Ungarn 1944/45-1985 - Über das Modul

Bearbeiter: Andreas Schmidt-Schweizer (Budapest)

Das vorliegende Modul beschäftigt sich mit der Geschichte Ungarns von der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs 1944/45, als Ungarn in den Herrschaftsbereich der Sowjetunion gelangte, über die Errichtung der „Volksrepublik Ungarn“ Ende der 1940er Jahre, den Volksaufstand 1956 und die Reformen unter János Kádár seit den 1960er Jahren bis zur Mitte der 1980er Jahre. Spätestens auf dem XII. Parteitag (März 1985) begann deutlich zu werden, dass der Sozialismus Kádár`scher Prägung keine Antworten mehr auf die wachsenden politisch-ideologischen Spannungen und sozioökonomischen Probleme des Landes geben konnte.[1] Die historischen Ereignisse in diesen vier Jahrzehnten lassen sich in acht Phasen untergliedern, deren grundlegende Ereignisse und charakteristische Entwicklungen im Folgenden skizzenartig vorgestellt werden.

I) Die „Koalitionsjahre“ (1944/45-1948): In den letzten Kriegsmonaten etablierte die sowjetische Militärmacht in Ungarn eine Provisorische Nationalregierung, die verschiedene politische Parteien vereinigte und unter der Aufsicht der – sowjetisch dominierten – Alliierten Kontrollkommission für Ungarn die Verwaltung und Wirtschaft des stark zerstörten Landes reorganisierte. Nach weitgehend freien Parlamentswahlen im November 1945 und bereits stark manipulierten Wahlen Ende August 1947 regierten bis Mitte 1948 formal mehrere Koalitionsregierungen aus bürgerlichen, sozialdemokratischen und kommunistischen Kräften, wobei die von Moskau politisch gestützte und über das Innenministerium verfügende Ungarische Kommunistische Partei (MKP) allerdings von Anfang an einen besonderen, weit über ihre soziale Basis hinausgehenden politischen Einfluss ausübte. Vor dem Hintergrund des sich seit 1947 verschärfenden Ost-West-Konflikts entmachteten die Kommunisten dann schrittweise ihrer bürgerlichen Gegner („Salamitaktik“) und erzwangen eine Vereinigung der Sozialdemokratischen mit der Kommunistischen Partei zur Partei der Ungarischen Werktätigen (MDP) unter Mátyás Rákosi. Damit war Mitte 1948 die Schaffung einer kommunistischen Staatspartei bzw. eines Einparteiensystems (Parteistaats) vollendet. Bereits zu Beginn dieser Phase wurde auf maßgebliches Betreiben der Kommunisten eine grundlegende Umgestaltung der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Verhältnisse eingeleitet: Es kam zu einer radikalen, auch von der Bevölkerungsmehrheit befürworteten Bodenreform bzw. zur Beseitigung des Großgrundbesitzes, zur Vertreibung eines bedeutenden Teils der Ungarndeutschen, zu einem ungarisch-slowakischen „Bevölkerungsaustausch“ sowie zur Verstaatlichung zuerst der Schlüsselindustrien, Banken und Versicherungen, dann auch größerer Industrie-, Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen. Parallel hierzu setzte außenpolitisch eine grundlegende politische und wirtschaftliche Umorientierung Ungarns auf die Sowjetunion ein.

II) Die Ära Rákosi (1948-1956): Nach der Etablierung der kommunistischen Einparteienherrschaft Mitte 1948 gingen die kommunistischen Machthaber in den folgenden Jahren daran, das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System Ungarns gänzlich nach dem Muster der Sowjetunion Stalins umzugestalten. Während der politisch-institutionelle Transformationsprozess mit der Verabschiedung der „Verfassung der Volksrepublik Ungarn“ (August 1949) und des Rätegesetzes (Mai 1950) abgeschlossen wurde, betrieben die Kommunisten auch den Ausbau des planwirtschaftlichen Systems: Sie begannen nun, auch kleinere Betriebe zu verstaatlichen, verfolgten eine rigorose Kollektivierung der Landwirtschaft und regelten die Produktion umfassend und detailliert, und zwar im Sinne einer forcierten Industrialisierungs- und Rüstungspolitik bzw. gemäß den Vorgaben des Anfang 1949 gegründeten östlichen Wirtschaftsbündnisses (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe). (Die Produktion von Konsumartikeln wurde dementsprechend stark zurückgefahren.) Auch die Art und Weise der Machtausübung orientierte sich in der Ära Rákosi ganz an der Praxis der Sowjetunion Stalins. Mátyás Rákosi, auch „Stalins bester Schüler“ genannt, betrieb einen gnadenlosen „Klassenkampf“ gegen die „Feinde des Sozialismus“ in der Gesellschaft (vor allem Kirchenvertreter und sonstige „Reaktionäre“) und verfolgte auch die „Verräter“ in der eigenen Partei, wobei es zu zahlreichen Inhaftierungen, Internierungen und Schauprozessen (Mindszenty- und Rajk-Prozess) kam. Herausragendes Instrument dieser „Säuberungspolitik“ bildete die im September 1948 ins Leben gerufene Staatsschutzbehörde (ÁVH, später ÁVO genannt). Gleichzeitig praktizierte der ungarische Parteichef einen Personenkult, der demjenigen Stalins in Nichts nachstand. Die außen- und militärpolitische Ostintegration Ungarns fand währenddessen mit der Gründung des Warschauer Pakts im Mai 1955 einen Höhepunkt.

III) Volksaufstand und Freiheitskampf (1956): Die stalinistische Machtpraxis und die sich stark verschlechternden Lebensbedingungen führten nach dem Tode Stalin (März 1953) zu aufkeimender Kritik innerhalb der Partei und in Intellektuellenkreisen. Nach einer Phase von Reformversuchen unter Ministerpräsident Imre Nagy rissen die stalinistischen Kräfte um Mátyás Rákosi und Ernő Gerő im Frühjahr 1955 die Macht wieder an sich. Dies führte schließlich, nachdem es zuvor bereits in Polen zu schweren politischen Unruhen gekommen war (Posener Aufstand im Juni 1956), am 23. Oktober 1956 zu Studentendemonstrationen und zum Ausbruch des ungarischen Volksaufstandes. Einen Tag später versuchte die Parteiführung, die Lage durch die erneute Ernennung von Nagy zum Regierungschefs unter Kontrolle zu bringen, das gleichzeitige militärische Eingreifen sowjetischer Truppen führte allerdings zu landesweiten, anhaltenden Kämpfen gegen kommunistische Ordnungskräfte und sowjetische Einheiten. Nach einem taktischen Rückzug der Roten Armee aus Budapest, der Gründung einer neuen kommunistischen Partei und verschiedenen weitreichenden Schritten der Regierung Nagy (Wiederbelegung des Mehrparteiensystems, Verkündung der Neutralität) erfolgte am 4. November 1956 ein erneuter Angriff sowjetischer Truppen auf Budapest, der am 11. November 1956 zum Zusammenbruch der Volkerhebung und zu einer Massenflucht aus Ungarn (200.000 Personen) führte.

IV) Jahre der Repression und Vergeltung (1956-1961): Nachdem am Tag der zweiten sowjetischen Intervention eine prosowjetische Regierung unter János Kádár gebildet worden war und Kádár die Führung der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (MSZMP) übernommen hatte, gingen die neuen Machthaber daran, die kommunistische Einparteienherrschaft bzw. ihre Institutionen zu restaurieren und rigoros gegen die Akteure des Volksaufstandes („Konterrevolutionäre“) vorzugehen. Gestützt wurde ihre Politik durch die sowjetische Militärmacht, deren „vorübergehende“ Präsenz im Mai 1957 vertraglich geregelt wurde. Im Zuge der Kádár’schen Repression und Vergeltung kam es zu Massenentlassungen, Festnahmen und Internierungen. Sondergerichte verurteilten Tausende Ungarn zu Haftstrafen und es wurden rund 230 Todesurteile in Zusammenhang mit dem Volksaufstand vollstreckt. Den Höhepunkt dieser gnadenlosen Politik bildete die Hinrichtung Imre Nagys am 16. Juni 1958. Parallel zu den – bis Anfang der 1960er Jahre andauernden – Gewaltmaßnahmen gegen die Akteure des Volksaufstandes leitete das Kádár-Regime allerdings auch erste Maßnahmen ein, die eine innenpolitische Befriedung bezweckten: So verurteilte Kádár nicht nur offen den „Revisionismus“ von Imre Nagy, sondern auch die Politik der „Rákosi-Clique“ und sorgte für eine Anhebung des allgemeinen Lebensniveaus (mittels Lohnerhöhungen und einer Steigerung der Produktion von Konsumartikeln zulasten der Industrieproduktion). Bei der erneut beginnenden Kollektivierung der Landwirtschaft verzichtete das Regime nun auf offene Gewaltanwendung und setzte auf ein System von Anreizen und Sanktionen. Und Ende der 1950erJahre verkündete es darüber hinaus erste Teilamnestien für politische Gefangene.

V) Die Kádár’sche Stabilisierung (1962-1968): Nachdem sich bereits in den Jahren nach dem Volksaufstand Kádárs „zentristischer Kurs“ bzw. „Zwei-Fronten-Kampf“ gegen Stalinismus und Revisionismus sowie sein Ziel der Verbesserung der Versorgungslage abgezeichnet hatte, setzte die politische Führung in der folgenden Phase nicht nur die Politik des wachsenden Lebensstandards fort, sondern ging auch zu einem Kurs der innenpolitischen Liberalisierung über. Parteichef Kádár propagierte unter dem Leitsatz „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“ eine neue „Bündnispolitik“ von Kommunisten und Parteilosen und führte damit eine deutliche Entschärfung der innenpolitischen Atmosphäre herbei. In diesem Zusammenhang kam es im Frühjahr 1963 auch zu einer Generalamnestie für die 1957/58 wegen politischen Vergehen verurteilten Personen. Außenpolitisch konnte Kádár in diesen Jahren die weitgehende Isolation seines Landes gegenüber dem Westen beenden: So nahmen die Vereinten Nationen die „ungarische Frage“ von ihrer Tagesordnung, UN-Generalsekretär U Thant besuchte Ungarn und es kam zu einem Ankommen Ungarns mit dem Vatikan, zur Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zu den USA auf Botschafterebene sowie zu einem Aufschwung der politischen Beziehungen zu Österreich. Gleichzeitig setzten innerhalb von Partei und Staat intensive Planungsarbeiten und erste Maßnahmen zu einer umfassenden Reform der Zentralverwaltungswirtschaft ein. Diese sollte die ökonomische Grundlage für die Lebensstandardpolitik („Gulaschkommunismus“) schaffen. Letztendliches politisches Ziel war es, dadurch – zusammen mit der innenpolitischen Liberalisierung – die Akzeptanz oder zumindest Duldung der Parteiherrschaft durch die Bevölkerungsmassen sicherzustellen.

VI) Der klassische Kádárismus (1968-1973): Als am 1. Januar 1968 – trotz der misstrauischen Haltung Moskaus – der Neue Ökonomische Mechanismus in Ungarn eingeführt wurde, bedeutete dies eine wesentliche Liberalisierung des Systems der Wirtschaftslenkung bei gleichzeitiger Beibehaltung der sozialistischen, auf Staatsbetrieben und Genossenschaften basierenden Eigentumsordnung. (Für privatwirtschaftliche Tätigkeiten waren damals nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten vorgesehen.) Grundgedanke der Reform war es, die starren, detaillierten und umfassenden Indikatoren im Produktionsprozess abzuschaffen und die parteistaatliche Planung weitgehend auf die Makroebene zu beschränken. Dies bedeutete, dass die staatlichen Unternehmen einen deutlich erweiterten Handlungsspielraum erhalten und nach dem Prinzip der ökonomischen Rationalität entscheiden sollten. Zur Förderung der Reformen leitete die Parteiführung auch eine Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen zum Westen, insbesondere zur Bundesrepublik Deutschland, ein. Als es im Frühjahr/ Sommer 1968 im Zuge des „Prager Frühlings“ zu blockinternen Konflikten und Störungen kam, beteiligte sich Ungarn – nach Vermittlungsbemühungen Kádárs – bedingungslos an der Niederschlagung der tschechoslowakischen Reformbewegung. Mit dieser Loyalitätsbezeugung gegenüber Moskau strebte Kádár zweifellos an, den Neuen Ökonomischen Mechanismus außenpolitisch abzusichern. Bezeichnend für den „klassischen Kádárismus“ war überdies, dass die Wirtschaftsreformen nicht von einer substantiellen Weiterführung der politischen Liberalisierung begleitet wurden, auch wenn im Frühjahr 1972 die Verfassung der Volksrepublik einer Revision, vor allem im Sinne der „Bündnispolitik“, unterzogen und einen Neubestimmung der Minderheitenpolitik beschlossen wurde.

VII) Die Phase der Rezentralisierung und Reideologisierung (1974-1977): Nachdem die Parteiführung auf Druck Moskaus bereits Ende 1972 einen ersten Beschluss zum Abbremsen der – relativ erfolgreichen – Wirtschaftsreformen getroffen hatte, erfolgte 1974 eine grundlegende ideologische Wende in der ungarischen Politik. Diese führte nicht nur zur Rücknahme wesentlicher Elemente der Wirtschaftsreformen bzw. zu einer wirtschaftlichen Rezentralisierung, sondern auch zu einer politischen Reideologisierung bzw. Verhärtung des innenpolitischen Klimas. Bezeichnend für den Wandel war auch, dass einerseits 1974/75 herausragende Reformpolitiker aus dem Umfeld Kádárs, darunter der „Vater der Wirtschaftsreformen“ Rezső Nyers, ihre führenden politischen Positionen verloren und dass andererseits seit Mitte der 1970er Jahre auch oppositionellen Aktivitäten kleiner Intellektuellenzirkel vermehrt in Erscheinung traten. Die Phase der Reformrückschritte fand allerdings nach wenigen Jahren ihr Ende, als sich in der Parteiführung die Erkenntnis durchsetzte, dass aufgrund der wachsenden Wirtschaftsprobleme bzw. geringen Leistungsfähigkeit der rezentralisierten Ökonomie eine Wiederingangsetzung der Reformpolitik – auch gegen Moskau – unverzichtbar war.

VIII) Fortsetzung der Reformen und der Westöffnung (1977-1985): In den Jahren seit 1977 leitete die Parteiführung erneut Maßnahmen zur Dezentralisierung der Wirtschaft ein bzw. gewährten den Unternehmen erneut einen größeren Handlungsspielraum, auch in Bezug auf ihre außenwirtschaftlichen Aktivitäten. Darüber hinaus wurden Beschlüsse zu einer deutlichen Ausweitung privatwirtschaftlicher Aktivitäten, die den staatlichen und genossenschaftlichen Sektor „ergänzen“ sollten, getroffen und im Zuge des Subventionsabbaus schmerzliche Preiserhöhungen durchgeführt, die zum Teil aber durch sozialpolitische Maßnahmen „aufgefangen“ wurden. Der „Besänftigung“ der Bevölkerung dienten zugleich Maßnahmen zur Ausweitung der „kleinen Freiheiten“, also der Möglichkeiten zu Westreisen und „nicht-regulierten“ kulturellen Aktivitäten. Die Reform des politischen Systems beschränkte sich währenddessen im Wesentlichen auf eine Wahlrechtsreform, die zwei obligatorische Kandidaten und das Antreten von unabhängigen Kandidaten vorsah. Eine wirkliche Chance für die Vertreter der – politisch noch immer marginalen, vom Regime aber doch aufmerksam bespitzelten – liberal-urbanen Demokratischen Opposition und der national-ländlich orientierten Volkstümlichen Opposition, auf die Politik einzuwirken, eröffnete sich dadurch natürlich nicht. Besonders auffällig waren in dieser Phase die vielfältigen außenpolitischen bzw. außenwirtschaftspolitischen Aktivitäten Ungarns, die auch mit der schwierigen Wirtschafts- und Finanzsituation des Landes in Verbindung standen und wohl zudem dazu dienen sollten, die Wirtschaftsprobleme durch außenpolitische Erfolge zu „kompensieren“. Noch vor dem Wiederaufleben des Ost-West-Konflikts gelang es Ungarn, die ungarische Königskrone aus den Vereinigten Staaten zurückzuholen (1978) und es kam zu spektakulären Treffen von János Kádár mit Papst Paul VI. (1977) und Helmut Schmidt (1977 und 1979). Auch nach dem Ausbruch des „Zweiten Kalten Krieges“ infolge des NATO-Doppelbeschlusses und der sowjetischen Afghanistan-Intervention Ende 1979 pflegte Ungarn weiterhin enge Kontakte zur Bundesrepublik (als wichtigster kapitalistischer Handelspartner), trat – ganz zum Missfallen Moskaus – der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds bei und baute seine Kontakte auch zu anderen westlichen Staaten aus, wobei allerdings die militärische Ostintegration und der Vorrang der östlichen Wirtschaftskooperation von Kádár nie in Frage gestellt wurde. Trotz aller wirtschaftlichen und politischen Reformmaßnahmen und trotz der zahlreichen außenpolitischen Erfolge zeichnete sich aber ab Mitte der 1980er Jahren das Ende der Ära Kádár und der Beginn einer neuen Epoche in Ungarn immer deutlicher ab (siehe hierzu das Modul „Umbruch in Ungarn 1985-1990“).

Stand der Forschung

Die Geschichte Ungarns nach dem Zweiten Weltkrieg und in den Jahren der kommunistischen Herrschaft wurde in den Jahrzehnten nach dem Systemwechsel sowohl von ungarischen als auch von ausländischen Historikern intensiv aufgearbeitet. Neben zahlreichen, vor allem ungarisch-, englisch- und deutschsprachigen monografischen Darstellungen, die die – in zeitlicher, inhaltlicher und methodischer Hinsicht – verschiedenste Themen der Epoche behandeln, existiert auch eine Reihe von Quellensammlungen, die grundlegende Dokumente enthalten, allerdings fast ausnahmslos nur in ungarische Sprache zur Verfügung stehen. Eindeutigen thematischen Schwerpunkt der Darstellungen bilden Überblicksdarstellungen sowie Arbeiten zu den Geschehnissen vom Herbst 1956.

Auswahl der Dokumente

Bei der Auswahl der Textquellen wurde vor allem darauf geachtet, einerseits einzelne herausragende thematische Aspekte (Innen- und Parteipolitik, Verfassungsordnung, Außenpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft und Opposition) in den oben skizzierten einzelnen Entwicklungsphasen näher zu beleuchten, andererseits ein möglichst breites Spektrum an Quellenarten abzudecken (Parteiprogramme, internationale Abkommen, Verordnungen und Gesetze, Reden, Beschlüsse von Staats- und Parteigremien, Verfassungstexte, Briefe, Protokolle, Erklärungen und offizielle Mitteilungen). Besondere Aufmerksamkeit wurde zudem Dokumenten geschenkt, die den Wandel in der Wirtschaftsordnung und im politischen System sowie hinsichtlich der Herrschaftspraxis und – damit verbunden – der Sozialpolitik besonders deutlich vor Augen führen. Die ausgewählten Dokumente wurden – aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung – zumeist bereits in der Originalsprache veröffentlicht, der Bearbeiter nahm allerdings auch Quellen auf, die er im Zuge von Archivrecherchen entdeckt hat und für besonders aussagekräftig betrachtet. Ergänzt werden die Textquellen durch drei Gruppen von Materialien, nämlich durch zeitgenössische Fotografien aus dem Online-Bildarchiv „www.fortepan.hu“, die einige damalige Akteure, charakteristische Lebenssituationen und typische Stadtbilder vorstellen, durch Statistiken, die sich mit der demografischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation Ungarns bzw. ihrer Veränderung – in der Regel in den vier Jahrzehnten von 1950 bis 1990 – beschäftigen, sowie durch Tabellen der Ergebnisse der Parlamentswahlen 1945 und 1947.

Anhänge

Die „Regierungslisten“ führen – entsprechend dem politisch-institutionellen Charakter des Parteistaats – nicht nur die wichtigsten Regierungsämter auf, sondern auch die personelle Besetzung der führenden Parteiorgane. In der Chronologie sind all jene Ereignisse festgehalten, die dem Bearbeiter wesentlich erscheinen und der historischen Einordnung der Quellen nützlich sind. Die Bibliografie nimmt nicht nur wesentliche Werke der Sekundärliteratur in westlichen Sprachen (Deutsch und Englisch) auf, sondern führt auch grundlegende, vor allem jüngere Monografien sowie einige wichtige Quellensammlungen in ungarischer Sprache auf. Damit soll ein Überblick über den internationalen Forschungsstand gegeben werden.


[1] Zum Ende der Ära Kádár und zu den damals einsetzenden dynamischen Veränderungsprozessen, die schließlich in die Transformation der wirtschaftlichen und politischen Ordnung Ungarns mündeten, siehe das Modul „Umbruch in Ungarn 1985-1990“.