Legende vom Ritualmord

Teodor Jeske-Choiński widerlegt die mythische Legende vom jüdischen Ritualmord, nicht ohne jedoch die jüdische Presse für ihre skandalisierende Berichterstattung scharf zu kritisieren

Modul
Antisemitismus in Polen
Sprache
Deutsch

Seit Anbeginn des Christentums bis zum jetzigen Zeitpunkt verängstigt die Christen und roznamiętnia die Juden die blutige Legende vom Ritualmord. Es glauben an ihre Wahrheit und widersprechen ihr ebenso aufgeklärte Menschen, bemühen sich gelehrte Orientalisten, Kenner des hebräischen Altertums, die einen dafür, die anderen dagegen. 

Bis heute ist er ein Rätsel geblieben, wissenschaftlich nicht erforscht oder endgültig geklärt. Dieses Rätsel ist noch immer Gegenstand für einseitige Polemiken und kompetente Kenner. Nur das Volk glaubt und behauptet: „Juden brauchen Christenblut für ihre Matze.“

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Es waren keine Christen, die den „Ritualmord“ kommentierten, und das aus dem einfachen Grund, dass sie die Geheimnisse des Ghettos nicht kannten, nicht kennen konnten, da diese sorgsam vor den aufmerksamen Augen der Andersgläubigen bewahrt blieben.  Neophiten sagten sie weiter. Wie sie den Talmud an christliche Machthaber, geistliche und weltliche denunzierten, so erwiesen getaufte Juden, bevor der deutsche Humanismus sich die Bücher Judas vornahm, ihren einstigen Glaubensbrüdern den furchtbaren und gemeinen Dienst, dass sie das Geheimnis des Ritualmords verrieten. Wenn sie gelogen haben aus Wut, aus Hass auf die Juden, die wie bekannt ist, jene, die sich von ihnen lossagen nicht mit Verachtung und Verfolgung verschonten und bis heute verschonen, dann lastet die Verantwortung für die manchmal blutigen Konsequenzen dieser „Entdeckung“ auf ihrem Gewissen.             

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In jedem Fall gilt die Anklage, sollte der Ritualmord existiert haben oder bis heute existieren, nicht dem ganzen jüdischen Volk, sondern lediglich einer mystischen oder kabbalistischen Sekte.

Wir Christen wissen, zu welchen monströsen, verrückten Ergebnissen mystische Gehirne gelangen und wir hatten und haben unsere verirrten Sektierer, solche und solche, deren Gedanken die Logik und menschliche Gefühle verletzten. Schließlich haben vor kurzer Zeit Marienanhängerinnen darum gebeten, dass Geistliche erlauben würden, sie zu kreuzigen. Aber wir Christen solidarisieren uns nicht mit solcherlei religiösen Verfehlungen – wir, die wir deren Ursachen kennen, stehen nicht zusammen um einzelne Angeklagte zu verteidigen.

Diesen Fehler begehen nur immer und überall die Juden zu ihrem eigenen Nachteil.

Übernervös, überempfindlich gegenüber allem, was sich auf sie bezieht, ertragen sie nicht die kleinste Kritik von Andersgläubigen, wähnen selbst in der unschuldigen Komödie („Das Goldene Kalb“) oder in einem humoristischen Monolog (von Klemens Junosza) einen Anschlag auf ihre nationale Würde.

Wo auch immer andersgläubige Mächte einen Juden beim Kragen packen und vor ihre Gerichte stellen (Prozesse in Trient, Damaskus, Dreyfusprozess usw.) bewegt sich, empört sich ganz Juda, beleidigt tobt die ganze jüdische Presse beider Erdhalbkugeln. Einem Juden darf niemand ein Haar krümmen, denn es ist schließlich das „auserwählte Volk“. Aber seine Schriftsteller, seine Presse darf uns Christen entehren, bespucken, lächerlich machen, was systematisch die ganze Zeit passiert.

Quelle
Legende vom Ritualmord, in: Jeske-Choiński, Teodor: Legenda o mordzie rytualnym. [Die Legende vom Ritualmord], Warszawa 1914, S. ,3, 11-12, u. 16-17. 
Übers.
Tim Buchen 
Copyright
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Erstellt
19.07.2012 
Zuletzt geändert
28.06.2016 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Legende vom Ritualmord, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Antisemitismus in Polen", bearb. von Tim Buchen. URL: https://www.herder-institut.de//digitale-angebote/dokumente-und-materialien/themenmodule/quelle/828/details.html (Zugriff am )