Die Ausstellung geht auf unterschiedliche Aspekte des im Wandel begriffenen Oberschlesischen Industriegebiets im heutigen Polen ein. Eine multimodale Ausstellung mit breitem Themenspektrum und zwei Vorträge machen die dramatischen strukturellen Veränderungen der Landschaft sichtbar.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der östliche Teil des damals zu Preußen bzw. zum Deutschen Kaiserreich gehörenden Oberschlesien zur wichtigsten mitteleuropäischen Montanregion. Mehr als anderthalb Jahrhunderte lang prägten gewaltige und nicht selten architektonisch interessante Silhouetten von Berg- und Hüttenwerken, Kokereien sowie anderen Industrieobjekten die Landschaft der Region. Die kommunistische Zeit, in der nicht Investitionen, sondern der möglichst schnelle Abbau der Bodenschätze von prioritärer Bedeutung war, konservierte weitgehend die industrielle Infrastruktur und Architektur. Erst die Umstrukturierung, die nach der politischen Wende in den 1990er Jahren begann, und in deren Rahmen die meisten Großbetriebe geschlossen und teilweise auch abgetragen wurden, änderte das Bild des industrialisierten Teiles Oberschlesiens.
Siedlung Nickischschacht in Kattowitz, 2017; Bildarchiv, Inv.-Nr. 261491. Thomas Voßbeck / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-NC-SA 4.0
Hauptgebäude der ehemaligen Metallhütte "Szopienice" bei Kattowitz, 2010; Bildarchiv, Inv.-Nr. 261050. Thomas Voßbeck / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-NC-SA 4.0
Tornister in der Rettungsstelle der Grube "Makoszowy" bei Hindenburg/O.S., 2010; Bildarchiv, Inv.-Nr. 261113. Thomas Voßbeck / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-NC-SA 4.0
Die Ausstellung präsentiert Fotografien von Anke Illing und Thomas Voßbeck, die in den vergangenen 20 Jahren seit 2005 im Rahmen ganz verschiedener Projekte nicht nur allein zu Themen der Industriekultur entstanden sind. Nicht immer stand dabei allein die Industriearchitektur der Region im Vordergrund. Aber innerhalb dieser verschiedenen Projekte gab es immer wieder Berührungspunkte oder thematische Überschneidungen die sich mit der Montanregion auseinandersetzten. Die Arbeiten hatten dabei nicht allein Dokumentationscharakter wie bei den Projekten zu Oberschlesien aus der Luft oder zu den vergleichenden Arbeiten für die historischen Alben aus dem Ballestremschen Archiv, sondern setzten sich auch in künstlerischer Weise, wie in Begegnungen im Oberschlesischen Industriegebiet oder in Struktur und Architektur mit den Menschen und der Region auf unterschiedlichen Ebenen auseinander.
Die Fotografien zeigen Momentaufnahmen einer Region im Wandel einer Region großer Veränderungen, in der Oberschlesien langsam aber sicher aufhört, „ein Land der Hütten und Bergwerke“ zu sein.
Gäste der Ausstellungseröffnung im Herder-Institut 2025. Claudia Junghänel / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Rechte vorbehalten - freier Zugang
Dawid Smolorz während der Ausstellungseröffnung im Herder-Institut 2025. Claudia Junghänel / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Rechte vorbehalten - freier Zugang
Thomas Voßbeck während der Kuratorenführung im Herder-Institut 2025. Claudia Junghänel / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Rechte vorbehalten - freier Zugang