Johannes Hus schreibt ein theologisches Traktat über die Kirche

Auszug aus dem bedeutensten theologischen Werk des Hus De Ecclesia [O církvi / Über die Kirche]. Theologisch knüpft er damit an die Lehren des Wycliff an. Er stellte das Werk unter den Schutz böhmischer Adeliger 1413. Die ersten zehn Kapitel beschäftigen sich mit dem Verständnis des Hus von Der Kirche, die weiteren 12 beinhalten seine Antwort auf die Anklageschrift der theologischen Fakultät in Prag, sowie die päpstliche Bulle Unam sanctam.

Modul
Hus und die Hussiten
Sprache
Latein

Kontext:

Johannes (tschech. Jan) Hus verließ im Spätherbst 1412 seinen Wirkungsort Prag, nachdem er – im Zuge der Ablassaffäre und seiner Appellation an Christus – endgültig die Unterstützung seines Landesherrn, König Wenzels IV., verloren hatte und sich in der Landeshauptstadt nicht mehr sicher fühlen konnte. Während seines „Exils“ auf mehreren Burgen adeliger Schutzherren legte Hus auch literarisch seine Hände keineswegs in den Schoß, sondern beendete und redigierte seine bedeutendsten Schriften, die lateinische Abhandlung De ecclesia (Über die Kirche) und die auf tschechisch verfassten Výklady Desatera (Auslegungen der Zehn Gebote), die oft als Hussens wichtigstes tschechisches Werk angesehen werden und in denen sich in Kapitel 5 der berühmte, immer wieder zitierte, Hussens Verhältnis zur Wahrheit definierende Satz findet, der von Johannes 8 Vers 31f. ausgeht: „Darum frommer Christ, suche die Wahrheit, höre auf die Wahrheit, lerne die Wahrheit, liebe die Wahrheit, sprich die Wahrheit, halte die Wahrheit, verteidige die Wahrheit bis zum Tode, denn die Wahrheit befreit dich von der Sünde, vom Teufel, vom Tod der Seele und schließlich vom ewigen Tod.“ Hus kannte nur eine einzige Wahrheit (in der philosophische, religiöse und soziale Intentionen ineinanderflossen), das Wort und Gesetz Gottes (lex Dei) nämlich, das sich im Leben und Reden Christi manifestierte und in der Hl. Schrift überliefert ist. Hussens tiefster Überzeugung zufolge hatte er diese Wahrheit mit seiner Predigt zu verkünden, für diese Wahrheit Gottes musste er notfalls auch den Tod erleiden.

            Ähnlich Wyclif hatte sich auch Hus zum Ziel gesetzt, die Könige, Fürsten, Herren und Ritter aus ihrem Schlaf aufzurütteln, in welchen sie von den Priestern eingelullt worden seien, und sie zu bewegen, die Simonisten als Todsünder aus ihren Domänen zu vertreiben, da ansonsten nur Unfrieden entstehe, „nicht aber gerechter Frieden, der den Menschen guten Willens auf Erden geschenkt wurde.“ Auch die Folgen einer Nichtbeachtung dieser Aufgabe sprach Hus mit deutlichen Worten aus: „Denkt daran, dass euch von Gott die Regierung (zpráva) der Menschen nach seinem Gesetz übertragen wurde. Daher fallet der Simonie in den Arm, sonst sündigt ihr ebenso!“ In der Wiederherstellung der lex Dei, welche die Wahrheit zum Siege führen würde, erblickte Hus das einzige Heilmittel. In nahezu jedem seiner Briefe oder sonstigen Äußerungen verkündete er wieder und wieder seinen Dienst an dieser lex Dei im Kampf gegen die Sünde als dem Haupthindernis für ein jenseitiges Heil, ohne dass freilich die herrschende Ungleichheit von Herren und Knechten, die als unveränderliche, in der Bibel verankerte und durch das Gesetz Christi bestätigte Gegebenheit angesehen wurde, in Frage gestellt wurde. Es ging um eine grundlegende (reformatorische) Erneuerung der Kirche, nicht um revolutionäre Umgestaltung der bestehenden Verhältnisse.

            Logisch ergibt sich daraus eine Analyse von Hussens Kirchenbegriff, den dieser bereits 1410 in einem Sermon skizzenhaft vorprojiziert hatte und nunmehr in seinem Traktat De ecclesia detailliert präsentierte. Bei der Verurteilung von Hus auf dem Konstanzer Konzil sollte gerade dieser Traktat eine entscheidende Rolle spielen. Insbesondere mit Blick auf De ecclesia zeigt sich bei einem Vergleich mit der gleichnamigen Schrift Wyclifs, wie stark der englische Kirchenreformer Hus beeinflusste: nahezu 50 Druckseiten umfassen die Nachweise der Wyclif-Exzerpte allein in dieser Schrift! Hus hat also Wyclifs Oeuvre ausgebeutet, wie nur ein mittelalterlicher Autor sich der Werke einer geschätzten und verehrten Autorität bedient hat - gleichsam als einer Art Steinbruch -, zur Verwirklichung des gemeinsamen Ziels, nämlich der Errichtung einer neuen Kirche.

            Doch wie sollte diese ecclesia nova aussehen? Für Hus wie für Wyclif ist die Kirche die Zahl aller Prädestinierten, sie ist der mystische Leib Christi, die Braut Christi. Es gibt nur eine Kirche, ihr Haupt ist Christus, sie existiert von der Erschaffung der Welt an und wird bis zum jüngsten Gericht dauern und sie besteht demzufolge aus der ecclesia militans auf Erden, der ecclesia dormiens im Fegefeuer und aus der ecclesia triumphans im Himmel. An Wyclifs Definition der Kirche als congregatio praedestinatorum „vom ersten bis zum letzten Gerechten, die einst das Heil erlangen werden“, interessierte Hus unter Berufung auf den hl. Augustinus der eschatalogische, Vergangenheit und Gegenwart mit der künftigen Erwartung einer reinigen Erneuerung „unter der Herrschaft des Königs Christus“ verbindende Weltentwurf. Offenkundig fasziniert zeigte sich Hus von Wyclifs Unterscheidung einer Kirche der „Schafe“ von derjenigen der „Böcke“, der Gemeinschaft der zum Heil „vorbestimmten“ (praedestinati) von den falschen, zur ewigen Verdammnis „vorgewussten“ (praesciti) Christen – womit die offizielle Lehre über die irdische kämpfende Kirche als hierarchischer Korporation aller getauften Personen mit dem Papst als Stellvertreter Christi an der Spitze somit ihre Allgemeinverbindlichkeit einbüßte und damit der institutionalisierten Kirche auf Erden der Heiligenschein genommen wurde. „Wenngleich alle Christen in der Kirche sind“, schreibt Hus, würde dies nicht automatisch bedeuten, dass sie auch zu dieser gehörten, „da wir wissen, dass Unkraut zwischen Getreide wächst, dass ein Rabe auf der Tenne zusammen mit der Taube lebt und dass die Spreu zusammen mit dem Weizen in die Scheuer gefahren wird.“

            Lediglich die zum Heil Vorbestimmten bildeten wirklich die Kirche (esse de ecclesia), die von Anbeginn im Vorherwissen Gottes Verworfenen, an ihrem Ungehorsam und Hochmut zu erkennen, seien nur dem Namen nach (nomine tantum) in der Kirche. Dies war Hussens Maßstab, den er in scharfer Kritik an die Kirche seiner Zeit legte. Die wahre Kirche als Gemeinschaft der Auserwählten könne Hus zufolge nicht den Menschen Petrus und dessen Nachfolger, sondern allein Christus zum Haupt haben (Ecce Christus, supremus papa!). Diesen originären Gedanken verfolgte Hus weiter, indem er den Glauben in Christo zum Inbegriff des Glaubens an die Kirche der Prädestinierten hochstilisierte. Nur Christus und seiner Kirche gebühre das „Epitheton universal“, keineswegs jedoch dem pontifex Romanus, der zu einem Dieb und Räuber geworden sei. Allein die wahre (heilige) Universalkirche sei ohne Makel, irrtumslos und ewig, niemals jedoch die römische. Doch wer durfte sich guten Glaubens und Gewissens dieser Universalkirche zugehörig wähnen?

            Nach Hus ist jeder Gläubige, jeder Christ, und damit um so mehr jeder Priester und Prälat, verpflichtet, durch tugendhafte Taten aufzuzeigen, dass er zur Schar der Gerechten gehöre und damit ein Glied der Universalkirche sei, indem er nach der evangelischen Wahrheit und der lex Dei lebte. Das galt ohne Einschränkung vor allem für die Geistlichkeit. Hus warnte vor falscher, angemaßter Macht, vor dem Missbrauch der geistlichen Gewalt, wie er in dem veräußerlichten Ablasswesen in Erscheinung trat. Der Papst dürfe sich nur dann Vikar Christi nennen, wenn er sich durch moralische Integrität auszeichne, alle Christen an Tugenden überstrahle, ein guter Hirte sei und in Wort und Tat allen vorangehe. Sei dies nicht der Fall, so folgerte Hus, war es die Pflicht des gläubigen Christen, päpstliche Verordnungen daraufhin zu prüfen, ob sie im Gesetz Christi begründet seien; im negativen Fall zöge dies nach sich, auch päpstlichen Geboten Widerstand zu leisten. Gerade der Zwist zwischen drei angeblichen Stellvertretern Christi hinsichtlich des Primats über die Gemeinde der Gläubigen durch Usurpation des Stuhls Petri schien Hussens Worte zu bestätigen, dass nicht der Papst Haupt der katholischen Kirche sei, sondern ausschließlich Christus. In Anwendung auf seinen eigenen Fall erklärte Hus, dass ein Christ auch unter Androhung der Exkommunikation Christi Gebot ausführen müsse, und zwar nach dem Grundsatz: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

            Insgesamt sollte die – in mancherlei Hinsicht  in einem vereinfachten Schwarz-Weiß-Modell dargestellte - Kirche aufhören, ein Corpus mixtum von geistlicher und weltlicher Institution zu sein, mit einer unter moralisch-ethischen Gesichtspunkten in vielerlei Hinsicht fragwürdigen und anfechtbaren Priesterschaft als Inhabern von herrschaftsrechten, weltlichen Besitztiteln, geistlichen Disziplinierungsrechten und einem Monopol auf Heilsvermittlung. In dieser von Wyclif und Hus beschriebenen Sicht musste die spätmittelalterliche Kirche folgerichtig einen Angriff auf ihre Fundamente erblicken. Denn wie sollte kirchliche Autorität in der bisherigen Weise fortbestehen, wenn die „Übereinstimmung der Sitten“ und die Gehorsamspflicht einer Prüfung durch das Gewissen der einzelnen Gläubigen unterworfen wurden?

            Doch wie stellte sich Hus die von ihm beschriebene ecclesia in concreto vor? Wer sollte ihr auf Erden vorstehen und sie ausgestalten, wenn sie die Wahrheit publik machen, die lex Dei verkünden und realisieren sollte? Hus forderte zunächst, um die Wurzel des Übels auszureißen, die Rückführung der ecclesia militans auf die evangelische Armut, wie sich dies auch bereits 1412 Jakobell von Mies zu eigen gemacht hatte, als er auf den Empfang freiwilliger Almosen verwies. Und auch Hus hatte im gleichen Jahr in seiner Defensio articulorum Wyclif zu dieser Frage Stellung bezogen, als er mit Blick auf die Säkularisierung der Temporalia erklärte, Aussagen im Alten Testament lieferten hierfür die Berechtigung. Vor allem der böhmische König sollte, so Hus, vor dem Hintergrund bestehender Exemtionen und Immunitäten der Geistlichkeit das Züchtigungsrecht gegenüber seinen Priestern anwenden und letzteren bei einem Verharren im Stand der Sünde die Temporalia zu entziehen, da ansonsten de facto das Recht der politischen Herrschaftsausübung des Königs, aber auch des Adels generell, eine gravierende Einschränkung erführe.

            Im November 1412 konkretisierte Hus seine hl. Kirche in sozialer Hinsicht in seinen Výklady, als er schrieb: „Es ist eine Versammlung (zbor) von Herren, Geistlichen (žákovstva) und Kaufleuten (težaróv). Sie besitzt zwei Schwerter, damit sie gegen den Teufel, den Leib und die Welt streiten kann. Das eine ist ein geistiges, das Wort Gottes, das zweit ein materielles. Das erste führen die Priester … das zweite die Herren, um mit ihm den Glauben und die Wahrheit Gottes zu verteidigen.“ Wie auch die nachfolgenden Ereignisse zeigten, schwebte der hussitischen Partei eine „Nationalkirche gallikanischen Zuschnitts“ vor, eine „föderalistische Theokratie“, die weder die Kircheneinheit aufgeben, noch die schismatische Pluralität legalisieren wollte. Die hl. Kirche, cuius caput est Christus, gliederte sich in föderalistische Gruppierungen nationaler Provenienz, ihre Leitung lag in den Händen von im Geiste der Apostel agierenden und sich durch tugendhafte Taten auszeichnenden Bischöfen und Priestern, während der Monarch als äußerer (weltlicher) Protektor auftrat, sodass der böhmische König faktisch als erster Prälat des böhmischen Klerus fungieren konnte. Der König habe, so Hus, aufgrund seiner autoritativen weltlichen – von Gott verliehenen – Gewalt nicht allein das Recht, sondern zugleich auch die Pflicht, unwürdige Priester bei moralischen und kultischen Verfehlungen zu bestrafen, weltliche Herrschaftsattribute zu nehmen, ruchlose bzw. schamlose Prälaten abzusetzen und zugleich Priester, die ehrfurchtsvoll die Gebote der lex Dei erfüllten, zu schützen.

            Die Forderung Hussens und seiner Anhänger nach einer armen Kirche – und zwar nicht allein in Böhmen, sondern innerhalb der lateinischen Christenheit – musste die Hierarchie im europäischen Maßstab zu einem unversöhnlichen Kampf auf Leben und Tod herausfordern. Dem amtskirchlichen Verständnis der sichtbaren Ecclesia entzogen Wyclif und Hus mit einem einzigen „Kunstgriff“ den Boden, in dem sie die Felsenmetapher bei Matthäus 16, 18f. (Tu es Petrus et super hanc Petram…) mit Blick auf Petri Schlüsselgewalt vollkommen anders interpretierten: Mit „Petra“, der Fels, auf den Christus seine Kirche gründen wollte, sei nicht Petrus gemeint, sondern Christus selbst und nur er, woraus Wyclif und Hus ihre Ablehnung des päpstlichen Primatsanspruchs und die Nichtigkeit aller amtskirchlichen Suprematieansprüche folgerten, was in der Konsequenz eine Gehorsamsverweigerung der etablierten anerkannten Ordnungsmacht Kirche in ihrer zeitgenössischen Ausprägung bedeutete. Der „exegetische Kunstgriff“ hatte also einen umstürzenden ekklesiologischen Effekt, in dessen Konsequenz der Papst seine heilskonstituierende Schlüsselfunktion und sämtliche anderen kirchlichen Amtseinrichtungen ihre Qualität als etwas speziell von Christus Delegiertes mit Exklusivrechten und –pflichten gegenüber den einfachen Gläubigen einbüßten. Vielmehr mussten die Amtsträger mit dem Papst an der Spitze durch ihren heiligmäßigen Lebenswandel in der Nachfolge Christi sich die Legitimität ihrer Funktion erst erwerben! Hier zeigte sich die berühmte These Wyclifs Nullus est dominus, nullus est prelatus, nullus episcopus, dum est in peccato mortali in voller Deutlichkeit. Vorweggenommen bedeutete dies aus der Sicht der kritisierten Amtsträger zugleich: Die Verurteilung von Hus durch das Konzil in Konstanz zeigt sich nachfolgend als eine ekklesiologische Notwendigkeit.

            Für Hus hatte also die endgültige Verbindlichkeit das Wort Gottes und Hus verzieh es niemandem, wenn er die lex Dei übertrat oder gering schätzte. Und in der Tat handelte es sich bei der lex Dei nicht allein um ein theoretisches Konstrukt, sondern das Gesetz Gottes zeigte auch in der Realität seine Wirkungskraft, ja die Idee der lex Dei als oberster Norm christlichen Lebens begann sich – wenn auch keineswegs in Gänze – selbst im höfischen Milieu in Böhmen durchzusetzen, wie die Entstehung mehrerer tschechisch geschriebener Bibeln beweist. Die bekannteste von ihnen, heute als Leitmeritz-Wittingauer Bibel bezeichnet, fertigte in den Jahren 1410 - 1414 im Auftrag des Münzmeisters Peter Zmrzlik von Svojšin Matthäus aus Prag an, dem dabei am Beginn seiner Arbeit lediglich eine Revision der ersten alttschechischen Bibelübersetzung zur Verfügung stand, die bereits ungeeignet erschien. Zugleich mit dieser Arbeit machte sich ein unbekannter Autor (möglicherweise eine Gruppe von Gelehrten?) bis 1413 an eine Neuübersetzung der Bibel. Dessen Verbindung zu Reformkreisen steht außer Zweifel, zumal im Zentrum das Neue Testament stand – also das Gesetz Christi -, während die Übersetzung des Alten Testaments unvollständig blieb. Ob, wie mitunter vermutet, Hus an der Übertragung beteiligt war, bleibt eine quellenmäßig nicht gesicherte Hypothese. Die für den erwähnten und als Husverehrer bekannten Münzmeister angefertigte und reich illuminierte Bibel vereinte in sich nahezu exemplarisch die Reformeinstellung des Auftraggebers und seiner frommen Gemahlin Anna von Frymburg mit der adeligen Weltanschauung. Ähnlich motiviert war auch die Anfertigung der sog. Boskowitzer Bibel, die die zweite tschechische Übertragung des Neuen Testaments und darüber hinaus Hussens Menší výklad na desatero enthält. Auftraggeber war in diesem Fall vermutlich der Magnat Čeněk von Wartenberg. Für wen hingegen die sog. Olmützer Bibel verfasst wurde, bleibt im Verborgenen.

            In dem aus 23 Kapiteln bestehenden Traktat „Die Kirche“ (De ecclesia), seinem Hauptwerk, bewegt sich Hus auf dem Feld, das ihn sein Leben lang theologisch am meisten beschäftigte. Die Schrift darf als  Bündelung der Vorstellungen angesehen werden, die Hus über Kirche, Papst und geistliche Hierarchie seit seinem ersten öffentlichen Auftreten entwickelt hatte, dabei stets unter dem Einfluss John Wyclifs stehend und diesen rezipierend. Im Prozess vor dem Konstanzer Konzil spielte der Traktat eine Schlüsselrolle, waren doch die meisten der verurteilten Artikel gerade dieser Schrift entnommen. Ihre Brisanz lag weniger darin, dass Hus hier – wie in anderen Schriften auch – hart mit dem moralisch heruntergekommenen Klerus seiner Tage ins Gericht ging; vielmehr war es Hussens Kirchenverständnis selbst, das innerhalb der bestehenden – hierarchisch strukturierten - Kirche scharfen Widerspruch auslöste.

            Aus der Zeit um 1520 liegt eine zwar von Amedeo Molnár erwähnte, in der Forschungs- und Editionsgeschichte dessen ungeachtet kaum beachtete Übersetzung ins Deutsche vor.[1] Sie wird im Stadtarchiv Straßbourg (Archiv der Kirche St. Thomas Nr. 168 – Varia ecclesiastica, tomus III, fol. 239-348) aufbewahrt und beginnt mit den Worten „Dieweil ain ietlicher Christen mensch so dan in dissem tal der truebsaligkait“. Die Übersetzung Von der kirchen gottes befindet sich unter den dem Straßburger Reformator Martin Bucer (1491-1551) gehörenden Papieren und bildet ein Zeugnis für das Interesse der deutschen Reformation an Hus, das Martin Luther mit seinem Auftritt während der Leipziger Disputation 1519 auslöste und das nachfolgend zur Beschäftigung mit Hus und der Edition einiger seiner Schriften führte.

Quelle:

Der Traktat De ecclesia ist in 19 Handschriften in Berlin, Klosterneuburg, Prag, Wien und Altbunzlau überliefert.[2]

Die Handschrift der Klosterbibliothek Klosterneuburg ist digitalisiert und online abrufbar unter http://manuscripta.at/diglit/AT5000-356/1/thumbs (6.7.2018).

Drucke:

Iohannis Hus et Hieronymi Pragensis, confessorum Christi Historia et monumenta, hg. von M. Flacius Illyricus. 2 Bde. Norimbergae 1558 . Historia et Monumenta Iohannis Hus atque Hieronymi Pragensis, confessorum Christi, 2 Bde., nachdruck Nurembergae *Francofurti) 1715. Online abrufbar unter http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10634931.html (6.7.2018).

 

Edition:

S. Harrison Thomson, Mistr Jan Hus Tractatus de Ecclesia, Praha 1958.

 

Übersetzungen:

- englische Übersetzung: David S. Schaff, The Church by John Hus, New York 1915.

Online abrufbar unter https://archive.org/stream/deecclesiachurch00husjuoft#page/n5/mode/2up (5.7.2018)

- deutsche Übersetzung (Auszüge):  Jan Kalivoda – Alexander Kolesnyk, Das hussitische Schrifttum im Spiegel seiner Quellen, Berlin 1969, S. 155–230 (Kapitel II, III, XI, XVII–XXI, XXIII); Carsten Heß: Die Kirchenkritik des Johannes Hus in seinem Werk „De Ecclesia“ Bochum 2011 (BA, unveröffentl.) mit Übersetzungen der Kapitel IV, VI und XIV.

- Hus deutsch, hg. von Armin Kohnle – Thomas Krzenck, Leipzig 2017, S. 351-572 (Der Traktat über die Kirche ist vollständig übersetzt und bearbeitet von Michael Beyer und Hans Schneider).

 

Literatur:

Vaclav Novotny,: Jan Hus. Život a učení, Bd. 1, Teil 1, Praha 1919. Bd. 1, Teil 2, Praha 1921. Bd 1 Online abrufbar unter https://archive.org/details/p1mjanhusivotuen01novouoft (6.7.2018). Bd. 2 online abrufbar unter https://archive.org/details/p1mjanhusivotuen02novo

(6.7.2018).

Peter Hilsch, Johannes Hus. Prediger Gottes und Ketzer. Regensburg 1999.

Thomas Krzenck, Johannes Hus. Theologe, Kirchenreformer, Märtyrer, Gleichen-Zürich 2011.

František Šmahel, Jan Hus. Život a dílo, Praha 2013.

Pavel Soukup, Jan Hus, Stuttgart 2015.

Alexander Patschovsky, Ekklesiologie bei Johannes Hus, in: Lebenslehren und Weltentwürfe im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Politik-Bildung-Naturkunde-Theologie, hg. von Hartmut Boockmann, Bernd Moeller-Karl Stackmann, Göttingen 1989 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch-Historische Klasse, 3. Folge, Nr. 179), S. 370-399. Online abrufbar unter

http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/p/2001/patschovsky/www.uni-konstanz.de/fuf/philo/geschichte/patschovsky/aufsaetze/  (5.7.2018).

Ders.: Das Gewissen als Letztinstanz. Wahrheit und Gehorsam im Kirchenverständnis von Jan Hus, in: Gian Luca Podestà (Hg.), Autorität und Wahrheit. Kirchliche Vorstellungen, Normen und Verfahren (13.-15. Jahrhundert), München 2012, S. 147-158 (Schriften des Historischen Kollegs, Bd. 84).

Paweł Kras – Martin Nodl (Hg.), Jan Hus. Życie, myśl, dziedzictwo, Warszawa 2017.


[1] Vgl. Amedeo Molnár, Německý překlad Husova díla o církvi z 16. století, in: Česká literatura Nr. 3, 1957, S. 363-364.

[2] Vgl. F. M. Bartoš – P. Spunar, Soupis k literární činnosti M. Jana Husa a M. Jeronýma Pražského, Praha 1965, S. 118-119.

CAPITULUM SECUNDUM

            Dicto quid est universalis sancta ecclesia, et quod tantum est una sicut tantum unus est numerus omnium predestinatorum, et quod per orbem terrarum sit diffusa secundum sua membra, sciendum est, quod ipsa sancta universalis ecclesia tripartitur, scilicet in ecclesiam triumphantem, militantem et dormientem. Ecclesia militans est numerus predestinatorum, dum hic viat ad patriam, et dicitur militans, quia exercet Christi Miliciam adversus cernem, mundum et dyabolum. Ecclesia dormiens et numerus predestinatorum in purgatorio paciens, et dicitur dormiens, quia inibi existens iam beatudinem non promeretur eo quod die preveniente et iuvante gracia in presenti meruit, ut post satisfaccionem purgatorii in patria premietur. Ecclesia triumphans est beati in patria quiescentes, qui adversus Sathanam miliciam Christi tenentes finaliter triumpharunt. Una autem magna ecclesia erit ex omnibus illis in die idicii. Et in signum huius triplicis partis universalis ecclesie dicunt doctores sacramentum eukaristie dividi in tres partes: primam partem immersam sacramento liquido dicunt significare ecclesiam triumphantem, que insorpta et debriata est intuicione divine essencie, ut loquitur caput ecclesie Cantic. V, I, cives suos et comensales exhilarans Inebriamini, inquit, karissimi. Due autem alie partes in manu domini et merito ecclesie purgande signantur per illas duas partes, quas sacerdos tenet in manibus: maior supposita signat ecclesiam militantem, et minor innixa suposite signat ecclesiam in prugatorio expectantem. Ipsa enim inititur suffragiis militantis ecclesie. Et pro istis duabus partibus geminamus preces agno, qui est caput ecclesie, ut misereatur nobis. Sed pro tercia parte, ad cuius locum et requiem aspiramus, petimus, ut idem agnus triplicis nature donet finaliter nobis pacem. Et hinc Christus secundum suam humanitatem visitavit tria loca ecclesie, scilicet umbilicum nostre habitabilis XXXIII annis in Judea et Jerosolem, conversando; limbum in quo patres purgati sunt, morsellum sue ecclesie in anima extrahendo; sed tercio finaliter ascendens in celum cepit captivitatem, quam post triumphum coronavit ad die dexteram collocando. Ista est ergo triplex pars unius universalis ecclesie sive katholice, licet quotlibet sint particulares ecclesie. Est autem ipsa universalis ecclesia virgo sponsa Christi virginis, ex qua ut vera matre spiritualiter generamus. Virgo, inquam, tota plulchra, in qua non est macula, Cantic. IV, 7, nec habens rugam aut maculam. Ad. Ephes. V, 27, et sancta et immaculata et sic castissima secundum se totam in patria. Hic tamen fornicando cum adulterante dyabolo et cum multis membris eius, criminibus parcialiter est corrupta. Verumptamen nunquam recipitur ut sponsa amplexandra beatifice in dextera in lect sponsi, antequam fuerit puta virgo omnimode sine ruga. Christus enim est sponsus virginatis, qui cum vivit perpetuo non licet sponse ab eo recedere fornicando spiritualiter. Ideo de celestium civium multitudine dicitur, Apoc. XIV, 4: Virgines enim sunt et secuntur agnum quocunque iertit. Fuit autem Christus in primo instanti mundi sponsus ecclesie predestinacione. In confirmacione autem angelorum dedit dotem parti sponse, et sic in cornfirmacione. Abel iusti et aliorum sanctorum usque ad incarnacionem, manente continue eadem desponsacione, cum Cesar Augustus continue auget dotem. In incarnacione vero fecit secundas nupcias, creando quandam reginam partem tocius ecclesie, que quadam proprietate dictur ecclesia christiana. Tunc enim dux et legifer noster familiarius alloquens sponsam suam, ut dicit Apostolus Ad Hebr. I. Per assumpcionem humanitatis inducit arma nostra et ut gigas superat hostes ecclesie, et docet quomodo pars ecclesie ipsum ut sponsa zelopita debet sequi.

            Unde tota doctrina christiana stat in ista oracione ecclesie, qua rogamus sponsum per adventum eius in carnem, ut doceat nos terrena despicere et amare celestia – despicere, id est, in affeccione postponere et amare super omnia Christum sponsum.

            Ex hiis patet quomodo universalis sancta ecclesia est unica sponsa Christi, virgo finaliter castissima, quam sibi die filius ex dilleccione eterna et adopcionis gracia in matrimonio copulavit, quam firmiter credimus, discentes in simbolo: Credo unum sanctam ecclesiam katholicam, et de qua additur in secundo simbolo et apostolicam. Dicitur enim apostolica ex eo, quod apostoli sunt partes plene in spiritu prugate eiusdem matris ecclesie, quam ipsi doctrina Christi et suo sangwine plantaverunt et quorum doctrina et auctoritate sui vacarii iam regunt adolescentulam modo querentem sponsum ecclesie. Et sic loquitur Decretum XXIV qu. I, c. 5, Manet, inquit Leop papa, Petri privilegium ubicunque ex ipsius equitate fertur indicium. Ipse enim residet in celis videns et produrans, quod deus liget et solvat. Unde Bonifacius VIII in Extravagante decretali dictit: Unam sanctam ecclesiam katholicam et ipsam apostlolicam urgente fide credere cogimur et tenere. Unitas  autem ecclesie catholice consistit in unitate predestinacionis, cum singula eius membra sunt unum predestinacione et in unitate beatudinis, cum singuli eius filii sunt in beatitudine finaliter uniti. In prsenti eciam eius unitas consistit in unitate fidei et virtutum et in unitate caritatis, prout deducit Augustinus Super Johannem, super illo verbo Joh. XVII,21: Ut omnes unum sint, et in Epistola ad Dardanum exponens illud: Expedit ut unus homo moriatur pro populo (Joh. XVIII,14): Cayphas, inquit, prophetavit, quod deus filios suos congregaret in unum, non, inquit, in aliquem unum locum corporalem, sed congregavit in unum spiritum et unum corpus, cuius unum caput est Chritus. Et illam unitatem tangit Apostolus Ad Ephes. IV,3-6: Solliciti servare unitatem spiritus in  vinculo pacis, unum corpus, unus dominus, una fides, unum baptisma, unus deus et pater omnium. Nec dubium quin sine ista unione, ut premittitur, non est salus.

CAPITULUM QUINTUM .....

            Iam ad auctoritates in tercio capitulo ad contrarium propositas est dicendum. Est vero notandum pro earum intelligencia, quod varie dicuntur esse in ecclesia sancta homines. Nam aliqui dicuntur esse solum secundum fidem informem ut christiani presciti criminibus involuti, quibus dicit dominus, Luce VI,46: Quid vocatis me Domine, Domine, et non facitis que ego precipio vobis? Et Matth. VII 22seq., dicit de illis: Multi dicent michi in illa die Domine, Domine, nonne in nomine tuo prophetavimus et in nomine tuo demonia eiecimus et in tuo nomine virtutes multas fecimus? Et tunc confitebor eis, quia nunquam novi vos scilecet salvandos. Discedite a me omnes qui operamini iniquitatem. Aliqui vero sunt in ecclesia solum secundum fidem et graciam presentem ut iusti presciti, qui non sunt in ecclesia secundum predestinacionem ad vitam eternam. Aliqui sunt in ecclesia secundum predestinacionem tantum ut parvulai christianorum non baptizati et pagani vel iudei futuri christiani, aliqui seundum fidem informem et secundum predestinacionem ut christiani predestinati, nunc in criminibus sed ad graciam reversuri, aliqui secundum predestinacionem et presentem graciam ut omnes christiani electi, Christum in moribus imitantes, qui adhuc possunt in hac vita affluente gracia excidere. Aliqui vero sunt in ecclesia iam triumphante, in gracia confirmati. Omnes autem in prescitos et predestinatos sunt divisi, quorum primi sunt membra finaliter dyaboli et reliqui sunt membra corporis mistici, quod est sancta ecclesia sponsa domini Ihesu Christ.

            Unde in prima auctoritate de sagena predestinati signantur per bonos posces et presciti per malos, quos foras miserunt. Unde dicit beatus Gregorius: Sancta ecclesia sagene misse in mare comparatur, quia et piscatoribus est commissa. Ecce prima similitudo et per eam quisque ad eternum regnum a presentis seculi fluctibus trahitur, scilicet vocacione, ne in eterne mortis profundo mergatur. Ecce secunda similitudo, que ex omni genere piscium congregat, quia ad peccatorum veninat sapientes et fatuos, liberos et servos, pauperes et divites, fortes et infirmos vocat. Ecce tercia similitudo.Caveat ergo falsigraphus inferre sancta ecclesia ex omni genere hominum per vocacionem congregat. Ergo omnes ad fidem Christi sunt membra sancte ecclesie sponde Christi. Unde ostendit conclusive beatus Gregorius electos et reprobos dicens. Ex quo scilicet fine seculi, boni pisces in vasis eliguntur, mali autem proiciuntur foras, quia electus quisque in tabernacula eterna recipitur et eterni regni luce perdita ad exteriores tenebras reprobi pertrabuntur. Nunc enim bonus, id est electos, malosque, id est prescitos, communiter quasi permixtos  pisces fidei sagena continet. Ecce quarta similitudo. Sed litus sancte ecclesie indicat sagena quid trahebat, scilicet per vocationem ad fidem, et addit beatus Gregorius: Et quidem pisces maris capiti qui fuerunt mutari non possunt, nos autem mali capimur sed in bonitate permutamur. Per hoc innuit quod predestinati mali in bonitatem finaliter permutantur. Vox ergo beati Gregorii est predestinatorum vox, qui malicia percussi a sancta ecclesia in bonitatem per baptismum vel per penitenciam revocantur.

            Et ex hiis patet secunde auctoritatis exposicio de nupciis, in quibus congregantur per fidem boni et mali, qui permiscentur in sancta ecclesia, sed mali non sunt veri filii, sicut nec sunt veri amici, quia carent veste naupciali, que est caritas predestinacionis, unde illis quasi uni dicet rex nupciarum: Amice, quomodo huc intrasti, non habens vestem nupcialem, ubi dicit Gregorius: Mirandum valde est, fratres karissimi, quod hunc et amicum vocat et reprobat, ac si apcius dicat. Amice et non amice: amice per fidem non amice per operacionem. Hec Gregorius.

            Et patet tercie auctoriatis exposicio, quia de regno sancte ecclesie colligent omnia scandala, et id est eos qui faciunt iniquitatem, id est peccatum finalis inpenitencie. Ecce ibi tanguntur presciti.

            Ad quartam auctoritatem que dicit: Qui ergo solverit unum de mandatis istis minimis, loquitur pernitenter beatus Augustinus Super Johannem, Super illo Joh. XXI,11: Simon Petrus traxit rethe in terram plenum magnis piscibus centum quinquaginta tribus. Qui ergo, inquit, solverit unum de mandatis istis minimis et docuerit sic homines, minimus vocabitur in regno celorum. Qui autem fecerit et docuerit magnus vocabitur in regno celorum.“ Iste ergo poterit pertinere ad numerum piscium magnorum. Minimus autem ille, qui solvit factis quod docet verbis, in tali ecclesia potest esse quales signat piscium illa prima captura, habens bonos et malos, quia et ipsa dicitur regnum celorum, propter quod ait: „Simile est regnum celorum sagene misse in mare et ex omni genere piscium congreganti.“ Ibi wlt eciam intelligi bonos et malos, quos dicit in littore, id est in fine seculi, separandos. Deinde, ut ostenderet istos minimos preprobos esse, qui docent bona loquendo, que solvunt male vivendo nec quasi minimos in vita eterna futuros, sed omnino ibi non futuros; cum dixisset: „ Minimus vocabitur in regno celorum,“ continuo subiecit, „Dico enim vobis, nisi habundaverit iusticia vestra plus quam scribarum et phariseorum, non intrabitis in regnum celorum.“ Illi certe sunt scribe et pharesei, qui kathderam Moysi sendent, et de quibus ait: „Que dicunt facite, que autem faciunt facere nolite. Dicunt enim et non faciunt.“ Docent sermonibus quod solvunt moribus. Consequens est ergo, ut qui minimus est in regno celorum qualis tunc rit in ecclesia qoniam docendo quod solvit, ad eorum societatem, qui faciunt quod docent non pertinebit, et ideo non erit in numero piscium magnorum, quoniam „qui fecerit et docuerit magnus vocabitur in regno celorum.“ Et quia hic magnus erat, ideo ibi erit ubi minimus ille non erit. Usque adeo quippe ibi magni sunt erunt, ut qui ibi minor est maior sit eo, quo hic magni sunt, id est in regno ceolorum, ubi sagena congregat bonos et malos. Unde qui faciunt bona que docent ipsi erunt in illa regni celorum eternitate maiores, quos isti ad dexteram et ad resurreccionem pertinentes vite indicant pisces. Hec Augustinus. Ex cuius verbis habetur eadem sentencia, que et Gregorii, quod ecclesia colligit electos et prescitos in fide. Secundo habetur quod illi, qui in ecclesia docet et kathedras dignitatum tenent et mandata die solvunt, sunt reprobi. Nam dicit denique ut ostenderet istos minimos reprobos, qui docent bona loquendo que solvunt male vivendo nec quasi minimos in vita eterna futuros, sed omnino ibi non futuros.

            Tercio habetur quod fideles christiani mandata die implentes opere sunt magni in ecclesia sancta die, et prelati presidentes et mandata solventes sunt minimi. Et si sunt presciti tunc non erunt in regno die. Erubescant ergo Antichristi discipuli, qui viventes Christo contrarie, dicunt se esse maximos in ecclesia sancta die et superbissimos, ac avaricia et fastu seculi püollentes publice vocant capita et corpus sancte ecclesie, qui secundum Christi ewanglium minimi sunt vocandi.

            Quarto habetur quod magni pisces 153 in dextra navigii capti significant predestinatos, inter quos qui docuerunt et fecerunt mandata die ceteris paribus sunt maiores.

            Ad quintam confirmacionem ewangleii: Ipse vos baptizibat in spiritu sancto etc., conceditur, quod ecclesia sancta est area domini, in qua sunt secundum fidem boni et mali, predestinati et presciti nunc permixti, predestinati ut tricitum, presciti ut palea, primi in horreum celestis patrie congregandi, reliqui igne inextingwibili comburendi, ut dicit ewangelium et exposicio Augustini. Sed sicut palea semper manet palea, sic prescitus semper manet prescitus, etsi aliquando sit in gracia secundum presentem iustificiam, tamen unquam est pars sancte ecclesie. Et sicut tricitum semper manet triticum, sic predestinatus semper manet predestinatus et membrum ecclesie, , licet aliquando excidat a gracia adventicia, sed non a gracia predestinacionis. Unde sub sentencia Augustini, XXXII qu. 4, c. 2, Recurrat, sic habetur: Itaque sive intus versari videantur, sive aperte foris sind, quod caro est caro est, sive in  area in sua sterilitate perseverent, sive occasione temptacionis tamquam vento extra tollantur, quod palea est palea est, et semper ab illius ecclesie, que sine macula et ruga est, unitate divisus est eciam qui congregacioni sanctorum in carnali obduracione miscetur.  De nullo tamen desperandum est, sive qui intus talis appareat, sive qui foris manifestus adversetur. Hec Augustinus. Unde perinenter dicit Johannes Baptista domini, quod ipse purgabit, scilicet  in die iudicii, aream suam, id est ecclesiam sanctam, et congregabit triticum in horreum, id est predestinatos in patriam. Paleas autem, id est prescitos, comburet igne inextingwibili.

             Unde Augustinus De Fide ad Petrum c. ultimo, ut allegatum est, dicit: Firmissime tene et nullatenus dubites aream dei esse katholicam ecclesiam et in ea usque in finem seculi frumento mixtas paleas contineri. Hinc eciam bonis malos sacramentorum communione misceri; et in omni professione sive clericorum sive laycorum bonos esse simul et malos. Et infra: In fine vero seculi bonos a malis eciam cum corpore separandos, quando venit Christus habens ventilabrum in manu et permundabit aream suam et congregabit tricitum in horreum. Paleas autem comburet igne inexttingwibili, quando per iudicium iustum segregabit iustos ab  iniustis, bonos a malis, rectos a perversis. Bonos constituet adextris, malos a sinistris, et ex eius ore iusti eterni iudicii sempiterna atque  incomutablili prolata sentencia iniqui omnes ibunt in combustionem eternam, iusti autens in vitam eternam; iniqui semper arsuri cum dyabolo, iusti autem regnaturi sine fine. Hec Augustinus.

            Et patet ex sanctorum exposicione, quomodo in Christi parabolis presciti signantur per malos pisces, per malos convivas naupciarum, per hominem non vestitum in nupciis veste nupciali, per paleas, per zizania, per semen malum, per arborem malam, per fatuas vigines, per edos. Econtra vero modo opposito predestinanti signantur per bonos pisces, per bonos convivas, per hominem vestitum veste nupciarum, per triticum, per semen bonum, per arborem bonam, per prudentes virgines atque oves. Hiis pensatis cavere debet fidelis ab ista consequencia: presciti sunt in ecclesia sancta die, ergo sunt pars eius, nam dictum est, quod aliud est esse in ecclesia et aliud de ecclesia vel esse partem vel membrum ecclesie. Sicut non sequitur: palea vel zizania est in tritico vel miscetur tritico, ergo palea est triticum, sic in proposito. Similiter sicut non sequitur: stercus vel ulcus est in corpore hominis, ergo est pars eius, sic non sequitur: prescitus est in corpore mistico ecclesie, ergo est pars eius. Iterum hec consequencia non valet: iste est in gracia secundum presentem iusticiam ergo est pars vel membrum ecclesie sancte katholice. Sed hec bene valet: ist est in gracia predestinacionis, ergo est pars vel membrum ecclesie sancte. Et iterum hec non valet: Petrus est in crimine,  ergo non est pars vel membrum ecclesie sancte, sed bene sequitur, quod tunc non est in ecclesia secundum graciam presentis iusticie. Et argucie huiusmodi cognoscentur, pensando quid est esse in ecclesia et quid esse membrum vel partem ecclesie, et quod membrum ecclesie sancte katholice facit predestinacio, que est preparacio gracie in presenti et glorie in futuro; non autem locus dignitatis vel humana eleccio vel aliquod signum sensibile, cum dyabolus Scarioth, on obstante Christi eleccione et carismatibus temporaneis ad apostolatum sive episcopatum sibi datis, eciam com reputacione populi, quod fuit verus Christi discipulus, non fuit verus eius discipulus sed lupus pelle ovina tectus, ut dicit Augustinus, et per consequens nec predestinatus et sic nec pars ecclesie sponse Christi.

            Ex quo patet quod nimis magna foret presumpcio quemquam sine revelacione vel formidine asserere, quod ipse sit membrum illius sancte ecclesie. Nam nemo nisi predestinatus tempore suo sine macula vel ruga est membrum illius ecclesie. Sed nemo sine formidine vel revelacione assereret, quod ipse sit predestinatus ac sanctus, sine macula vel ruga, ergo comclusio. Unde valde est mirabile qua fronte magis seculo dediti, magis seculariter et enormiter viventes, elongati a Cjristo conversacione, et plus steriles ab explecione Christi consilii et precepti sine formidine asserunt se fore capita vel corpus vel membra precipua ecclesie sponse Christi. Nunquid credimus quod illi sunt sine macula mortalis vel  sine ruga venialis peccati, cum desercio Christi consilii, cum  ocio sancti officii et cum operibus docent plus sentire oppositum, cum dicat sponsus ecclesie: A fructibus eorum cognoscetis eos, Matt. VII,20, et Joh. X,38 dicit: Operibus credite, et Matt. XXIII,3: Secundum opera eorum nolite facere; dcunt enim et non faciunt?

            Sed obicitur contra ista primo per hoc, quod quicunque clericus caractere vel signo sensibili per prelatum in reputacione ecclesie insignitus est pars sancte matris ecclesie et solum multitudo talium clericorum est ecclesia, anthonomasice dicta, quam debemis specialiter honorare, quia aliter sequitur, quod christiani non congnoscerent matrem suam. Ymo ipsa incognita non solverent sibi debitum corporale, ut oblaciones et decimas, et sequeretur nimis magna confusio in ecclesia militante.

            Hic dicitur negando antecedens. Nam in Juda electo ad ministerium episcopatus per Christum, qui errare non poterat, datur instancia. Ipse enim prescitus nunquam fuit verus Christi discipulus, ut probat Augustinus, sed fuit lupus ovina pelle tectus et semper fuit palea et granum lolii sive zizanie. Similiter negatur secunda pars antecedentis. Nam ecclesia anthonomasice dicta est sponsa Christi, que est predestinatorum universaitas, ut dictum est. Si enim ipsa universitas est principalissima sponsa Christi, tunc ipsa est anthonomasice ecclesia sancta, cum ipsa sit unica columba et regina, stans a dextris regis, cui adolescentule virgines adducentur. Unde sicut tempore viacionis cleri, cum quo Christus conversabatur ipsum clerum, pontifices, sacerdotes et phariseos, gradus sacerdocii, observancia tradicionum, quas ipsi statuerant cum affirmacione, quod ipsi habent patrem deum et quod sunt semen Abrahe et nemini servierunt unquam, eciam cum  estimacione populi, hec omnia non fecerunt, quod ille clerus sit ecclesia sancta anthonomasice dicta in veritate, cum Christus, Matt.  XV,14, dixit de illis, quod sinerent eos discipuli scandalizari, quia ceci sunt et duces cecorum. Sic stat quod particularis multitudo cleri non ex eo est ecclesia sancta anthonomasice dicta, quia illa multitudo affirmat se esse ecclesiam illam sanctam. Et patet quod tres consequencie non valent. In prima inferebatur quia aliter sequitur, quod christiani non cognoscerent matrem suam, nam oportet nos ex fide cognoscere matrem nostram sicut triumphantem ecclesiam; Christum, matrem suam ac suos apostolos cum beatis angelis et multis sanctis cognoscimus ex fide. Viantes autem atque dormientes satis confuse cognoscimus et inperfecte. Cum autem venerit, quod perfectum est, evacuabitur quod es parte est, quia in patria clare intuebimur matrem nostram cum singulis eius. Nec mumuret fidelis sed congaudeat veritati, quod sancta mater ecclesia sit sibi tantum incognita hic in via, quia super isto stat meritum fiedei christiane. Nam secundum Apostolum Ad Hebr. XI,1: Fides est substancia sperandarum, argumentum non apparencium, hoc est non sensibiliter apparencium hic in via. Racionem autem predestinacionis vel caritatis, que non excidit, que est vestis nupcialis distingwens membrum ecclesie a membro dyaboli non hic sensibiliter intuemur. Nam secundum Augustinum: Actus fidei est credere quod non vides. Et patet oppositum secunde colvimus debitum sancte ecclesie, dum, habentes Christum supremum pontificem, ministris eius, quos ex operibus secundum fidem confusam habemus pro minsitris, vel pauperibus, quos confuse supponimus esse membra Christi, pro sustentacione corporis temporialia ministramus.

            Et si obicitur quod quilibet laycus tenetur credere de suis prelatis, quod ipsi sunt capita ecclesie et partes ecclesie vel secundum predestinacionem vel secundum presentem iusticiam, hic dicitur, quod laycus non tenetur credere de suo preposito nisi verum. Patet quia nemo tenetur quicquam credere, nisi ad quod movet eum deus credere, sed deus non movet hominem ad credendum falsum, licet enim ex fide falsa quandoque occasionaliter bonim proveniat, et deus moveat ad substanciam actus. Tamen deus non movet sic hominem, ut fallitur. Unde si laycus crederet de suo prelato, quod ipse sit sanctum membrum ecclesie et ita non esset, fides sua vel credere suum foret falsum. Pator ergo tenetur per instruccionem virtuosorum operum monere subditum, quod sit talis. Unde si subditus non cognoscit sui prepositi sua virtuosa opera, non tenetur credere, quod sit talis secundum presentem iusticiam et cum formidine ac condicionaliter, quod sit talis simpliciter, scilicet secundum predestinacionem. Si vero manifeste cognoscit eius crimen, tunc debet supponere ex opere, quod tunc non est iustus sed unimicus Ihesu Christi. Et patet quod consequens tercie consequencie est falsum. Nulla enim confusio est in ecclesis militante ex hoc, quod sine revelacione non cognoscimus ditincte membra mistici corporis Christi iam viantis.

            Se adhuc obicitur, quia es quo gracia facit filios ecclesie sicut peccatum facit membrum diaboli aut eciam infideles, videtur quod homo postest fieri membrum ecclesie postquam fuerit infidelis, sicut de membro ecclesie potest fieri membrum dyaboli. Quis enim dubitat quin Scarioth, quando fuit verus apostolus,  fuit eciam membrum ecclesie, sicut Paulus, quando fuit blasphemus, divisus fuit a sancta matre ecclesia? Hic dicitur quod ecclesia sumitur vere et reputative vel nuncupative vere, ut dictum est, pro predestinatis. Nuncapative vocatur ecclesia eciam prescitorum congregacio, licet ex nudo errore viancium fuerit de sancta matre ecclesia reputata. Sic et multi secundum famam seculi vocantur ecclesie capita vel membra, licet secundum die prescienciam sunt membra dyaboli, que ad tempus credunt et post recedunt, vel eciam nunc et semper sunt infideles.  Et isto modo, ut supradictum est secundum Augustinum, fuerunt discipuli Christi, qui abierunt retro, et iam non cum ea ambulabant. Similiter Scarioth, qui erat discipulus Christi fictus, de quo dicit Augustinus Super Johannem, ostendens quomodo oves audierunt vocem Christi: Sed quid, inquit, putamus? Qui audierunt oves erant? Ecce audivit Judas et lupus erat. Sequebatur, sed pelle ovina tectus pastori insidiabatur. Hec ille. Isto ergo modo multi reputative eciam secundum presentem iusticiam dicuntur esse de ecclesia sed non vere secundum predestinacionem ad gloriam. Qui autem sunt illi docet Augustinus Super Johannem dicens: Novit dominus qui sunt eius; novit qui permaneant ad coronam, qui permaneant ad flammam; novit in area sua triticum, novit paleam, novit segetem, novit zizania. Ceteris autem est illud incognitum qui sunt columbe et qui corwi.

Quelle
Johannes Hus: De ecclesia, in: Archive de Strasbourg, Ms 168, fol. 239. Text: Der Traktat De ecclesia ist in 19 Handschriften in Berlin, Klosterneuburg, Prag, Wien und Altbunzlau überliefert. Die Handschrift der Klosterbibliothek Klosterneuburg ist digitalisiert und online abrufbar unter http://manuscripta.at/diglit/AT5000-356/1/thumbs (6.7.2018). 
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Erstellt
26.11.2019 
Zuletzt geändert
24.07.2020 

Es wird empfohlen, die Quellen stets in der Originalsprache zu zitieren.

Johannes Hus: De ecclesia, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul "Hus und die Hussiten", bearb. von Thomas Krzenck. URL: https://www.herder-institut.de//digitale-angebote/dokumente-und-materialien/themenmodule/quelle/3150/details.html (Zugriff am )