Die Ausstellung thematisiert die spannungsreiche Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen im 20. Jahrhundert.
Präsentiert werden rund 200 historische Ansichtskarten, die verschiedene Aspekte der Beziehungen beider Staaten dokumentieren, darunter Themen wie die nationale Vielfalt in der Textilmetropole Lodz, die Abstimmungskämpfe in Oberschlesien nach 1918 und den neu gegründeten Staat mit „polnischem Korridor“ und Kohlenbahn. Nicht ausgespart werden aber auch der Germanisierungswahn im Dritten Reich, die Judenvernichtung in Auschwitz, die Zerstörung Warschaus sowie die Themen Flucht und Vertreibung und der Wiederaufbau in kommunistischer Zeit.
Die Beschäftigung mit deutsch-polnischer Geschichte im Industriezeitalter ist für beide Seiten belastend: durch Erinnerungen an Streit und Unterdrückung, Krieg und Verbrechen, Flucht und Vertreibung. Fast vergessen erscheint hingegen, dass es zeitweilig auch Phasen von Verständigung gab, von Hilfe, Solidarität und kultureller Kooperation. Erst ein fanatisch übersteigerter Nationalismus zerstörte im Laufe des 20. Jahrhunderts ein faszinierendes Vielvölkergemisch, wie es sich z.B. in Lodz im Zeichen der prosperierenden Textilindustrie innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelt hatte.
Die historischen Ansichtskarten, die einzelne Aspekte der polnisch-deutschen Geschichte „bebildern“, sind keine objektiven Dokumente. Vielmehr werben sie häufig für ideologische oder politische Inhalte, machen Stimmung, agitieren, prangern an.
Die Auswahl an Postkarten, die im Wesentlichen auf den Sammlungsbeständen des LWL-Industriemuseums basiert, erfolgte subjektiv. Die Texterläuterungen sind zwangsläufig knapp. Ein „ausgewogenes“ Gesamtbild wurde nicht angestrebt, es geht vielmehr darum, Aspekte zu visualisieren, Fragen aufzuwerfen, zum Nachdenken anzuregen.
Plakat zur Präsentation der Ausstellung im Marburger Herder-Institut 2013. Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Rechte vorbehalten - freier Zugang