Die heutige litauische Hauptstadt Vilnius (dt. Wilna) war nicht nur lange Zeit Teil eines hybriden, polnisch-litauischen Staates, sondern wurde darüber hinaus über Jahrhunderte durch unterschiedlichste Kulturen geprägt. Exemplarisch sichtbar wird dies in ihren Sakralbauten mit ihrem vielfach multiethnischen und multikonfessionellen Charakter.
Die barocke Sakralarchitektur der litauischen Hauptstadt Vilnius
ist ein einzigartiges Phänomen in der Kunst- und Architekturgeschichte Ostmitteleuropas: Sie bildet in besonderer Weise den multiethnischen und multikonfessionellen Charakter (städte)baulich ab. Mit der im Vergleich zu anderen Ländern Ostmitteleuropas frühen Rezeption des westeuropäischen (vorwiegend italienischen) Barock sowie der Ausbildung einer eigenen Architekturschule bietet sich eines der anschaulichsten Beispiele frühneuzeitlichen Kulturtransfers. Der Vilniuser Fotograf Kęstutis Stoškus (geb. 1951) zeigt in seinen Bildern zwei Aspekte: Verfall und Erneuerung der Sakralbauten. Er ist dabei an dem tieferen Sinn, an den poetischen Aspekten der Prozesse interessiert. Gleichzeitig handelt es sich bei den Aufnahmen um eine Dokumentation des Umgangs mit dem kulturellen Erbe in einem Land, das eine äußerst wechselvolle Geschichte durchlebt hat. Für die Rückbesinnung der heutigen Republik Litauen auf das gemeinsame europäische Erbe sind Geistesgeschichte und Kultur von zentraler Bedeutung und die Dokumentation sowie Pflege der Baudenkmäler sichtbarer Ausdruck.
Fassade der Theresienkirche Wilna/Vilnius, 1937; Bildarchiv, Inv.-Nr. 4d7294. Jan Bułhak / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Rechte vorbehalten - freier Zugang
Chor der Missionarenkirche Wilna/Vilnius, 1937; Bildarchiv, Inv.-Nr. 4d7302. Jan Bułhak / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Rechte vorbehalten - freier Zugang
Hochaltar der Johanneskirche Wilna/Vilnius, 1937; Bildarchiv, Inv.-Nr. 4d7275. Jan Bułhak / Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Rechte vorbehalten - freier Zugang
Eine Ausstellung des Herder-Instituts Marburg in Zusammenarbeit mit dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas Leipzig. Zur Ausstellung entstand eine Publikation mit den Fotografien und einer Dokumentationen der Kirchen sowie mit Essays litauischer, polnischer und deutscher Fachleute.
Eines der Plakate zur Ausstellung, die zugrunde liegende Fotografie von Kęstutis Stoškus zeigt den Blick aus dem Gefängnis des ehemaligen Klosters der Missionare auf die Missionarskirche Christi Himmelfahrt in Vilnius. Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Rechte vorbehalten - freier Zugang