Über uns
Selbstbild
Das Herder-Institut – Struktur, Aufgaben und Vernetzung
1950 gegründet, ist das Institut mit seinen weltweit einzigartigen Sammlungen ein international renommiertes Zentrum für Forschung zu Ostmitteleuropa. Es wird zu gleichen Teilen vom Bund und den 16 Ländern unter Federführung des Landes Hessen finanziert. Die Trägerschaft des Instituts bilden 18 Institutionen und Kommissionen, die im Verein des Herder-Instituts zusammengeschlossen sind.
In wissenschaftlichen und konzeptionellen Fragen wird das Institut von einem international besetzten Wissenschaftlichen Beirat beraten. Die Entscheidung über Strukturierung und Finanzierung liegt in der Verantwortung des Kuratoriums.
Das Institut unterstützt durch seine Abteilungen für Forschung, Wissenstransfer, Dokumentation und Digitalisierung ein breites Spektrum wissenschaftlicher Aktivitäten zur historischen und kulturellen Entwicklung Ostmitteleuropas. Der regionale Schwerpunkt liegt dabei auf Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Tschechischen Republik und der Slowakei sowie der russischen Exklave Kaliningrad.
Ein zentrales Anliegen ist die gemeinsame Erforschung der Wechselbeziehungen dieser Kernregion mit ihren Nachbarn in einem vergleichenden paneuropäischen Kontext.
Ein wichtiger Schwerpunkt liegt im Bereich der Digital Humanities – sowohl im Aufbau digitaler und sozialer Infrastrukturen als auch in der Forschung und Karriereentwicklung.
Die einzigartigen Sammlungen des Herder-Instituts umfassen eine Forschungsbibliothek mit Musiksammlung, eine Samizdat- und Pressesammlung, eines der bedeutendsten Bildarchive, eine Kartensammlung sowie eine Dokumentensammlung zur Geschichte der baltischen Staaten.
Abteilungen
Diese Bestände ermöglichen eigene Forschungen, fördern die enge Zusammenarbeit mit den Universitäten in Gießen und Marburg in Forschung und Lehre und unterstützen eine intensive Vernetzung mit zahlreichen anderen Leibniz-Einrichtungen (Leibniz-Forschungsverbünde).
Neben zahlreichen Partnern im In- und Ausland stärkt insbesondere der Austausch mit den als Leibniz- und Herder-Lehrstuhlinhabern berufenen Wissenschaftlern die internationale Vernetzung des Instituts.
Forschungsleitbild
Forschungsleitbild
Das Forschungsleitbild des Herder-Instituts wird
- durch unsere satzungsgemäßen Aufgaben und
- die Projektleitenden Perspektiven
umrissen. Diese bündeln die Forschungs- und Infrastrukturleistungen des Herder-Instituts nach Themen und Arbeitsbezügen. Sie beschreiben die Schwerpunkte unserer forschungsermöglichenden Infrastrukturentwicklung und die thematische Ausrichtung unserer Forschungsvorhaben.
Die Projektleitenden Perspektiven werden für die Dauer von jeweils vier Jahren von den leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern festgelegt. Der Wissenschaftliche Beirat diskutiert und bestätigt sie. Die einzelnen Arbeitsvorhaben sind einer oder mehreren Perspektiven zugeordnet.
Projektleitende Perspektiven des Herder-Instituts 2025-2030:
Sammeln, Bewahren, Erschließen und Vermitteln
Visuelle Geschichte und Kunstgeschichte
Reflexion und Gestaltung des digitalen Wandels
Raum – Stadt – Umwelt
Politische und Geschlechterordnungen – Konflikt – Sicherheit
Open Access
Der Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen durch Open Access trägt dazu bei, die Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen zu verbessern und dadurch Innovationsprozesse zu beschleunigen.
Open-Access-PolicyJahresberichte
Jahresberichte
In unseren Jahresberichten fassen wir die wichtigsten Aktivitäten, Ergebnisse und Entwicklungen eines Jahres zusammen. Sie informieren transparent über Ziele, Leistungen, Finanzen und zukünftige Perspektiven des Herder-Instituts.
Jahresbericht 2024Chancengleichheit
Das Herder-Institut hat sich als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft verpflichtet, sich im Bereich Chancengleichheit zu engagieren und die forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft umzusetzen.
Der bisher eingeschlagene Weg wurde erstmals 2010 mit der Vergabe des Total E-Quality Prädikats gewürdigt. Dieser Erfolg konnte 2013 mit der erneuten Vergabe des Prädikats bestätigt und bereits viermal wiederholt werden.
TOTAL E-QUALITY Deutschland e. V. verfolgt seit 1996 das Ziel, „Chancengleichheit zu etablieren und nachhaltig zu verankern. Dieses Ziel ist erreicht, wenn Begabungen, Potenziale und Kompetenzen beider Geschlechter gleichermaßen (an-)erkannt, einbezogen und gefördert werden. […] Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Förderung von Frauen in Führungspositionen. Neben der Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht es um eine chancengerechte Personalbeschaffung und -entwicklung, um die Förderung partnerschaftlichen Verhaltens am Arbeitsplatz sowie um die Berücksichtigung von Chancengleichheit in den Unternehmensgrundsätzen. […]
Für beispielhaftes Handeln im Sinne einer an Chancengleichheit ausgerichteten Personalführung vergibt der Verein jährlich das TOTAL E-QUALITY Prädikat. Es bescheinigt ein erfolgreiches und nachhaltiges Engagement für die Chancengleichheit von Frauen und Männern im Beruf.“ (https://www.total-e-quality.de/, besucht am 19.09.2025).
Umgesetzte Maßnahmen
Das Herder-Institut
- hat mit dem Land Hessen eine Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit in Umsetzung der Ausführungsvereinbarung zur Rahmenvereinbarung Forschungsförderung über die Gleichstellung von Frauen und Männern bei der gemeinsamen Forschungsförderung (AvGlei) getroffen
- verfügt über einen Gleichstellungsplan, der mindestens einmal jährlich aktualisiert und fortgeschrieben wird
- wählt alle vier Jahre eine Gleichstellungsbeauftragte, die aktiv an der Institutspolitik beteiligt ist
- achtet bei der Stipendienvergabe und Nachwuchsförderung auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis
- bietet bei Veranstaltungen wie Tagungen und Seminaren auf Wunsch Kinderbetreuung an
- achtet auf familienfreundliche Sitzungszeiten
- unterstützt seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei individuellen Lösungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dabei liegt ein moderner Familienbegriff zugrunde, der neben der Kinderbetreuung auch die Pflege von Lebenspartnerinnen und -partnern sowie Familienangehörigen umfasst.
- verfügt über ein Eltern-Kind-Zimmer für Angestellte, Nutzerinnen und Nutzer sowie für die Kinderbetreuung bei Veranstaltungen
Kontakt
Gleichstellungsbeauftragte
Nicole Lis
nicole.lis@herder-institut.de
+49 6421 184-160
stellv. Gleichstellungsbeauftragte
Tamara Peil
tamara.peil@herder-institut.de
+49 6421 184-106
Vertretung im Vorstand
Dr. Jürgen Warmbrunn
juergen.warmbrunn@herder-institut.de
+49 6421 184-150
Geschichte
Gründung
Der Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrat gründete im April 1950 das „Johann-Gottfried-Herder-Institut“. Es sollte den Forschungsrat durch die Bereitstellung von wissenschaftlichen Materialien, durch eigene Forschung und durch die Herausgabe von Publikationen sowie Hilfsmitteln bei der Erforschung der, wie es damals hieß, „Länder und Völker im östlichen Mitteleuropa“ unterstützen. Bereits 1951 richtete das Herder-Institut eine Forschungsbibliothek ein und legte aus Beständen unterschiedlichster Herkunft ein Bildarchiv, eine Karten- und eine Dokumentesammlung an. Seit 1952 wurde zudem eine Pressesammlung mit einem eigenen Ausschnittarchiv betrieben.
Mitglieder des Forschungsrates waren eine Gruppe von Geistes- und Sozialwissenschaftlern, deren biografische Wurzeln und akademische Karrierestationen in Gebieten östlich der Oder-Neiße-Grenze lagen. Assoziiert waren die Historischen Kommissionen für ehemals deutsche Regionen und Siedlungsgebiete im östlichen Europa.
Als Sitz des Institutes wurde die Universitätsstadt Marburg ausgewählt, auch wegen der dorthin kriegsbedingt ausgelagerten Bestände der Berliner Staatsbibliothek. 1952 fand das Institut im heutigen Gisonenweg zunächst in der so genannten Hensel-Villa, dem ehemaligen Wohnhaus des 1941 verstorbenen Mathematikers Kurt Hensel, ein neues Domizil. Wenig später weitete sich das Institut auf die benachbarte Behring-Villa aus, ein frühes Arbeits- und Wohnhaus des Mediziners und ersten Nobelpreisträgers für Physiologie oder Medizin Emil von Behring. Zwischen beiden Gebäuden wurde Anfang der 1970er Jahre ein funktionaler Neubau errichtet, der dem Institut heute sein markantes Erscheinungsbild gibt. Hinzu kam ein moderner Erweiterungsbau, der die Magazinkapazitäten des Instituts wesentlich vergrößerte.
„Ostforschung“
Die Gründergeneration stand personell wie inhaltlich noch stark in der Tradition der deutschen Ostforschung der Zwischenkriegszeit und des Nationalsozialismus, die vom deutschen Volkstumsgedanken und allgemein völkischen Vorstellungen geprägt war. Ein Teil der Mitarbeiter des Instituts und des Forschungsrats hatte vor 1945 dem Wissenschafts- und Behördenapparat des Dritten Reiches angehört und war in unterschiedlichem Ausmaß in die Bearbeitung politisch-ideologischer Fragestellungen und die nationalsozialistische Volksgruppenpolitik eingebunden. Die ersten Forschungsrats-Präsidenten Hermann Aubin, Eugen Lemberg, Günther Grundmann und Kurt Dülfer sowie die Institutsdirektoren der Anfangsjahre Werner Essen, Erich Keyser und Hellmuth Weiss stehen für diese frühe Periode.
Wichtige Sammlungen des Herder-Instituts, die heute von großer Bedeutung für die Erforschung der Osteuropawissenschaften in der Weimarer Republik und der NS-Zeit sind, gelangten aufgrund dieser personellen Verbindungen und des daraus erwachsenden Sammlungsauftrags ans Herder-Institut. Zahlreiche Materialien stammten aus den Zentren der deutschen Ostforschung vor 1945, so zum Beispiel aus der Publikationsstelle Berlin-Dahlem.
Neuausrichtung
Der Generationswechsel in der deutschen Osteuropaforschung und der Wechsel des politischen Gesamtklimas in Westdeutschland seit Ende der 1960er Jahre wirkten sich auch auf die Arbeit des Herder-Instituts aus. Wissenschaftliche Beziehungen vor allem zu polnischen Fachkreisen wurden kontinuierlich ausgebaut und zahlreiche Kontakte zu ostmitteleuropäischen Partnern vertieft. Der Marburger Osteuropahistoriker Hans Lemberg brachte wichtige Impulse ein, welche die Institutsarbeit immer stärker in Richtung einer multiperspektivischen ostmitteleuropäischen Verflechtungsgeschichte orientierten. Zu Beginn des Jahres 1977 wurde das Institut in die gemeinsame Forschungsförderung des Bundes und der Länder gemäß Artikel 91b des Grundgesetzes („Blaue Liste“) aufgenommen und ist seit 1997 Mitglied der – aus der Blauen Liste hervorgegangenen – Leibniz-Gemeinschaft. Die Herauslösung aus der Trägerschaft des Forschungsrats zum Jahresbeginn 1994 brachte einen grundlegenden Wandel im Selbstverständnis und für die Entwicklung der weiteren Aktivitäten des Instituts mit sich. Seither wird neben der Forschung auch der Infrastrukturauftrag des Instituts offensiv weiterentwickelt und das Institutsprofil angesichts des digitalen Wandels deutlich erweitert. Seit 2006 ist zudem die enge Kooperation mit der Justus-Liebig-Universität Gießen und dem dortigen Gießener Zentrum Östlichen Europa (GiZo) für die Aktivitäten des Herder-Instituts von großer Bedeutung und führte 2018 zur Eröffnung einer eigenen Außenstelle in Gießen.
Direktoren
Direktoren
- Werner Essen (1901–1989), 1950 bis 1951
- Erich Keyser (1893–1968), 1951 bis 1959
- Hellmuth Weiss (1900–1992), 1959 bis 1965
- Richard Breyer (1917–1999), 1966 bis 1972
- Roderich Schmidt (1925–2011), 1972 bis 1990
- Hugo Weczerka (1930–2021), 1990 bis 1995
- Hans-Jürgen Karp (1935–2023), 1995
- Eduard Mühle (* 1957), 1995 bis 2005
- Winfried Irgang (* 1942), 2005 bis 2007
- Peter Haslinger (* 1964), seit 2007