Hus und die Hussiten - Über das Modul

Bearbeiter: Thomas Krzenck (Leipzig)

Erstveröffentlichung: Dezember 2019

Das „hussitische Jahrhundert“: Von der Reformpredigt in den 1360er Jahren zur erzwungenen Toleranz aus Notwendigkeit nach 1436 (böhmische Reformbewegung vor 1400, Johannes Hus, hussitische Revolution: die böhmischen Länder im Spannungsfeld gesellschaftlicher Umbrüche)

Im Jahre 1362 berief Karl IV., von Gottes Gnaden römisch-deutscher und böhmischer König sowie Kaiser des Sacrum Imperium Romanum, den aus dem Augustinerchorherrenstift Waldhausen in Oberösterreich stammenden Sittenprediger Konrad nach Prag. Der bereits in Wien als Kritiker der Steuerfreiheit des Klerus hervorgetretene Konrad prangerte nunmehr an Prager Kirchen – mitten in Karls Herrschaftszentrum - wortgewaltig vor den Spitzen der hauptstädtischen Gesellschaft in lateinischer und deutscher Sprache Sittenverfall, Luxus und Prunk als Missstände an, die dem Ideal einer armen Kirche zutiefst widersprächen. Konrad von Waldhausen, mit dem die „geistige Genealogie des Hussitentums in Böhmen“ beginnt“,[1] legte mit seiner Predigttätigkeit dabei den Grundstein für eine auf sittliche und moralische Erneuerung der Kirche seiner Zeit ausgerichtete Reformpredigt, die seine Nachfolger aufnahmen und weiterentwickelten – in einer Welt, die scheinbar immer mehr aus den Fugen geriet.

Genau 100 Jahre später (1462) hob Papst Pius II. die Basler Kompaktaten als erzielten Kompromiss zwischen dem Konzil und den Hussiten in Anwesenheit einer böhmischen Delegation auf - u. a. mit der Begründung, das Konzil habe allein den damals lebenden Hussiten die Kompaktaten zugestanden, keineswegs jedoch nachfolgenden Generationen.[2] Der 1433 auf der Kirchenversammlung am Oberrhein als Ergebnis von Verhandlungen zwischen Sigismund von Luxemburg sowie dem Papst auf der einen und den gemäßigten Utraquisten erzielte und 1436 in Iglau konfirmierte Kompromiss in Glaubensfragen – im Kern sollten die Vier Prager Artikel in Böhmen ihre „offiziell“ Gültigkeit erhalten - fußte von Beginn an auf wackligem Boden. Die Taboriten lehnten diesen Kompromiss ab, schieden freilich nach der verheerenden Niederlage bei Lipany als politische Kraft aus. Die römische Kirche ihrerseits beabsichtigte keineswegs eine dauerhafte Sonderreglung für Böhmen, d. h. die Existenz zweier Konfessionen, zu akzeptieren. Immer wieder schien das fragile Konstrukt einer Toleranz aus Notwendigkeit bei machtpolitischen Konflikten einsturzgefährdet. Der 1458 als „nationaler“ König gewählte utraquistische Magnat Georg von Podiebrad suchte denn auch erfolglos in offiziellen Gesprächen mit der römischen Kirche eine offizielle Bestätigung der Kompaktaten zu erreichen.[3]

Die beiden Jahreszahlen – 1362 bzw. 1462 - markieren weder den Beginn noch das Ende eines „hussitischen Jahrhunderts“ in der böhmischen Geschichte[4], das auch die „vorhussitische“ Zeit einschließt, aber sie sind wichtige Meilenstände bzw. Orientierungspunkte innerhalb vielschichtiger Prozesse, die sich im Königreich Böhmen, wie es sich unter staatsrechtlichen Aspekten am Beginn und am Ende präsentierte, vollzogen und in vielen Bereichen – insonderheit in den Macht- und Sozialstrukturen -dauerhafte Veränderungen heraufbeschworen. Die Wurzeln reichen dabei in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurück, das noch immer wie ein „distant mirror“, ein ferner Spiegel, erscheinen mag, wie die amerikanische Historikerin Barbara Tuchmann 1978 ihre klassische Darstellung dieses außergewöhnlichen Säkulums nannte.[5]

Die Regierungszeit Karls IV. – ein scheinbar „goldenes Zeitalter“ mit ersten Rissen

Mit dem Tode Karls IV., den die Tschechen in einer Umfrage im Jahre 2007 zum größten Tschechen aller Zeiten kürten, ging nach gut drei Jahrzehnten ein scheinbar „Goldenes Zeitalter“ zu Ende.[6] In seinen 32 Regierungsjahren vermochte Karl, dem – mit Blick auf seine fragilen Anfänge als Herrscher, der Ruf eines Pfaffenkönigs vorausgegangen war, und dem in der Rückschau jener Ruf eines Friedenskaisers folgte, zumindest in Mitteleuropa, die Krisen seiner Zeit zu bannen. Gewiss hinterließ Karl IV. seinen Erben auch die Fehler seiner Politik (Spaltung des Papsttums, Aufstände der Mittelschichten in den Städten, Entscheidungskampf  zwischen Städten und Fürsten etc.). Auch haben die Grundlagen zur politischen Zentralisation des Reiches, wie der Luxemburger sie legte, die Folgezeit nicht überstanden. Immerhin: Erstmals gab es einen sehr großen geschlossenen, noch ständig wachsenden Territorialkomplex mitten im Reich, der dem König als Hausmacht erblich zur Verfügung stand; dieser Komplex – im Herzen Mitteleuropas – griff nach Norden und Westen hegemonial, vom Zentrum Böhmen ausgehend, immer weiter aus. Die Kurfürsten sahen sich von diesem zuletzt scheinbar übermächtigen Königtum gespalten, das am Ende drei von sieben Wählerstimmen selbst besaß und tatsächlich zum ersten Mal seit der Stauferzeit die Sohnesnachfolge durchsetzte, wobei der Herrscherhof das einzige große Zentrum politischen Lebens im Reich bildete.

Als „blendender Meister politischer Taktik, von Kompromissen, überraschenden Manövern und Intrigen wusste Karl IV. mit außerordentlichen und  bewunderungswürdigem Geschick auch das aktuelle ideologische Rüstzeug und seine guten Kenntnisse der scholastischen Theologie im machtpolitischen Ringen mit den damaligen Machtzentren Europas (den Päpsten in Avignon, den europäischen Herrschern und Reichsfürsten) ins Feld zu führen“.[7] Dies alles findet als Erfahrungswert seine Reflektion in seiner Autobiographie, einem beachtenswerten Werk, das – auch als Anleitung für seine Nachfolger gedacht – das (stilisierte) Bild eines Herrschers als „frommer Mönch auf dem Thron“ nach außen tragen und festigen sollte! „Karls politischer Realismus“, so der tschechische Mediävist und Karl-Biograph Jiří Spěváček, „der manchmal sogar an Zynismus grenzte und einige Elemente machiavellistischen Denkens vorwegnahm, konnte und durfte natürlich im ‚Fürstenspiegel’ eines vorbildlichen Herrschers, den seine Autobiographie verkörpern sollte, nicht zum Ausdruck kommen. Vielleicht hatte Karl IV. daher auch gar nicht die Absicht, in der Schilderung seines Lebens und in seiner Selbsteinschätzung weiter fortzufahren als bis zu dem Zeitpunkt, wo ihm beide Königsthrone zufielen.“[8]

Mit Karls Tod endete im Grunde genommen ein Zeitalter. Karl IV. hatte zu jener „Generation der Großen“ gehört (Erwähnung verdienen in diesem Zusammenhang Kasimir III. der „Große“ von Polen, Ludwig I. von Ungarn sowie der Hochmeister des Deutschen Ordens Winrich von Kniprode), die ihr Land im Inneren festigten und modernisierten. Karl IV. – er stellte das entscheidende Bindeglied zwischen der imperial ausgerichteten Politik seines Großvaters, Kaiser Heinrichs VII., und seines zweitgeborenen Sohnes, des späteren Kaisers Sigismund, dar. Letzterem gelang es noch einmal, in einem Akt großer Kraftanstrengung, mehrere Kronen auf seinem Haupte zu vereinigen. Unter Karls Herrschaft erlebte die Dynastie der Luxemburger eine Blütezeit, weitgehend mit friedlichen Mitteln, zu denen an erster Stelle eine wie ausgreifende Heiratspolitik gehörte, erreicht. Karl IV. schuf Bleibendes auf verschiedenen Ebenen. Genannt werden muss natürlich die „Goldene Bulle“, die als eine Art Grundgesetz des Alten Reiches faktisch bis zu dessen Ende in der napoleonischen Ära Geltung besaß. Es sind aber auch und gerade die Bauwerke, mit denen der Luxemburger seine Residenzstadt, die böhmische Landesmetropole, ausstattete – zum Wohle der Moldaustadt und zu seiner eigenen dauerhaften sowie für alle Welt sichtbaren machtpolitischen Repräsentation.

Mit dieser überdynastischen Auffassung der Böhmischen Krone hingen auch Maßnahmen zusammen, mit deren Hilfe Karl die Untrennbarkeit der neu gewonnenen Länder von der Böhmischen Krone proklamierte. Als rechtlich höchste Stufe der Eingliederung wurden Inkorporationsurkunden angesehen, deren Form Karl aus dem kirchlichen Bereich übernahm, um die Unauflösbarkeit des Akts der „Einverleibung“ oder „Inkorporierung“ zu betonen. Auf diese Weise sicherte er die Regierung des böhmischen Königs über die schlesischen Fürstentümer und die Oberlausitz (1348), über die böhmischen Besitzungen in der Oberpfalz (1355) und über die Niederlausitz (1370). Er musste insgesamt versuchen, so Ferdinand Seibt, „durch unmittelbare Macht in Böhmen, Mähren und Schlesien auszugleichen, was ihm an Einfluss in Deutschland verwehrt war.“[9] Schon die Zeitgenossen, so Martin Kintzinger, entzweiten sich im Urteil, welches der von Karl IV. bestellten Felder das Wichtigste war. Diejenigen, die ihn später einen „Vater Böhmens, aber Stiefvater des Reichs“ schalten, hatten ihre Antwort gefunden. [10]

Doch der scheinbar äußere Glanz königlicher Größe und imperialer Strahlkraft vermochte nur mühsam die Risse im inneren Gefüge des luxemburgischen Machtkomplexes zu verbergen. Denn wenn Jahrzehnte später, nach dem Umsturz im Juli 1419 und nach dem Tode von Karls Sohn und Nachfolger Wenzel IV. auf dem römisch-deutschen (bis zur Absetzung im Jahre 1400) und böhmischen Thron, die Machtorgane des „allerchristlichsten“ Königreiches Böhmen, eines „der erhabensten Glieder des Sacrum Imperium“, und die alten, über Jahrhunderte hinweg gefestigten Institutionen und Ordnungen sich vorübergehend oder dauerhaft auflösten, dann wird im Grunde genommen klar, dass die Ursachen für den Ausbruch der hussitischen Revolution in einem – nationale wie internationale Faktoren reflektierenden – Prozess zu suchen sind, dessen materielle, soziale, ideologische, konfessionelle wie ethnisch-nationale Ursachen erst allmählich zum Vorschein kamen, dann aber eine immer raschere Beschleunigung erfuhren, so dass der Blick zunächst auf die politische Geographie des – später revolutionären – Schauplatzes gelenkt werden soll: Während auf einer Karte die räumlichen Dimensionen der hussitischen Revolution im Kontext mittelalterlicher Häresie-Bewegungen sichtbar gemacht werden, rücken auf einer zweiten Karte die Anfänge der kirchlichen Reformbewegung und die Anfänge des Hussitismus anhand der in Böhmen und Mähren hervortretenden Regionen und Städte in den Mittelpunkt.

Die politische Geographie des revolutionären Schauplatzes

Die Länder  der Böhmischen Krone umfassten dabei unter der Regierung Wenzels IV. (1378-1419) das Königreich Böhmen, die Markgrafschaft Mähren, das Bistum Olmütz, das Herzogtum Troppau, 13 schlesische Fürstentümer, die Markgrafschaft der Ober- und Niederlausitz, das Herzogtum Luxemburg sowie bis 1415 die auf besondere inkorporierte Mark Brandenburg, wobei die Gesamtfläche dieser Länder annähernd 135.000km2 betrug, auf denen um 1350 Schätzungen zufolge etwa drei Millionen – davon in Böhmen und Mähren knapp zwei Millionen - Menschen lebten.[11]  Etwa 80 Prozen der Menschen lebten damals auf dem Lande, während sich die Zahl der in den 38 böhmischen und elf mährischen königlichen Städte lebenden Menschen auf ungefähr 136.000 belief. Hinzu kamen annähernd 200.000 Personen in den 330 böhmischen und mehr als 100 mährischen Untertanenstädten und Kleinststädtchen, die eher einen ländlichen Charakter als einen ausgeprägt handwerklich-kaufmännischen Wesenszug besaßen.[12] Die städtische Bevölkerung machte ungefähr 15-17% der Einwohnerschaft Böhmens und Mährens aus, der Rest entfiel auf den Adel (3-5%), die Geistlichkeit (wohl etwas mehr als ein Prozent!) sowie sozial nicht verifizierbare Einzelpersonen.

Im Vergleich zum benachbarten Polen sowie zum Königreich Ungarn zeichneten sich die böhmischen Länder durch ein Höchstmaß an Urbanisierung aus. Prag mit seinen etwa 40.000 Einwohnern besaß dabei auch im europäischen Vergleich - von Paris, Venedig und Mailand einmal abgesehen - einen großstädtischen Charakter. Zum Vergleich: vor der Pestepidemie lebten in Nürnberg 30.000, in Breslau annähernd 10.000 Menschen. Mit deutlichem Abstand folgten in Böhmen und Mähren Kuttenberg, das Zentrum des böhmischen Silberbergbaus, mit ca. 10.000 Einwohnern, sowie das südmährische Brünn mit 8.400 Einwohnern. Was die Siedlungsdichte anbetrifft, erstreckte sich ein breiter Streifen von Brüx (Most) an den Hängen des Erzgebirges bis Königgrätz (Hradec Králové) – Prag eingeschlossen – mit einer Bevölkerungsdichte von 55-65 Personen je Quadratkilometer; die gleiche Dichte wiesen ein kleines Gebiet um das westböhmische Pilsen sowie zwei sichelförmige Streifen von Brünn bis Znaim (Znojmo) in Südmähren und parallel hierzu von Olmütz in südlicher Richtung entlang der March auf. Das übrige Land war folglich geringer besiedelt, doch gehörten die böhmischen Länder insgesamt mit zu den am dichtesten besiedelten Territorien im damaligen Europa.

In ethnisch-nationaler Hinsicht dominierte die tschechische Bevölkerungsmehrheit vor den im Zuge der hochmittelalterlichen Kolonisation eingewanderten, sesshaft gewordenen und partiell mit den einheimischen Slawen durch Heiraten vermischten deutschen Zuwanderern, wobei die Deutschen in einer Reihe von ökonomisch wie politisch gleichermaßen bedeutsamen, böhmischen und mährischen Städten die Ratsmehrheit stellten und zugleich den traditionellen (katholischen) Werten treu blieben.[13] An der Spitze des Staatsgefüges stand der von einem Kronrat als freiem Beratungsorgan unterstützte Herrscher. Zwar gab es von Zeit zu Zeit einberufene Landtage, ohne das letzterer allerdings als korporatives Machtorgan fungiert hätte. Mit dem Tod des mährischen Markgrafen Jost im Januar 1411, für drei Monate zuvor auch römisch-deutscher König, trat der böhmische König auch in Mähren als unmittelbarer Landesherr in Erscheinung, wobei die enge Verflechtung beider Länder im Personal der jeweiligen hohen Landesbeamten die Entstehung einer zeitweilig reformorientierten Einheit des böhmisch-mährischen Adels ohne Zweifel begünstigte. Eine Illumination im Modul - im 1430 durch den Stadtschreiber Wenzel von Iglau begonnenen Memorialbuch der Stadt Olmütz – zeigt, wenn auch in stilisierter Form, drei Luxemburger: Karl IV., Wenzel IV. und Jost von Mähren, die gleichsam symbolhaft als Herrscher im Reich, in Böhmen und in Mähren für die Jahre bis 1419 stehen, und in deren Regierungszeit jene sich beständig verschärfenden innenpolitischen Konflikte fallen, die dann 1419 zum Ersten Prager Fenstersturz und zum Ausbruch der Revolution führen sollten. Sigismund von Luxemburg (1368-1437), der Sohn Karls IV. aus dessen dritte Ehe mit Anna von Schweidnitz und Halbbruder Wenzels IV., sollte dann derjenige letzte Vertreter seines Hauses in männlicher Linie sein, der als ungarischer, römisch-deutscher und böhmischer König sowie römischer Kaiser (seit 1433) den Glanz der Luxemburger noch einmal in großer Pracht erstrahlen ließ, der aber zugleich zäh und mehr als eineinhalb Jahrzehnte mit lange mäßigem Erfolg um sein böhmisches Erbe kämpfen musste und der sich darüber hinaus mit den vielen Krisenherden in Lateineuropa und an dessen Grenzen konfrontiert sah und auf mehreren Schauplätzen politischen Geschehens zugleich agieren musste.

Die Reflektion der internationalen Krisensymptome in Böhmen

Das Zentrum der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und konfessionellen Entwicklung, die schließlich in die hussitische Revolution münden sollte, bildeten Böhmen und Mähren als Kern des erwähnten Länderkomplexes der Böhmischen Krone, weil hier in unterschiedlicher Abstufung die sich abspielenden Prozesse machtpolitischer, konfessionell-religiöser und kulturell-sprachlicher Wandlungen kulminierten, wobei die vielschichtigen Veränderungen stets im internationalen Kontext der Probleme jener Zeit zu betrachten sind. Die zweite Hälfte des 14. und die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts bildeten in der Geschichte des westchristlichen Europas eine Krisenzeit, die nahezu alle Gebiete des Lebens erfasste. Auch wenn in der Forschung die Diskussionen über das Wesen dieses Phänomens anhalten, wird offenkundig, dass bei der Entstehung der negativen Erscheinungen innere und äußere Faktoren zum Tragen kamen. Deren Vermischung stürzte dann den größten teil Europas in einen sich beschleunigenden Strudel der Destabilisierung, von der nach 1450 freilich ein neuerlicher Aufschwung ausging, der unmittelbar an die Schwelle der Neuzeit führte. Als Hauptursachen für die Krise wird im Allgemeinen die Erschöpfung der wirtschaftlichen Dynamik angesehen. Nach der glänzenden Epoche dörflicher Kolonisierung und der Entfaltung der städtischen Wirtschaft im 12. und 13. Jahrhundert verlangsamte sich deren Tempo zu Beginn des 14. Jahrhunderts und verwandelte sich in Westeuropa in Stagnation und Depression. Dies wurde insbesondere in der Landwirtschaft sichtbar, in der auch weiterhin 80-90 Prozent der europäischen Bevölkerung tätig war. Bis auf partielle Innovationen erstarrte die Agrartechnik, was auch für die dörfliche Kolonisierung gilt, und viele ungünstig gelegene Dörfer litten unter schlechter Bodenqualität, unzureichenden Trinkwasserquellen sowie der erheblichen Entfernung von bedeutenden Kommunikationswegen, so dass Wüstungen entstanden, so dass sich die Natur nicht selten verloren gegangenes Terrain zurückholte.

Unter den äußeren Faktoren, die die Krisensymptome in Europa vertieften, spielte unbestritten die Pest, die ihren Ausgang in Asien nahm und in den Jahren 1347-1352 einen Großteil des europäischen Kontinents, eine maßgebliche Rolle, wobei die Menschen schutzlos dieser Pandemie ausgesetzt waren, die verheerende Folgen besaß – zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung erlag dieser Seuche, Schätzungen zufolge etwa 18 Millionen Menschen, d. h. rund ein Viertel der Bevölkerung. In Böhmen wütete der Schwarze Tod mit deutlicher, zeitlicher Verspätung in mehreren Wellen seit 1380/181 zwar nicht so verheerend, wie in anderen Teilen des Kontinents, dennoch hinterließ die Seuche ihre Spuren in allen gesellschaftlichen Schichten. In den Jahren 1380/81 erhöhte sich beispielsweise die Sterblichkeitsrate adeliger Besitzer von Grund und Boden im Vergleich zu gewöhnlichen Jahren um das Dreifache, des Pfarrklerus zum Teil um das Zwanzigfache, aber auch Ordensangehörige (allein im Kloster Pomuk starben im September 1380 43 Brüder) und Stadtbewohner blieben nicht verschont.[14]In der Folge sank die Einwohnerzahl in den böhmischen Ländern Schätzungen zufolge im ausgehenden 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts um annähernd 30 Prozent! Der Schwarze Tod jedenfalls und die wiederholten Epidemien des 14. und 15. Jahrhunderts waren die verheerendsten Naturkatastrophen, die Europa jemals heimgesucht haben. Katastrophen mit mentalitätsgeschichtlichen Langzeitwirkungen, die Europa einen Vorgeschmack apokalyptischer Erfahrungen in nachfolgenden Jahrhunderten vermitteln sollten. Hinzu kamen eine monetäre Krise sowie eine weitere Phase in der Auseinandersetzung mit dem Islam, diesmal im europäischen Südosten. Die Unfähigkeit der landesherrlichen Gewalten, vor dem Hintergrund des Großen Abendlichen Schismas seit 1378 Sicherheit und Recht zu garantieren, goss Wasser auf die Mühlen der Existenz zahlreicher Banden, die den Kontinent von den Pyrenäen über die Karpaten, vom Baltikum bis zur Adria unsicher machten.

Die Folgen dieser Katastrophen für Wirtschaft und Gesellschaft erwiesen sich als enorm. Die negative Dynamik in der Bevölkerungsentwicklung führte zu einer Stagnation, ja Erschöpfung der Wirtschaftskraft, die sich in erster Linie in der Landwirtschaft offenbarte, in der noch immer – trotz der kontinuierlichen quantitativen Zunahme der Städte – mehr als 80% der europäischen Bevölkerung tätig war. Ländliche Siedlungen verschwanden, bei landschaftlichen Unterschieden, zu Zehntausenden in Europa – mit gravierenden Auswirkungen wie etwa einem Rückgang des Getreideanbaus sowie einem langfristigen Missverhältnis zwischen den Erlös- und Kostenpreisen der Landwirtschaft. Ganze Landstriche verödeten. Die Natur holte sich in der Folge zurück, was schon einmal von Menschenhand bei großer Kraftanstrengung urbar gemacht worden war. Die Landflucht, das Verlassen bäuerlicher Siedlungen, brachte – verbunden mit den durch die Pest hervorgerufenen Menschenverlusten - die adeligen Grundbesitzer in große Bedrängnis, die sich in der Folge gezwungen sahen, den Grundbesitz entweder zu immer niedrigerem Zins zu verpachten oder zur Eigenbewirtschaftung überzugehen – und dabei ständig steigenden Lohnforderungen nachzugeben. Bauernaufstände wie die Jacquerie in Frankreich und städtische Revolten wie die des Etienne Marcel in Paris oder diejenige der Ciompi in Florenz mit ihrer einhergehenden Gewalt standen zwar nicht auf der Tagesordnung, drückten aber dem 14. Jahrhundert ihren Stempel auf und traten an die Seite kriegerischer Gewalt (Hundertjähriger Krieg), die – obwohl für das Mittelalter charakteristisch und stets präsent – nunmehr, auch durch technische Neuerungen bedingt, eine neue Qualität erreichte.

Neben der wirtschaftlich-sozialen Komponente der Krise bzw. der Krisenerscheinungen im Spätmittelalter gab es auch eine politisch-gesellschaftliche (mentalitätsgeschichtliche) Komponente, die sich wiederum in Unterkomponenten unterteilen lässt. Es handelte sich um folgenreiche Ereignisse, die die Nöte und Verwirrungen der Christen im Europa des 14. Jahrhunderts vermehrten und den komplexen Charakter und die Doppelgesichtigkeit der Epoche unterstrichen. Allen voran das Abendländische Schisma seit 1378 (dem Todesjahr Karls IV!), das die Einheit der Kirche für Jahrzehnte zerbrechen ließ und tiefe Gräben durch die politische Staatenwelt Europas zog. Während der gesamte Westen von Schottland bis Kastilien den „französischen“ Papst Clemens VII. in Avignon anerkannte, bekannten sich Italien, Ost- und Nordeuropa weiterhin zu dem römischen Urban VI. Auch das Heilige Römische Reich zeigte sich in seiner Haltung tief zerstritten, ebenso das Haus Luxemburg selbst: Während Wenzel, Karls ältester Sohn und schon zu Lebzeiten des Vaters als Nachfolger auf den römisch-deutschen Thron gewähltes Oberhaupt, die römische Obödienz favorisierte, unterstützte Herzog Wenzel, Karls Bruder, in den luxemburgischen Stammlanden im Westen Avignon. Spaltung und Zerstrittenheit also überall, zumal vielfältige und widerstreitende Interessen stets im Spiel waren. Europa lebte im Dauerkonflikt.

Ein Einfluss der Pestepidemien des 14. Jahrhunderts auf die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft in den böhmischen Länden darf vermutet werden, auch wenn die Quellenlage nicht wenige Fragezeichen aufwirft und nicht, wie exemplarisch die Tabellen zu Eigentum und Besitz in ausgewählten – auch weil gut erforschten – Regionen in vorhussitischer Zeit im Modul zeigen, auf das ganze Land übertragen werden können.[15] Negative wirtschaftliche Trends waren schon am Ende der Regierungszeit Karls IV. zum Vorschein gekommen und sollten sich unter seinem Sohn und Nachfolger insbesondere in den Bereichen Staatsfinanzen, Münzverfall und Steuerdruck zeigen. Die kostenintensive Arrondierungs- und Erwerbspolitik Karls IV. (Erwerb der Niederlausitz und der Mark Brandenburg), damit verbundene Verschreibungen und Verpfändungen, belasteten in erheblichem Umfang das wirtschaftliche Potential des königlichen Fiskus, zumal ab den 1350er Jahren die Silberproduktion im Kuttenberger Bergrevier einen drastischen Einbruch erlebte und den schrittweisen Wertverlust des Prager Groschens als internationalem Zahlungsmittel mit forcierte. Der bekannte Moralist Thomas von Štitné konstatierte denn auch, gleich einem Stoßseufzer: „Welch guter böhmischer Groschen ist unter König Wenzel II. (also im ausgehenden 13. Jahrhundert – Th. K.) geprägt worden!“.[16] Auf der Suche nach Alternativen, um die Steuermindereinnahmen in der königlichen Kasse auszugleichen, griff gerade Wenzel IV. auf verschiedene Mittel zurück, die von einer weitgehenden Reform der sog Sondersteuer (berna specialis) der königlichen Städte und landesherrlichen Klöster bis hin zum Erwerb päpstlicher Zehnte – als Anerkennung für die Treue zur römischen Kirche – reichte. Die Handelsbilanz der böhmischen Länder fiel in den Jahrzehnten vor der Hussitischen Revolution passiv aus. Die sozialen Verhältnisse auf dem Lande und in den Städten gestalteten sich vor diesem Hintergrund spannungsgeladen und konfliktreich, ohne dass das ökonomisch-soziale Klima in den böhmischen Ländern um 1400 allerdings unmittelbar auf den Ausbruch einer Revolution hätte schließen lassen.

Das Bild einer harmonischen Gesellschaft, in der Dreiständeordnung (tu ora, tu protege, tu labora) scheinbar auf ewig zementiert, geriet den geschilderten Indikatoren zufolge im Verlaufe des 14. Jahrhunderts immer stärker in einen Widerspruch zur bestehenden Realität. Die wichtigste Antwort der einfachen Christenmenschen auf dieses Dilemma stellte eine intensive Frömmigkeit dar, die sich in der Suche nach Sicherheit (securitas) in Fragen des Heils und dem Verlangen nach konkreter Hilfe manifestierte. Die spätmittelalterliche Laienfrömmigkeit, die ihre vielfältigen Ausdrucksformen u. a. in Heiligen- und Reliquienverehrung, der Zunahme frommer Stiftungen, Wallfahrten und einem sprunghaft wachsenden, zu intensiver werdender Kritik Anlass bietendem Ablasshandel fand, verwirklichte sich dabei in einem latenten Spannungsverhältnis zwischen kirchlicher Gehorsamspflicht und persönlicher religiöser Selbstverantwortung, zwischen theologisch vertiefter Spiritualität und rechtlich geprägter Handgreiflichkeit, zwischen Innovation und Tradition.

Ort der Kritik, Hort der Hoffnung – die katholische Kirche im Spannungsfeld von Sein und Schein

Allen Schichten der Gesellschaft war, aus unterschiedlichen Motiven, die Stellung der katholischen Kirche – insonderheit deren sittlich-moralischer Zustand und deren umfangreicher Grundbesitz im Lande, der bei 30-40 % des gesamten nutzbaren Bodens lag - ein Dorn im Auge. Zugleich galt die Kirche aber auch als eine „Quelle der Hoffnung“. In diesem Spannungsfeld sind die Anfänge bzw. die Wurzeln des Hussitismus zu suchen, als sich Kritik an den sichtbaren Missständen in der Kirche formierte. Prag mit ca. 40.000 Einwohnern war mit seiner Universität, 44 Pfarreien, 24 Klöstern und gut 1.200 Klerikern nach Avignon, Paris, Rom und Florenz das größte Zentrum der Geistlichkeit im damaligen krisengeschüttelten Europa.[17] Sowohl in administrativer Hinsicht als auch aufgrund ihrer ökonomischen Basis hatte die Kirche bereits zu Beginn der Herrschaft Karls IV. einen Staat im Staate verkörpert. Auch wenn sich das Beispiel Prag insgesamt als atypisch erweist, ist es dennoch ungemein wichtig, weil sich in Prag – gleich einem Brennspiegel - in vielerlei Hinsicht alle Übel des äußeren Bildes, dass die Kirche bot, zu konzentrieren schienen und nach Lösungen verlangten. Dazu genügt ein genauer Blick auf die bereits erwähnte Zahl der Geistlichen in der böhmischen Landeshauptstadt. Groben Schätzungen zufolge gab es allein an der Kathedralkirche St. Veit annähernd 250 Geistliche. Wenn wir hierzu die 330 weltlichen Geistlichen an den Kollegiats- und Pfarrkirchen sowie die rund 400 Ordensangehörigen in den 18 Männer- und sechs Frauenklöstern hinzurechnen, gelangen wir zu der imposanten Zahl von ungefähr 1000 Personen, die durch eine ständige Pfründe in Diensten der Kirche abgesichert waren. Und wenn an den beiden Prager Universitäten – die Juristische Fakultät separierte sich im Jahre 1372 als eigenständige Hohe Schule[18] - zur Zeit ihrer größten Blüte zugleich 1200 Kleriker studierten bzw. wirkten, geht daraus hervor, dass in der Landeshauptstadt annähernd jeder 20. Bewohner ein Angehöriger des geistlichen Standes war, die zahlreichen Nonnen und Beginen nicht mitgerechnet.

Die wachsende Zahl geistlicher, um Pfründe konkurrierender Personen geriet in einen größer werdenden Gegensatz zur abnehmenden wirtschaftlichen Leistungskraft der böhmischen Länder. In Prag waren die Krisensymptome angesichts der enormen Zahl von Geistlichen und Klöstern besonders wahrnehmbar, was ein breites Forum für Kirchen- und Gesellschaftskritik schuf. Wegbereiter waren hier seit den 1360er Jahren Männer wie Konrad Waldhauser, Johann Militsch von Kremsier und Matthias von Janov. Im Zentrum ihrer auch in der Volkssprache und vor einer wachsenden Zuhörerschaft vorgetragenen Kritik stand die Forderung nach einer wahren, auf weltlichen Besitz und Luxus verzichtenden Kirche in der Nachfolge Christi und seiner Armut. Auch andere geistige Strömungen dieser Zeit fanden ihre Reflektion, etwa die devotio moderna, eine Mischung von Streben nach Bildung, Individualismus und demütig tätiger Frömmigkeit, die eine Nachfolge Christi auf ihre Fahnen schrieb. Gemeinsam war diesen Bestrebungen die Forderung, die Heilige Schrift und die Ideale des (Ur)Christentums ernst zu  nehmen, wobei für Theologen wie Laien die Kritik am Erscheinungsbild der katholischen Kirche ein einiges Band bildete. Konrad von Waldhause war dabei der erste jener großen Prediger, die mit Worten in lateinischer und deutscher Sprache gegen die Verlogenheit und Heuchelei der Bettelorden wetterte, was Konrad einen Prozess vor der Kurie einbrachte, doch der frühe Tod des Predigers bewahrte ihn vor einer Verurteilung. Die zwischen 1366 und 1368 verfasste Postilla studentium sancte Universitatis Pragensis aus einer Sammlung von 73 lateinischen Musterpredigten, die eine lebendige Mischung aus abstrahierender Belehrung und konkreter Hilfestellung ganz im urchristlichen Sinne darstellt und aus der im Modul ein kurzer Ausschnitt präsentiert wird, lässt Konrads Anliegen deutlich werden: Zurück zur Bibel als Orientierung für das handeln eines jeden einzelnen Menschen! Das Werk wurde bereits im ausgehenden 14. Jahrhundert in die Volkssprache übertragen, was von dessen Beliebtheit zeugt.

An Konrad von Waldhausen knüpfte als dessen legitimer – theoretischer wie praktischer – Nachfolger Militsch von Kremsier an, der, vom apokalyptischen Geist getragen, ebenfalls wortgewaltig und selbst in Armut lebend, mit dem „Neuen Jerusalem“ in Prag eine praktische Wirkungsstätte christlicher Barmherzigkeit und Frömmigkeit schuf. Das Experiment der sittlichen Erneuerung durch Predigt und Leben im Sinne der Urkirche scheiterte freilich. Die in einem Ausschnitt wiedergegebene Narratio de Milicii aus der Feder des Matthias von Janov lässt die Verehrung und Bewunderung für Militsch durch seine Schüler erahnen. Matthias von Janov schließlich suchte in seinem Hauptwerk, den Regulae veteris et novi Testamenti, die Unterschiede zwischen der wahren (urchristlichen) und der falschen Kirche zusammenzufassen. Die ständige Berufung auf die Bibel als Grundlage für eine kirchliche Erneuerung kommt bereits in der Einleitung zum ersten Buch der Regulae klar zum Ausdruck, wenn die Heilige Schrift als „über alles Geliebte Mutter“ (der Erkenntnis), als Weggefährtin und ständiger Lebensquell sowie als geistiges Schwert erscheint.

Dass beim Klerus vieles im Argen lag unterstreicht im Übrigen eindrucksvoll das überlieferte Visitationsprotokoll – das einzige überlieferte seiner Art aus dem spätmittelalterlichen Böhmen - des Prager Archidiakons Pauls von Janowitz, der als Mitglied des Prager Metropolitan-Kapitels und Doktor des Kirchenrechts in den Jahren 1379-1382 den Sprengel des neuen Prager Erzbischofs Johann von Jenstein (1347/50-1400), der zuvor, nach seinen theologischen und kanonistischen Studien in Italien und Frankreich, bereits dem Bistum Meißen vorgestanden hatte, systematisch Dekanat für Dekanat visitierte und Missstände nach Befragungen aller kirchlichen Repräsentanten vor Ort (vom Pfarrer bis zum Sakristan) aufzeichnete.[19] Paul von Janowitz rügt in besagtem Protokoll namentlich Konkubinat, Unzulänglichkeiten beim Gottesdienst und in der Seelsorge im Prager Erzbistum[20], das sich aus zehn sog. Erzdiakonaten zusammensetzte (diese wiederum jeweils aus zehn Dekanaten) und von Raudnitz (Roudnice nad Labem) im Norden bis Neuknin (Nový Knín) im Süden, von Rakonitz (Rakovník) im Westen bis Brandeis an der Elbe (Brandýs nad Labem) im Osten erstreckte.

Johannes (tschech. Jan) Hus – Theologe, charismatischer  Prediger, Kirchenkritiker, Märtyrer

Zum eigentlichen Zentrum im geistigen Kampf um die Rückkehr zu den Idealen der Urkirche und deren Autoritäten sollte sich die 1391 als religiöses Zentrum des tschechisch-sprachigen Prag gegründete Bethlehemskapelle entwickeln, deren Entstehung in die Periode der wachsenden Profilierung der einheimischen Reformbewegung auf sprachnationaler Grundlage fällt und deren Gründungsurkunde im Modul präsentiert und kontextualisiert wird.[21]  Seit 1402 wirkte hier der Universitätsmagister und Theologe Johannes (tschech. Jan) Hus als charismatischer und wortgewaltiger Prediger, der rasch zur Leitfigur seiner wachsenden Anhängerschaft im Prager "Volk" und zum Hassobjekt seiner nicht minder zahlreichen Gegner aus den Reihen des von ihm heftig kritisierten Prager Klerus und der hohen Geistlichkeit wurde. Hus bemühte sich in Wort und Werk – eng angelehnt an Wyclif – um eine Erneuerung der institutionalisierten Kirche und des gesellschaftlichen Lebens, was beispielsweise bereits in einem in tschechischer Sprache verfassten Schreiben an eine unbekannte böhmische Adelige, entstanden um 1405, zum Ausdruck kommt und sich bis in Hussens Hauptwerke – präsentiert werden in Auszügen u. a. die Schriften De sex erroribus und De ecclesia – sowie seine letzten Briefe aus dem Konstanzer Gefängnis 1415 immer wieder leitmotivisch fortsetzt.[22] Dabei ging es Hus um eine Reformation, nicht um eine Revolution (lex dei = göttliches Gesetz als verbindliches Prinzip)! Mit der Verurteilung der Thesen Wyclifs 1408 in Rom verloren Hus und seine Anhänger die Unterstützung des Prager Erzbischofs Zbyněk von Hasenburg, 1412 in Folge der sog. „Ablass-Affäre“ auch den Rückhalt bei König Wenzel IV., der aus machtpolitischem Kalkül und vor dem Hintergrund des Pisaner Konzils den einheimischen Reformkräften zunächst wohlgesinnt gewesen war, wie das auch im Modul präsentierte  Kuttenberger Dekret vom Januar 1409 zeigt.

Als geistiger Unruheherd war nämlich die 1348 gegründete Prager Universität in das Zentrum der Auseinandersetzungen gerückt.[23] Eine junge aufstrebende Generation böhmischer Universitätsmagister und Prediger, zu denen auch Hus gehörte, orientierte sich an den Vorstellungen und Forderungen des Oxforder Kirchenkritikers John Wyclif (um 1330–1384), der eine ganz an der Heilige Schrift ausgerichtete Reform von Kirche und Klerus forderte. Dabei stieß man auf den erbitterten Widerstand der landfremden Universitäts-„Nationen“. Ein Streit um philosophische Grundpositionen, hinter denen sich freilich diametral entgegengesetzte, auch pfründenorientierte und politische Interessen verbargen, die das Kuttenberger Edikt 1409, das das Stimmenverhältnis an der Prager Universität zu Gunsten der einheimischen böhmischen „Nation“ veränderte und zur Sezession der deutschen Magister und Scholaren führte.[24] Hus selbst wurde im Wintersemester 1409/10 Rektor der nunmehr geschrumpften Hochschule, an der die Wyclif-Anhänger an Bedeutung gewannen.[25] Dessen Philosophie, seine Auffassung der Heiligen Schrift als ewig geltendem obersten Gesetz sowie die beißende Kritik an der Kirchenhierarchie der Zeit schienen Hus gleichsam aus der Seele zu sprechen. Bedeutung verdient in diesem Kontext die im Modul in einem wichtigen Ausschnitt präsentierte Rede zum „Lob der Sieben Freien Künste“ des Hieronymus von Prag, des Mitstreiters Hussens, der ein Jahr nach dem Kirchenreformer ebenfalls in Konstanz als Ketzer verbrannt wurde. Hieronymus nahm in einer flammenden Apotheose das „allerheiligste“ (sacrosanctus) böhmische Volk in Schutz vor jeglichem Häresieverdacht und trug eine neue Konzeption der Nacio bohemica vor, in dem der Redner u. a. mehrfach von der communitas bohemica sprach, und zwar im Sinne einer politischen Gemeinschaft von Personen, die in allen ihren Teilen sämtliche Bedingungen (lingua, sanguis, fides – Sprache/Zunge, Blut, Glauben) für eine Zugehörigkeit zu einer entsprechenden Kommunität erfüllen.

Das waren die äußeren Rahmenbedingungen, unter denen Johannes Hus als aufmerksamer Beobachter des Geschehens um ihn herum zum charismatischen und wortgewaltigen Prediger an der Bethlehemskapelle reifte. Die anfängliche Zusammenarbeit mit bzw. eine gewisse Protektion durch den theologisch nicht sehr versierten Prager Erzbischof Zbyněk von Hasenburg fand spätestens 1408 ihr Ende, als Hus wegen seiner kritischen, angeblich aufrührerischen Predigten und wegen seiner Sympathie für die Lehren des John Wyclif in einen offenen Konflikt mit der Kirchenobrigkeit geriet.[26] Gleichzeitig kam der von der römischen Kurie gegen Hus angestrengte Ketzerprozess in Gang, der zur Abgrenzung, Formierung und Radikalisierung der kirchenkritischen Protest- und Reformbewegung führte.[27] Hus selbst suchte, dem vom römisch-deutschen König Sigismund gewährten, letztlich freilich gebrochenen Geleitbrief vertrauend, eine Verteidigung seiner Auffassungen vor dem Konstanzer Konzil zu erreichen, landete aber bald nach seinem Eintreffen am Bodensee im Kerker und 1415 schließlich auf dem Scheiterhaufen.[28] Damit besaß die Reformbewegung in Böhmen nunmehr eine Idealfigur und zugleich einen vorbildhaften Märtyrer als großen Motivator, ebenso wie in dem ein Jahr später an gleicher Stelle hingerichteten Hieronymus von Prag. Der Protest gegen Hussens Verbrennung als Erzketzer manifestierte sich zunächst in einem – im Modul erstmals in deutscher Übersetzung präsentierten - Protestbrief des böhmischen und mährischen Adels an das Konzil vom 2. September 1405, dem die Lehrautorität abgesprochen wurde, während man die Universität Prag fortan zur letzten Entscheidungsinstanz in Glaubensfragen erhob.

In einem Prozess rascher Radikalisierung in Böhmen bildeten sich eigene Pfarrgemeinden, die sich um "Kelchpriester" scharrten, es kam zu heimlichen, bald auch öffentlichen, von stellungslosen Kelchpriestern organisierten und von Niederadligen unterstützten Massenwallfahrten, bei denen die Teilnehmer nach biblischen Vorbildern kollektiv auf das Ende der (irdischen) Welt warteten. „Jetzt da Hus tot war, wurde er erst eigentlich lebendig“, bemerkte Jahrhunderte später der Historiker Leopold von Ranke (1795-1886) treffend.[29] In der Tat: Mit Hussens (und Hieronymus’) Tod waren dessen auf eine reformatio der sichtbaren Missstände in der Kirche seiner Zeit zielenden Forderungen keineswegs gestorben, im Gegenteil![30] Und auch nach (und von) außen vermittelte das Königreich Böhmen unter seinem schwachen, ja schwankenden König Wenzel IV. weiterhin das Bild eines von ketzerischen Gegnern der römischen Kirche infiltrierten Landes, wie die Reaktionen und Wahrnehmungen des Konstanzer Konzils zeigen.[31] Seit dem Frühjahr 1416 trafen in den böhmischen Ländern peu à peu deshalb Droh- und Mahnschreiben des Konzils und seines weltlichen Protektors Sigismund von Luxemburg ein, wobei zunächst die 452 Signatare des Protestschreibens des böhmischen und mährischen Adels zu häresieverdächtigen Personen erklärt und zugleich aufgefordert wurden, sich persönlich in Konstanz zu verantworten, wobei es hieß, die Proteste hätten das Konzil sehr erzürnt; sollte der Aufforderung nicht Folge geleistet werden, würde man einen Kreuzzug gegen die Unterzeichner verhängen.[32] Die Ausgangsbasis bildete für das Konzil dabei die bereits am 15. Juni 1415 per Dekret (Cum in nonnullis) verurteilte Kommunion der Laien unter beiderlei Gestalt (sub utraque specie).[33]  Erst im Oktober 1416 jedoch wagte der neu gewählte, freilich erst 1418 sich durchsetzende Olmützer Bischof Johann „der Eiserne“, der mit der Verfolgung der Ketzerei in Böhmen durch das Konzil beauftragt worden war, das Dekret gegen den Kelch zu veröffentlichen![34] Die Zeit des Konstanzer Konzils markiert im Übrigen einen der Höhepunkte in der Zeit der Produktion von antihussitischen Traktaten. Im Modul wird dies anhand der „antihussitischen Briefe“ des Kartäuserpriors Stephan von Dolein aus dem Jahre 1417 exemplarisch deutlich gemacht.

Mit der Deklaration vom 10. März 1417 erklärte die – im Kampf um das eigene geistige Profil ringende - Prager Universität das Abendmahl unter beiderlei Gestalt für rechtgläubig und in Übereinstimmung mit dem Gesetz Christi, womit die Hohe Schule sowohl den Konzilsvätern in Konstanz als auch dem Prager Konsistorium, das die Dekane im Land beauftragt hatte, ihm die das Abendmahl sub utraque specie reichenden Priester anzuzeigen bzw. zu denunzieren, die Stirn bot.[35] Gemeinsam mit dem Reformadel und der bürgerlichen tschechischen Gemeinde in Prag verband diese „ketzerische Einung“ nunmehr der Kelch als gemeinsames Programm. Das Jahr 1417 prägten in Böhmen Auseinandersetzungen um Pfarrstellen, Bergwallfahrten und Unruhen in Prag die das ohnehin spannungsgeladene Klima weiter verschärften.[36] Das farbenprächtige Bild der sich vollziehenden Veränderungen, ergänzt durch Nachrichten über verschiedene, mitunter kuriose Gewalttätigkeiten (der Pilsener Bürger Račka soll angeblich einem ländlichen Dekan die Ohren abgeschnitten haben) suggeriert dabei die Vorstellung, dass Land würde unmittelbar in das revolutionäre Fahrwasser einfahren, das geltende Recht seine Wirkung verlieren und die königliche Gewalt bei der Erfüllung ihrer Pflichten resignieren, was so allerdings trotzdem (noch) nicht der Fall war.

In Konstanz jedenfalls nahm man diese immer beunruhigenden Nachrichten, die seit Hussens Verbrennung aus Böhmen eintrafen, mit wachsender Sorge wahr. Beredetes Zeugnis hierfür ist ein unter der Überschrift Viginti quattuor articuli a patribus Constantiensis Concilii praescripti, ad reducendos ab Hussitica haeresi Bohemos bekannter Text vom Februar 1418 – ein 24 Punkte umfassender Forderungskatalog, der im Modul präsentiert wird.[37] Die wichtigsten Forderungen lauteten: Der böhmische König Wenzel IV. sollte eidlich versichern, alles in seiner Macht Stehende zu tun, die Freiheit der Kirche in seinen Ländern zu schützen. Alle, die die ketzerische Lehre Wyclifs und Hussens verteidigte, sollten dieser öffentlich abschwören. Bestrafung drohe jenen, die einer Vorladung aufgrund Häresieverdachts nicht Folge leisteten. Dies beträfe auch Laien, die der Hus’schen Lehre abschwören sollten. Gleiches gelte für geraubtes Kirchengut, das unverzüglich zurückzugeben sei. Von ihren vertriebenen Benefizien vertriebene Geistliche sollten restituiert werden. Die Universität Prag wurde explizit aufgefordert, sich aller Wyclif- und Hus-Anhänger zu entledigen. Darüber hinaus sollten die führenden Vertreter der Lehrmeinung Hussens – dessen ehemaliger Rechtsberater Jan von Jesenice, Jakobell von Mies und andere – vor der Kurie erscheinen. Alle, die bislang das Abendmahl sub utraque specie kommuniziert hätten, müssten diesem Ritus unverzüglich abschwören. Die Schriften der Häretiker sollten ausgeliefert, das Absingen hussitischer Lieder bei Strafe verboten werden.

Wie tief der Riss in der böhmischen Gesellschaft in Glaubensfragen und daraus erwachsenden Konsequenzen war, zeigt die Gründung einer Liga katholischer Barone zum Schutz der katholischen Kirche in Böhmisch Brod (Český Brod) am 1. Oktober 1415, der u. a. der oberste Landesrichter Hynek Berka von Duba auf Hohnstein, der Oberstkämmerer Heinrich Škopek von Duba auf Liebeschitz und der königliche Hofmeister Johann d. J. von Neuhaus angehörten, was die konfessionelle Spaltung auch im Adel unterstreicht.[38] Ende Oktober/Anfang November 1415 belegte der Prager Erzbischof Konrad von Vechta die Hauptstadt mit einem verschärften Interdikt, das unter den Prager Hussiten zu einem heftigen Gärungsprozess führte, der an einigen Orten in offene Rebellion mündete. Die Beschlagnahme einiger Kirchen durch die hussitische Mehrheit in Prag löste nach außen das schwierige Problem des Interdikts – und zwar ohne, dass der Landesherr, d. h. Wenzel IV., hätte eingreifen müssen. So konnte an zahlreichen Gotteshäusern der – vom Konzil verbotene – Laienkelch gereicht werden, wobei im Hintergrund zugleich die gelehrten Polemiken über den Kelch ihre Fortführung fanden. Die Prager Katholiken waren in der Folge gezwungen, unterhalb des Vyšehrad oder in den Vorstadtdörfern Gottesdienste zu besuchen.

Warum Böhmen und was verbirgt sich hinter dem Begriff „Hussiten“?

Die Antwort auf die Frage, warum eine derart starke Bewegung wie der Hussitismus gerade im böhmisch-mährischen Raum entstand und nicht etwa in anderen europäischen Staaten, fällt keineswegs einfach aus.[39] Zunächst geht es dabei erst einmal um den Begriff „Hussiten“ selbst. Was ist darunter zu verstehen? Der Terminus steht für jene von der katholischen Kirche als häretisch bekämpfte Bewegung in Böhmen und Mähren im 15. Jahrhundert, deren Anhänger von ihren Gegnern diffamierend als "Hussen" – also Hus-Anhänger (= Hussiten) – bezeichnet wurden. Als Synonyme finden sich in zeitgenössischen Quellen in deutscher und lateinischer Sprache die Begriffe "Wiclefisten", "Hussiten" (Wiclefistae et Hussitae) oder allgemein "Ketzer" (Heretici). Die Hussiten (tschech. husité) benutzten keine eigene Bezeichnung, sondern betrachteten sich als gläubige Christen und folglich als Bestandteil der Kirche – als "Freunde der göttlichen Wahrheiten", wie aus den zeitgenössischen hussitischen Manifesten hervorgeht. Hinter dem Sammelbegriff "Hussiten" verbirgt sich eine heterogen zusammengesetzte Bewegung vorwiegend in Böhmen, deren Anhänger ein breites Sozialprofil aufwiesen. Dieses reichte von Teilen des böhmischen Hochadels bis zum Kleinadel, von der niederen Geistlichkeit über städtische Unter- und Mittelschichten bis hin zur Bauernschaft. Sie gingen unter dem Druck von außen (antihussitische Kreuzzüge) zeitweilig Koalitionen ein. Das einigende Band bildete der in den "Vier Prager Artikeln" (Čtyři artikuly pražské) als Minimalprogramm enthaltene Forderungskatalog.[40]

Neben der Konzentration sich gegenseitig durchdringender negativer Erscheinungen innerhalb eines kurzen Zeitabschnittes spielten hier zahlreiche weitere Momente eine Rolle, wobei an erster Stelle der Umstand angeführt werden muss, dass dank des Zusammentreffens der Umstände die böhmischen Länder im Verlaufe des 14. Jahrhunderts die zivilisatorische Verspätung, die sie traditionell vom europäischen Zentrum (Rheinland, Norditalien, Frankreich, Niederlande) getrennt hatten, aufzuholen vermochten. Der Ausbau der kirchlichen Administration mit einem dichten Pfarrnetz ermöglichte eine Vollendung des Prozesses der Christianisierung der Bevölkerung und eine Predigttätigkeit, die sich besonders in den städtischen Agglomerationen erfolgreich gestaltete und das Interesse der Gesellschaft an kirchlichen und religiösen Problemen anspornte. Die erfolgreiche Regierung Karls IV. hatte zugleich das Selbstbewusstsein der kulturellen Eliten gestärkt, mündend schließlich in Erscheinungen des sog. böhmischen Messianismus, getragen von der Überzeugung, das gerade vom durch die Gnade Gottes besonders beschenkten Königreich Böhmen eine Erneuerung des Christentums ausgehe. Die beachtliche Entfaltung einer tschechisch verfassten Literatur, die zielgerichtet das ganze Genrespektrum erfasste und motiviert wurde vom Bemühen, das Tschechische auf die Ebene der biblischen Sprachen und des Lateinischen zu heben, sind hierfür ein klarer Beleg. Eine Artikulation fand dies u. a. in der kompletten alttschechischen Bibelübersetzung sowie den nachfolgenden sog. Redaktionen, wobei Johannes Hus durch seine Rechtschreibreform hier einen wegweisenden Beitrag leistet, der sich u. a. in der sog. Boskowitzer Bibel (im Modul präsentiert) zeigte. An der Schwelle zum 15. Jahrhundert erarbeitete dann eine Genration reformorientierter Magister an der Prager Universität, von der Krisensituation beunruhigt, ein Programm für eine Reformation von Kirche und Gesellschaft, für die man zahlreiche Mitstreiter und Schüler gewann und das schrittweise ein Echo bei allen sozialen Schichten fand. Indem der Hussitismus im Geiste Wyclifs die Reform der Kirche mit den Interessen des sich herauskristallisierenden Ständewesens verband, verlieh er dem Geschehen eine ungewöhnliche Dynamik. Während anderswo in Europa zuerst ein Staat ständischen Typs entstand und erst nachfolgend die Reformation einsetzte, verbanden sich im böhmisch-mährischen Milieu die Anstrengungen um eine Kirchenreform mit einer Veränderung der politischen Struktur. Dies komplizierte zwar die Situation in ungewöhnlicher Weise, verlieh ihr auf der anderen Seite aber einen einzigartigen Charakter.

Die hussitische Revolution - Gruppen, Ziele und Verlauf

Die Revolution begann mit dem Ersten Prager Fenstersturz am 30. Juli 1419 in der von einer mobilen und aufstrebenden tschechischen Handwerkerschicht geprägten Prager Neustadt unter Führung des ehemaligen Prämonstratensers Johann von Seelau (Jan Želivský).[41] Dessen flammende Predigten – im Modul werden Auszüge aus der lateinischen Vorbereitung zur Predigt „Hütet Euch vor den falschen Propheten“, die vermutlich am Tage des ersten Prager Fenstersturzes am 30. Juli 1419 gehalten wurde, präsentiert - ließen die Kelchanhänger zur Tat schreiten, indem sie die zentrale Pfarrkirche der Prager Neustadt besetzten und in einer Prozession zum Rathaus zogen, um inhaftierte Glaubensgenossen frei zu bekommen, was die katholischen tschechischen Ratsherren verweigerten. Letztere wurden daraufhin von der fanatisierten Menge kurzerhand aus dem Fenster geworfen. Andere Übergriffe gegen Klöster und katholische Priester folgten in einer Spirale der Gewalt. Nach dem Tod König Wenzels IV. am 16. August 1419 weitete sich die Reformbewegung zu einer bewaffneten Revolte aus, wobei eine chiliastische Welle – in einem machtpolitischen Vakuum - insbesondere Südböhmen erfasste und radikale Prediger in endzeitlicher Erwartung die Meinung vertraten, der im Himmel thronende Christus werde auf die böhmische Erde herniedersteigen.[42] Hier in Südböhmen entstand im Vorfrühling des Jahres 1420 eine christliche Kommune von Brüdern und Schwestern mit dem biblischen Namen Tabor, die rasch zum Symbol einer neuen militärischen Macht im Lande aufsteigen sollte.[43] Die unruhigen ersten Jahre innerhalb der Stadt und insonderheit der Ausformung radikalster Vorstellungen lassen im Modul die pikardisch-adamitischen Artikel von 1421 deutlich werden, wobei ungeachtet der fragmentarischen Quellenüberlieferung die gewaltsame Ausrottung dieser (von außen betrachtet) Häresie innerhalb der Häresie durch die radikalen Taboriten selbst am Ende steht. Aus der anfangs neu gegründeten revolutionären Kommune Tábor mit ihrem praktizierten Gebrauchskommunismus wurde innerhalb von nicht einmal eineinhalb Jahrzehnten eine im Grunde genommen bürgerliche Stadtrepublik, die im Januar 1437 von Kaiser Sigismund von Luxemburg in den Kreis der böhmischen Königsstädte Aufnahme fand und aus diesem Anlass ein neues Wappen erhielt. Einblicke in den Alltag vermittelt dabei das erstmals edierte, älteste Stadtbuch Tabors aus den Jahren 1432-1450, dessen Inhalt im Modul exemplarisch an einigen Eintragungen aufgezeigt wird.

In der Kernphase der Revolution (1419–1422) traten insgesamt fünf Führungsgruppen hervor: die radikalen Prager Magister, der böhmische Adel, die gemäßigt-hussitische Prager Altstadt, die radikalere Prager Neustadt sowie die im Frühjahr 1420 neugegründete Stadt Tabor in Südböhmen mit ihrem kurzzeitigen "ur-kommunistischen" Experiment sozialer Gleichheit. Letztere diente nachfolgend als Operationsbasis eines unter der Führung Jan Žižkas agierenden Volksheeres von "Gottesstreitern" (Bauern, Handwerker, Kleinadlige) und etablierte sich rasch als zweites Revolutionszentrum neben Prag, dabei theologisch weitaus radikaler und stärker gesellschaftsrevolutionär als die Landeshauptstadt. Ein ähnlich radikales Zentrum entstand zudem in Ostböhmen ("Orebiten", später "Waisen") nahe Königgrätz (Hradec Králové). Vergeblich versuchte der Nachfolger Wenzels, Sigismund von Luxemburg, gewaltsam mit Unterstützung eines großen Kreuzfahrerheeres und päpstlichem Segen auf den böhmischen Thron zu gelangen. Lediglich in Mähren konnte sich Sigismund 1423 mit Hilfe seines Schwiegersohns Herzog Albrecht von Österreich durchsetzen. Das militärische Unterfangen im Frühsommer 1420 endete mit einem Fiasko, ebenso wie alle nachfolgenden antihussitischen Kreuzzüge.

1420/21 präsentierten die Hussiten ihr zentrales Programm, die sog. "Vier Prager Artikel": Abendmahl in beiderlei Gestalt; Freiheit der Predigt des Gotteswortes; Verzicht der Kirche auf ihre weltliche Macht sowie Säkularisation des kirchlichen Besitzes; Bestrafung öffentlicher schwerer Sünden der Geistlichkeit wie Wucher, Luxus oder Simonie. Auf Initiative Prags trat im Juni 1421 im mittelböhmischen Tschaslau (Čáslav) ein Generallandtag zusammen, an dem konfessionsübergreifend alle politischen Kräfte im Lande teilnahmen - mit Ausnahme der mährischen Städte. Sigismund von Luxemburg wurde die Anerkennung als böhmischer König verweigert, an seine Stelle setzte der Landtag ein Direktorium von 20 Verwesern ein, dem Barone, Landedelleute und – zahlenmäßig dominierend – Stadtbürger angehörten und das für den inneren Frieden im Lande sorgen sollte, was freilich ein Wunschtraum blieb. Die Vorstellungen einer polnischen Kandidatur für den böhmischen Thron in Gestalt des litauischen Prinzen Zikmund Korybut sollten sich, trotz einiger Teilerfolge, nicht realisieren, auch wenn – wie im Modul anhand eines Eintrags im Memorialbuch der Prager Altstadt Ms 993 dargelegt – im Juni 1422 Jan Žižka und der taboritische Städtebund Zikmund Korybut(ovič) als böhmischen Landesverweser anerkannten. Die Aktivitäten verlagerten sich nachfolgend auf die hussitischen Feldheere unter Führung des politisch ambitionierten Niederadligen und genialen Heerführers Jan Žižka von Trocnov, der nach innertaboritischen Auseinandersetzungen Ende 1421 den radikalen Zweig der Chiliasten (sog. Adamiten) liquidieren ließ. Zwei Jahre später wandte Žižka Tabor den Rücken zu und machte Ostböhmen zum Zentrum seiner Bruderschaft, wobei eine Militärordnung mit ständischer Gliederung als eine Art Grundgesetz das Zusammenleben normierte.

Im Modul werden diese ersten Jahre der Revolution aus unterschiedlicher Perspektive beleuchtet. Da ist zunächst die Stellungnahme der Prager Universität vom Februar 1420, in dem es um die Legitimität eines „Heiligen Krieges“ als Antwort auf Sigismunds Kreuzzugspläne ging.[44]Innerhalb von fünf überlieferten hussitischen Kriegstraktaten gilt die Stellungnahme als unmittelbare Antwort auf Sigismunds wenige Tage zuvor bekannt gewordenes Kreuzzugspatent und zeichnet in acht Punkten ein Entwicklungsschema vom erlaubten zum geheiligten Krieg, der den Hussiten nunmehr als Legitimationsbasis im Verteidigungskampf diente. Letzterer stand mit dem ersten antihussitischen Kreuzzug, der am 14. Juli 1420 im bekannten, von dem Chronisten Laurentius von Březová beschriebenen Scharmützel am Veitsberg vor Prag seinen Höhepunkt fand – mit einem glanzvollen, vor allem jedoch moralisch ermunternden Sieg der Kämpfer Žižkas endete. Kurz zuvor noch hatten die Prager ihre öffentlich verkündeten Vier Artikel in einem Manifest u. a. an die zum Kreuzzugsaufgebot Sigismunds von Luxemburg gehörenden Markgrafen von Meißen gesandt. Präsentiert wird das in der Berliner Staatsbibliothek – Preußischer Kulturbesitz aufbewahrte mehrseitige Manifest, das zugleich symbolisch für diese, Art der Verteidigung und Propaganda des hussitischen Kernprogramms kennzeichnende Quellengruppe steht.[45] Im gleichen Jahr, nämlich 1420, entstand der Choral „Ktož jsú boží bojovníci“ (dt.: Die Ihr Gottesstreiter seid) – das berühmteste hussitische Kampflied, das im sog. Jistebnitzer Kantional überliefert ist, der wiederum in der Bibliothek des Prager Nationalmuseums aufbewahrt wird. Wie die hussitischen Gottesstreiter mit ihrem legendären Heerführer, dem aus einem Niederadelsgeschlecht stammenden Jan Žižka von Trocnov ins Feld zogen, zeigt die Abbildung im sog. Göttinger Hussitenkodex, die ebenfalls zum Modul gehört. Dass die hussitische Revolution nicht ständig durch kriegerische Aktionen geprägt war, verdeutlicht exemplarisch ein zeitlich begrenzter Waffenstillstand, den die taboritischen Hauptleute und die Gemeinde von Pisek  mit dem mächtigsten und einflussreichsten, anfänglich der hussitischen Sache nicht abgeneigten, doch bald zu katholischen Positionen zurückgekehrten, südböhmischen Magnaten Ulrich von Rosenberg vom November 1420, der Einblicke in die konkrete Situation bzw. das Kräfteverhältnis zur Zeit des Abschlusses bietet. Dies gilt in gleichem Maße für das Schreiben des utraquistischen Magisters Christian von Prachatitz an Ulrich von Rosenberg oder das Urkundenprotokoll der Barone vom Tschaslauer Landtag im Juni 1421. Dass Sigismund von Luxemburg die Kriegsführung in „seinem“ Königreich Böhmen häufig nur mit Hilfe von Verpfändungen – im konkreten Falle aus Kirchenbesitz – zu finanzieren vermochte, zeigte das Beispiel der allerdings widerrufenen Verpfändungen der Güter des Klosters Ossegg (Osek) 1422.[46] Für die Kriegführung der Hussiten besaß die sog. Militärordnung Žižkas zentrale Bedeutung, die – ausgehend von den Vier Prager Artikeln – gleichsam die Magna Carta der Bruderschaft bildete und in der in zwölf Bestimmungen Heer- und Kriegsleben normativ geregelt wurden. Nicht zuletzt wird anhand einer Karte die katholische Emigration aus Böhmen in diesen Jahren veranschaulicht und mit dem Traktat „De origine Hussitarum“ – Über den Ursprung der Hussiten – ein Hauptwerk des aus Prag nach Leipzig emigrierten Universitätsmagisters Andreas de Broda in Auszügen in deutscher Übersetzung präsentiert.

Nach Žižkas Tod trat sein Nachfolger Prokop der Kahle ("der Große") an die Spitze der hussitischen Verbände der Taboriten und Waisen. In den Kämpfen gegen die unzureichend ausgerüsteten, zahlenmäßig mitunter jedoch überlegenen Kreuzfahreraufgebote nutzte Prokop erfolgreich die von seinem Vorgänger entwickelte innovative Form der Kriegsführung, die sich u. a. durch den Einsatz von Wagenburgen auszeichnete, den die "Gottesstreiter" geradezu perfektionierten. Einen wichtigen Machtfaktor spielte im hussitischen Böhmen der sog. taboritische Städtebund, der im Modul anhand einer Karte präsentiert wird. Hierbei handelte es sich im Großen Ganzen um eine relativ lockere Konföderation autonomer und abhängiger Städte, deren Einflussumfang die Gesamtsituation prägte. Die Städte der Taborer Konföderation zielte dabei – zentrifugale Tendenzen der Städte und Verbündeten des Gebietes von Pisek ausgenommen – nicht auf einen Städtebund, der ein Gegengewicht zum relativ starken Einfluss der Hauptleute aus den Reihen des niederen Adels und der verbündeten Herren hätte darstellen können. Der einheimische Hochadel neigte mehrheitlich einem gemäßigten Hussitentum zu, das auf den "Vier Artikeln" basierte. Zudem trat er für eine Säkularisation der Kirchengüter und ein von der Aristokratie abhängiges Königtum ein. Eine katholische Minderheit unterstützte weiterhin Sigismund von Luxemburg, allen voran der mächtige Baron Ulrich von Rosenberg. Nach der Niederlage des Kreuzfahrerheeres vor Aussig (Ústí nad Labem) im Juni 1426 gingen die Hussiten ihrerseits von der Defensive zur militärischen Offensive über, wobei sie zugleich versuchten, mit Hilfe propagandistischer Manifeste, in denen sie die "Vier Prager Artikel" erläuterten und die Christenheit zum gemeinsamen Kampf gegen Kirche, Papsttum und weltliche Macht aufriefen, ihre Weltsicht zu verbreiten und Verbündete zu suchen.[47] Auf den sog. "herrlichen Heerfahrten" (spanilé jízdy) drangen hussitische Heere weit in einige Territorien des Hl. Römischen Reiches (Schlesien, Sachsen, Brandenburg, Franken, Bayern und Österreich) vor, wobei sie nicht selten eine Schneise der Verwüstung hinterließen. Mitunter fanden die Hussiten auch Anhänger in Deutschland, die freilich zumeist in einer Serie von Inquisitionsprozessen auf dem Scheiterhaufen endeten.[48] Mit Hilfe einer unpopulären "Hussitensteuer" suchten Kurfürsten und Reichsstädte 1427 die finanziellen Mittel für den Abwehrkampf gegen die böhmischen Ketzer aufzustocken.

Bei der beschlossenen Steuer, deren Text im Modul dargeboten wird, handelte es sich um eine Kombination aus Einkommens-, Vermögens-, ständischer Personal- und Kopfsteuer der Juden. Dies betraf im Prinzip iglich cristenmensch, wobei freilich die Kurfürsten in der Steuerordnung nicht erfasst wurden, deren Beitrag der Selbstverpflichtung oblag und somit deren Würdeverständnis entgegenkam. Das Erhebungssystem war so gestaltet, dass das Geld an fünf regionalen „Legstätten“ zusammengeführt werden sollte: Köln, Erfurt, Breslau, Salzburg und Nürnberg. Von diesen Legstätten sollte das Geld nach Nürnberg gebracht werden. Eine zentrale Kommission, bestehend aus sechs Vertretern der Kurfürsten und drei Vertretern der Städte, sollte sodann – gemeinsam mit einem obersten Hauptmann – „soliche gelte getrewlichen“ einnehmen, verwahren und darüber verfügen. Im Vergleich zu 1422, als Sigismund von Luxemburg befohlen hatte, zur Bestreitung der Kosten des Hussitenkrieges von den Juden in einigen Gebieten des Reiches (u. a. Bodensee, Eidgenossen und Elsaß) den dritten Pfennig von all ihrer Habe zu erheben[49], wurde jetzt erstmalig eine allgemeine Steuer in Geld erhoben. Einer effizienten Einhebung einer allgemeinen Geldumlage stand aber in erheblichem Maße die mangelnde Verwaltungsorganisation im Reich entgegen. So endete das Steuerprojekt von 1427, trotzdem es eine zukunftweisende Innovation darstellte, aufgrund seiner Ausführungsdefizite und kaum vorhandener Exekutivstrukturen sowie der schlechten Zahlungsmoral mit einem Fiasko. Nur etwa 35.000 Gulden gingen in Nürnberg ein, die in keiner Weise zur Aufstellung eines großen und schlagfertigen Söldnerheeres genügten.

Diplomatie und Gewalt – das Ende der Revolution

Nach der schmerzhaften Niederlage eines Kreuzfahrerheeres unter Führung des Kardinallegaten Giuliano Cesarini bei Taus/Domažlice 1431 sowie bewaffneten Heerzügen der hussitischen Bruderschaften in die angrenzenden Länder zeigte sich das in Basel tagende Konzil (1431–1437) schließlich zu Friedensverhandlungen bereit, die auch König Sigismund, der schon 1429 in Pressburg (Bratislava) mit Hussiten, katholischen Magnaten und Universitätstheologen aus Wien und Paris Gespräche über einen Frieden geführt hatte, befürwortete. Auch wenn die Pressburger Verhandlungen, die im Modul am Beispiel der Ansprache des hussitischen Vertreters Peter Payne behandelt werden, scheiterten, leiteten sie dennoch eine Phase intensiver diplomatischer Gespräche ein, ungeachtet sich fortsetzender militärischer Konfrontationen.[50] Ein Beispiel für diplomatische Kontakte zwischen den Hussiten und einer Delegation des 1431 begonnenen Basler Konzils ist der sog. Egerer Richter vom Mai 1432. Das Ergebnis der in der Reichsstadt geführten Gespräche und Disputationen bildete ein elf Punkte umfassender Vertrag. Erstrangige Bedeutung besaß hier vor allem der siebente Punkt: Den Hussiten wurde hier garantiert, dass in ihrem Streit um die Vier Artikel das Konzil „als unübertrefflich wahrhaftigen und selbstverständlichen Richter das göttliche Gesetz, die Praxis Christi, der Apostel und der Urkirche zusammen mit den Konzilien und (Kirchen-)Lehrern, die sich hierauf wahrhaft gründen, anerkenne“.

Nach zähen Verhandlungen kam es 1433 zum Abschluss der sog. – ebenfalls im Modul behandelten - Basler Kompaktaten, in denen den Hussiten aber nur die Kommunion unter beiderlei Gestalt erlaubt wurde, was lediglich die konservativen Hussiten akzeptierten, während die radikalen ihre Ablehnung bekräftigten. Am 30. Mai 1434 besiegte ein adlig-utraquistisches Heer in der Schlacht bei Lipany die radikalen Kräfte unter Prokop dem Großen vernichtend, womit der Weg zu einer allgemeinen Anerkennung der Basler Kompaktaten frei war, was zugleich Sigismunds Thronbesteigung in Prag 1436 und seine Anerkennung als böhmischer König ermöglichte – in einem Land, in dem fortan eine Doppelkonfessionalität (Toleranz aus Notwendigkeit) herrschte. Erst 1485 kam es auf dem Kuttenberger Landtag zum Abschluss eines Religionsfriedens zwischen Katholiken und sich aufspaltenden Utraquisten, womit die fast sechs Jahrzehnte währende Periode zweier parallel existierender Gesellschaften mit unterschiedlichen Konfessionen ihren Abschluss fand. Im Modul finden exemplarisch ein Schreiben des hussitischen Heerführers Prokops des Kahlen an den geistlichen Verweser des Waisenheeres, Prokůpek, über die gerade erfolgte Eroberung der Prager Neustadt und die Schlacht bei Lipany, geschildert aus der Perspektive des Chronisten Bartoschek von Drahonitz Berücksichtigung.[51] Darüber hinaus verdeutlicht beispielsweise die Hystoria civitatis Plznensis des ins katholische Lager gewechselten Hilarius von Leitmeritz anhand eines Ausschnitts die Atmosphäre in dem konfessionell gespaltenen Land. Die Außenansicht auf Böhmen in der katholischen Welt lässt demgegenüber ein Ausschnitt aus der Historia Bohemica des Aeneas Silvius Piccolomini deutlich werden, der sich als gut informierter Zeitzeuge präsentierte und der als Pius II. auf der Cathedra Petri saß.

Ergebnisse der Revolution

Die größte Aufmerksamkeit verdient zunächst der Umstand, dass nicht einmal die instabilen Verhältnisse in den Jahren 1419-1436 zu bedeutenderen territorialen Veränderungen zum Nachteil der Böhmischen Krone geführt hatten. Mit den Iglauer Kompaktaten vom Sommer 1436 und der allgemeinen Anerkennung Sigismunds von Luxemburg als böhmischer König war die Revolution offiziell beendet. Wie die nachfolgenden – keineswegs geradlinig verlaufenden und von weiteren macht- und Glaubenskämpfen bestimmten – Jahrzehnte zeigten, etablierte sich auf politischer Ebene allmählich eine Ständeverfassung mit einem Wahlkönigtum an der Spitze, in der die Stände – Herren (Hochadel), Ritter und königliche Städte – eine entscheidende politische Mitbestimmung, auch zu Lasten der ausgegrenzten Geistlichkeit, durchsetzten.[52] Im Spektrum der gesellschaftlichen Kräfte dominierte weiterhin der Hochadel nicht zuletzt dank der Okkupation von Kirchen- und Königsgut. Das Stadtbürgertum litt noch lange unter den wirtschaftlichen Folgen der Kriegsjahre und der Störung der Handelskontakte bzw. der Verlagerung des Transithandelsweges. Die hussitische Revolution vollendete zudem den Prozess der Tschechisierung der meisten böhmischen Städte; das deutsche Patriziat verlor erheblich an Einfluss – mit Ausnahme der nordböhmischen Grenzstädte. Die tschechische Sprache erlebte einen Aufschwung und konnte sich in der zweiten Hälfte des 15. als Amtssprache etablieren, was u. a. auch die überlieferten Bürgertestamente in tschechischer Sprache zum Ausdruck bringen.[53] Das Nebenland Mähren ging eigene Wege: Die großen Städte blieben unangefochten deutsch und katholisch, mit dem Bistum Olmütz (Olomouc) an der Spitze.[54] Für die Bauern hingegen änderte sich de facto kaum etwas – mit Ausnahme der Konfession, in der sie der jeweiligen Herrschaft zu folgen hatten. Zwei Konfessionen bestimmten das Bild der Kirche, bei deutlicher Dominanz der Utraquisten in Adel und Stadtbürgertum. Die utraquistische Kirche war arm, von den weltlichen Ständen abhängig, von Rom hingegen in der kirchlichen Rechtsprechung und Ämterbesetzung unabhängig. Der Umfang des katholischen Kirchenguts war im Vergleich zur Vorkriegszeit um annähernd 90 Prozent zurückgegangen, das Erzbistum Prag blieb bis 1561 unbesetzt. Der legitimen Doppelkonfessionalität – wenn auch im Rahmen einer formal einheitlichen Kirche - mussten auch die gewählten Repräsentanten des böhmischen Throns ihren Respekt erweisen, auch nach 1462, als Papst Pius II. die Basler Kompaktaten für ungültig erklärte. Doch nicht einmal ein neuer Kreuzzug mit dem ungarischen König Matthias Corvinus an der Spitze vermochte den Status quo zu verändern. In einem Aufstand im September 1483 wurde wiederum die Stärke der utraquistischen Partei sichtbar und die Führer der katholischen Seite sahen sich gezwungen, ohne Rücksicht auf die römische Kurie die Unabänderlichkeit der machtpolitischen Kräfteverteilung zu akzeptieren. Mit dem Kuttenberger Religionsfrieden, beschlossen auf einem Landtag 1485 in der „Silberschatztruhe“ des Königreichs Böhmen, jedenfalls fanden die annähernd sechs Jahrzehnte dauernde Etappe zweier im Grunde parallel existierender Gesellschaften mit unterschiedlichem Glaubensbekenntnis ihren Abschluss – bei gleichzeitiger Existenz der verketzerten Brüderunität, die sich programmatisch von Rom gelöst hatte.

Die Bilanz der hussitischen Revolution fiele unvollständig aus, würde man deren Ergebnisse nicht mit den ursprünglichen Idealen konfrontieren, mit denen sie den geschichtlichen Schauplatz betreten hatte. Kein Zweifel besteht daran, dass die Herrschaft des göttlichen Gesetzes (lex Dei) als dem Alltagsleben der Gesellschaft übergeordnete und prägende Norm nicht realisiert wurde. Seit der ersten Hälfte der dreißiger Jahre des 15. Jahrhunderts erfolgte  - anfänglich langsam und nachfolgend immer sichtbarer – die Rückkehr zu jenen Organisationsstrukturen, deren Wirksamkeit die Revolution unterbrochen hatte und die nun nach Verkündung der Kompaktaten erneut ihre Arbeit aufnahmen. Landes- und Hofämter mit ihrer Agenda, der königliche Rat und weitere Institutionen gehörten hierzu. Nach 1436 verlor der Begriff der lex Dei seine exklusive Stellung im zeitgenössischen politischen Wörterbuch, an seine Stelle trat jetzt das bonum commune, das das Wohlergehen von Staat und Bürgern ins Zentrum rückte. Diese Verlagerung reflektierte dabei den Übergang von einer exklusiven ideologischen Auffassung der Politik hin zu einer stärker instrumentalisierten und pragmatischeren Auffassung als Kennzeichen für die postrevolutionäre Situation und die Interessen des Ständestaates.

Johannes Hus – Nachleben als Ketzer und Märtyrer

Johannes Hus gehörte zwar zu keinem Zeitpunkt zum erlauchten Kreis der vom hl. Wenzel angeführten böhmischen Landespatrone, doch genoss er nach seinem Flammentod 1415, abhängig von den politisch-historischen Rahmenbedingungen der böhmischen (tschechischen) Geschichte, ein hohes Ansehen unter seinen geistigen Nachfahren, das mitunter einen kultähnlichen Status erreichte und dabei nicht selten als Legitimationsobjekt für eigene national-emanzipatorische und politische Forderungen diente, mitunter auch missbraucht wurde.[55] Nicht nur Johannes Hus wurde auf dem Konstanzer Scheiterhaufen verbrannt, auch seine persönlichen Gegenstände wie Schuhe und Kleidung übergaben die Konzilsväter und weltlichen Richter den Flammen, um so zu verhindern, dass sich ein Kult um den böhmischen Ketzer in seiner Heimat um verehrungswürdige Gegenstände des Prager Magisters entwickelte.[56] Doch diese Zielstellung schlug fehl – die Glut des Scheiterhaufens zu Konstanz war noch nicht erloschen, da sprang bildlich gesehen der Funke nach Böhmen über und entzündete ein Feuer, das sich in dafür nahrhafter Erde wie ein Flächenbrand ausbreitete und Teile Mitteleuropas für eineinhalb Jahrzehnte durch die „Rayszen“ (=Heerfahrten) der „verdammten Hussen“ – namentlich unter dem Heerführer Prokop dem Großen - in Angst und Schrecken versetzte. Die Hussiten wurden zu einem Symbol für die böhmischen „Ketzer“, die in der Nachfolge ihres am Bodensee verbrannten Landsmannes die katholische Ordnung und die Hierarchie der Papstkirche unter dem Banner des Kelches zu erschüttern suchten und dabei als Bindeglied einer ansonsten heterogenen Struktur die sog. Vier Prager Artikel – u. a. mit der Laienkommunion in beider Gestalt (sub utraque specie) als zentraler Forderung - propagierten. Erstaunlich und überraschend zugleich erscheint dabei die Tatsache, dass sich die „Hussiten“ zwar den Prager Magister und Prediger als (im transzendenten Sinne) Führer und Märtyrer ihrer Gruppierung erwählten, sich selber aber keinesfalls als Sekte begriffen, sondern als „fromme Böhmen“ bezeichneten, während ihre Gegner sie mit auf Hus abzielenden Schimpfwörtern mit nicht geringem Erfolg zu diffamieren suchten, wie etwa – so der Chronist Laurentius von Březová - der Schlachtruf „Hus! Hus! Katzer! Katzer“ im Scharmützel am Prager Veitsberg Mitte Juli 1420 bezeugt, als ein Kreuzfahrerheer unter König Sigismunds Führung vor den Toren Prags vergeblich versuchte, die böhmische Hauptstadt zu erobern und den Gegner militärisch in die Knie zu zwingen.

Entgegen der von der marxistisch-leninistischen Geschichtsschreibung über viele Jahrzehnte bis 1989 (zumindest offiziell) vertretenen Auffassung von einer ungebrochenen Kontinuität der Hus-Tradition, unterlag die Reflexion der auf Hus bezogenen Traditionen vielen Brüchen. Bald nach Eintreffen der Nachricht vom Tode Hussens in Böhmen zelebrierten seine Anhänger in der Prager Bethlehemskapelle Trauergottesdienste, die quasi die Geburtsstunde des heiligen Märtyrers bildeten. Dass weit über das Ende der Hussitischen Revolution 1436 hinaus  Schriften Hussens in seiner utraquistisch dominierten Heimat zum Bestand persönlicher Bibliotheken zählten, bezeugen Erwähnungen von Hus-Schriften in böhmischen Bürgertestamenten des 15. Jahrhunderts.[57] Auch in der Ikonographie zeigte sich Hus präsent: Die älteste Darstellung in seiner Heimat findet sich hierbei in der sog. Martinitzer Bibel, entstanden wohl kurz nach 1430 und im Modul beschrieben. Ebenso wie auf allen nachfolgenden Bildern bis in das ausgehende 15. Jahrhundert erscheint der dem Scheiterhaufen überantwortete Hus hier bartlos (in der Martinitzer Bibel zudem adoriert von Peter von Mladoniowitz, dessen Bericht in den utraquistischen Kirchen am Tage des Märtyrertodes verlesen wurde). Die Ikonographie Hussens in den Handschriften und zuweilen auch auf tafelförmigen Gemälden des 15. Jahrhunderts findet im europäischen Kontext nichts Vergleichbares – mit Ausnahme der sog. Roudníker Altarfeln (um 1480) als wohl bedeutendstem Zeugnis der ansonsten nur fragmentarisch überlieferten utraquistischen Kunst., die Hus – wie im Modul deutlich wird – auf dem Scheiterhaufen zeigen. Es handelt sich hierbei um die einzig bekannte Darstellung der Verbrennung des Jan Hus in der Tafelmalerei! Vor allem nach 1483 erlebte die Hus-Verehrung einen neuerlichen Aufschwung, als in Prag für viele Jahre die radikalen Utraquisten an die Macht gelangten, wobei der „Jenaer Codex“ (vor 1500) und die großformatigen Illuminationen im sog. Leitmeritzer Gradual (um 1517) herausragen, die für die Hus-Ikonographie aufgrund der beiden großformatigen Darstellungen der Konstanzer „Disputation“ sowie der Verbrennung und der Himmelfahrt Hussens für die Hus-Ikonographie, wie im Modul deutlich wird, wegweisende Bedeutung besitzen.[58] Die Weiterwirkung des Hauptwerkes von Johannes Hus, dem Traktat „De ecclesia“, wird anhand einer in der Hus-Forschung – zumindest im deutschen Sprachraum – weitgehend unbekannten Übersetzung ins Deutsche aus den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts im Modul auszugsweise aufgezeigt, die im reformatorischen Milieu Straßburgs  entstand.

Im Modul wird besonderer Wert gelegt auf die Hus-Rezeption seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, weil hier Hus unter neuen Rahmenbedingungen und einer zunehmenden konfessionellen, politischen und ethnisch-nationalen Instrumentalisierung in den Mittelpunkt rückte. Dies lässt sich u. a. an der im Hussiten-Museum in Tabor aufbewahrten Lithographie des aus der Düsseldorfer Schule stammenden Historienmalers Carl Friedrich Lessing von 1850 aufzeigen, ebenso an Emil Holareks 1897/98 entstandenem, kaum bekanntem Ölgemälde „Die Verbrennung der Bücher Wyclifs auf dem Altstädter Ring zu Prag“, mit denen der böhmische Maler als Vertreter des Historismus einen Einblick in eine Schlüsselszene der Auseinandersetzungen um die Lehre Wyclifs in Prag 1410 gewährt.

Die Arbeiten des aufgeklärten Prager Kirchenhistorikers Kaspar Royko (1744-1819), der 1783 eine vierbändige Geschichte des Konstanzer Konzils veröffentlichte, in der er die Haltung Hussens verteidigte und die Auffassung vertrat, hätte Hus jetzt gelebt, sei ihm die schützende Hand des aufgeklärten Kaisers Joseph II. sicher gewesen.  Diese und andere Arbeiten trugen dazu bei, das Wissen über diesen Abschnitt der böhmischen Geschichte im breiteren Bewusstsein der Zeitgenossen zu verankern und sie weckten zugleich Interesse für die Tätigkeit Hussens an der Prager Bethlehemskapelle. Abhängig von der politischen Entwicklung in der napoleonischen und nachnapoleonischen Zeit zeigte sich das Bild Hussens aber auch weiterhin starken Schwankungen unterworfen, wobei die nationalemanzipatorischen Bestrebungen der Tschechen und die wachsenden ethnisch-nationalen Gegensätze zwischen Tschechen und Deutschen hierbei eine immer stärkere Rolle spielten. Auf tschechischer Seite trug der „Vater der böhmischen Geschichtsschreibung“, der im Modul gewürdigte Landeshistoriker František Palacký (1798-1876), in entscheidendem Maße und auf vielfältige Weise zu einem wachsenden Interesse an Hus bei. Schon als 19jähriger hatte Palacký in Pressburg in einer lateinischen Rede und einem Gedicht das Märtyrertum Hussens mit der Überzeugung von der Unsterblichkeit des menschlichen Geistes verbunden. Seine Wertung Hussens und der mit seinem Namen verbundenen religiösen Bewegung enthielt unterschiedliche Akzente, abhängig davon, ob Palacký sich nun im katholischen Milieu der böhmischen Länder und der strengen österreichischen Zensur oder aber für die protestantischen deutschen Länder äußerte.

Als Begründer einer neuen Konzeption der böhmischen, insbesondere der tschechischen Geschichte, stilisierte Palacký in seiner mehrbändigen, seit 1836 unter dem Titel „Geschichte von Böhmen“ und seit 1848 in tschechischer Sprache unter dem Titel „Dějiny národu Českého v Čechách a na Moravě“ erschienenen Darstellung, das Hussitentum zum Höhepunkt der tschechischen nationalen Geschichte, wobei er sich zugleich bemühte, Hus und seine Ideen in einen „europäischen Kontext von Kollisionen zwischen Katholizismus und Protestantismus“ einzuordnen.[59] Auf Druck der österreichischen Zensur musste Palacký jedoch seinen Text gerade mit Blick auf diese Aussage verändern. „Der Hussitismus musste eine Wirkung ohne Ursache sein“, kommentierte Palacký nachträglich. Persönliche Eigenschaften des Magisters Johannes Hus charakterisierte Palacký in beiden Versionen in nahezu identischer Art und Weise, lediglich die von der Zensur aufgezwungene Formulierung über Hussens „unangemessene Kühnheit und Rücksichtslosigkeit, Hartnäckigkeit und unbiegsamen Eigensinn“ schwächte Palacký im tschechischen Text wesentlich ab. Heftig attackiert wurde das von Palacký propagierte Bild des Kirchenreformers Hus seit den 1850er Jahren durch den aus Süddeutschland stammenden katholischen Konvertiten und Professor an der Prager Universität Konstantin von Höfler (1811-1897), der in seinen Schriften Hus und die ganze hussitische Bewegung nicht allein aus moralischer, sondern zugleich auch aus deutschnationaler Sicht verurteilte. Dies geschah vor dem Hintergrund des 1855 zwischen Österreich und dem Vatikan geschlossenen Konkordats und der Etablierung des Neoabsolutismus im Gefolge der Niederschlagung der Revolution von 1848/49. Mit seiner umfangreichen kritischen Quellensammlung von 1869 über Hussens Leben, Lehre, seinen Prozess sowie die Religionsstreitigkeiten (Documenti Magistri Joannis Hus...), die noch heute für die Forschung elementare Bedeutung besitzt und die der Herausgeber an zahlreiche ausländische Forscher sandte, sowie der zweiten Auflage seiner Hus- und Hussitengeschichte von 1870 schloss Palacký sein reichhaltiges und weit wirkendes Lebenswerk über Johannes Hus ab. Palackýs Vorstellungen, die dank der damals sehr populären historischen Romane Alois Jiráseks in breiteren Schichten der Bevölkerung große Verbreitung fanden, beherrschten das tschechische historische Bewusstsein bis weit in das 20. Jahrhundert. Hus erschien hierin als nationalbewusster und zugleich fortschrittlicher, demokratischer Kämpfer gegen die konservativen Kräfte, nämlich Kirche und Kaisertum.

Mit dem verlorenen preußisch-österreichischen Krieg (1866) und dem österreichisch-ungarischen Ausgleich (1867) fanden tschechische Hoffnungen auf eine Föderalisierung der Habsburgermonarchie ein Ende. Hatte František Palacký den Tod des hussitischen Heerführers Jan Žižka noch als Glück für das tschechische Volk bezeichnet, wurde nunmehr der „Kriegsheld“ Žižka für die sich immer stärker entwickelnde tschechische Nationalbewegung wieder eine weitaus nützlichere Identifikationsfigur als der „Märtyrer“ Hus. Schon bald trugen die von Arbeitervereinen initiierten „Volksversammlungen“ an bedeutenden, mit der tschechischen Geschichte verbundenen Orten (tschechisch „tábory“ – ein Begriff, der an das Zentrum der hussitischen Bewegung in der südböhmischen Stadt Tábor erinnerte) dazu bei, dass die Form der hussitischen  Tradition nunmehr als eine tragende Achse der eigenen Nationalgeschichte angesehen und das tschechische Volk als Nachfolger, Erbe und Fortsetzer der „boží bojovníci“ – also der „Gotteskrieger“ – betrachtet wurde. Diese Umstände führten aber zugleich auch zu einer Neubetonung der sozialen Dimension des historischen Vermächtnisses von Johannes Hus und des Hussitentums. Anlässlich des vermuteten 500. Jahrestages der Geburt des Prager Magisters fand 1869 in Hussens Geburtsort Husinec (Hussinetz) trotz katholischer Proteste unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und zahlreicher ausländischer Gäste die erste große Feier zu Ehren des „unsterblichen“ Magisters statt - eine Manifestation im nationalen (tschechischen) und slawischen Geiste! Seit dieser Zeit wurde Hus als nationaler Märtyrer für die Wahrheit gefeiert, wenngleich deren wahrer Inhalt in der tschechischen, sich säkularisierenden Gesellschaft bereits stark verwässert war.

Für Tomáš G. Masaryk (1850-1937), den tschechischen Philosophen, Politiker und späteren „Staatsgründer“, bildete Johannes Hus die ideale Identifikations- und Integrationsfigur für die Frage nach dem „Sinn“ (smysl) der eigenen Nationalgeschichte, wobei der nationale Ideologe Masaryk das religiöse Ethos mit dem nationalen Anliegen zu verschmelzen suchte, wobei Masaryk auf Hus als Idealgestalt zurückgriff, die angeblich dem Humanismus und der Nation verpflichtet gewesen sei, was den Historiker Josef Pekař (1870-1937) veranlasste wiederholt gegen Masaryks zeitgenössische quasireligiöse Deutung des historischen Hus polemisch zu Felde zu ziehen und dafür plädierte, den Prager Magister und Theologen aus seiner Zeit heraus zu verstehen und zu interpretieren. Wie sehr Hus auch Gegenstand der aktuellen Tagespolitik wurde, zeigte sich u. a. an der umfangreichen und lange anhaltenden, sich durch erbitterte Polemiken auszeichnenden Diskussion um die Errichtung eines Hus-Denkmals in Prag am Ende des 19. Jahrhunderts, dessen Entstehung im Modul im Kontext betrachtet wird, zumal es mehr als ein Vierteljahrhundert dauerte, bis endlich aus Anlass des 500. Wiederkehr der Verbrennung Hussens in Konstanz das von dem bedeutenden symbolistischen Bildhauer Ladislav Šaloun (1870-1946) entworfene Denkmal feierlich enthüllt werden konnte.[60] Aus der geplanten nationalen Großmanifestation wurde angesichts des Ersten Weltkriegs und der österreichischen Zensur freilich nur eine Feier in kleinem Rahmen. Das gesamte anti-österreichische Exil tschechischer Politiker bekannte sich um so lautstarker zu Hus, dessen Person den Kampf für einen selbständigen Staat als eine Art Leitstern begleitete – „im Namen des tschechischen Reformationsgedankens gegen die Ideologie der österreichischen Gegenreformation“, wie Tomas G. Masaryk am 6. Juli 1415 in Genf öffentlich bekannte. Am Ende des Großen Krieges wurde die Mariensäule Anfang November 1918 als verhasstes Symbol der untergegangenen Monarchie geschleift. Nunmehr dominierte das Hus-Denkmal uneingeschränkt den Altstädter Ring und in der neugegründeten Tschechoslowakischen Republik, in der die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder entstand, für die die Lehre des Jan Hus einen wesentlichen Bestandteil ihrer Lehre bildete, spielten Hus- und die Reformationstradition eine tragende Rolle in der offiziellen Staatstradition, gemäß dem hussitischen Wahlspruch „Die Wahrheit siegt“ (Pravda vítězí).

Die offizielle Hus-Verehrung führte aber auch zu neuen Spannungen – etwa in den Beziehungen zum Vatikan. Die Teilnahme der tschechischen politischen Repräsentanz an den Hus-Feierlichkeiten im Juli 1925 sollte die enge Verbundenheit des Staates mit der Hus-Tradition unterstreichen, führte aber diplomatisch zu einem Eklat, als der päpstliche Nuntius Prag vorübergehend verließ. Die verschiedenen politischen Lager in der Tschechoslowakei suchten Hus für ihre Zwecke zu instrumentalisieren: Für die national-konservative Linie etwa galt Hus als Identifikationsfigur mit Blick auf die Intensivierung antideutscher Polemiken sowie eine Tschechisierung der Grenzgebiete, linke Kräfte verwiesen bei ihren sozialen Forderungen ebenfalls auf Hus, wobei die 1921 gegründete KPTsch die religiösen Dimensionen Hussens offenkundig gar nicht verstand oder verstehen wollte, während das Hussitentum als Vorgänger der proletarischen Revolution und Hus als Kämpfer gegen die ausbeutenden Klassen und die katholische Kirche herhalten musste. Dass Hus während der nationalsozialistischen Okkupation dem Widerstand als Symbolfigur im Kampf gegen die deutschen Besatzer diente, erscheint in diesem Kontext nur folgerichtig, ebenso wie der Umstand, dass Hus nach 1945 als ideologische Begründung für die Abschiebung der Deutschen aus der Tschechoslowakei vereinnahmt wurde – unter Verweis auf das Zustandekommen des Kuttenberger Dekrets und Hussens vermeintlichen Anteil hieran, ohne dass freilich die genauen Entstehungsursachen und Zeitumstände in die Argumentation einflossen.

Seit dem Februarputsch 1948 wurde die Hus-Tradition ganz in den Dienst der marxistisch-leninistischen Weltauffassung gestellt, verzerrt und häufig entstellt. Der historische Hus diente ahistorisch als Argumentationsfigur für die aktuellen ideologischen und propagandistischen Bedürfnisse der neuen Machthaber, die sich nicht scheuten Hus als Schöpfer eines ideologisch-sozialen Programms der hussitischen Kämpfer zu interpretieren, auch um die eigene Macht zu legitimisieren. In diesem Kontext ist auch die architektonische Erneuerung der Bethlehemskapelle in den Jahren 1950-54 zu sehen, wobei das zentrale kommunistische Tagesblatt „Rudé právo“ behauptete, die bourgeoise Republik hätte für die Wiederherstellung der Kapelle kein Verständnis besessen und erst „unsere volksdemokratische Republik konnte diese Bemühung realisieren“. Dabei verstand es die KPTsch sehr geschickt das Medium Kino für die eigene oberflächliche Rezeption von Hus und Hussitentum in ihren Dienst zu stellen: Der bekannte Regisseur Otakar Vávra schuf in den Jahren 1954-57 eine im Modul berücksichtigte Filmtrilogie nach Motiven der Romane von Alois Jirásek (1851-1930) und widmete dabei den – historisch natürlich richtigen – Auftakt einem Film über Jan Hus, der die kommunistische Propaganda in der Tschechoslowakei der 1950er Jahre in das böhmische Mittelalter zu reflektieren suchte und den Kirchenreformer Hus de facto zum Sprecher der unterdrückten Klassen und Ideologen der sozialen Revolution stilisierte.[61] Als wissenschaftlicher Berater des Filmprojekts zeichnete der Historiker Josef Macek verantwortlich, der den Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch und ideologischem Ballast zu meistern suchte, auch in seiner eigenen Hus-Biographie von 1961. Ein anderer Historiker, Zdeněk Nejedlý, schaffte diesen Balanceakt noch weniger: Auf der einen Seite steht sein grundlegendes mehrbändiges Werk über die „Geschichte des hussitischen Gesangs“ (Dějiny husitského zpěvu) von 1954-56, auf der anderen Seite seine Funktion als kommunistischer Schulminister und 1. Vorsitzender (ab 1953) der Akademie der Wissenschaften, wo er die Hussiten als Vorläufer der kommunistischen Gesellschaftsrevolution pries und den Satz prägte: „Sage mir, was du über das Hussitentum denkst, und ich sage dir, wer du bist“. Die Bilanz der Geschichtswissenschaft in der ČSSR fällt insgesamt zwiespältig aus – auf der einen Seite findet sich die von der offiziellen Linie der KPTSch diktierte und in zahlreichen Darstellungen reflektierte Auffassung Hussens und des Hussitentums als mittelalterlichen Vorläufern des Sozialismus bzw. Kommunismus, auf der anderen Seite lehnten nicht wenige Historiker diese simplifizierende Interpretation ab, wie die Arbeiten von František Šmahel, Amedeo Molnár, Robert Kalivoda, Jiří Kejř, Petr  Čornej u. a. eindrucksvoll dokumentieren. Nach dem Einmarsch der Armeen des Warschauer Paktes und der Niederschlagung des sog. Prager Frühlings traf der Bannstrahl der Hartliner in der KPTSch insbesondere jene Historiker, die sich im politischen Tauwetter der 1960er Jahre regimekritisch geäußert und engagiert hatten. Unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen fristeten sie ein Dasein am Rande der offiziellen Gesellschaft, um so erstaunlicher und bewundernswerter sind daher die wissenschaftlichen Leistungen – auch in den Forschungen über Hus und die Hussiten – zu bewerten, wobei u. a. westliche Historiker im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit Berufsverbot bestraften Kollegen in der ČSSR etwa mit Publikationsmöglichkeiten im westlichen Ausland halfen.

Eine grundlegende Wende trat nach der Samtenen Revolution im Spätherbst 1989 in der Tschechoslowakei ein, was in einem mitunter schmerzlichen Prozess von „Aufarbeitung“ zum Ausdruck kam und die Sicht auf weiße Flecken sowie kontrovers beurteilte – neuralgische - Themen gravierend veränderte. Auch Persönlichkeit, historische Bedeutung und geistiges Vermächtnis von Johannes Hus konnten in diesem, nicht mehr von ideologischer Bevormundung geprägten Prozess nicht abseits bleiben. Die Einsicht, dass Hus in einer „befreiten“ (freien) Gesellschaft zu polarisieren vermag, gewannen im Moment des Falls des kommunistischen Regimes die Repräsentanten der katholischen Kirche, die als solche sich um eine eigene historische Rehabilitierung und um Glaubwürdigkeit in den Augen der tschechischen Gesellschaft bemühte. Das Thema Hus wurde in diesem Kontext bewusst in die Diskussion einbezogen und beim Besuch des damaligen Papstes Johannes Paul II. auch angesprochen, wobei der höchste Vertreter der katholischen Kirche sein Bedauern über Hussens Verurteilung auf dem Konstanzer Konzil zum Ausdruck brachte und Hus, von theologischen Auffassungen abgesehen, ein untadeliges Leben bescheinigte. Die 1993 durch den Prager Erzbischof Miloslav Vlk ins Leben gerufene „Kommission für das Studium der mit der Persönlichkeit, dem Leben und Werk des Magisters Johannes Hus verbundenen Problematik“ nahm in der Folge im Zusammenwirken von Historikern und Theologen entscheidenden Anteil an zwei großen internationalen Konferenzen in Bayreuth (1993) und im Vatikan (1999), deren Tagungsbände heute, neben dem peu à peu edierten Werk Hussens zur Standartausstattung der Forschung gehören, ebenso die im Zusammenhang mit dem 600. Todestag Hussens im Jahre 2015 erschienenen Publikationen.

Diskurse und Kontroversen – das „zweite Leben“ der hussitischen Revolution

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden in der Bewertung des Hussitismus zunehmend die ethnisch-nationalen Spannungen zwischen Tschechen und Deutschen ihre Reflexion. Der Hussitismus diente dabei, unter dem maßgeblichen Einfluss des von František Palacký entworfenen Geschichtsbildes, als Legitimationsobjekt der nach föderaler wie nachfolgend staatlicher Unabhängigkeit strebenden Tschechen. In diesem Zusammenhang erhielt die Hussitenzeit als vermeintlich ruhmreichste Periode der tschechischen Nationalgeschichte seit Gründung der Tschechoslowakei 1918 staatstragende Bedeutung. Die hussitische Devise Pravda vítězí (Die Wahrheit siegt) wurde von der Kommunistischen Partei nach deren Gründung 1921 sozial und ideologisch instrumentalisiert und 1945 gegen die deutsche Bevölkerungsminderheit sowie nach der Machtübernahme 1948 gegen die eigenen "bourgeoisen Volksfeinde" als Schutzschild verwendet. Dies geschah im Glauben, das revolutionäre Hussitentum böte die legitime Basis für das eigene, gewaltsam installierte kommunistische System, und fand seinen Niederschlag folglich auch im offiziellen Geschichtsbild, das freilich bereits in den 1960er Jahren Risse erhielt, als Historiker wie František Šmahel, Jaroslav Mezník, Jiří Kejř u. a. propagandistischen Plattitüden eine andere, quellengestützte Interpretation des Hussitismus entgegensetzten.[62] Unter dem Einfluss der westeuropäischen und angloamerikanischen Geschichtsschreibung entstand ein sozial-, geistes- und mentalitätsgeschichtlich vielfältiges Bild des Hussitentums, wobei seit 1989 insbesondere die Einordnung der Ereignisse in Böhmen in den zeit- wie geistesgeschichtlichen Kontext hervortritt (Periodisierung der Reformation des 15. und 16. Jahrhunderts, Verbindungslinien zur lutherischen Reformation Querverbindungen zu anderen "häretischen" Bewegungen, vor allem zum Waldensertum). Nach wie vor Gegenstand der Forschungsdiskussion sind Fragen nach dem Ende der Revolution, dem Revolutionsbegriff selbst sowie der inhaltlichen Ausgestaltung der erzwungenen Toleranz nach 1436.

Die Bewertungen der Ereignisse in Böhmen und Mähren zwischen 1419 und 1436 mögen auch heute noch in der Forschung divergieren. Was war die hussitische Revolution? Gar eine Revolution vor den Revolutionen?[63] Eine „ständische Sozialrevolution“?[64] Eine  „Revolution des Geistes“?[65] Nur eine „revolutionäre Bewegung“?[66]  War der Hussitismus ein Bestandteil des Reformationszyklus? Welche drei Komponenten – religiöse, nationale und sozial(politische) Aspekte – kamen  in welcher Reihenfolge zum Tragen? Ist es ein mixtum compositum, das hier wirkte?

Seit František Šmahels dreibändigem Opus magnum (immerhin gut 2.200 Seiten!) von 2002 und der „kleinen“ dreibändigen Darstellung des polnischen Mediävisten Stanisław Bylina (1936-2017) mit etwa 660 Seiten stellt sich die Frage, ob es noch weitere Gesamtdarstellungen der hussitischen Revolution dieser nicht allein für die ältere tschechische Geschichte so ungemein wegweisenden Zeitperiode überhaupt geben kann?[67] Und welche neuen Akzente könnten diese setzen? Sind es nicht eher Einzelstudien oder Darstellungen der Hussitenzeit innerhalb von neuen modernen Stadtgeschichten, die sich vor einem konkreten lokalen Hintergrund Fragen widmen, die mit der hussitischen Revolution zusammenhängen?[68] Auch Monographien, die sich Einzelfragen zu Hus und Hussitismus[69] widmen bzw. wichtige Quelleneditionen.[70]


[1] Vgl. Eduard Winter, Ketzerschicksale. Christliche Denker aus neun Jahrhunderten, Berlin  1979, S. 39.

[2] Im Kontext ausführlicher hierzu vgl. Petr Čornej – Milena Bartlová, Velké dějiny zemí koruny české, Bd. VI: 1437-1526, Praha-Litomyšl 207, S. 200-205.

[3] Zu Georg von Podiebrad vgl. grundlegend Rudolf Urbánek, Husitský král, Praha 1926, Fredrick G. Heymann, George of Bohemia. King of  Heretics, New York 1965. Petr Čornej – Milena Bartlová, Velké dějiny zemí Koruny české VI. 1437-1526. Praha 2007.

[4] Den Terminus „hussitisches Jahrhundert (husitské století) verwendet die neueste, 2014 von jüngeren tschechischen Historikern präsentierte Gesamtdarstellung, wobei allerdings expressis verbis dieser Zeitraum auf die Jahre 1402, als Johannes Hus die Stelle als Prediger in der Prager Bethlehemskapelle antrat, und 1485, als der Kuttenberger Religionsfrieden die Ära der konfessionellen und mit militärischen Mitteln ausgetragenen Konflikte zwischen dem hussitischen (utraquistischen) und katholischen Lager vorläufig beendete. Vgl. Pavlína Cermanová – Robert Novotný – Pavel Soukup (Hg.), Husitské století, Praha 2014, S. 5. Dass sich auch ein zeitlich noch weit umfangreicheres Gesamtpanorama der böhmischen Geschichte betrachten lässt, hat zuletzt František Šmahel angedeutet, als er auf den Zeitraum 1310-1526, d. h. vom Machtantritt der Luxemburger bis zu jenem der Habsburger, als eine Ära verwies. Vgl.  František Šmahel, Ve znamení císaře Karla IV. Panorama  českých dějin pozdního středověku (Sonderdruck eines Vortrags), Praha 2016, S. 17.

[5] Barbara Tuchman, A Distant Mirror: The Calamitous Fourteenth Century – Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert, Düsseldorf 1980.

[6] Grundlegend aus deutscher Sicht noch immer Ferdinand Seibt, Karl IV. Ein Kaiser in Europa, München 1978. Des Weiteren vgl. im Überblick Martin Kintzinger, Karl IV. In: Bernd Schneidmüller – Stefan Weinfurter (Hg.), Die deutschen Herrscher des Mittelalters, Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian I., München 2003, S. 408–32. Wichtige Aspekte der Herrschaft Karls IV. reflektieren zuletzt auch aus Anlass des 700. Geburtstages des Luxemburgers Jiří Fajt - Markus Hörsch (Hg.), Kaiser Karl IV. 1316-2016. Ausstellungskatalog Erste Bayerisch-Tschechische Landesausstellung (Nationalgalerie Prag und Germanisches Nationalmuseum Nürnberg), Prag 2016. Aus tschechischer Perspektive zuletzt Jiří Kuthan – Jan Royt, Karel IV. Císař a český král - vizionář a zakladatel. Praha 2016.

[7] Vgl. Jiří Spěváček, Karl IV. und seine Selbstbiographie, in: Vita Karoli Quarti – Karl IV. Selbstbiographie, Hanau 1979, S. 182.

[8] Ebd., S. 182.

[9] Ferdinand Seibt, Karl IV. Ein Kaiser in Europa, S. 165.

[10] Vgl. Martin Kintzinger, Karl IV., S. 408-432 (hier S. 408; wie Anm. 6).

[11] Zum Kontext, zu Zahlen und zur entsprechenden Spezialliteratur grundlegende František Šmahel, Die hussitische Revolution, 3 Bde. (MGH, Schiften 43/I-III), Hannover 2002 (hier Bd. 1, S. 88-122).

[12] Zum Kontext vgl. František Hoffmann, České město ve středověku, Praha 1992 sowie Eduard Maur u. a., Dějiny obyvatelstva českých zemí, Praha 1996.

[13] Vgl. Ernst Schwarz, Volkstumsgeschichte der Sudetenländer, Teil 1: Böhmen, Teil 2: Mähren, München 21987. Zum Kontext jetzt auch František Šmahel, Die hussitische Revolution (wie Anm. 11)..

[14] Ein Beleg dafür ist die Zahl der Neubürger. Während die entsprechenden Quellen der Prager Altstadt für 1379 lediglich neun Neubürger verzeichnen, waren es 1381 immerhin 124 Personen. Vgl. Čornej, Velké dějiny zemí Koruny české, Bd. V: 1402-1437, Praha-Litomyšl 2000, S. 34. In den ersten vier Monaten des Jahres 1380 sollen darüber hinaus in der Pfarrei St. Stephan in der Prager Neustadt 3.054 Begräbnisse stattgefunden haben, was einem Durchschnitt von 25 Personen pro Tag entspricht. Ebd. 36.

[15] Vgl. u. a. ) František Graus, Pest - Geissler - Judenmorde. Das 14. Jahrhundert als Krisenzeit. Göttingen1987 sowie Jaroslav Mezník, Mory v Brně ve 14. století, in: Mediaevalia Historica Bohemica 3, 1993, S. 225-235.  

[16] Zum Kontext vgl. František Šmahel, Die hussitische Revolution, Bd. 1, S. 118-132 (wie Anm. 11).

[17] František Šmahel, Husitské Čechy. Struktury – procesy – ideje, Praha 2001, S. 17.

[18] Vgl. grundlegend Jiří Kejř, Dějiny Pražské Právnické Univerzity, Praha 1995. Aus deutscher Sicht Peter Moraw, Die Universität Prag im Mittelalter im europäischen Zusammenhang, in: Die Universität zu Prag, München 1986 (Schriften der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, Bd. 7), S. 9-134.

[19] Vgl. Protocollum visitationis archidiaconatus Pragensis annis 1379-1382 per Paulum de Janowicz archidiaconum Pragenseum, factae, hg. von Ivan Hlaváček – Zdeňka Hledíková, Praha 1973. Zum Kontext der Visitationen wiederum Zdeňka Hledíková, Die Visitationen des weltlichen Klerus im vorhussitischen Böhmen, in: Mediaevalia Bohemica I, 1969! Heft 2, S. 249-274.

[20] Die Liste der Verfehlungen erstreckt sich von der Habgier mancher Geistlicher,  die sich weigerten, die Sterbesakramente, Beichten, Taufen, heiliges Abendmahl usw. zu verabreichen, bevor ihnen dafür in Bargeld und manchmal mehr als die verabredete Taxe bezahl wurde, über Kelchverpfändungen und das Fehlen der Statuten bis hin zu persönlichen Eigenschaften der Geistlichen wie Trunksucht, Konkubinat, Tanzliebhaberei u. ä. Vgl. hierzu Ivan Hlaváček, Beiträge zum Alltagsleben im vorhussitischen Böhmen. Zur Aussagekraft des Prager Visitationsprotokolls von 1379-1381 und der benachbarten Quellen, in: Jahrbuch für fränkische Landesgeschichte 34/35, 1975, S. 865-882.

[21] Zur Gründung der Bethlehemskapelle und zum zeitgeschichtlichen Kontext vgl. Šmahel, Die Hussitische Revolution, Bd. 2, S. 752-787 (wie Anm. 11)sowie Soukup, Jan Hus, Stuttgart 2015, S. 24-42.

[22] Vgl. zuletzt Armin Kohnle – Thomas Krzenck (Hg.), Hus deutsch, Leipzig 2017.

[23]Vgl. Dějiny univerzity Karlovy, Bd. 1: 1347/48–1622, hrsg. von Michal Svatoš u. a., Prag 1995. Zu den Folgen für Leipzig vgl. Enno Bünz, Gründung und Entfaltung. Die spätmittelalterliche Universität Leipzig 1409–1539, in: Enno Bünz/Manfred Rudersdorf/Detlef Döring, Geschichte der Universität Leipzig 1409–2009, Bd. 1: Spätes Mittelalter und Frühe Neuzeit 1409–1830/31, Leipzig 2009, 55–79.

[24] Grundlegend hierzu jetzt Martin Nodl, Das Kuttenberger Dekret von 1409. Von der Eintracht zum Konflikt der Prager Universitätsnationen, Köln-Weimar-Wien 2017.

[25] Zum Kontext Pavel Soukup, Jan Hus, S. 82 -83 (wie Anm. 21).

[26] Vgl. František Šmahel, Jan Hus. Život a dílo, Praha 2013, S. 65.

[27] Grundlegend hierzu Jiří Kejř, Die causa Johannes Hus und das Prozessrecht der Kirche, Regensburg 2005. Zuletzt auch hierauf aufbauend Thomas A. Fudge, The Trial of Jan Hus. Medieval Heresy and Criminal Procedure, Oxford 2013.

[28] Im breiten Kontext biographisch verortet vgl. Peter Hilsch, Johannes Hus. Prediger Gottes und Ketzer, Regensburg 1999.

[29] Leopold von Ranke, Weltgeschichte, teil 9, Leipzig 1888, S. 187. Exakt lautet das Zitat: „Erst, da Hus tot war, wurden seine Gedanken eigentlich lebendig.“

[30] Wie sehr Hus auch nach seinem Tode noch in Konstanz präsent war, hat zuletzt Pavel Soukup u. a. anhand von Konzilspredigten nach dem 6. Juli 1415 (Mauritius Rvačka, Leonardo Dati, Stephan von Páleč) aufgezeigt. Vgl. Pavel Soukup, Jan Hus v Kostnici po 6. červenci 1415, in: Jakub Smrčka – Zdeněk Vybíral (Hg.(, Jan Hus 1415 a 600 let poté, Tábor 2016, S. 165-178.

[31] Zu Wenzel IV. noch immer maßgeblich Jiří Spěváček, Václav IV. 1361-1419, Praha 1986. Die noch immer beste und umfangreichste Geschichte des Konstanzer Konzils verfasste Walter Brandmüller, Das Konzil von Konstanz 1414–1418. 2 Bände, Paderborn 1998/1999. Zum Konzil zuletzt Ansgar Frenken, Das Konstanzer Konzil, Stuttgart 2015 sowie Thomas Martin Buck – Herbert Kraume, Das Konstanzer Konzil. Kirchenpolitik, Weltgeschehen, Alltagsleben, Ostfildern 2013. Vgl. darüber hinaus Gabriela Signori – Birgit Studt (Hg.), Das Konstanzer Konzil als europäisches Ereignis, Ostfildern 2014 (VuF, Bd. 79) sowie Karl-Heinz Braun u. a. , Das Konstanzer Konzil als Weltereignis des Mittelalters 1414-1418. Essays, Ostfildern 2013

[32] Vgl. hierzu die Schreiben des Konzils von Februar und März 1416, ediert bei Jaroslav Ersil, Acta summorum Pontificum res gestas Bohemicas aevi praehussitici et hussitici illustrantia, Pars 2, Praga 1996, S. 618-624; die Schreiben sind u. a. gerichtet an die Barone Čeněk von Wartenberg, Lacek von Krawarn „et ceterique barones et milites regni Bohemiae et Marchionatus Moraviae“.

[33] Vgl. hierzu Pavel Soukup, Die Maßnahmen des Konzils gegen die Hussiten, in: Karl-Heinz Braun u. a., Das Konstanzer Konzil (wie Anm. 31), S. 92-96.

[34] Zu Johann dem Eisernen vgl. Thomas Krzenck, Prelát tahne do války. Jan Železný, in: Libor Jan u. a., Osobnosti moravských dějin 1, Brno 2006, S. 129-153. Zuletzt ausführlich zu Johann und Sigismund von Luxemburg Petr Elbel, Olomoucký biskup Jan Železný a Zikmund Lucemburský. Příspěvek k poznání Zikmundový spojenecké sítě v českých zemích a jeho dvorských struktur, in: Studia Mediaevalia Bohemica I, 2014, S. 17-68 (mit deutscher Zusammenfassung).

[35] Jiří Kejř, Deklarace pražské univerzity z 10. března 1417 o přijímání pod obojí a její historické pozadí.in: Sborník historický, 8, 1961, S. 133-156.

[36] Zum Kontext vgl. Šmahel, Die hussitische Revolution, Bd. 1 (wie Anm. 11).

[37] In breiterem Zusammenhang Čornej, Velké dějiny zemí Koruny české, Bd. V: 1402-1437 (hier insbesondere S. 181-202) (wie Anm. 14)

[38] Zum Kontext und zu Quellenhinweisen vgl. Šmahel, Die hussitische Revolution, Bd. 2, S.939 (wie Anm. 11).

[39] Zum Kontext vgl. Petr Čornej, Reforma a revoluce (1402-1437), in: Cermanová – Novotný - Soukup (Hg.), Husitské století (wie Anm. 4), S. 17-18.

[40] Jiří Kejř, Z počátků české reformace, Brno: 2006.

[41] Ausführlich hierzu Petr Čornej, 30. 7. 1419 – První pražská defenestrace : krvavá neděle uprostřed léta, Praha 2010. Zum Überblick über den Verlauf der Revolution und deren Ergebnisse Winfried Eberhard, Die hussitische Revolution in Böhmen. Ursachen – Ziele und Gruppen – Verlauf – Ergebnisse, in: Klaus Herbers – Florian Schuller (Hg.), Europa im 15. Jahrhundert. Herbst des Mittelalters – Frühling der Neuzeit?, Regensburg 2012, S. 136-160. Aus anderer Perspektive unter besonderer Akzentuierung religiöser, politischer und regionaler Aspekte vgl. Franz Machilek (Hg.), Die Hussitische Revolution, Köln-Weimar-Wien 2012. Aus anglo-amerikanischer Perspektive noch immer maßgeblich Howard Kaminsky, A History oft he Hussite Revolution, Los Angelas 1967. Einen knappen Überblick aus historischer und historiographischer Perspektive bietet zudem der Verfasser des grundlegenden, Maßstabe setzenden dreibändigen Werkes über die hussitische Revolution František Šmahel mit „Die ‚große’ Geschichte kleiner Völker: die hussitische Revolution in drei Akten, in: Joachim Bahlcke u. a., Konfessionelle Pluralität als Herausforderung. Koexistenz und Konflikt in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Winfried Eberhard zum 65. Geburtstag, Leipzig 2006, S. 183-200.

[42] Vgl. Stanisław Bylina, Rewolucja husycka. Przedświt i pierwsze lata, Warszawa 2011, S. 231-253. Zu den eschatologischen Vorstellungen im Kontext siehe Alexander Patschovsky – František Šmahel (Hg.), Eschatologie und Hussitismus, Praha 1996 (Historica. Series nova, Supplementum 1).

[43] Zu Tabor grundlegend Josef Macek, Tábor v husitském revolučním hnutí, 2 Bde., Praha 1952, 1956 sowie František Šmahel, Dějiny Tábora I-1,2, České Budějovice 1989,1990.

[44] Zum Kontext grundlegend Ferdinand Seibt, Hussitica. Zur Struktur einer Revolution, 2., erweiterte Auflage Köln-Wien 1990. Im breiteren europäischen Zusammenhang der Kreuzzugsproblematik des Spätmittelalters Pavel Soukup, Jaroslav Svátek u. a., Křížové výpravy v pozdním středověku, Praha 2010. Unter Betonung alltagsgeschichtlicher Aspekte vgl. darüber hinaus Thomas Krzenck, Heiliger Krieg – profaner Alltag? Anspruch und Wirklichkeit in der hussitischen Revolution, in: Religiöse Aspekte der Geschichte Böhmens und Mährens. Dokumentation Mitteilungsblatt der Sudentendeutschen Landsmannschaft 4, 2014, S. 27-43.

[45] Grundlegend hierzu vgl. zuletzt Amedeo Molnár, Husitské manifesty, Praha 1980 sowie Karel Hruza, Die hussitischen Manifeste vom April 1420, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters, 53. Jg. (1997), S. 119-177.

[46] Zu Sigismunds kirchlicher Pfandpolitik jetzt grundlegend Stanislav Bárta, Zástavní listiny Zikmunda Lucemburského na církevní statky (1420-1437), Brno 2017.

[47] Zur Schlacht bei Aussig im Kontext vgl. František Šmahel, Die hussitische Revolution, Bd. 2, S. 1382-1393. Des Weiteren siehe Thomas Krzenck, Die Hussitenkriege, Sachsen und Leipzig, in: Ulrich von Hehl (Hg.), Stadt und Krieg, Leipzig 2014, S. 51-69 (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Leipzig, Bd. 8). Hier auch Hinweise auf die ältere Literatur. Vgl. darüber hinaus zuletzt Ders., Sachsen und der Hussitismus, in: Herbergen der Christenheit. Jahrbuch für deutsche Kirchengeschichte 2014/2015, S. 17-51.

[48] Vgl. hierzu grundlegend Franz Machilek, Deutsche Hussiten. In: Jan Hus. Zwischen Zeiten, Völkern, Konfessionen, hg. von Ferdnand Seibt u. a., München 1997, S. 267-282. Zu den Inquisitionsverfahren gegen deutsche Hussiten vgl. wiederum Hermann Heimpel, Drei Inquisitionsverfahren aus dem Jahre 1425. Akten der Prozesse gegen die deutschen Hussiten Johannes Drändorf und Peter Turnau sowie gegen Drändorfs Diener Martin Borchard (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Bd. 24). Göttingen 1969. Ergänzend jetzt Franz Fuchs, Ulrich Grünsleder aus Vohenstrauß. Ein deutscher Hussit. In: Franz Machilek (Hg.), Die hussitische Revolution, S. 223-234.

[49] RTA VIII, S. 176, Zeile 33-34. Online abrufbar unter 147.231.53.91/src/index.php (14.10.2018).

[50] Zu den Pressburger Gesprächen und vor allem zur Rede Peter Paynes grundlegend Josef Macek, Die Versammlung von Pressburg 1429, in: Folia Diplomatica I, Brno 1971, S. 189-207. Zum Kontext wiederum vgl. František Šmahel, Die Hussitische Revolution, Bd. 2, S. 1454-1458.

[51] Grundlegend zur Schlacht bei Lipany Petr Čornej,  Lipanská křižovatka : příčiny, průběh a historický význam jedné bitvy. Praha 1992.

[52] Grundlegend zur Entwicklung nach 1437 vgl. Čornej – Bartlová, Velké dějiny zemí koruny české, Bd. VI: 1437-1526 (wie Anm. 2).

[53] Vgl. exemplarisch Thomas Krzenck, Böhmische Bürgertestamente des 15. Jahrhunderts, Marburg 2017 (Quellen zur Geschichte und Landeskunde Ostmitteleuropas, Bd. 9).

[54] Zur Entwicklung in Mähren grundlegend Josef Válka, Dějiny Moravy, díl 1: Středověká Morava, Brno 1991 (hier v. a. Kapitel 5 und 6).

[55] Vgl. Thomas Krzenck, Johannes Hus. Theologe, Kirchenreformer, Märtyrer, Gleichen – Zürich 2011.

[56] Zur Aktualität Hussens und des Konstanzer Konzils vgl. zuletzt Franz Machilek,  Jan Hus (um 1371) – Prediger, wahrheitszeuge, Reformator. In: Joachim Köhler – Franz Machilek, Gewissen und Reform. Das Konstanzer Konzil und Jan Hus in ihrer aktuellen Bedeutung, Berlin 2015, S. 11-70. Zur Verehrungsgeschichte aus deutscher Perspektive Peter Hilsch, Johannes Hus. Prediger Gottes und Ketzer, Regensburg 1999, S. 284-298. Zur Verehrungsgeschichte aus tschechischer Sicht in einem knappen Abriss vgl. Jaroslav Šebek, Verehrungsgeschichte, in: Stefan Samerski (Hg.), Die Landespatrone der böhmischen Länder. Geschichte – Verehrung – Gegenwart, Paderborn u. a. 2009, S. 287-296. Des Weiteren vgl. jetzt auch eingehend zu Hussens Nachleben Petr Čornej – Jan Hrdina, Praha Husova a husitská 1415-2015, Praha 2015, S. 113-260.

[57] Vgl. exemplarisch Thomas Krzenck, Books in Late Medieval Wills in Bohemia, in: Annual of Medieval Studies at CEU 7, 2001, S. 187-208.

[58] Zuletzt im Überblick Milena Bartlová, Iconography of Jan Hus, in: František Šmahel – Ota Pavlíček (Hg.), A Companion to Jan Hus, Leiden 2015, S. 325-341.

[59] Zu Palackýs Leben und Wirken grundlegend Jiří Kořalka, František Palacký, Praha 1998 (deutsche Ausgabe František Palacký(1798–1876): der Historiker der Tschechen im österreichischen Vielvölkerstaat. Wien 2007).

[60] Vgl. hierzu ausführlich Jan Galandauer, 6.7.1915 Pomník Mistra Jana Husa. Český symbol ze žuly a bronzu, Praha 2008.

[61] Grundlegend zum historischen Kontext in der stalinistischen Tschechoslowakei nach 1948 jetzt Jan Randák, V záři rudého kalicha. Politika dějin a husitská tradice v Československu 1948-1956, Praha 2015.

[62] Wesentliche Aspekte des Begriffes Hussitismus als Forschungsproblem akzentuiert Ferdinand Seibt, Hussitica. Zur Struktur einer Revolution. 2., erweiterte Auflage Köln-Wien 1990 (hier v. a. S. 5-9).

[63] Vgl. zuletzt František Šmahel, Husitské Čechy. Struktury – procesy – ideje. Praha 2001, S. 64-76 (anlehnend an Šmahels französisches Buch La Révolution hussite : Une anomalie historique, Paris 1985).

[64] Ferdinand Seibt, Revolution in Europa, München 1984.

[65] Howard Kaminsky, A History oft he Hussite Revolution, Los Angelas 1967, der den Hussiten eine Revolution im modernen Sinne abspricht.

[66] Vgl. Josef Macek, Die hussititische revolutionäre Bewegung, Berlin 1958 als Paradigma der marxistischen Geschichtsschreibung.

[67] Stanisław Bylina, Rewolucja husycka. Przedświt i pierwsze lata, Warszawa 2011. Tom 2: Czas chwały i czas zmierzchu, Warszawa 2015. Tom 3: Kontrrewolucja i opór pokonanych, Warszawa 2016. Bei anderer Akzentuierung vgl. darüber hinaus Pavlína Cermanová – Robert Novotný – Pavel Soukup (Hg.), Husitské století, Praha 2014.

[68] Vgl. exemplarisch Petr Elbel, Brno mezi katolickými pevnostmi husitské Moravy. In: Libor Jan (Hg.), Dějiny Brna  2: Středověké město. Brno 2013, S. 119-184 oder Pavel Soukup, Die Predigt als Mittel religiöser Erneuerung. Böhmen um 1400. In: Eva Schlotheuer (Hg.), Böhmen und das Deutsche Reich. Idee- und Kulturtransfer im Vergleich (13.-16.Jahrhundert), München 2009, S. 235-264.

[69] Vgl. exemplarisch Dušan Coufal, Mistr Jan z Hradce a kalich. Život a polemické dílo zapomenutého odpůrce Jakoubka ze Stříbra, in: Středověká univerzitní vzdělanost, ed. Martin Nodl, Praha 2017 (= Colloquia mediaevalia Pragensia 18), s. 11–118; Pavel Soukup, Reformní kazatelství a Jakoubek ze Stříbra, Praha 2001 und Pavlína Cermanová, Čechy na konci věků, Praha 2013. Zu Hus aus polnischer Sicht vgl. zuletzt Paweł Kras – Martin Nodl (Hg.), Jan Hus. Życie, myśl, dziedzictwo, Warszawa 2017.

[70] Vgl. exemplarisch Magistri Iohannis Hus Constantiensia, hg. von Helena Krmíčková u. a., Turnhout 2016 (Corpus Christianorum, Constinuatio Medievalis, Bd. 274; Magistri Iohannis Hus Opera omnia, Bd. XXIV) und pavel Soukup, Několik textů z odpustkové aféry aneb co je nového v roce 1412, Studia mediaevalia Bohemica 7, 2015, s. 249–288