel, die die Ansprüche des kurländischen Kapitels auf Ansen begründet haben soll, also mit für das Rigische Domkapitel und dessen Rechte an Anzen eher unerheblichen Sachverhalten? Noch ein weiterer Umstand läßt die Urkunde in zweifelhaftem Lichte erscheinen. Mit ihrem Ausstellungsdatum wäre sie schon kurz nach der im Jahr 1290 erfolgten Neugründung des kurländischen Domkapitels gleich die erste von einem kurländischen Propst ausgestellte Urkunde (danach erst wieder Bauer 70 von 1338 Sept. 8), noch dazu unter Verwendung einer Intitulatio, die zwar der Dompropst von Riga schon seit 1260 benutzte (vgl. Bauer 34), die aber für einen kurländischen Propst des 13. Jahrhunderts ziemlich hochgestochen anmutet (vgl. Bauer 70 u. Bauer 116). Dies nährt den Verdacht, die Urkunde könnte in Burkhards Zeit als kurländischer Bischof, also 1300-1311, möglicherweise auch bis etwa 1321, entstanden sein. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit der stark fälschungsverdächtigen Urkunde Erg. 60, angeblich von OM. Halt im Jahr 1271 ausgestellt, deren Entstehung von den genannten Personen her aber jedenfalls nicht vor dem letzten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts anzusetzen ist. Nach dieser Urkunde sollten 14 Haken in Strasden bei erbenlosem Tod oder Verkaufsabsicht des jetzigen Lehnsnehmers vom Orden an den Bischof übergehen. Kirchliche Besitzansprüche scheinen in diesem Gebiet also durchaus existiert zu haben, wenn sie sich möglicherweise auch nie durchsetzen ließen. Der Urkundentext folgt A. Bauers Abschrift, diese wohl wiederum H. Hildebrands Abschrift von B.