Sigismund von Luxemburg (1368-1437) – Gegner der Hussiten und böhmischer König

Ölporträt Sigismunds von Luxemburg, unbekannter (böhmischer?) Meister um 1420 oder 1436/37, Kunsthistorisches Museum Wien (Quelle: Wikipedia)

Kontext:

Sigismund von Luxemburg, zweiter (überlebender) Sohn Kaiser Karls IV. aus dessen vierter Ehe mit Elisabeth von Pommern (1368 in Nürnberg geboren) steht am Ende des „luxemburgischen Jahrhunderts“, das mit dem seit 1308 als römisch-deutscher König und seit 1310 als Kaiser herrschenden Heinrich VII. (1278/79-1313) begann und mit dem Tode Sigismunds im Dezember 1437 endete, wobei der letzte männliche Luxemburger als „Kronensammler“ in die Geschichte einging : 1387 Krönung in Stuhlweißenburg zum ungarischen König im Alter von 15 Jahren, 1410/11 Wahl zum deutschen König in Frankfurt am Main im Alter von 43 Jahren, 1420 Krönung zum böhmischen König in Prag, 1431 Krönung mit der „Eisernen Krone“ in Mailand zum italienischen König und letztlich 1433 Erhebung durch Papst Eugen IV. zum römischen Kaiser.

            In der Regierungszeit Heinrichs VII. gelangte das eigentlich im Westen des Heiligen Römischen Reiches beheimatete Haus Luxemburg (Grafschaft) in den Besitz des Königreichs Böhmen (1310 Eheschließung von Heinrichs Sohn Johann mit Eliška, der letzten Přemysliden-Prinzessin), womit das Fundament für die später bedeutende Hausmacht der Luxemburger im Reich gelegt wurde, die unter Karl IV. einen systematischen Ausbau vornehmlich durch Gebietserwerbungen und weit ausgreifende Heiratsprojekte erlebte. Während Wenzel IV. für die Nachfolge in Böhmen und im Reich vorgesehen war, belehnte Karl IV. seinen jüngeren Sohn Sigismund, der ähnlich wie sein Halbruder Wenzel zweisprachig (Deutsch und Tschechisch) aufwuchs und später noch Französisch, Latein, Ungarisch, Italienisch und „Slawisch“ (vermutlich Polnisch) lernte, 1378 mit der Mark Brandenburg. Zugleich bemühte sich der alternde Kaiser als politische Option für seinen Zweitgeborenen um eine Heirat mit einer der Erbtöchter des ungarischen Königs Ludwigs I. des Großen von Anjou, der seit 1370 auch in Polen regierte. Ungarn bzw. die reale Herrschaftsdurchsetzung in diesem Königreich sollte eine der großen Herausforderungen für Sigismund für die kommenden Jahrzehnte werden, zumal die Pläne in Polen aufgrund der Heirat des litauischen Großfürsten Władysław Jagiello 1386 mit der 13jährigen Hedwig (Jadwiga, 1399), der jüngeren Tochter Ludwigs I., scheiterten. 

            Die Machtübernahme und Herrschaftsdurchsetzung in Ungarn erwies sich für Sigismund von Luxemburg als eine Phase schwieriger Lehrjahre. Intrigen, diejenigen seiner künftigen Gemahlin eingeschlossen, bürgerkriegsähnliche Zustände, ein konkurrierender Thronprätendent, der 1386 ermordete Karl III. von Anjou-Durazzo, Bruder des französischen Königs Ludwig von Orleans, sowie die Kostspieligkeit der militärischen Eroberung der Residenz Ofen führten erst 1387 zur Krönung Sigismunds in Stuhlweißenburg (Székesfehérvár), der zur Schuldentilgung 1388 die Mark Brandenburg an seine luxemburgischen Vettern Jost und Prokop verpfänden musste – signifikantes Beispiel für die ständige Geldnot Sigismunds, die sich wie ein roter Faden durch seine Gesamtherrschaft zieht. Immer wieder musste der Luxemburger in seiner Herrschaftspraxis auf das Mittel der Verpfändung zurückgreifen, wie dies u. a. seine im Modul deutlich gemachte Politik in Böhmen deutlich macht.

            Die Herrschaftssicherung in Ungarn (gegen den oppositionellen einheimischen Adel), die aktive Abwehr der osmanischen Bedrohung an der Südostflanke seines Reiches, die Herrschaft im Heiligen Römischen Reiches, der Kampf um das böhmische Erbe und gegen die Hussiten, das weltliche Protektorat für das Konstanzer und nachfolgend Basler Konzil bildeten die entscheidende Eckpunkte in Sigismunds Herrschaft, die es – im Angesicht der luxemburgischen Großreichbildung - zu konsolidieren und zu verteidigen galt. Der schweren militärischen Niederlage 1396 in der Schlacht bei Nicopolis im Kreuzzug gegen die Osmanen, der Konsolidierung seines ungarischen Königtums unter Ausnutzung des Papstschismas (Zurückdrängung des kurialen Einflusses) schlossen sich die Gefangennahme 1403 im Gefolge eines Aufstands ungarischer Magnaten und die zweite Heirat Sigismunds mit Barbara von Cilli an, der erneut eine Konsolidierung der Herrschaft in Ungarn durch stärkere Einbindung des Adels folgte, so dass Sigismund nach der Absetzung seines Halbbruders Wenzel IV. als römisch-deutscher König im Jahre 1400 in der Folge sein Augenmerk stärker auf die Geschehnisse im Reich und in Böhmen zu richten begann, wo Wenzels ohnehin fragile Herrschaft ebenfalls ins Wanken geriet und die luxemburgische Machtposition weiter zu erschüttern drohte. Kompliziert wurde die Situation darüber hinaus durch einen Bruderzwist im Hause Luxemburg, bei dem der 1389 in zweiter Ehe mit Sophie von Wittelsbach verehelichte Wenzel sich immer mehr in alkoholische Exzesse flüchtete und in der Folge lediglich sein jüngster Halbbruder Johann von Görlitz und sein Vetter Prokop seine Herrschaft stützten, während der ambitionierte Jost von Mähren mit Sigismund gegen Wenzel opponierte. Zwar erwiesen sich Sigismunds Bemühungen, in den komplizierten innenpolitischen Turbulenzen in Böhmen (Herrenfronde, zweimalige Gefangenschaft Wenzels) kurzfristig erfolgreich zu intervenieren als zunächst wenig erfolgreich, doch sicherte sich der politisch versierte und mit allen politischen und diplomatischen Wassern gewaschene Luxemburger langfristig eine veritable Ausgangsbasis als Thronprätendent.

            Dass „Sigismunds große und persönliche Ambitionen von Beginn an auch auf eine Nachfolge des Vaters im Reich und damit eine Verdrängung des Bruders Wenzel hinausliefen, war offensichtlich“ (Kintzinger, S. 470). Im Reich selbst schlug Sigismunds Stunde aber erst 1410/11, als er – nach dem Tode des Wittelsbachers Ruprecht von der Pfalz – im zweiten Anlauf die Mehrheit der kurfürstlichen Stimmen auf sich zu vereinigen wusste. Dabei waren die Anfänge im Reich schwierig, zumal sich Sigismund zunächst nicht, wie zuletzt sein Vater Karl IV., auf ein „leistungsfähiges Hausterritorium, hilfsbereite und selbstlose Verbündete unter den Fürsten oder die Finanzkraft der Reichsstädte“ zu stützen vermochte (Hoensch, S. 160). Die Herrschaftsausübung des Königs war darüber hinaus an dessen Präsenz im Reich gebunden (was Wenzel IV. sträflich vernachlässigt hatte!), das nach wie vor keine Hauptstadt als festen Mittelpunkt kannte, und auch auf einen loyalen und arbeitsfähigen „Regierungsapparat“ konnte sich der neue König zunächst nicht stützen, der deshalb einen königlichen Rat (curia regalis) als beratendes und ausführendes Organ erst schaffen. Im Rückblick wird dabei deutlich, dass Sigismund, unbeeindruckt von Vorbehalten und Fehlschlägen, mit geradezu „bewundernswerter Energie und Gestaltermut sich dem Chaos seines Zeitalters“ entgegenstellte (Hoensch, S. 161) – ohne dass es ihm gelingen sollte, die Kluft zwischen Wollen und Vollbringen, zwischen dauerhaftem Erfolg und Scheitern beständig zu überbrücken. Friedenssicherung und Konzilsvorbereitung – dies waren die zentralen Aufgaben, denen sich der Luxemburger in den Folgejahren widmete. Sigismunds Itinerar zeigt den Luxemburger dabei 1411-Sommer 1414 außerhalb des Reiches in Ungarn, 1413 dann in Oberitalien/Friaul, stets geschuldet seiner aufwendigen Reisediplomatie. Die Abwesenheit im Reich überbrückte der Luxemburger dabei durch die Einbindung von  reichsfreien Adeligen aus dem deutschen Südwesten, die als Inhaber der Hofämter, als Räte oder Diener dafür Sorge trugen, die Verwaltung aufrechtzuerhalten. Die Stände im Reich  verstanden es dabei, des Königs Abwesenheit zu nutzen; mit der Zeit zeichneten sich dabei, auch ausgehend von Reichsreformvorstellungen die „Konturen einer vom König unabhängigen, ständischen Verantwortung in der Regierung des Reiches ab, die schon auf den späteren Dualismus der Reichsreform vorausdeuteten“ (Kintzinger, S. 482).

            Bevor Sigismund von Luxemburg im Sommer 1414 ins Reich zurückkehrte, um sich in Aachen zum römisch-deutschen König krönen zu lassen, hatte er zuvor zahlreiche diplomatische Aktivitäten entfaltet, die darauf zielten, die Einheit der seit 1378 gespaltenen Kirche, die sich mit dem Pisaner Konzil 1409, das am Ende drei Päpste hervorbrachte, noch verschärft hatte, wiederherzustellen. Das in Konstanz am Bodensee am 5. November 1414 beginnende Konzil, die größte Kirchenversammlung des Mittelalters auf deutschem Boden, der Sigismund als weltlicher Protektor vorstand, hatte drei Grundprobleme zu lösen: 1. Beendigung des päpstlichen Schismas (causa unionis), 2. Reform der Kirche an Haupt und Gliedern (causa reformationis), 3. Beseitigung der kirchenkritischen Bewegung in Böhmen um Jan Hus (causa fidei). Die Einheit der Kirche konnte schließlich 1417 – auch und gerade dank der unermüdlichen Anstrengungen Sigismunds - mit der Wahl Martins V. erreicht werden, während die Kirchenreform auf ein späteres Konzil verschoben wurde (Dekret Frequens, 9.10.1417). Als folgenreich erwies sich die Verurteilung des Prager Theologen, Predigers und in der Tradition des Engländers John Wyclif stehenden Johannes (tschech. Jan) Hus als Ketzer sowie dessen Verbrennung am 6. Juli 1417 vor den Toren der Konzilsstadt. Hus, dem ein Jahr später noch dessen Mitstreiter Hieronymus von Prag auf dem Scheiterhaufen in Konstanz folgte, wurde für seine böhmischen Anhänger zur Symbolgestalt und zum Märtyrer, gegen dessen Hinrichtung – ungeachtet des für ihn ausgestellten Geleitschreibens durch Sigismund von Luxemburg - auch ein erheblicher Teil des böhmischen und mährischen, reformorientierten Adels in einem Brief am 2. September 1415 protestierte. In der sich weiter radikalisierenden Atmosphäre in Hussens böhmischer Heimat bildete sich nach dem ersten Prager Fenstersturz im Sommer 1419 und dem damit verbundenen Ausbruch der hussitischen Revolution eine breite Abwehrfront gegen eine Nachfolge des Mitte August 1419 verstorbenen Wenzel IV. durch Sigismund von Luxemburg. Letzterer wurde zwar im Sommer 1420 auf der Prager Burg in Anwesenheit eines kleinen Teils des böhmischen und mährischen Adels zum König gekrönt, doch handelte es sich in der gegebenen Situation um einen formalen Titel ohne reale Wirksamkeit.

            16 lange Jahre musste Sigismund als Repräsentant der papstkirchlichen Autorität kämpfen, um als von den Ständen im Königreich Böhmen anerkannter Herrscher in Prag einziehen zu können. Dazwischen lagen eineinhalb Jahrzehnte, in denen der Luxemburger zunächst militärisch, vor allem seit 1429 (Pressburger Verhandlungen) auch diplomatisch versuchte, eine Lösung in der böhmischen Frage mit den Hussiten zu erzielen. Alle Versuche, die als Ketzer verschrienen Hussiten (ein Sammelbegriff für eine sehr heterogen zusammengesetzte Bewegung radikaler und gemäßigter Anhänger der Vier Prager Artikel) auf dem Schlachtfeld in proklamierten Kreuzzügen zu besiegen scheiterten, doch auch die seit der zweiten Hälfte der 1420er Jahre in die Offensive gehenden Hussiten, die in sog. herrlichen Heerfahrten ihre Botschaft mit Feuer und Schwert in den Nachbarländern Böhmens zu verbreiteten suchten, mussten sich eingedenk der zunehmenden Kriegsmüdigkeit und innerer Zerwürfnisse Gedanken für ein Miteinander mit den Katholiken, Sigismund, der zugleich auch die Frage der Organisation der Türkenabwehr zu lösen hatte, und dem Papst machen.

            Die Verhandlungen auf dem Basler Konzil, auf einer Zusammenkunft in Eger im Mai 1431 zwischen Hussiten und einer Konzilsdelegation sorgfältig vorbereitet (Egerer Richter), mündeten schließlich in den sog. Basler Kompaktaten 1433 – sie enthielten im Kern die Vier Prager Artikel, jeweils ergänzt um eine Erklärung aus Sicht der katholischen Dogmatik -, die aber erst nach der innerhussitischen Entscheidungsschlacht von Lipany Ende Mai 1434, die die radikalen Kräfte als Verlierer zurückließ und dauerhaft ausschaltete, und der Übereinkunft von Iglau im Juli 1436 in Kraft treten konnten.

Am 23. August 1436 zog Sigsimund feierlich in Prag ein, doch blieb ihm nur noch wenig Zeit, um die böhmischen Verhältnisse zu konsolidieren (Hoftag zu Eger, Juli 1437). Nach einem beachtlichen militärischen Erfolg gegen die Osmanen starb er am 9. Dezember1437 im mährischen Znaim (Znojmo). Gemäß seinem letzten Willen und aufgrund lange zuvor getroffener familiärer Absprachen zwischen Luxemburgern und Habsburgern folgte ihm sein Schwiegersohn Albrecht V. von Österreich, verheiratet mit Sigismunds einziger Tochter Elisabeth (aus seiner zweiten Ehe mit der ehrgeizigen und politisch ambitionierten Barbara von Cilli), der bereits seit 1421 als Markgraf von Mähren entscheidenden Anteil am Kampf gegen die Hussiten gehabt hatte.

            Nach außen fällt die Bilanz des „Kronensammlers“ Sigismund sehr beeindruckend aus: Der Luxemburger hatte über drei Reiche geherrscht - 50 Jahre lang in Ungarn, 27 Jahre im Reich und nominell 18 Jahre in Böhmen, vier Jahre hatte er zudem die Kaiserwürde innegehabt. Häufig war er dabei weniger programmatischen als pragmatischen Entscheidungen gefolgt, wobei Erfolge und Misserfolge oft eng beieinander lagen. Den vielfältigen und äußerst schwierigen Aufgaben, denen er sich durch die Herrschaft über mehrere Länder, das Vordringen der Osmanen, das Abendliche Schisma und die mangelnden materiellen Ressourcen im Reich stellen musste, begegnete der Luxemburger häufig mit großem diplomatischen Können, bemerkenswerter Energie und bisweilen kreativen Lösungen. Zuweilen agierte er aber auch als unberechenbarer Machtpolitiker und Abenteurer, skrupelloser Taktiker und Interessenpolitiker. Doch bei aller Kritik an seiner Person, haben die Zeitgenossen Sigismunds Ringen um eine Reform von Kirche und Gesellschaft anerkannt. Nach seinem Tod wurde ihm die 1439 auf dem Basler Konzil verfasste, wirkmächtige Schrift „Reformatio Sigismundi“ zugeschrieben, die als großer Reformentwurf eine friedliche Neuordnung der Gesellschaft entfaltete.

Literatur:

Sabine Wefers,  Das politische System Kaiser Sigmunds, Stuttgart 1989.

Jörg K. Hoensch, Das Itinerar König und Kaiser Sigismunds von Luxemburg, warendorf 1995.

Ders., Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit (1368–1437). München 1996.

František Kavka, Poslední Lucemburk na českém trůně. Králem uprostřed revoluce. Praha 1998.

Petr Čornej, Velké dějiny zemí Koruny české. Bd. V: 1402–1437. Praha - Litomyšl 2000.

František, Šmahel, Die hussitische Revolution, 3 Bde. (MGH, Schriften/I-III), Hannover 2002.

Martin Kintzinger, Sigmund. In: Bernd Schneidmüller – Stefan Weinfurther (Hg.), Die deutschen Herrscher des Mittelalters. München  2003, S. 462–485.

Karel Hruza, Alexandra Kaar (Hg.), Kaiser Sigismund (1368–1437). Zur Herrschaftspraxis eines europäischen Monarchen. Böhlau Verlag, Wien 2012. Online abrufbar unter www.boehlau-verlag.com/download/162877/978-3-205-78755-6_OpenAccess.pdf (31.10.2018).

Lenka Bobková – František Šmahel (Hg.), Lucemburkové: česká koruna uprostřed Evropy, Praha 2012.

Imre Takács (Hrsg.): Sigismundus Rex et Imperator. Kunst und Kultur zur Zeit Sigismunds von Luxemburg (1387–1437), Mainz 2006.

Daniela Dvořáková, Barbara von Cilli. Die schwarze Königin ( 1392–1451), Frankfurt am Main 2017.

Legende:

Berühmt sind vor allem zwei Bildnisse des letzten Luxemburgers. Zum einen ist es jenes Ölgemälde (58,5 x 42cm), dass ein unbekannter (böhmischer?) Meister im Dienste Sigismunds um 1420 oder 1436/37 schuf und dass sich im Kunsthistorischen Museum Wien befindet. Dieses einzige erhaltene zeitgenössische Porträtgemälde, mit dem sich gerade die kunstgeschichtliche Fachliteratur seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts intensiv beschäftigt – Befürworter einer Entstehung südlich und nördlich der Alpen stehen sich hier gegenüber – zeigt den schon gealterten Monarchen mit leicht geöffnetem Mund (als Hinweis auf Sigismunds besondere Redegewandtheit) und einem Pelzhut mit Diadem auf dem Kopf als Element der fürstlichen Repräsentation (quasi als Ersatz der Königskrone). Daneben ist es die Kreidezeichnung von Pisanello (333 x 211mm), die in den Jahren 1431-1433 entstand und im Pariser Louvre aufbewahrt wird. Der barhäuptige Porträtierte mit vollem Kinnbart ist ab Brusthöhe im Profil dargestellt, an einer Halsschnur des Kaisers hängt das Abzeichen der Gesellschaft vom Drachen (Societas draconis), eines Ritterordens, den Sigismund 1408 selbst gestiftet hatte.[1]

            Bei dem Görlitzer Bild handelt es sich um eine Memorialstiftung des Rates der Stadt Görlitz, gerade eingedenk der engen Beziehung die die Stadt als Mitglied des Oberlausitzer Sechsstädtebundes zu Sigismund gepflegt und die der Luxemburger wiederholt mit wichtigen Handelsprivilegien ausgestattet hatte.[2] Zudem verbriefte Sigismund der Stadt im Jahr seiner Kaiserkrönung ein neues, bis heute gültiges Wappen.

            In einer Inschrift des um 1450 entstandenen Bildnisses des Kaisers wird dieser als fromm und gerecht sowie als einstmals größter König des Erdkreises gepriesen. Das Gemälde selbst scheint auf ein authentisches  Porträt Sigismunds zurückzugehen, zumal die lange gebogene Nase und die Pelzmütze mit sog. Schmuckagraffe an das Bild im Kunsthistorischen Museum Wien erinnert. Allerdings sticht – im Vergleich zu anderen Sigismund-Porträts – der „betont skulpturale Charakter des Gemäldes“ ins Auge (Martina Hauschka, in: Tátrai, Die Darstellung Sigismunds, S. 159). Die scharf geschnittenen Züge und die „gedrechselten“ Locken erinnern an eine Goldschmiedearbeit, auf Gewand und Mütze waren ursprünglich Edelsteine – heute durch Glasperlen ersetzt – angebracht.


[1] Zu den Porträts Sigismunds von Luxemburg im Überblick grundlegend Vilmos Tátrai, Die Darstellung Sigismunds von Luxemburg in der italienischen Kunst seiner Zeit. In: Sigismundus Rex et Imperator, Mainz 2006, S. 143-167.

[2] Vgl. hierzu auch die Magisterarbeit von Alexandra Kaar, Kaiser Sigismund von Luxemburg und die Sechsstädte der Oberlausitz, Wien 2010. Online abrufbar unter othes.univie.ac.at/8525/1/2010-02-16_0103502.pdf (31.10.2018).

Quelle
Sigismund von Luxemburg (1368-1437), in: Ölporträt Sigismunds von Luxemburg, unbekannter (böhmischer?) Meister um 1420 oder 1436/37, Kunsthistorisches Museum Wien (Quelle: Wikipedia) 
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Erstellt
29.06.2021 
Zuletzt geändert
29.06.2021 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Sigismund von Luxemburg (1368-1437), in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Hus und die Hussiten", bearb. von Thomas Krzenck. URL: https://www.herder-institut.de//digitale-angebote/dokumente-und-materialien/themenmodule/quelle/3234/details.html (Zugriff am )