Urkundentext: Bauer452

OM. Hermann von Brüggenei gen. Hasenkamp befreit Philipp von Altenbockum und seine Erben vom Roßdienst, verleiht ihm für alle Güter das Gesamthandrecht, das Erbrecht der weiblichen Linie und das freie Halsgericht und trifft weitere erbrechtliche und andere Verfügungen. Wohlfahrt, 1547 Juli 2
sonstige Urkunde (Halsgericht, Gesamthand)
Überlieferung:
aus A: Ausf.
Material: Perg.
Archiv: Riga, Hist. StaatsA., Best. 5561, Fb. 4, Akte 361; GStAPK, VIII. HA B 24: Sammlung Stavenhagen Urk. Nr. 393
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Wyr Hermen von Brüggenei, genandt Hasenkamp, meister Deutsches ordens zu Lifflandt, thun kundt, bekennen und bezeugen in und mit diesem unserm offnen versygelten brieve fur allermenniglichen, das wyr mith consent, wyllen und fulbort unsere[r] wirdigen mitgebedigern Philipens von Alten Bokum, im und allen seinen rechten waren erbenn von erben zu erben und alle derer nachkomlinge von nhu an bis zu ewigen zeiten umb der getreuw und dienstes wyllen, so er unserm orden gutwillig gethan und gerne furder thun kan und zu thuende vermag, aus besonderigen gnaden begnadigen, gegundt, gegeben und furlehnt haben als wir inen hirmith in krafft dieses brieves begnadigen und befreiet haben wie folget: Dar es sache were, das diese lande, welches Godt verhuten wolde, jegen und wider ihre feinde in auffrustung sein wurden und zu felde inner oder aussenlandisch begeben mussen, das er, seine erben unnd alle seine nachkomen keinen roßdienst oder yenigerley pfflicht thun oder auch nitt zu thun sollen schultig sein und gentzlich damith verlassen sein, von uns [und] unsern nachkomen mit dem und ander beschwernuß hinfurder nit beschwert werden. Was aber gemelter Alter Bokum, seine erben und nachkomen des zu thun bedacht, soll en nit durch verpflicht, bsonder zu ihrem eigenen wyllen und gfallen stehen
dar entjegen wyr [und] unsere nachkomlinge auch widerumb sodans umb ihn und seynen erben [und] dero nachkomen mith gutten lehenguttern, auch sonst mith gutter besorgung beforderen erboten haben. Zudeme begnadigen, befreien, gunnen und geben wyr dem gemelten Alten Bokum, seynen erben [und] alle der nachkomen die gesamende handt auff alle ihre gutter, so ytzunder in weren unnd kunfftiglichen mugen mith keuffen und verlehnungen an sich brengen. Auch, da Godt fur seyn wolle, die gebruder Johan und Jo^ergen von Althen Bokum, sie und ihre erben [und] dero nachkomlinge ohn menlichen leibserben verstorben und neine mehr furhanden weren, alsden sollen solche gutter, ßo sye ytzunder in wehren oder kunfftlichen an sich brengen mugen, an gemelthen Philips von Alten Bokum unnd seinen erben anfallen
und dar die und dero nachkomlinge ohn menlichen erben furbleiben wurden, an seine tochtern und ihren erben von erben zu erben und alle ihre nachkomlinge furfallen sein. Im gleichen soll es auch eine gestalt habenn mith der Francken guter, dar sie ohn menlichen erben furquemen, an gemelten Philips von Alten Bokum seinen erben, wo forberurt, furfallen sein und bleibenn, angesehen de von Alten Bokum mith den Francken die gesamend handt an den guttern haben und von unsern vorfharen mylder gedechtniß, herrn Wolther von Plettenberch, darmith verlehnet worden etc. Zudeme gunnen, geben und verlehnen wyr gemeltem Alten Bokum, allenn seinen erben und nachkomen ein frei halsgericht, zu hal[s un]d bauche, galgen und rat, wasser und feier, unden und oben der erden, das auff seinem und seiner nachkomlinge unnd erben landt und herlicheiden, wenehr ihnen solches anzufangende und auffzurichtende geliebet, mechtig sein. Und da er und seine erben und nachkomen mitlerweile, er das halsgerichte angefangen und aufgerichtet wyrt, ander gerichte gebrauchen wurden, soll ihnen damith an ihrem gerichte und recht nichts benhommen sein zur straffe der ubeltheter etc. Auch soll sich niemandt auff offt genanten Alten Bokums guther und der erben ohn derselbigen wyssen und wyllen yennich bauw- oder brenholtz zu hauwen unterstehen, da[r...]ber das geschehen wurde, darmith gewalt gethan haben, de auch ohne rechtes forderung zu gelden furpfflichtet sein sollen. In gleichem falle soll es mith dem groben großen wyldt gehalten werden. Ferner ßo bekennen wyr auch, das uns noch woll erhalten thut, da wir zusamen her Gert von der Brucken der von Alten Bokum in ihren unmundigen jaren vormunder waren, inen in ihren landen und grenßen nach ihres ßeligenn vaters totlichem abgange neinen geringen schaden, beschwer und indranck yn ihrem alten besitz und habender were von ihren anstoessenden nachbarn gescheen, sich grenße und scheidinges zeichen machen lassenn, wie das der datum ihrer lehenbrieve mithbrengen, [die sie] nach seligem hern Johann von Alten Bokums todte erworben und bekomen haben. Do wyr ßodans vernhommen, wurden wir verursacht, unserm vorfahren milder gedechtnuß, herrn Wolther von Plettenberch, zu erkennen gegeben und den alten brieff, ßo uff der von Alten Bokums semptliche gutter lautende, vernugen lassen
auch von wegen der kinderr des indranges halben, ßo ihnenn gescheenn, bewaringe gethan, das ihnen ßolche neuwe gemachte grenße in ihren alten besytz und grenßen zu rechte neinen schaden oder nachteil geben solte
zudeme auch einen brieff auff denn hoff und gutter zum Angern belegen, vom herrn Walther von Plettenberch saligen Johan von Alten Bokum gegeben und furleent wordenn, welche brieve her Gerdt von der Brucken zu der kinder besten in furwaringe genhommen. Auch ßo bekennen wir in kraft dieses versiegeldenn brieves, das Jo^ergenn von Alten Bokum mith wolbedachtem gemute, ehr er sich furandert hatte, seynem bruder Philips von Alten Bokum sein veterliches erbe und anpart, ßo ihm von seinem seligen vater an erbe und ligenden guttern und grunden, nichts außbescheiden, angefallen, fur ein stu^ecke geldes, als sechstausent marck Rigisch, ubergeben und erblichen uberlassen, darauff er und seine erben in kunfftigen zeitten nymmermher aufzusachen oder widerruffen, des gentzlichen verzigenn sein und bleiben, das stet und feste zu halten belobt. In urkundt unnd mehrer befestigung der warheit haben wir Hermen obgemelter unser insigel rechtes wyssendes unten an diesen brieff lassenn hangenn, der gegeben und geschrieben in unserm have zur Wolffart am thage marien heimsuchung nach Jesu Christi unsers heilands und erlosers geburth tausentfunffhundertundsibenviertzigstem jare.(?)
Bemerkungen
DruckO. Stavenhagen, in: JbGen. 1899 S. 169 merkt zu diesem Stück an, daß die Befreiung vom Roßdienst und jeder anderen Pflicht gegen Landesfeinde sowie die Vererbung der Gesamthandgüter auf die weibliche Deszendenz inhaltlich sehr merkwürdig sei und die strengste Prüfung der Echtheit verlange. Die Begünstigung erscheint in der Tat inhaltlich zu weitreichend, nochmal prüfen und mit anderen Fällen der Verleihung des Gesamthandrechts, des Halsgerichts etc. vergleichen. Ist gerade die Befreiung vom Kriegsdienst vor dem Hintergrund der latenten moskowitischen Bedrohung in den letzten Jahrzehnten der Existenz Alt-Livlands überhaupt denkbar? Formale Gründe für eine Fälschung prüfen: Die Urkunde entspricht im Diktat durchaus dem Gebrauch der ordensmeisterlichen Kanzlei, scheint von der Orthographie her jedoch einer etwas späteren Entwicklungsstufe als der Mitte des 16. Jhs. anzugehören. Zugunsten derer von Altenbockum existieren noch weitere gefälschte bzw. stark fälschungsverdächtige Stücke, vgl. besonders Erg. 89 u. Erg. 750. Es wäre zu prüfen, ob alle Stücke in einen Fälschungszusammenhang gehören oder dieses Stück mit seinem angeblichen Entstehungsdatum 1547 unter OM. Hermann von Brüggenei wiederum gesondert zu betrachten ist. Inhaltlich stößt dieses Stück im Vergleich zu den anderen verdächtigen Stücken, bei denen es jeweils um konkrete Besitztitel ging, quasi in eine neue Dimension von Besitz- und Herrschaftsqualität und -sicherung vor.