Grenzverlauf Litauens

Schreiben des Leiters des Generalstabs an das Außenministerium bezüglich des Grenzverlaufs

Leiter des Generalstabs
9. Juli 1921
1097. Nr.
Kaunas.

An das Außenministerium

Deutsche Landkarte 1:100000

Um künftige Missverständnisse vorzubeugen, wiederhole ich die Informationen über unsere Demarkationslinien mit Polen:

1/ Von der deutschen Grenze bis Nemunas an der Curzon-Linie, das heißt: von unserer Staatsgrenze mit Ostpreußen – nördliche administrative Grenze gewesen für den Kreis Suvalkai Richtung Südosten bis zum südlichen Punkt des nördlichen Kaps der Grenze des gleichen Kreises / ca. 7 km. gen Nordwesten von Punsk, wobei Punsk Polen überlassen wird/; von dort bis zum See Galadus dessen nordwestlichen Ende; weiter am See Galadus entlang Richtung Süden bis zum Punkt, der ca. 2 km. Richtung Norden von Žegary; von dort, biegend Richtung Osten beim ca. 2. Kilometer, verläuft die Linie weiter Richtung Süden parallel zu den kleinen Seen, die sich zwischen Žegary und Berzniki befinden, ca. 2. km, Richtung Osten von diesen Seen. Weiter Richtung Süden bis zum Punkt auf der Berzniki Kapciowo Straße, ca. 2. km. Richtung Südosten von Berzniki von dort bis Fluss Marycha nicht weit von Studzianka; weiter Richtung Osten bis zum Anfang des Flusses Igorka und nach unten entlang des Flusses Igorka, der über Warwiszki bis zu seiner Mündung in Nemunas fließt.

2/ Weiter gemäß des Vertrags von Suwalki von 7/X, 1920, ab der Mündung von Igorka in Nemunas – Nemunas entlang bis zur Mündung des Flusses Grawe in letzteren /entlang Uciecha/.
Anmerkung: Im ganzen Abschnitt von der deutschen Grenze bis zur Mündung des Flusses Grawe in Nemunas entsprechend dem Beschluss der Kontrollkommission des Völkerbundes hat kein unserer Soldat das Recht, sich den oben beschriebenen Grenzen mit dem Abstand von weniger als sechs Kilometer zu nähern.
Weiter von der Mündung des Flusses Grawe in Nemunas, entlang des Flusses Grawe bis zur Kreuzung der Merecz-Rotnica Straße; weiter geradlinig bis zur Mündung des Flusses Skroblis in den Fluss Mereczanka; weiter entlang des Flusses Mereczanka bis zur Mündung des Flusses Dereznica in Mereczanka, wobei das Dorf Soloworcie auf der litauischen Seite und Maledubno – auf der polnischen bleibt.

3/ Weiter gemäß des Beschlusses der Kontrollkommission des Völkerbundes entlang des Flusses Dereznica bis zur Brücke über diesen Fluss im Bahngleisabschnitt Orany-Olite; weiter gen Norden über die Höhen 122 /sich dreimal wiederholend/; die Brücke und die Höhen für uns; weiter entlang des Flusses Mereczanka, beginnend bei der Höhe 122 bis zur Mündung des Flusses Dobupis in Mereczanka; weiter am Fluss Dobupis bis Jakiance.
Weiter verläuft die Demarkationslinie an den Punkten, die uns gehören: Jakiance, Strzelciszki, Kalance, Spengleniki, Kol. Panaszyszki, Žukleje, Solowjiszki, Spindzie, Strawka, Sztarejnia, Dowgierdziszki, Chowszczyzna, Nowe Pole, 218, Kacieliszki, 229, 189, Sejbutany, Mlynek, Eisenbahnbrücke über dem Fluss Bražola /linkes Ufer/, Amerynis , Podoliesie, linkes Ufer von Vilija bis Wolejkiszki, Wiciuny, Dowboryszki, Užužele, Posieki, Rymucie, Sznipance, Okmiance, Vw. Antonowo, Kiemielė, Uliczany, Pojodzie, Gut Jodziszki, westliches und nördliches Ufer des Sees Oswie bis Olka, Nordufer des Sees Bolosza, Labejszyszki, Janiszki.

4/ Weiter gen Norden von Janiszki bis Staatsgrenze mit Letten haben wir keine offiziell beschlossene Demarkationslinie und es bietet sich an, sich in den momentan kontrollierten Territorien aufzuhalten.

Oberbefehlshaber der Armee befahl:
1/ Den Befehlshabern der Divisionen und Regiments Schranken und Wachmänner überprüfen, so dass es von unserer Seite keine Grenzüberschreitungen gibt, Befehlshaber der Divisionen mit Schemen mit dem Maße 1:100000 bis spätestens 26. Juli versorgen mit den Hinweisen auf Plätze, wo sich die Demarkationslinie schützende Zäune und Wachmänner befinden. Sobald sich auch nur ein Ort einer Schranke verändert, darüber benachrichtigen.

2/ Beim Durchlassen der Mitglieder der Kontrollkommission des Völkerbundes über die Demarkationslinie, sich an folgende Regeln halten: diejenigen Kommissionsmitglieder, die eine Erlaubnis des Generalstabs haben /ungeachtet, ob einmalig oder für eine längere Zeit bestimmt/ muss selbstständig der Leiter der Schranke /nicht der Wachmänner/ durchlassen, anschließend jedes Mal seinen direkten Befehlshaber darüber benachrichtigend. In solchen Fällen kann man von den Kommissionsmitgliedern nicht verlangen, dass sie sich im Stab eines Regiments, eines Bataillons oder einer Kompanie melden.
Mit allen anderen Personen, die lediglich über einfache Erlaubnisse des Generalstabs verfügen, wird so umgegangen, wie älteren, früher beschlossenen Regeln zu entnehmen ist.

Generalleutnant Katche
L. ė. p.des Leiters des Generalstabs
I. Assistent, Major
Leiter der Abteilung für Abläufe/Handlungen Kommandant Jakutis

Verschickt an:
1/ Befehlshaber der 1., 2., 3. und 4. Division
2/ 1. Befehlshaber der Kavallerie-Division
3/ Befehlshaber der örtl. Brigade
4/ Außenministerium
5/ Offiziere des Befehlsstabs bei T.S. Kontr. Komm. /2. Ex./
6/ Leiter der Abteilung der Agenten
7/ Leiter der Verkehrsabteilung
8/ Leiter des Befehlsstabs
9/ Generalstab /2. Ex./

Quelle
Lietuvos Centrinis Valstybės Archyvas (LCVA), f. 383, ap. 7, b. 153, l. 1-1b. 
Übers.
Edita Štulcaitė 
Copyright
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Erstellt
17.08.2011 
Zuletzt geändert
31.03.2016 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Grenzverlauf Litauens, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Litauen in der Zwischenkriegszeit", bearb. von Klaus Richter. URL: https://www.herder-institut.de//digitale-angebote/dokumente-und-materialien/themenmodule/quelle/88/details.html (Zugriff am )