Seltene Einblicke in das Polen der 1930er und frühen 1940er Jahre bietet die Sammlung des bedeutenden Fotografen Ernst Stewner. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl seines heute im Marburger Herder-Institut verwahrten Nachlasses.
Ernst Stewner (1907-1996) gehört zu den herausragenden Vertretern der Fotografie in Posen
und Großpolen
zwischen 1932 und 1945, dessen fotografisches Werk sich kriegsbedingt nur bruchstückhaft überliefert hat. Im Frühjahr 2010 wurden rund 1.200 Bilder Stewners in der Privatsammlung seiner Tochter in Berlin wiederentdeckt. Diese Auswahl aus seinem Ouevre war Ende 1944 vom Fotografen selbst wegen der aufziehenden sowjetischen Armee zunächst aus Posen nach Stettin
evakuiert und im Februar 1945 von dort in den Westen Deutschlands verbracht worden.
Blick vom Dach des alten Rathauses auf den Alten Markt Posen, um 1939/40; Bildarchiv, Inv.-Nr. 253020. Ernst Stewner / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-NC-SA 4.0
Sommertag auf dem Alten Markt in Posen, um 1939/40; Bildarchiv, Inv.-Nr. 253048. Ernst Stewner / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-NC-SA 4.0
Treppenaufgang zum Großen Theater Posen im Winter, um 1939/1940; Bildarchiv, Inv.-Nr. 253356. Ernst Stewner / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-NC-SA 4.0
Seit Kriegsende wurde die Sammlung im familiären Umfeld aufbewahrt und nie öffentlich präsentiert. Inzwischen befindet sie sich als Bestand im Bildarchiv des Herder-Instituts in Marburg. Dank der Zusammenarbeit der Familie Ernst Stewners, des Herder-Instituts und des Kulturzentrums ZAMEK in Poznań wurde das Material bearbeitet und Ende 2014 zum ersten Mal der Öffentlichkeit in einer Ausstellung in Poznań präsentiert. Es war die erste umfassende Präsentation zu Stewners Werk mit 30 Originalabzügen und 130 Vergrößerungen von den wieder aufgefundenen Negativen. Diese Motive, die Mitte 2018 dann auch in der Stadtgalerie Bamberg – Villa Dessauer ausgestellt wurden, zeigen in fünf Themengruppen die Stadt Posen, polnische Städte, Großpolen, ethnografische Fotos sowie Porträts. Bei der im Herder-Institut ab September 2018 präsentierten Ausstellung liegt der Fokus auf den Originalabzügen des Fotografen.
Flusslauf der Warthe bei Wronke, vor 1939; Bildarchiv, Inv.-Nr. 253913. Ernst Stewner / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-SA 4.0
Ernte im Wartheland, vor 1938; Bildarchiv, Inv.-Nr. 253907. Ernst Stewner / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-NC-SA 4.0
Impressionen von der Ausstellungseröffnung im Marburger Herder-Institut 2018
Claudia Junghänel / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-NC-SA 4.0
Claudia Junghänel / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-NC-SA 4.0
Claudia Junghänel / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-NC-SA 4.0
Begleitend zur Ausstellung wurde ein zweisprachiger Katalog veröffentlicht, der neben Texten, Essays und Abhandlungen polnischer und deutscher Forscher und Kunsthistoriker zu den Werken Ernst Stewners auch eine umfangreiche Auswahl von 160 Fotos des Künstlers beinhaltet.
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Ministers für Kultur und Nationalerbe, des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland und des Oberbürgermeisters von Poznań und wurde mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Nationalerbe und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit realisiert. Veranstaltet vom Kulturzentrum ZAMEK in Poznań in Zusammenarbeit mit dem Herder-Institut in Marburg.
„Ernst Stewner. Ein deutscher Fotograf in Polen. Niemiecki fotograf Polski“. Vordere Umschlagseite des Bildbandes, der 2015 anlässlich der Ausstellung erschien. Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, CC BY-NC-SA 4.0