Urkundentext: erg1022

OM. Johann von der Recke an den Komtur von Goldingen: Während Philipp von der Brüggen in Ordensgeschäften außer Landes sei, möge der Komtur dessen Ehefrau, Kinder, Haus, Hof, arme Leute und allen Besitz in seinen Schutz nehmen, damit sie nicht benachteiligt oder überfallen werden. Wenden, [15]49 Febr. 21
anderes Schriftstück
Überlieferung:
aus A: Ausf.
Material: Pap.
Archiv: Stockholm RA, Livonica I vol. 1
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Adresse dorsual: Dem wirdigenn und achtbarn, unserm lieben, andechtigen hern cumpthurn tho Goldingen D. O. Johann vann der Recke, meister Deuitzschs ordens zue Lifflandt. Heilsame liebe in Goth bevornn. Lieber her cumpthur, euch ist zweifelsannh allenthalbenn wol bewost, worumb abermals der achtbar und erendwester, unser rath unnd lieber getrewer Philips van der Bruggenn ihnn unsers ordens obliegenden geschefftenn unnd hendeln auss diessenn landenn zue reisen ist vorordenet worden. Dormit ehr aber zue solcher schwerer reise desto williger sein mucht, habenn wier ime gnediglichen vorheischenn, seine tugendtsame hausfraw, gelipte kinder, hauss, hoff, arme leutte unde alle das seinne mitlerweile ihnn unsernn gnedigenn schutz, fo^erderung und schirm zue nemenn und dieselbigen keigen menniglichen zue handthabenn, zu vortedigen und zu vorschaffen, das die ihnn seinnem abwesenn vann niemands benachteilet und vorkurtzet werdenn sollenn. Demenach begerenn wier gnedig, ihr ihn namenn unnd van wegen unser ein vleissiges auffsehen auff gemeltte seine tugendtsame [hausfraw], gelipte kinder und alle das seine habenn wollenn, dormit die soviel muglichen gefo^erdert und vann menniglichen unuberfallenn bleiben mugen, dann unss warlich zue dulden nicht gebuirenn wiel, das die vann Mosten, Hantten oder sonst imands, dieweil ehr in unsern geschefften doraussen, solten vornachteilet oder uberfallenn werden. Derowegenn abermals gnedig begerende, ihr dieselbigen, auch alle die iren, in eweren schutz unnd schirm nemenn, die neben unss euch miedt dem bestenn endtpfolenn sein lassen, wie wier euch auch gemeltter Philips van der Bruggen des und alles gutten sunderlichen zue betrawen. Doran tudt ihr unss ein dangknamigs gefallenn und wir sein auch solchs hienwiederumb euch in allenn gnadenn zu erkennenn genegt. Datum Wenden den 21 tagk Februarii anno etc. XLIX.
Bemerkungen
DruckPhilipp von der Brüggen war nicht nur als Ordensrat und -sekretär tätig, sondern auch als Gesandter des Ordens, so schon 1535 an Herzog Albrecht von Preußen (vgl. Index Nr. 3110) sowie mehrfach in den Jahren 1547-1551 als Gesandter der OM. Hermann von Brüggenei und Johann von der Recke im Reich. Die anstehende Reise, die den Anlaß für das vorliegende Schutzersuchen für Familie und Besitz des Gesandten an den Goldinger Komtur bildete, begann nach 1549 Apr. 15, unter welchem Datum OM. Johann von der Recke das Beglaubigungsschreiben für seinen Rat Philipp von der Brüggen an den Deutschmeister ausfertigte. Philipp von der Brüggen hielt sich offenbar insgesamt fast zwei Jahre im Ausland auf, 1549 Sept. 29 war er in Brüssel, 1550 Mai 24 in Köln, 1550 Sept. 21 u. 28 in Lübeck und schließlich 1551 Jan. 20 in Augsburg, wo er seine Bittschrift um Hilfe für Livland gegen Moskau an den Kaiser richtete. Von 1551 März 19 datiert ein Schreiben des DM. Wolfgang Schutzbar an den livländischen Meister über die Abfertigung des abgesandten Sekretärs Philipp von der Brüggen, 1551 Sept. 14 berichtete Brüggen dem Deutschmeister aus Riga, er habe nach seiner Rückkehr OM. Recke nicht mehr lebend und sonst große Veränderungen in Livland vorgefunden (vgl. Nordosteuropa und der DO Regest Nr. 1500, 1522, 1552, 1553, 1561, 1562, 1584, 1592, 1594, 1613).