Verordnung über Schultypen mit Minderheitensprachen im Unterricht

Verordnung Nr. 62.800/925. VIII. des ungarischen königlichen Ministers für Religion und Unterricht, die in Übereinkunft mit dem Ministerpräsidenten erlassen wurde, in der Angelegenheit der Inkraftsetzung des Lehrplans für die Grundschulen der Typen A), B) und C)

Modul
Deutsche in Ungarn
Sprache
Deutsch

In meiner Verordnung Nr. 110.478/VIII/a. des Jahres 1923, die in Übereinkunft mit dem Ministerpräsidenten erlassen wurde, habe ich drei Typen von Schulen mit Unterricht in einer Minderheitensprache festgelegt. Im letzten Absatz des II. Teils dieser Verordnung habe ich in Aussicht gestellt, dass ich die Lehrpläne, die sich auf die verschiedenen Typen von Grundschulen mit Unterricht in einer Minderheitensprache beziehen, zeitgleich mit dem Lehrplan für die Schulen mit ungarischer Unterrichtssprache festlegen werde.

Nachdem ich den neuen Lehrplan für die Schulen mit ungarischer Unterrichtssprache mit meiner Verordnung Nr. 1467/925 erlassen habe, übertrage ich diesen – in Übereinkunft mit dem Herrn Ungarischen Königlichen Ministerpräsidenten unter Beibehaltung der Verordnung Nr. 1797 des Jahres 1914 über die Sprache des Religionsunterrichts – mit den unten aufgeführten Abweichungen auch auf die staatlichen und gemeindlichen Grundschulen mit Unterricht in einer Minderheitenspracheund verfüge zu seiner Durchführung in den Schulen der Typen A), B) und C) den folgenden allgemeinen Stundenplan.

Typus A) bildet eine Schule mit Unterricht in einer Minderheitensprache, in der die ungarische Sprache ein ordentliches Pflichtfach ist und in der in allen sonstigen Fächern die Muttersprache die Unterrichtssprache ist. In Verbindung mit dem Gesangsunterricht sind allerdings auch Lieder mit ungarischem Text zu unterrichten und bei der Unterrichtung der Leibesübungen ist die ungarische Sprache die Führungssprache. Für den Religionsunterricht ist Verordnung Nr. 1797/1914 des Ministers für Religion und Unterricht maßgeblich.

Typus B) bildet eine Schule mit Unterricht in der Minderheitensprache und in ungarischer Sprache, in der die Minderheitensprache (die Muttersprache und in ihrem Rahmen die Sprech- und Verständnisübungen, Lesen und Schreiben, Formulierung, Rechtschrift und Spracherläuterung), die Kenntnisse über Natur und Wirtschaft, das Zeichnen und das Handwerken in der Muttersprache und die ungarische Sprache (Sprech- und Verständnisübungen, Lesen und Schreiben und Spracherläuterung), die Geographie, die Geschichte und die Leibesübung auf Ungarisch unterrichtet werden. Mathematik und Gesang müssen hier in der Muttersprache und auf Ungarisch unterrichtet werden. Für den Unterricht der Religion ist Verordnung Nr. 1797/1914 maßgeblich.

Typus C) bildet eine Schule mit ungarischer Unterrichtssprache, in der die Minderheitensprache (Muttersprache) ein ordentliches Pflichtfach darstellt und die Sprache in allen Fächern die ungarische Sprache ist.

Budapest, 6. August 1925

gez. Dr. Graf Kunó Klebelsberg

Quelle
Verordnung über Schultypen mit Minderheitensprachen im Unterricht, in: Hivatalos Közlöny [Staatsanzeiger] Nr. 16, 15. August 1925, S. 207-212. 
Übers.
Andreas Schmidt-Schweizer 
Copyright
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Erstellt
29.11.2011 
Zuletzt geändert
02.02.2018 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Verordnung über Schultypen mit Minderheitensprachen im Unterricht, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Deutsche in Ungarn", bearb. von Gerhard Seewann. URL: https://www.herder-institut.de//digitale-angebote/dokumente-und-materialien/themenmodule/quelle/347/details.html (Zugriff am )