Urkundentext: Bauer354

OM. Wolter von Plettenberg belehnt den kurischen König Andreas Penneck und seine Erben mit einem Haken Landes[{\em Wohl im Gebiet von Kurschkönig 21 km sw Goldingen.}] im Gebiet und Kirchspiel Goldingen in beschriebenen Grenzen sowie einem Heuschlag genannt Maternis (?) an dem Bach Riva[{\em Priewe, Fluß, mündet ca. 20 km sw Windau in die Ostsee}] und gestattet ihm den Bau einer Mühle an einem Bach bei seinem Land, zu Lehngutsrecht. Neuermühlen, 1504 Aug. 23
Lehnsurkunde Gedruckt Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch Bd. II,2 Nr. 673 nach der Ausfertigung.
Überlieferung:
A: Ausf.
Material: Perg.
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Bemerkungen
DruckAuf einen erneuten Textabdruck wird unter Verweis auf den Druckort in LUB II,2 verzichtet. Es sei jedoch auf die bessere Lesart {\am Riva} in A. Bauers Abschrift von der Ausfertigung statt {\am Kina} im LUB hingewiesen. Bei dem in der Grenzbeschreibung des verlehnten Haken Landes genannten Bach handelt es sich um die Priewe, die ca. 20 km sw Windau in die Ostsee mündet. Die Bezeichnung als kurischer König, mit der Plettenberg hier erstmals einen dem Orden besonders verbundenen kurischen Lehnsmann belegt, ist offenbar in erster Linie auf dessen besondere Verdienste im Krieg gegen Rußland zurückzuführen, greift aber möglicherweise auch eine bereits vorhandene Tradition auf, die die Abstammung von den alten Herrschern eines vorordenszeitlichen Königreiches Kurland behauptete. Der Ehrentitel ging von dem Belehnten auf seine Nachkommen über und schließlich auf das ganze Freidorf Kurschkönig, gelegen 21 km sw Goldingen. Vgl. O. Stavenhagen, Freibauern und Landfreie S. 319-321 und J. Renners Livländische Historien 1556-1561, die in der 1561/62 entstandene Urschrift in Zusammenhang mit den Kämpfen des Jahres 1559 gegen die Russen den Fähnrich der kurischen Bauern erwähnen, der auch ein Bauer sei und kurischer König genannt werde (Johannes Renner, Livländische Historien 1556-1561, hrsg. v. P. Karstedt, Lübeck 1953, fol. 124\+{v}, vgl. in der Ausgabe v. R. Hausmann u. K. Höhlbaum, Göttingen 1876, S. 266 f. auch die Anekdote, die sich in der späteren Bearbeitung der Livländischen Historien von 1582 um den tapferen Einsatz des kurischen Königs unter Wolter von Plettenberg rankte.