Diskutieren

Große Anforderungen an kleine Textfelder

  • Anna Pravdyuk

Am 21. und 22. November 2024 diskutierten die Teilnehmenden des Workshops „Große Anforderungen an kleine Textfelder: Ethische Fragen an Metadaten historischer Quellen“ über Lösungen und Problemstellungen beim Verzeichnen ethisch sensibler Informationen in Metadaten-Feldern.

Den Bericht erstellten Anna Pravdyuk, Anna-Lena Körfer, Ole Meiners, Mario Kliewer, Peggy Große und Grigori Chlesberg.

Der Workshop fand am Herder-Institut in Marburg und online statt und wurde unter gemeinsamer Initiative von NFDI4Memory Task Area 1: Data Quality und DARIAH-DE organisiert. Am ersten Tag  skizzierten Peggy Große und Mario Kliewer einleitend vorhandene Diskurse und Standards der Datenethik in den Geschichts- und Kulturwissenschaften. Grischka Petri und Oliver Vettermann berichteten anschaulich aus dem Alltag des NFDI4Culture-Legal-Helpdesks und fokussierten dabei insbesondere die Individualität des jeweils zu verzeichnenden Bestands, für den kaum systematische oder pauschale Lösungen ethischer Herausforderungen geltend gemacht werden können. Ihre Perspektive ergänzte Michaela Rizzolli mit ihrem Vortrag zu den CARE Principles for Indigenous Data Governance um eine ethische Sichtweise aus den ethnologischen Disziplinen. CARE sei demnach nur eingeschränkt über den historischen Entstehungskontext und die anschließende Weiterentwicklung der Prinzipien hinaus verwendbar; hier bestünde der Bedarf einer fachspezifischen Ausdifferenzierung.

Im nächsten Panel widmete sich eine Reihe von Beiträgen konkreten Projekterfahrungen. Noёlle Schnegg und Levyn Bürki stellten Ihre Erfahrungen im “Handbuchprojekt zur Erstellung diskriminierungsfreier Metadaten für historische Quellen und Forschungsdaten” vor, das in Zusammenarbeit mit der Community weiter ausgebaut und um zusätzliche Dimensionen ergänzt werden soll. Lisa Quade berichtete über das Projekt „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ und Johannes Wolff präsentierte einen “Werkstattbericht aus der Deutschen Fotothek am Beispiel des DFG-Projekts Weltsichten”, das sich u.a. mit der Erfassung anthropometrischer Aufnahmen beschäftigte. Der erste Tag endete mit einem technischen Impuls zur Rolle von Entitäten in  Metadatenschemata von Eike Martin Löhden.  In den zum Teil kontrovers geführten Anschlussdiskussionen, die unter anderem die Widersprüche zwischen aktuellen Open-Data-Anforderungen in Förderrichtlinien und ethischen Rahmensetzungen verdeutlichten, zeigte sich, dass ethisch sensibilisierte Praktiken an allen Stellen des Datenlebenszyklusses verankert werden müssen.

Am zweiten Workshoptag wurden Hands-On bestehende Ansätze und Lösungsvorschläge an konkreten Beispielen besprochen. In vier Gruppen hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, Herausforderungen bei der Zuordnung von Metadaten zu ethisch sensiblen Materialien aus den Beständen des Herder-Instituts zu diskutieren und mögliche Lösungsansätze vorzustellen. Die vielfältigen Vorschläge zum Umgang mit ethisch sensiblen Informationen und der Änderung oder Erweiterung vorhandener Metadatenschemata ergänzten die theoretischen Aspekte der Diskussionen des ersten Tages um praktische Lösungsansätze und zeigten Perspektiven auf, wie man mit Hilfe kleiner (oder größerer) Textfelder, aber auch durch Verlinkungen anderer Ressourcen, der Einbindung von Normdaten und vielem mehr den vielschichtigen ethischen Anforderungen der historischen Bestände besser gerecht werden könnte.