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erg0177

OM. Gotthard Kettler verleiht seinem Rat, dem Magister Jobst Clott, dessen Frau und Erben aller Seitenlinien weiblichen wie männlichen Geschlechts den Hof des ohne männliche Leibeserben verstorbenen Gerhard Hahn im Gebiet Kandau und im Kirchspiel Talsen mit allem Zubehör, jedoch unter der Bedingung, daß er die auf dem Hof liegenden Schulden bezahlt. Mitau, 1561 Sept. 21
Besitzabtretung Text nach F. Klopmann, Chronik von Postenden, Mitau 1865, S. 49-51, dort nach der Ausfertigung.
Überlieferung:
A: Ausf.
Material: Perg.
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Von Gottes gnaden wir Godhartt, meister Teutsches ordens zu Liefflandt, thun kundt und bekennen mit diesem unserm offnen versiegeltten briefe vor menniglich, nachdem der achtbar und hochgelarte unser radt und lieber getrewer magister Jobst Clott uns und unsern vorfarn ein zeittlangk getrewlich gedienet, unlengst aber inn zweien legationen sich ann die konigliche Maiestat zu Polen etc., unsern gnedigsten hern, gebrauchen lassen und uns itzunt die dritte reise nach der Wilda vor die handt gestossen, der wir bei hochstgemelter koniglichen Maiestat seiner als eines oratoren nottwendich zu gebrauchen, und ob ehr sich des woll fast hart geweigert, hatt ehr sich doch endtlich uff unser unableßig anhalten, uns und unserm orden zu gefallen, doch mitt diesem gedinge und bescheide begeben, nemlich dieweill die handlunge, nhumer so zur Wilde vorlauffen wurden, zu einer algemeinen vorenderung aussehen thetten und vieleicht kommen konte, dz wir etwa mit einem ortt landes uns von der koniglichen Maiestat ableyen und den anderen theill ihrer Maiestat abtretten mu^esten und dardurch das stu^eck guts, so wir ihm an der Juriensburgk zugesagt und gegeben, uff der koniglichen Maiestat theil bleiben mochte. Damit ehr dannoch auch unter uns ein stu^eck guts bekommen, daher ehr sich unser gnad unnd geneigten willens, auch seiner getrewen dienste erstattung, sambt seiner lieben hausfrawen undt erben, angesehen, dz ehr nicht unbillig dabey bewogen, dz ime unsernt wegen seine gutter inn Harrien von der koniglichen Maiestat zu Schweden benhommen unnd dz seine zu Reuell inn gleicher gefar stunde, zu erfrewende haben mochte. Wan dan eben umb die zeitt ann unns glaublich gelangt, dz der ernvest unser lehenmhan unnd unterthan Gerhart Hane an menliche leibserben inn Gott entschlaffen. Als haben wir mitt guttem wissen, wolbedachtem muthe, auch auff radt unser mittgebietiger und ordensverwantten gemeltem unserm radt, seiner frawen, erben und erbnhemen aller seitslinien, auch weiblichs sowoll menlichs geschlechts, gedachtes Gerhart Hanens hoff, im gebiet Candaw und ce[r]spel zu Talsen gelegen, mitt allen seinen gesinden, einfoetlingen, krugen, krugstetten, mulen temmen, sehen, vlissen, teichen, vischereien, landen, gerodet und ungerodet, besatt und unbesadtt, beseiet und unbeseiet, hoischlegen, viehetrifften, holtzungen, jachten, vogeleien, honigweiden, in nichts ausgenhommen, wie es inn seinen sunderen scheidungen Gerhart Hane besessen, gegeben wie wir dan ihme und inen allen denselben hoff und gut in krafft dieses briefes geben unnd zueigenen den zu besitzen, zu verpfenden, zu vergeben und zu verkauffen ahn alle unser oder der unsern vorhindernus. Jedoch da der hoff unnd gutt mitt einigen schulden, so billiger weise darauff verschrieben, oder jemants nach rechte etwas daraus zu geben were, dz solchs unser radt und lieber getrewer, seine hausfraw und erben ablegen sollen, sonst wollen wir ihm solchen hoff und gutt vor allesweme geweren. Des zu mherer sicherunge haben wir diesen brief mitt unserm gewenlichen ampts insiegell versiegeltt und mitt eigner handt unterschrieben. Geschehen zur Mitaw den einundzwantzigsten Septembris nach Christi unsers hern unnd heilandts geburt im eintausentfunfhundertunndeinundsechtzigsten jhare. Goddert.
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pressureMagister Jobst Clott war Syndikus der Stadt Reval und stand zugleich auch in Ordensdiensten. Insbesondere scheint er eine wichtige Rolle bei den Ordensgesandtschaften an den polnischen König im Vorfeld der Lehnsunterwerfung gespielt zu haben, vgl. dazu die Urkunde. Der zum Ordenskanzler avancierte Clott wurde 1561 von Gotthard Kettler mit der Jürgensburg in Livland belehnt (J. Renner, Livländische Historien 1556-1561, fol. 211\+{v}, F. Klopmann, Chronik von Postenden S. 12 Anm. 20 u. S. 41). Ende des Jahres 1561 hielt er sich wieder in Reval auf, wo er nach wie vor als Syndikus amtierte (Schirren S. 86 Nr. 1448). Während Jürgensburg über mehr als zwei Jahrhunderte im Besitz der Familie Clodt von Jürgensburg blieb, erscheint fraglich, ob Clott den kurländischen Besitz überhaupt angetreten hat. Die Zugehörigkeit Jobst Clotts zu der westfälischen Familie Clodt, die zuletzt mit dem 1529 gestorbenen Johann Clodt Ritterbrüder für den Deutschen Orden in Livland stellte, ist fraglich, vgl. S. Neitmann, Von der Grafschaft Mark nach Livland S. 225-229 u. Fenske/Militzer Nr. 148. Textabdruck nach F. Klopmann, Chronik von Postenden S. 49-51.